Was bestimmt den Klimawandel-Diskurs?

26. August 2014 | Von | Kategorie: Blog, Klimawandel

plaudereckeEva Horn schreibt in ihrem neuen Buch »Zukunft als Katastrophe«: „Diese Träume und Albträume eines entweder zahm gebändigten oder zerstörerisch entfesselten Klimas schlagen sich dann nicht nur in Romanen und Filmen nieder, sondern auch in sozialen und politischen Utopien, in Forschungsprojekten oder Architekturentwürfen.“

Werner Krauss dagegen, der von der Klimazwiebel, twitterte am 14.Aug.14: „Climate discourse is a monoculture of the mind. Intellectual wasteland. Statistical overkill. Nothing new under the sun. Let it rain ideas!“ Frei übersetzt ins Deutsche: „Der Klimadiskurs steckt in einer Monokultur des Denkens fest. Intellektuelles Ödland. Statistik im Übermaß. Nichts Neues unter der Sonne, wo sind die Ideen?“

Er meint also, der Klimadiskurs wird von Zahlen beherrscht. Statistiken bestimmen das Denken und intellektuell sei da nichts zu holen. In anderen Worten, Buchhaltermentalitäten bestimmen den Disput. Zahlen hier, Zahlen dort, eine Beschreibung dessen was geschieht findet nicht statt.

Ganz anders sieht dies Sergi Pàmies in seiner »poetische Wahrheit«: „Der Klimawandel ist ein literarisches Genre. Seine Dekadenz wird auf internationalen Foren diskutiert, und die Nachrichten, die von ihm handeln, vermitteln den Eindruck, dass er in der Katastrophe enden wird. Genauso wie die Novelle. Genauso wie die Literatur insgesamt. Genauso wie fast alle Sprachen, in denen die Novellen im Besonderen und die Literatur im Allgemeinen verfasst werden.“

Was bestimmt nun wirklich den Diskurs: Zahlen oder Imagination, Statistik und Naturwissenschaft oder die Phantasie?


Quentin Quencher im Netz:
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17 Kommentare
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  1. Hallo Quentin,

    die „poetische Wahrheit“ des Klimawandels:

    Al Gore ist für den Klimawandel das, was Harold Bloom für die Literatur ist. Er bestimmt den Kanon, er beeinflusst die Gemeinschaft der Experten und kreiert Botschaften, die sich über den Planeten mit der Macht von Seuchen ausbreiten.

    Interessant den Klimawandel als Auslöser eines phantasiegesteuerten Gebilde zu betrachten. Hat nicht der Klimawandel schon immer Religionen geschaffen?

    Der König und sein Prophet

    Grüße
    Günter

  2. Ich hatte da eine Assoziation, wie man eine Aussage unterschiedlich Deuten kann:

    http://www.huehner-info.de/infos/humor_strasse_ge.htm

    Zur Frage: Warum überquerte das Huhn die Straße ?

    Meine Lieblingsantworten:

    TIMOTHY LEARY:
    Weil das der einzige Ausflug war, den das Establishment dem Huhn zugestehen wollte.

    FREUD:
    Die Tatsache, daß Sie sich überhaupt mit der Frage beschäftigen, daß das Huhn die Straße überquerte, offenbart Ihre unterschwellige sexuelle Unsicherheit.

    BILL GATES:
    Ich habe gerade das neue Huhn Office 2000 herausgebracht, das nicht nur die Straße überqueren, sondern auch Eier legen, wichtige Dokumente verwalten und Ihren Kontostand ausgleichen wird.

    OLIVER STONE:
    Die Frage ist nicht „Warum überquerte das Huhn die Straße“, sondern „Wer überquerte die Straße zur gleichen Zeit, den wir in unserer Hast übersehen haben, während wir das Huhn beobachteten“.

    EINSTEIN:
    Ob das Huhn die Straße überquert hat oder die Straße sich unter dem Huhn bewegte, hängt von Ihrem Referenzrahmen ab.

    COLONEL SANDERS:
    Ich hab eines übersehen?

    ERNEST HEMIGWAY:
    Um zu sterben. Im Regen.

    Nichts für ungut … nun aber ernsthaft zu obigem Beitrag.

