Wächst das Eis in der Arktis auch in diesem Jahr weiter?

6. März 2010 | Von | Kategorie: Blog, Klimawandel, Schnee und Eis, Wissenschaft

Der wohl bekannteste Internetblog, der sich skeptisch mit dem Thema globale Erwärmung auseinandersetzt, ist die Seite wattsupwiththat.com des amerikanischen Meteorologen Antony Watts. Und selbstverständlich wird auch dort die Entwicklung der Eisbedeckung in der Arktis kritisch unter die Lupe genommen. In einer dort im Februar veröffentlichten Analyse von Steven Goddard kam dieser zu dem Schluss, dass die Erholung des Eises in der Arktis sich auch in diesem Jahr fortsetzen würde.  Diese Einschätzung bekam jetzt prominente Unterstützung von Seiten des amerikanischen National Snow and Ice Data Centers (NSIDC). Diese Institution, die sonst eher für Prognosen im Sinne eines katastrophalen Verschwindens der Eisdecke zuständig ist, schrieb in ihrer neuesten Analyse:

Die Arktische Oszillation (AO) hat einen großen Effekt auf die Bewegung des arktischen Meereises.  Das Windmuster, welches mit einer stark negativen  AO verknüpft ist, bewirkt dass weniger Eis die Arktis durch die Fram Straße verlässt. Dadurch wird mehr von dem älteren, dickeren Eis in der Arktis zurückgehalten. Bei dem wenigen alten Eis, dass noch vorhanden ist, kann das Zurückhalten von übrigen dabei helfen, dass die Eisausdehnung im September nicht so niedrig ausfällt, wie in den letzten Jahren.

The AO has a strong effect on Arctic sea ice motion. The pattern of winds associated with a strongly negative AO tends to reduce export of ice out of the Arctic through the Fram Strait. This helps keep more of the older, thicker ice within the Arctic. While little old ice remains, sequestering what is left may help keep the September extent from dropping as low as it did in the last few years.

Man sollte sich hier durch die negative Formulierung nicht weiter stören lassen und dabei im Hinterkopf behalten, dass es auch bisher beim NSIDC üblich war, die Entwicklung in einem möglichst negativen Licht darzustellen. Die Botschaft hingegen bleibt die gleiche. Die gleiche Großwetterlage, die in diesem Winter dafür gesorgt hat, dass große Teile Europas, Asiens und Nordamerikas rekordverdächtige Temperaturen und Schneefälle erlebten, nämlich ein negativer AO-Index, verhindert einen Abfluss des Eises aus der Arktis und sorgt so dafür, dass wieder mehr mehrjähriges Eis vorhanden ist. Und das wiederum wird voraussichtlich dazu führen, dass der Trend des Anwachsens der sommerlichen Eisausdehnung in der Arktis seit 2007, sich auch in diesem Jahr fortsetzten wird.

Nach dem kalten Winter macht auch das Eis in der Arktis den Katastrophenpropheten einen Strich durch die Rechnung

Wo bereits dieser Winter nicht gerade optimal für die Propheten eines nahenden Untergangs der Erde durch den Überhitzungstod gewesenen ist, könnte also auch die Eisentwicklung in der Arktis weiterhin wenig geeignet sein, die katastrophalen Szenarien zu unterstützen. Dabei lohnt es, sich einmal im Detail mit der aktuellen Situation in der Arktis zu befassen.

Das NSIDC sieht die aktuelle Eisausdehnung etwa eine Millionen km² unterhalb des Durchschnitts der Jahre 1979 bis 2000.

Die Eisbedeckung in der Ostsee und der Beringsee ist leicht überdurchschnittlich. Der Osten Kanadas und das Meer von Okhotsk im Osten von Sibirien zeigt eine leicht unterdurchschnittliche Eisbedeckung.

Nach den Daten des Dänischen Meteorologischen Instituts (DMI) ist die derzeitige Eisausdehnung am oberen Rand der 6jährigen Aufzeichnungszeit.

Die Daten der Norwegian Remote Sensing Experiment (NORSEX) zeigen die Eisfläche gerade innerhalb der Standardabweichung der Mittelwerte von 1979 bis 2008 (also im „normalen“ Bereich).

Einen Interessanten Vergleich kann man auch auf der Internetseite Cryosphere Today anstellen. Wenn man dort die aktuelle Darstellung der Eisfläche mit einer aus dem gleichen Zeitraum in der Vergangenheit gegenüberstellt, stellt man fest, wie „solide“ das Eis im Vergleich geworden ist. Vergleichen Sie zum Beispiel die Eisfläche von gestern (5. März 2010) mit der vom 5. März 2008, dem ersten Jahr mit wachsendem Eis in der Arktis nach dem Minimum 2007. Ein Vergleich mit den Daten vom letzten Jahr ist leider nicht möglich, weil im letzten Jahr für lange Zeit keine Daten vorlagen.

