Warum am global wärmsten Januartag seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen Menschen erfrieren

16. Januar 2010 | Von | Kategorie: Blog, Klimawandel, Schnee und Eis, Wissenschaft

Es ist Mittwoch, der 13. Januar 2010. Mein Thermometer meldet mir 12°C unter Null, und der Schnee liegt seit 2 Wochen in Mitteldeutschland wie seit langem nicht mehr.
Die Nachrichten sprechen von geschlossenen Flughäfen in England, von Kältestarre in Florida, von Kältetoten in Indien.
Die Schneebedeckung der gesamten Nordhalbkugel erreichte den zweithöchsten, je gemessenen Wert seit Beginn der Aufzeichnungen 1966.

UAH meldet höchste Januartemperatur seit 1978
Eine Meldung jedoch passt scheinbar irgendwie nicht dazu, und sollte zum Nachdenken anregen: Die UAH-Temperaturen der unteren Troposphäre zeigen die höchste, je gemessene Januartemperatur seit 1978: -16,36°C global. Das klingt nicht gerade viel, doch im Durchschnitt liegen die Temperaturen etwa 0,5° niedriger. Der bisherige Rekord lag 0,11° darunter.

uah-january-13-2010
Es ist also mal wieder Zeit, genauer hin zu schauen, wie dieser scheinbare Widerspruch zu erklären ist. Einige Alarmisten werden nun vielleicht triumphieren und den bevorstehenden Hitzetod nachdrücklich unterstreichen wollen. Aber ganz so einfach ist es nicht.
Die genannten Fakten zur Schneebedeckung lassen nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Regionen vergleichsweise mildes Wetter erleben. Und der andauernde El Niño leistet seinen Beitrag dazu.
Warme Regionen liegen zum Beispiel in Mittelamerika, am Balkan oder Teilen Alaskas, sowie weite Teile des Pazifik.
Wie passt das zusammen?

Ausgleichsströmungen geben Antwort
Der Schlüssel liegt in den Ausgleichsströmungen der Atmosphäre und der Ozeane. Sie transportieren die in den tropischen Regionen aufgenommene Wärme polwärts. Das geschieht nicht gleichmäßig, sondern in Folge innerer und äußerer Faktoren auf komplizierten, aber in den Grundzügen gut erforschten Bahnen.
Für die derzeitige Situation sind vor allem folgende Dinge entscheidend: Die Arktische Oszillation auf Basis veränderter stratosphärischer Bedingungen und die an atmosphärische Bedingungen gekoppelten Meeresströmungen. Oberflächennahe Strömungen des Meeres sind abhängig von Richtung und Stärke der vorherrschenden Winde.
Und diese wehen eben derzeit anders, als wir es aus den Jahren bis etwa 2005 kennen.
Ein Faktor kommt hinzu, welchem bisher kaum Bedeutung beigemessen wurde: Die Sonne. UV-Strahlung und Magnetfeld sind seit 2003 stark zurückgegangen und erreichten ein Jahrhundertminimum. Die Stratosphäre reagiert darauf besonders deutlich, weshalb die Temperaturverhältnisse sich dort verändern, was u.a. zu einem abgeschwächten  Polarwirbel führt (für mehr Informationen sei auf die jeweiligen Wetterblogs verwiesen).
Der Polarwirbel (Arktische Oszillation, AO) aber ist es, der die überwiegend hübsche Folge von Tiefs und Hochs in mittleren Breiten von West nach Ost steuert. Schwächelt er, bilden sich beständige Omega-Wetterlagen mit Kaltlufteinbrüchen auf der Rückseite, die weit nach Süden reichen, und auf der Vorderseite dringen milde Luftmassen weit nach Norden vor.

Stabile Hochdruckgebiete auf der Nordhalbkugel
Nun liegt es in der Natur des nördlichen Wetters, dass sich gerade die blockierenden Hochs sich über dem Festland ausbilden. Das alles führt also zu der aktuellen Verteilung des Wetters.
Die veränderte Durchmischung verändert immer auch das Strahlungsverhalten der Erde, vorrangig durch die durch Wolken bedeckten Flächen. Abnahme der Wolkenbedeckung führte bisher zu ständig steigender Akkumulation von Sonnenenergie, was sich im globalen Mittel der Temperatur bemerkbar macht.
Andererseits sieht man, dass dieser ominöse Mittelwert mit dem tatsächlichen lokalen Klima -Verzeihung, Wetter-  in keinem Zusammenhang steht (ich hatte das bereits hier mathematisch gezeigt). Die steigende Schnee- und Eisbedeckung bei steigendem globalem Temperaturmittelwert zeigt eindrucksvoll, dass das eine mit dem anderen in keinem Widerspruch steht. Auf die Verteilung kommt es an. Und dafür ist es egal, ob es ein weiten Teilen des Nordens milder ist – die Temperaturen sind allemal niedrig genug, um die Schnee- und Eisbedeckung zu vergrößern.
Das ganze hat jedoch klimatische Folgen: Zum ersten erhöht sich der Eis-Albedo der Erde, was die derzeitigen Zirkulationsverhältnisse eher noch stabilisiert und in der Folge zu einem Absinken der globalen Temperaturen führen muss.