    Ich denke, nichts passt vollständig, am besten vielleicht die Bemerkung von Eva Horn. Das aber ist gerade kein Diskurs, sondern ein Nicht-Diskurs. Abgesehen von obskuren Seiten wie dieser und anderen, in denen sich Unentwegte am liebsten über eine Klimawahrheit unterhalten und streiten, findet eben nirgends ein Diskurs statt. Vielmehr wollen diesen ja gerade Politik und AGW-Aktivisten verhindern. Der Klimakonsens verbietet doch einen Diskurs, denn wer will schon eine Außenseiter-Position vertreten?

    Im direkten Gespräch mit normalen Menschen wird meist die grundlegende Skepsis gegen die Panikmeldungen mitgeteilt, aber auch hier findet keine sachliche Auseinandersetzung statt.

    Wenn Panikerzähluungen in die Kinos kommen, wie u.a. Waterworld, dann spiegelt sich hier eine Klimapanik und Endzeit-Szenario, das verstärkt auf emotionaler Ebene und assoziativ kommuniziert wird.

    Ähnlich die unregelmäßig wiederholt erscheineden Meldungen in Massenmedien wie Spiegel und Fernsehreportagen: Es geht selten bis nie um eine nüchterne Sachdiskussion, sondern die Vermittlung eines Gefühls.
    Soweit hat Eva Horn auch Recht, aber das ist kein Diskurs.

  3. Lieber Herr Landvogt,

    Wenn sie das Interview mit Schellnhuber das ich verlinkt habe anschauen stellen sie doch fest, dass wesentlich mehr mitschwingt als nur die Beobachtung, dass es wärmer wurde und dessen Auswirkungen.

    Vielmehr stellen sie fest, dass nur ein Mensch eine Geschichte erzählt und sich nebenbei inszeniert. Das ist es doch genau, es findet ein Wettstreit von Geschichten statt, die von Menschen erzählt und inszeniert werden.

    Es findet ein Diskurs von Geschichten und Lebensgefühlen statt, kein politischer Diskurs um Lösungen da haben sie Recht.

    Grüße
    Günter Heß

  4. Ja, das ist ein weites Feld, und Religionen spielen sicher ein Rolle dabei. Man denke nur an die Voraussagen Josephs, der sieben gute und sieben schlechte Jahre prophezeit hat. Wer das Wetter der Zukunft voraussagen kann hat somit eine große Macht auf die Gesellschaft. Diese Macht, so hat es den Eindruck, möchte Schellnhuber haben.

    Aber ich will mal den Zwiespalt beschreiben in dem ich mich befinde, gerade unter dem Eindruck der derzeitigen Diskussionen über den naturwissenschaftlichen Aspekt des Klimawandels, vor allem hier bei ScSk. Vorausgeschickt: ich finde das richtig klasse gemacht von Günter Heß und Michael Krüger, aber auch von vielen Kommentatoren. So wichtig wie diese Diskussion ist, auf die Gesellschaft oder die Politik wird sie keinen Einfluss haben, da spielen die Imagenationen eine größere Rolle, die sinngebenden Erzählungen. Und hier stehe ich momentan noch ein wenig unter dem Eindruck von Eva Horn, die in ihrem Buch beschreibt, dass schon immer Klima und Mensch verbunden waren, ja gar die Eigenarten und Mentalitäten der Menschen direkt mit dem Klima zusammen hängen. (Wer nicht für den Winter vorgesorgt hat, hat in unseren Breiten den nächsten Winter nicht überlebt. Doch diese Art Vorsorge wie wir sie hier betreiben, macht unter anderen klimatischen Bedingungen (Tropen) keinen Sinn, von mir, nicht Horn). Diese Unterschiede im Klima führen auch zu kulturellen und wirtschaftlichen Unterschieden, und somit ist das Klima auch eine Teil der eigenen Identität.

    Das 18. Jahrhundert, von Abbé Dubos über Montesquieu bis Herder, leitet aus diesen frühen Ansätzen eine Anthropologie und Politik des Klimas ab, die die Verschiedenheit der sozialen Institutionen (etwa Polygamie oder Sklaverei) von den Einflüssen der Wärme auf die Sinnlichkeit und den Verstand des Menschen ableitet. Die Völkerpsychologie des 19. und 20. Jahrhunderts wird daraus eine tendenziell rassistische Typologie der Regionen und Ethnien entwickeln, …

    Der enge Zusammenhang zwischen Klima und Gesellschaft bedeutet in meinen Augen natürlich auch, wenn das Klima sich verändert, verändert sich auch das Individuum. Über Umwege zwar, doch letztlich ist der Klimawandel ein Angriff auf die persönliche Identität.