Beachtenswert ist hierbei, dass die aktuelle Darstellung auf der rechten Seite eine gleichmäßige Eisfläche zeigt, wohingegen auf der linken Seite, also in der Darstellung von vor 2 Jahren, viele helle Flächen mit geringerer Eiskonzentration zu sehen sind. Auch sind die Eisflächen an den Rändern, besonders in der Nähe von Grönland und in der Beringsee, deutlich schärfer und zeigen in diesen Bereichen eine deutlich höhere Eiskonzentration als vor zwei Jahren. Diese Darstellung lässt den Schluss zu, dass wir es hier mit soliderem und dickerem Eis zu tun haben, und nicht, wie es uns von manchen Klimaforschern und grünen Organisationen immer wieder erzählt wird, mit dünnem und fragilen Eis, dass im nächsten Sommern ganz schnell wieder wegschmilzt (“rotten” sea ice – not even in Denmark).

Nach den Daten der Japanischen Weltraumagentur JAXA war 2003 ein gutes Jahr für das Meereis in  der Arktis. Wie man an der blauen Linie in der Grafik erkennt, war damals die Eisausdehnung beim Sommerminimum die größte im gesamten Beobachtungszeitraum.

Wie ein direkter Vergleich zeigt, ist die Eiskonzentration an vielen Stellen in diesem Jahr deutlich höher, als im „eisigen“ 2003.

Wenn man also das Eis in der Arktis heute mit dem bislang eisreichsten Jahr im letzten Jahrzehnt vergleicht, dann kann man zu dem Schluss kommen, dass das Eis in diesem Jahr besonders gut für die kommende Schmelzsaison aufgestellt ist. Die Erholung der Eisbedeckung in der Arktis wird sich also aller Voraussicht nach auch in diesem Jahr fortsetzen. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass Experten ein Verschwinden der sommerlichen Eisbedeckung in der Arktis irgendwann zwischen 2008 und 2013 vorausgesagt haben.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass Experten ein Verschwinden des Meereises in der Arktis voraussagen. Ähnliche Prognosen wurden auch schon 1922 und zuletzt im Jahr 1969verbreitet, also gerade bevor die Angst vor einer neuen Eiszeit von der Wissenschaft und den Medien geschürt wurde.

Es ist also wie in der Mode. Alle Trends wiederholen sich früher oder später. Und offensichtlich setzt im Anschluss an jede Massenpanik sogleich ein kollektives Vergessen ein. Anders ist es nicht zu erklären, dass Politiker, Medien und die Bevölkerung jedes Mal aufs Neue wieder den Weltuntergang ausrufen, wenn die üblichen Experten mit immer neuen Warnungen an die Öffentlichkeit treten.

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7 Kommentare
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  1. Man beachte, erkenntlich an der dunkleren Farbe, die Zunahme der Eisdicke…

  2. Auch finde ich es sehr interessant, immer mal einen vergleichenden Blick auf die Temperaturen nördlich des 80.Breitengrads zu richten: http://ocean.dmi.dk/arctic/meant80n.uk.php
    [Ich habe mal die Grafik eingefügt. RK]

  3. … und nicht zu vergessen die statistische Erfassung des Iststandes des mehrjährigen Eises -- Arctic ROOS sei Dank: http://saf.met.no/p/ice/nh/type/type.shtml

    [Man erkennt östlich von Grönland auch sehr gut die Fram Straße, durch die das Eis 2007 in so großen Mengen von der Strömung abtransportiert wurde. RK]

  4. Diese Animation vom NSIDC zeigt sehr schön, wie das Eis durch die Fram Straße abtransportiert wird.

  5. Guten Tag.

    Inzwischen hat sich die Situation geändert. Es wird keinen neuen Negativrekord geben, aber die Eisfläche bewegt sich momentan auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie 2008, hier der link:

    http://www.iup.uni-bremen.de:8084/amsr/ice_ext_n.png

  6. Hat sich die Arktis entzwischen erholt oder geht das Schmelzen doch weiter?

  7. Eine Erholung der Eisbedeckung hat sich nicht fortgesetzt, sonst hätten wir keinen negativ Rekord im Jahre 2012.
    Wenn wir wieder in den nächsten 5 Jahren einen neuen negativ Rekord aufstellen also 2017, kann man von einem rhythmus sprechen.

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