Ozeane als Wärmespeicher
Noch geben die Ozeane viel der aufgenommenen und gespeicherten Wärme ab, doch nach jedem El Niño folgt irgendwann eine La Niña. Das Zusammentreffen beider Ereignisse (geringere Akkumulation von Wärme und die nächste La Niña)  dürfte bereits zum Jahresende ihre Wirkung zeigen.

Die aktuelle Wetterentwicklung stellt erneut unter Beweis, dass Änderungen der berechneten globalen Mitteltemperaturen in keinem Zusammenhang zur tatsächlichen Verteilung des Wetters auf der Erde stehen. Die Menschen, die gerade Bücher verbrennen, um es etwas warm zu haben, ihre Ernte im Eis verloren haben oder an anderer Stelle Dürre und Hitze ausgeliefert sind, haben nichts davon, ob es global gerade einige Zehntel wärmer oder kälter ist.

Die Veränderungen der globalen Troposphärentemperaturen  sind nur ein Rauschen  im Blätterwald der Statistik einiger Computerspieler, die wir auch noch zusätzlich zu den steigenden Kosten für Heizung und Ernährung durchfüttern dürfen…

Überall Kälte – warum?
Strahlungsbilanzen, Mathematik und Klimaforschung
UAH global record
Wetter Online Klimaforum

AMSU Daily

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2 Kommentare
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  1. Hallo Wetterfrosch,

    Da hast Du mal wieder einen hervorragenden Beitrag zur Aufklärung über das derzeitige Wettergeschehen auf unserem Planeten geleistet. Danke dafür. Auch für die Mühe und Arbeit die Du darin investiert hast.

    Wenn ich das richtig sehe, so ist die derzeitige Wettersituation zwar nicht gerade „ein alle Jahre wieder“ Ereignis für diese Jahreszeit, stellt aber anderseits auch nichts Ungewöhnliches dar.

    Interessant ist derzeitige Wirkung von ElNino, der entgegen der Hoffnung von G.Hoffman ein doch recht bescheidenes Dasein fristet. Das dürfte wohl daran liegen, dass der ablandige SO-Passat vor der Küste Perus und Nord Chile in der 2. Jahreshälfte 09 etwas schwächelte und so das warme Wasser aus dem Westpazifik sich schön langsam mit dem kälteren Wasser vor der südamerikanischen Küste mischen konnte und so der „geballte Energieschub“ ausblieb. Ich schätze mal, dass dieser ElNino bald vollständig seinen Geist aufgibt. Ob und wann LaNina folgt bleibt abzuwarten. Beobacht mal die Oberflächentemperatur im tropischen Westpazifik. Wenn dort ein Trend (der kann ruhig gering sein) zur weiteren Erwärmung erkennbar ist, dann ist dies ein untrügliches Zeichen, dass LaNina im Anmarsch ist. Das dann wärmere Wasser im Westpazifik ist nämlich ihr Hochzeitskleid. Damit bringt sie dann die ganzen Luftdruckverhältnisse, die bei ElNino eingependelt waren durcheinander. Das ist dann Ihr Hochzeitstanz und ab geht die Post. Wenn das recht bald passiert, dann kriegen wir u.U. einen Sommer, der den Namen nicht wert ist.
    Es wird jedenfalls spannend. Global-Warming wird lange Unterhosen brauchen, wenn LaNina diesmal richtig loslegt.

    meint der Moosgeist

  2. Hallo Moosgeist,

    ich hatte den Niño schon im September als Rohrkrepierer bezeichnet, auch wenn die Daten (SOI, Equatorial Pacific Temperature Depth Anomaly) eher auf ein super Event hindeuteten. Denn im Vergleich zu anderen ENSO-Events lief dieses mit angezogener Handbremse. Als ich Mitte Dezember dachte, jetzt geht es doch noch richtig los, war es vorbei.
    La Niña schon im Sommer? So eine wie 1988? Na, warten wir es ab. Die Nino-1-Region blieb deutlich kühler. Kühle Strömungen dominieren die SA-Westküste.
    Möglicherweise liegst du ja näher dran wie Herr Hoffmann mit seiner El Niño-Prognose.
    Was jedoch die Auswirkungen auf das Wetter betrifft -- ich tippe mehr auf die Henne wie das Ei (Sonne steuert über die Ozonabsorption in der Stratosphäre wesentlich die Oszillationen, einschließlich ENSO).
    Es grüßt
    Wetterfrosch

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