    Das ist eine eine Erzählung vom Klimawandel, und die wird in den verschiedensten Ausschmückungen erzählt und hat eine lange Tradition. Die Naturwissenschaft wird dies alles widerlegen können, von Noah bis Joseph. Anthropologen andere Erklärungen für die Sklaverei finden, als das Klima. Dennoch bleiben die Erzählungen im Umlauf und sie vermitteln einen Sinn. Wenn wir über Klimawandel reden, reden wir über Menschen und die Bilder die abgerufen werden sind uralt.

  5. Es ist irgendwie eigenartig, immer wieder schlagen hier Kommentatoren ein, von denen man bisher nichts gehört hat, und die alte längst ausdiskutierte Artikel kritisieren. Manchmal mag das interessant sein, gerade wenn ein Thema wieder aktuell geworden ist, aber meist ist es aufgewärmter Kaffee.

    Obwohl meine Artikel hier davon noch nicht betroffen waren, so habe ich mich dennoch entschlossen, die Kommentarfunktion für Artikel die älter als ein Jahr sind zu schließen. Wenn es irgendwas wichtiges gibt, haben wir ja noch die diversen Plauderecken dafür.

    Ich will das nur mitgeteilt haben, falls sich jemand wundert weil in diesen alten Artikeln kein Kommentieren mehr geht. Betrifft aber nur meine Beiträge.

    »Anthropozän und Technium« betrifft dies nicht, hier lasse ich die Kommentarfunktion offen.

  6. Hallo Quentin #4,

    nehmen wir mal einen Augenblick an der Klimawandel ist eine inszenierte Erzählung und vom IPCC konstruiert.
    Dann könnte man es sich ja bequem machen und aufschreiben, dass alles eine konstruierte Erzählung ist und man könnte sich wichtigeren Themen zuwenden.

    Nehmen wir nun einen anderen Augenblick lang an, der Klimawandel wäre eine wissenschaftliche Tatsache, dann muss man sich doch immer noch politische eine Meinung bilden was daraus folgt.

    In der Realität ist aber der Klimawandel für uns Bürger eine Mischung aus Erzählung und wissenschaftlicher Tatsache.

    Damit ergeben sich eben meines Erachtens zwei Aufgaben:

    1. Herauszuarbeiten was Erzählung ist und was wissenschaftliche Tatsache

    2. Welche Politik wollen wir Staatsbürger

    In keiner Weise kann ich nachvollziehen, dass die Vermischung aus Erzählung/wissenschaftliche Tatsache in irgendeinem Sinne eine konkrete Energiepolitik wie das EEG determiniert.

    Grüße
    Günter

  7. Hallo Günter,

    richtig, wir haben eine Vermischung aus Realität und Erzählung. Das ist eigentlich so wie bei einem historischem Roman, ein paar Daten werden benutzt und eine Story dazu erfunden die theoretisch so abgelaufen sein könnte. Für diejenigen die sich in Geschichte nicht so auskennen, bleibt dann der Eindruck, der Roman würde eine vergangene Wirklichkeit beschreiben. Die Erzählung über den Klimawandel ist nicht anders, nur eben in die Zukunft gerichtet und damit noch viel weiter ausschmückbar, weil ja keine Daten aus der Zukunft vorliegen.

    Herauszuarbeiten was Erzählung ist und was wissenschaftliche Tatsache

    Genau das scheint mir die derzeitig wichtigste Aufgabe zu sein. Der Ansatz wissenschaftliche Tatsachen widerlegen zu wollen um damit die Erzählung über den Klimawandel als Fiktion zu entlarven, ist meines Erachtens der falsche Weg. Selbst wenn hier und dort einzelne Daten sich als falsch erweisen, bleibt die Erzählung davon unberührt.

