Wärmste Globaltemperatur?

17. April 2010 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Klimawandel, Wissenschaft

In der Blog-Sphere werden gerade der zweitwärmste März und die wärmsten zwölf Monate seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen “gefeiert”, jedenfalls den Messdaten der NASA nach. Wie ist das zu bewerten?

Es gibt mindestens vier verschiedene Datensätze der Globaltemperatur, davon zwei Datensätze aus Bodenmessungen (NASA-GISTEMP und HadCrut3 des englischen Met Office) und zwei Datensätze aus Satellitenmessungen (RSS und UHA (University of Alabama in Huntsville)). Nur einer der Datensätze zeigt die wärmsten 12 Monate seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen und das ist der Datensatz der NASA um James Hansen (grün).

Die zwölf wärmsten Monate seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen liegen in den Zeitreihen von HadCrut3, RSS und UHA im Jahr 1998, dem Jahr des letzten “Super”-El Niños, also zwölf Jahre zurück..

Zunächst stellt sich die Frage: Warum ist die Globaltemperatur in allen vier Datensätzen gerade so hoch, obwohl der letzte Winter vielerorts zu kalt war?

Das erklärt sich einerseits über den aktuellen El Niño, eine Temperaturanomalie, einhergehend mit warmen Oberflächenwasser im Zentral- und Ostpazifik. Der aktuelle El Niño ist allerdings nicht so stark ausgeprägt wie der im Jahre 1998, kann also nicht alleine für das Temperaturhoch der Globaltemperatur der letzten Monate verantwortlich sein. Neben dem El Niño hatten wir aber ein zweites Wetterereignis, welches vor allem in der Arktis für warme Temperaturen gesorgt hat, nämlich eine schwache Arktische Oszillation. Der Winterindex der Arktischen Oszillation (AO) lag auf einem Rekordminimum und hat der Arktis Temperaturen beschert, die bis zu 4°C über dem langjährigen Referenzmittelwert lagen.

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Soweit so gut, aber warum liegt die Temperatur im Datensatz der NASA auf einem Zwölf-Monatshoch, in den anderen drei Datensätzen der Globaltemperatur hingegen nicht?

Das hängt mit den unterschiedlichen Auswertungsverfahren zusammen. Die Datenbasis sowohl aus Bodenmessungen als auch aus Satellitenmessungen ist nahezu identisch, aber die unterschiedlichen Auswertungsverfahren führen dann zu unterschiedlichen Ergebnissen. Welchen Verfahren man am meisten vertraut ist also Ermessenssache.

Vor allem in den Polarregionen (Arktis und Antarktis) ist die Dichte an Messdaten sehr gering. Die Satelliten messen nur von 82,5°N bis 70°S. Weite Teile der Polarregionen sind also nicht abgedeckt. Auch die Bodenmessungen weisen nur eine geringe Stationsdichte in den Polargebieten auf.

Vergleicht man die aktuellen Temperaturkarten für den Monat März 2010 von NASA, Met Office (beide aus Bodenmessungen) und RSS (aus Satellitenmessungen), dann stellt man Folgendes fest:

Temperaturanomalie März 2010: NASA (aus Bodenmessungen)

Die Temperaturanomalie El Niño im Zentral- und Ostpazifik ist noch nicht abgeklungen. Auch die Temperaturanomalie in der Arktis ist noch nicht abgeklungen. Im Datensatz der NASA sieht man neben diesen beiden wetterbedingten Temperaturanomalien eine weitere große Temperaturanomalie in der Antarktis. Woher kommt diese Temperaturanomalie in der Antarktis? Gute Frage. Sie dürfte eigentlich gar nicht in der Temperaturkarte der NASA vorhanden sein.

Warum? Die Temperaturkarte der NASA zeigt Temperaturanomalien zum Referenzmittelwert der Jahre 1951-80. Im Datenbestand der NASA findet sich aber keine Messstation in der Zentral-Antarktis, die seit 1951 in Betrieb wäre. Die ersten Messstationen in der Zentral-Antarktis wurden erst 1956/57 in Betrieb genommen.

Temperaturanomalie März 2010: Met Office (aus Bodenmessungen)

Zudem gibt es nur eine handvoll Stationen in der Zentral-Antarktis, die seit Ende der 1950er Jahre bis heute in Betrieb sind. Man bedenke: Der Kontinent Antarktika ist mit fast 13,2 Millionen km² etwa 2,7 Millionen km² größer als Europa. Die errechnete Temperaturanomalie der NASA in der Antarktis ist also mit Vorsicht zu genießen.

Wie konstruiert man einen Wärmerekord der globalen Erwärmung?

Man pickt sich den Datensatz raus, der die größte Temperaturanomalie aufweist, um damit die globale Erwärmung zu belegen. Weiter ignoriert man, dass es sich um ein wetterbedingtes Temperaturhoch handelt. U.a. ein El Niño Ereignis und ein Rekordminimum der winterlichen AO fallen hier zusammen. Man blendet dabei aus, dass einem El Niño Ereignis oft ein La Niña Ereignis folgt, das sich wiederum abkühlend auf die Globaltemperatur auswirkt. Weiter blendet man aus, dass der Theorie nach die Globaltemperatur nur logarithmisch mit dem CO2-Gehalt der Atmosphäre ansteigen kann. D.h., wenn der CO2-Gehalt der Luft logarithmisch ansteigt, dann steigt die Globaltemperatur linear und nicht sprunghaft an. Temperaturspitzen sind also vor allem wetterbedingt und kein anthropogenes Klimasignal.

Temperaturanomalie März 2010: RSS (aus Satellitenmessungen)

Ein anthropogenes Klimasignal zeichnet sich durch einen kontinuierlichen Temperaturanstieg aus. An einer Temperaturspitze kann man ihn nicht festmachen. Genau das wird aber geschehen. Schon jetzt ist absehbar, dass in den Klimablogs und der Presse das Jahr 2010 (nach NASA) als wärmstes, oder eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen, als Beleg für die globale Erwärmung, heran gezogen werden wird. Wie die Daten dabei zustande gekommen sind, wie sie ausgewählt worden sind und was sie genau aussagen, wird dabei verschwiegen. Sollte 2011 dann wieder kälter ausfallen, was sehr wahrscheinlich geschehen wird, so handelt es sich natürlich um Wetter.

Weitere Links:

Which NASA climate data to believe?
GISS: Warmest March ever in Finland

Warum am global wärmsten Januartag seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen Menschen erfrieren

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