    Darzustellen was Tatsache und was Fiktion ist, ist allerdings nur ein Anfang, weil die Fiktion trotzdem in den Köpfen weiter geistert als mögliche Zukunft. Und wenn diese mögliche Zukunft noch auf alte Erklärungsmuster kultureller Art zurückgreifen kann, wie der Angst vor Unwettern, oder dem Ende von Vorräten (keine Proviant mehr im Rettungsboot) in allen weiteren möglichen Erzählungsformen, dann wird es besonders schwierig. Ich zitiere noch mal Eva Horn:

    Gedankenexperimente müssen nicht ralistisch sein. Aber die Firkion von der Erde ohne Menschen ist symptomatisch für eine höchst aktuelle apokalyptische Phantasie, die vom Mainstreamkino bis zum naturwissenschaftlichen Sachbuch, vom philosophischen Essay bis zum Roman reicht. Zweifellos hat sie mit dem Zerbrechen einer modernen Zeitordnung zu tun, die Aleida Assmann jüngst rekonstruiert hat: das Zerbrechen einer Zeitordnung, in der Zukunft noch ein »auratischer Schlüsselbegriff« war, ein Raum der Hoffnung, Planung und Gestaltung, ein Ort für Utopien. Aktuelle Entwürfe des Zukünftigen sind von dieser hoffnungsfrohen Zukunft denkbar weit entfernt. Ihr Modus ist das Futur II ihr Gegenstand »Zukunft als Katastrophe«.

    Auratisch steht für Aura, hier aber eher als »Stimmung erzeugend« gemeint. Das Wort Zukunft assoziiert derzeit Bedrohung, bei den meisten »satten« Menschen jedenfalls. Hier setzt die Erzählung vom Klimawandel an, gäbe es den nicht, würde etwas anderes an seine Stelle treten.

    Selbst wir, die Skeptiker, arbeiten in diesem Modus. Wir malen uns eine Zukunft aus, in der die Ökos das Sagen haben, die Demokratie und der Wohlstand durch die Ökos den Bach runter gegangen ist und dergleichen mehr. Wir sind also sowohl Skeptiker als auch Alarmisten. Die Alarmisten in der Klimadebatte genauso, eben nur Spiegelverkehrt.

    Aber ich schweife ab.

    In keiner Weise kann ich nachvollziehen, dass die Vermischung aus Erzählung/wissenschaftliche Tatsache in irgendeinem Sinne eine konkrete Energiepolitik wie das EEG determiniert.

    Ich auch nicht. Immer wenn es konkret wird, wenn es auf nachprüfbare aktuelle Zahlen ankommt, zerplatzt die Erzählung wie eine Seifenblase. Das ist aber Gegenwart, sobald der Blick in die Zukunft schweift ist die Erzählung wieder da. Damit sind wir bei der Politik, die arbeitet hauptsächlich mit Zukunftsbildern wenn sie um Menschen wirbt. Und auch dabei dominieren die Warnungen. Dies wollen wir nicht, und jenes führt zur Katastrophe, aber ein positives Bild, mit Räumen der Hoffnung, Planung und Gestaltung, Orten für Utopien, findet man sehr selten.

    Kurz und gut: Ich habe keine Antwort auf die Frage was am wichtigsten momentan ist. Wahrscheinlich erst einmal versuchen aufzuklären was Erzählung und was wissenschaftliche Tatsache ist. Ob es allerdings bei der breiten Masse ankommt, da habe ich so meine Zweifel.

  8. Hallo Quentin,

    hier ist ein schöner Artikel von Judith Curry wie die Erzählungen und Geschichten der NGOs und Lobbygruppen die Wissenschaft dominieren:

    Take Katherine Flegal, a statistician at the US Centres for Disease Control. Last year, she and her colleagues published a systematic review of 97 studies in The Journal of the American Medical Association and concluded that mild obesity produced no extra mortality risk and being merely overweight resulted in a small reduction in mortality risk.
    Despite being supported with a ream of data, the study was savaged by the public health lobby. Walter Willett, one of the world’s most prominent anti-obesity campaigners, said: “This study is really a pile of rubbish and no one should waste their time reading it.”
    A spokesman for the National Obesity Forum said, “It’s a horrific message to put out at this particular time”, and absurdly suggested that Flegal’s “message” was that we can “eat ourselves to death with black forest gateaux”. Willett later organised a symposium in which speaker after speaker denounced ­Flegal and her work.

    Hier wird gezeigt wie diese Lobbygruppen ohne Daten, einfach durch Besetzen der Meinung neue Daten und die Ergebnisse der Wissenschaft unterdrücken und den vermeintlichen „Konsensus“ in ihre Richtung beeinflussen
    Di Parallelen zur Klimawandeldiskussion sind offensichtlich, wenn man nur an das Label „Leugner“ denkt.
    Grüße
    Günter

  9. Hallo Günter. Auf Judith Curry hatte ich (auf Facebook) auch schon hingewiesen:

    Judith Curry: It has never made sense to me for climate change to be the primary driver for energy policy. Even if we believe the climate models, nothing that we do in terms of emissions reductions will have much of an impact on climate until the late 21st century. Energy poverty is a huge issue in much of the world, and there is no obvious way to reconcile reducing CO2 emissions with eradicating energy poverty. Again, this conundrum is evidence of the wickedness of the climate change problem.

    Hier das ganze Interview bei Energy Daily: The Kardashians and Climate Change: Interview with Judith Curry by James Stafford of Oilprice.com, Washington DC (SPX) Aug 28, 2014

    Du sagst, „dass mit der Besetzung der Meinung,“ ich würde sagen: Schaffung eines Meinungsklimas, doch eigentlich geht es noch darüber hinaus, weil die Erzählungen uns unseren Platz in der Welt erklären wollen. Das hat dann mit Identität und Selbstverständnis zu tun.

    Du hast die Situation der Wissenschaft im Blick, ich die der gesamten Gesellschaft, weil ich natürlich auch keinen Bezug zur Naturwissenschaft habe. Beides ist wichtig, so glaube ich, der spezielle und der generelle Blick.

  10. Hallo Quentin,
    die gesamte Wissenschaft habe ich nicht im Blick.
    Ich glaube da gibt es eben schon Unterschiede zwischen einigen Naturwissenschaften und anderen Wissenschaften.
    Während in einigen Wissenschaftsbereichen verschiedene Schulen mit verschiedenen Erklärungen konkurrieren, gibt es in einigen naturwissenschaftlichen Disziplinen eben Beobachtungsobjekte die sehr nahe an Objektivität herankommen, wenn man die naturwissenschaftliche Methode konsequent benutzt. Ich denke das ist wichtig für unsere Gesellschaft so einen Bereich zu haben. Er ist nicht groß, aber immerhin.

    Ich beobachte eigentlich seid längeren, dass die Medien, Sozialwissenschaftler, Politwissenschaftler, Ökonomen das versuchen zu relativieren indem sie sagen alles wäre nur eine Erzählung. Was Käse ist, weil das die Naturwissenschaften auf eine Beliebigkeit reduziert. Dass aber Naturwissenschaft nicht beliebig ist wurde schon erfolgreich gezeigt.

    Interessanterweise wollen sie das beim Klimawandel und seinen Ursachen nicht hören.
    Der Klimawandel und dass CO2 hauptsächlich die Erwärmung in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts verursacht hat ist dann plötzlich eine unumstößliche naturwissenschaftliche Tatsache, obwohl es viele Naturwissenschaftler gibt die das nicht so sehen.

    Die Politologen, Geisteswissenschaftler und Sozialwissenschaftler die dann darüber arbeiten nehmen die Ursache CO2 quasi als Axiom und unumstößliche Wahrheit auf der sie aufsetzen. Das macht man in der Naturwissenschaft auch, wenn es genügend Beobachtungen gibt die das Axiom belegen.

    Beim Klimawandel und der Hauptursache CO2 st das Neue, dass dieses Axiom noch keine eindeutigen Belege hat wie ich in meinem Artikel: „Die Spur der Wolken“ über die Wolkenbedeckung gezeigt habe.

    Grüße
    Günter

  11. Lieber Herr Heß @3

    Danke für ihre Antwort.

    Wenn sie das Interview mit Schellnhuber das ich verlinkt habe anschauen stellen sie doch fest, dass wesentlich mehr mitschwingt als nur die Beobachtung, dass es wärmer wurde und dessen Auswirkungen.

    Meinten sie, dass ich das meinte? Natürlich gibt es eine Wissenschaftliche Diskussion über viele Details, aber diese ist randständig und findet abseits des Mainstreams statt.

    Schellnhuber berichtet von einer Gewissheit, als ob man wie bei einem Meteor wüsste, wann er gemäß exakt bestimmbarer Flugbahn einschlagen wird und was das für Folgen hat. Beim Klima ist dem nicht so.

    Vielmehr stellen sie fest, dass nur ein Mensch eine Geschichte erzählt und sich nebenbei inszeniert. Das ist es doch genau, es findet ein Wettstreit von Geschichten statt, die von Menschen erzählt und inszeniert werden.

    Genau. Und darum habe ich auch Quentin Quencher zugestimmt, auch wenn er es als offene Frage formulierte.

    Es findet ein Diskurs von Geschichten und Lebensgefühlen statt, kein politischer Diskurs um Lösungen da haben sie Recht.

    Aber was bedeutet das? Ich sehe hier zwei sachliche Bereiche, die gekoppelt sind:

    1. Können wir mit hinreichender Sicherheit einen Klimaverlauf prognostizieren, wenn keine Maßnahmen getroffen werden? Sind die Klimafolgen hinreichend sicher zu beschreiben und wie sehen dieses aus?

    2. Was kann gegen die vermutet negativen Entwicklungen effektiv getan werden?

    Ich denke, dass beide Teildiskurse in der Öffentlichkeit negativ beurteilt werden müssen, denn es geht nicht um rationale Sachentscheidungen und eine entsprechend argumentative Positionen, sonder verstärkt um emotionale Positionen die auch nicht zu sachgerechten Entscheidungen führen können.

  12. Günter,

    ich hatte mich falsch ausgedrückt, und natürlich die Naturwissenschaft gemeint, die Du im Blick hast.

    Ökonomen, Philosophen, Sozialwissenschaftler streiten sich immer um die schlüssigsten Erklärungen, je nach Schule, wie Du sagst. Sie beschreiben was ist, aus jeweils unterschiedlichen Blickwinkeln. Die Erzählung vom Klimawandel haben die nicht in Welt gesetzt, das waren andere, die mit einer politischen Agenda. Dazu gehören natürlich auch Wissenschaftler, genauso wie Aktivisten aller Couleur, die Medien nicht zu vergessen.

    Das Ding ist aber so komplex, es werden sich für jede Sichtweise schlüssige Interpretationen finden. Was wiederum mich zu der Annahme bringt, dass es im Grunde die Erwartung der Apokalypse war, was die Erzählung vom Klimawandel so populär machte. Es gibt keine weißen Flecken mehr auf der Landkarte, wir müssen mit dem vorlieb nehmen was wir haben. Wachstum, so scheint es, geht auf einmal nur noch zu Lasten Anderer oder der Erde. Wirtschaftswachstum, Bevölkerungswachstum, und so weiter, stellt ein Problem dar, der Begriff Nachhaltigkeit bekam einen neuen Sinn. Damit beginnt die Metaerzählung Anthropozän, der Klimawandel ist nur ein Teil davon.

    Freilich haben Naturwissenschaftler auch den Fehler gemacht, indem sie nicht entschieden genug dagegen protestierten als das Axiom vom CO₂ konstruiert wurde. Vielleicht aus Opportunismusgründen, vielleicht weil sie im Grunde der Metaerzählung glaubten, letztlich wird das nur auf individueller Ebene geklärt werden können.

    Ich denke wir können diesen Augiasstall nur mit einer neuen, einer anderen Metaerzählung ausmisten. Außer dem Technium sehe ich da momentan nichts was geeignet erscheint.

  13. Hallo Quentin Quencher

    Wachstum, so scheint es, geht auf einmal nur noch zu Lasten Anderer oder der Erde. Wirtschaftswachstum, Bevölkerungswachstum, und so weiter, stellt ein Problem dar, der Begriff Nachhaltigkeit bekam einen neuen Sinn. Damit beginnt die Metaerzählung Anthropozän, der Klimawandel ist nur ein Teil davon.

    Ich denke, das trifft es gut.

    Freilich haben Naturwissenschaftler auch den Fehler gemacht, indem sie nicht entschieden genug dagegen protestierten als das Axiom vom CO₂ konstruiert wurde. Vielleicht aus Opportunismusgründen, vielleicht weil sie im Grunde der Metaerzählung glaubten, letztlich wird das nur auf individueller Ebene geklärt werden können.

    Auch hier: So sehe ich es hier auch. In dem Interview mit Schellnhuber hat dieser keinen Zweifel. Und auch Rahmstorf scheint eher ein Überzeugungstäter zu sein. Nur wundert es mich, wie ein wissenschaftlich gebildeter Mensch sich so sehr in eine ungesicherte Hypothese verrennen kann und jede wissenschaftliche Skepsis verwirft.

    Ich denke wir können diesen Augiasstall nur mit einer neuen, einer anderen Metaerzählung ausmisten. Außer dem Technium sehe ich da momentan nichts was geeignet erscheint.

    Wenn einem der Wind ins Gesicht bläst, sollte man besser standhaft bleiben und dem Ziel der Rationalität folgen.

    Das Technium ist seit dem Aufkommen der Dystopien seit ‚Schöne neue Welt‘ und ‚1984‘ ins Zwielicht geraten. Ein wegweisender Gegeneffekt liegt in Serien wie ‚Star Tack‘, die Technologie und deren gedachte Entwicklung feiern. Mir persönlich waren derartige Serien vom Sujet her zu dünn (Aber ich liebe ‚Babylon 5‘) aber unbestreitbar war Star Treck massenwirksam. Nur stellen diese Erzählungen lediglich einen kleinen Kontrapunkt im dystopischen Megatrend.

  14. @ Martin Landvoigt

    Das Technium ist seit dem Aufkommen der Dystopien seit ‘Schöne neue Welt’ und ’1984′ ins Zwielicht geraten.

    Nein, diese und andere Filme, Romane etc. entstammen der Erzählung Anthropozän, aber nicht in Form einer Bedrohung durch Technik, sondern in einer Bedrohung durch die Auflösung der Kultur und des »Sozialen«. Das geht in die Richtung »Transhumanismus«, zumindest bei Huxley.

  15. Hallo Quentin Quencher

    Gemeint war auch nicht die Erzählung des Technium, die versagt hätte, sondern das das Technium duch die Erzählung des Anthropozän ins Zwielicht genannt wurde. Danke für die Korrektur dieses möglichen Missverständnisses.
    Interessante These: … aber nicht in Form einer Bedrohung durch Technik, sondern in einer Bedrohung durch die Auflösung der Kultur und des »Sozialen«.

    Sicher ist das auch das Besondere und das eigentlich Angstmachende in den genannten. Im Gegensatz zu ‚Terminator‘, in der sich die Technik gleich dem Besen beim Zauberlehrling verselbstständigte und zur dirkten Bedrohung wurde, bleibt die Technik bei Huxley und Orwell instrumentell. Sie wird zur Waffe in der Hand des Bösen.

    Indirekt wird sie aber bedrohlich. denn das Böse lässt sich nicht grundsätzlich ausschließen. Wenn es aber durch die Technik übermächtig wird, hat der Mensch verloren. Darum ist der stillschweigende Appell aud den genannten und prägenden Romanen -- zumindest in einer Deutungsvariante -- das: Wehret den Anfängen! Lasst keinen Überwachungsstat zu, verhindert dies durch Blockade der Technik.

    Oder interlektueller ausgedrückt: Das Anthropozän betont die Gefahren des Technium, denn jede Technik birgt die Gefahr des Missbrauchs.
    Das erinnert fatal an die Argumentation gegen das Fracking, es wird fast wörtlich in dem politischen Diskurs eingebracht. Es ist das Arument in Reinkultur.

    Noch ein Exkurs in die SciFi Literatur: Frank Herbert hat diesen Trend des Antropozäns verarbeitet und in einer besonderen Form mit der Erzählung des Technium vereinen wollen: In der virtuellen Vorgeschichte zu seinem Dune-Zyklus gab es ‚Butlers Djihad‘, eine Revolution der Maschinenstürmerei, in der alle denkenden Mascheinen verboten wurden. Dennoch gab es Raumfahrt. Aber Offensiv- und Defensiv-Waffen neutralisierten sich so weit, dass der Mensch der entscheidende Faktor in Krigen wurde. Aber dennoch schwebte etwas düsteres über dem. Denn es war nicht wirklich ein Sieg der Humanität, sondern Menschen wurden instrumentalisiert, wie Maschinen …

    Für mich ist das Antropozän tatsächlich eine Erzählung, die in der Konsequenz die Variante der Maschinenstürmerei beinhaltet. Es ist der Versuch, das Böse mittels Anti-Technik einzudämmen.
    Ich denke, dass dies das falsche Rezept ist. Die Rückbesinnung auf menschliche Werte und Moral, kann nicht durch Ersatzhandlungen sinnvoll gelöst werden. Denn ohne moderne Technik sind die Herausforderung einer sich verändernden Welt schon garnicht lösbar.

  16. Herr Landvoigt,

    interessante Aspekte. Ich möchte einen Punkt aufgreifen:

    Das Anthropozän betont die Gefahren des Technium, denn jede Technik birgt die Gefahr des Missbrauchs.

    Das sehe ich auch so, ist aber meines Erachtens nicht der Hauptgrund. Der Missbrauch setzt eine Absicht voraus. Mit einer Axt kann ich Brennholz spalten, oder den Kopf meiner untreuen Ehefrau. Dort wo eine Absicht erkannt ist kann gegengesteuert werden mittels Prävention.

    Die Technikangst des Anthropzän setzt eher dort an, dass in der Technik Gefahren laueren die wir nicht erkannt haben. Dass ungewollte Veränderungen geschehen, die irreversibel sind. Dass wir die Umwelt verändern ohne uns über die Folgen im klaren zu sein. Dass sich Technik verselbständigt und die Herrschaft über die Menschen erlangt ist ein beliebtes Erzählmuster, aber ich halte dies nicht für sehr wirkmächtig in Hinblick dass es Ängste auslöst. Hier wird zwar immer gern Freud mit seinem Aufsatz über das Unheimliche genannt, dass sich die Dinge an uns rächen, sie sozusagen ein Eigenleben bekommen. Sicher sind solche Ängste vorhanden, aber die sind wahrscheinlich nicht viel mehr, als eine Ermahnung zur Vorsicht.

    Aber mir fällt gerade Gaia dazu ein, wenn die zurückschlägt und die Menschen bestraft, ist das dann nicht das gleiche Muster?

    Jetzt bin ich aber erst mal müde und muss ins Bett.

  17. Hallo Herr Quencher

    Ich denke sie haben recht. Manchmal vermengen sich unterschiedliche Momente zu einem Brei, und man tut sich schwer, die unterschiedlichen Momente zu erkennen. Ich versuche es hier trotzdem.

    1. Sich verselbstständigende Technik: Muster Zauberlehrling. Aktuelles Beispiel: Terminator
    2. Technikrisiken. Unfälle sind nicht beherrschbar. Katastrophen und schädliche Nebenwirkungen
    3. Missbrauch -- Instrument des Bösen: Durch Technik werden böse und menschenfeindliche Kräfte erst mächtig
    4. Konservative naturreligiöse Grundstimmung bis zu einer Gaia-Spirtualität
    5. Mea Culpa: Aus dem moralischen Impuls, den Schuldigen für das Elend der Welt nicht immer beim Anderen zu suchen, muss man selbst ja die Verantwortung übernehmen. Die Suche nach der eigenen Sünde.

    Vielleicht ist diese Liste unvollständig, aber in den Argumentationen und prägenden Stimmungslagen vermischen sie sich.

    Offensichtlich gibt es in einigen Fällen rationale Ansätze, die aber letztlich ins Irrationale abgleiten. Das Beispiel sind die Technikrisiken. Natürlich gibt es diese. Natürlich sollten diese auch Untersucht werden, und ggf. durch hinreichend Gegenmaßnahmen auf ein akzeptables Maß reduziert werden. Die Irrationalität setzt aber da an, wo man sich nicht mehr nüchtern mit Argumenten beschäftigt, sondern willkürliche, emotionale Urteile trifft. Egal ob Kernenergie oder Fracking:

    Die Beurteilung der Risiken hat oft nichts mehr mit einer nüchternen Abwägung zu tun, sondern nackte Emotionen suchen sich ausschließlich ‚Argumente‘, als Instrumente, sich selbst zu rechtfertigen. Mögliche Gefahren werden ins Monströse aufgeblasen. ‚Naturzerstörung‘ wirkt wie eine Trumpfkarte.
    Entlarvt wird diese Pseudo-Argumentation, wenn man sich die Konzepte der sogenannten Ökos ansieht: Hier haben diese keine Probleme, mit riesigen Vogelschreddern die Landschaft, auch in Naturschutzgebieten, zu verbrauchen. Oder Quecksilber in Energiesparlampen, Cadmium in Solaranlagen, die mit viel ’schmutzigen‘ Kohlestrom erzeugt wurden. Der Nutzen? Rein emotional, sachlich eher negativ!

    Kurz: Argumente entsprechen einer emotionalen Beliebigkeit und sind nur noch Alibi für jene. Argumente steuern nicht Diskussion. Im Zweifel wird jedes Gegenargument blind mit dem Verdacht auf Lobbyismus zurückgewiesen.

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