Wenn Ärzten das Haus verbrennt hilft kein Klimaschutz

4. August 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Innovationspolitik, Karbonsteuer, Klimawandel, Medien, Politik, Wirtschaftsförderung, Wissenschaft

Für die Alarmisten ist die Sache klar. Der Mensch verändere durch seine Emissionen, insbesondere durch Kohlendioxid, das Klima der Erde in einer Weise, die ihn gefährdet. Insbesondere würden die bodennahen Luftschichten immer wärmer, was eine Vielzahl von Risiken – vom Meeresspiegelanstieg bis zur Dürre – erhöhe. Für die Alarmisten ist ebenso klar, worin die notwendige Folge besteht: Die Emissionen seien zu vermindern um diese Risiken zu vermeiden.

Seit vielen Jahren kreist die Klimadebatte um den ersten Punkt des Arguments. Es wird erbittert gestritten, ob denn unsere Emissionen tatsächlich eine bedrohliche Erwärmung auslösen können. Wahlweise halten Skeptiker wie Roy Spencer oder Richard Lindzen eine niedrigere Klimasensitivität für wahrscheinlich. Den Effekt des Kohlendioxids würden dann andere Prozesse kontern (und nicht verstärken, wie es die Alarmisten glauben) und der Temperaturanstieg verbliebe in einer Höhe, die keinen Anlaß zur Besorgnis gäbe. Andere, wie Henrik Svensmark oder Nir Shaviv sind von der Existenz natürlicher Prozesse überzeugt, die vom Menschen nicht beeinflusst werden können und die das Klima auf einer ähnlichen Zeitskala in einer ähnlichen Größenordnung ändern, wie das anthropogene Kohlendioxid. Alle diese Einsprüche sind valide und ihre wissenschaftliche Basis hat sich im Laufe der Jahre eher verbreitert denn verdünnt.

Aber viele Debatten gerade in der jüngsten Vergangenheit haben mir gezeigt, daß der zweite Aspekt des alarmistischen Konzeptes der wichtigere ist. Denn selbst, wenn die Alarmisten mit ihrer Beschreibung des irdischen Klimasystems richtig liegen sollten, wäre es trotzdem falsch, darauf mit Emissionsminderungen zu antworten. Menschen reagieren nicht mit Vermeidungsstrategien auf ein Risiko, das sich einzugehen lohnt.

In Australien wird derzeit heftig über den Plan der Regierung gestritten, eine Karbonsteuer mit dem Ziel der Verteuerung und damit Senkung der Kohlendioxid-Emissionen zu implementieren. Eine Auseinandersetzung, wie man sie sich in dieser Tiefe und Schärfe auch für Deutschland wünschen würde – aber was die Kultur und die Wertschätzung des Diskurses betrifft, scheinen uns die alten angelsächsischen Demokratien immer noch ein paar Schritte voraus zu sein.

Am 19.  Juli 2011 wurde jedenfalls die australische Debattenkultur um einen weiteren Höhepunkt bereichert: einen öffentlichen, durch das Fernsehen in voller Länge übertragenen Disput zwischen Christopher Monckton und Richard Denniss. Man sollte sich die bei Youtube einsehbare Aufzeichnung nicht entgehen lassen. Sie ist ein Paradebeispiel dafür, auf welch tönernen Füßen die alarmistische Argumentation steht. Und sie zeigt, wie man intensiv aneinander vorbeiredet. Monckton thematisiert die wissenschaftlichen Ungenauigkeiten und Denniss, ein linker, das heißt dem staatlichen Dirigismus zugeneigter aber nichtsdestotrotz renommierter Ökonom, verteidigt die innere Logik des alarmistischen Konzeptes.

httpv://www.youtube.com/watch?v=ma6cnPLcrtA

Vergeblich, denn wo keine Logik ist, kann man auch keine herbeireden. Wenn es zu den politischen Aspekten kommt, haben die Alarmisten nur zwei Metaphern zur Verfügung, um die Öffentlichkeit von der Sinnhaftigkeit ihrer Ideen zu überzeugen. Und beide werden von Denniss in aller Breite dargestellt und ständig wiederholt: Die „Ärzte“ und die „Versicherung“.

Der „Ärzte“-Trugschluß soll eigentlich nur das „Konsens-Argument“ verdeutlichen. Da Konsens kein Kriterium wissenschaftlicher Güte ist und die Wahrheitsfindung in der Forschung keinen demokratischen Abstimmungsprozeß darstellt, hat man sich etwas scheinbar Klügeres einfallen lassen. Und das geht ungefähr so (mit zahlreichen abgeleiteten Varianten): Wenn man zu sechs Ärzten geht und fünf davon die Diagnose Krebs stellen und zu einer sofortigen Therapie raten, wie würde man sich wohl verhalten?

Man würde sich wohl operieren lassen. Ich würde jedenfalls so handeln. Nur leider ist das nicht die Situation, vor der politische Entscheidungsträger stehen. Im „Ärzte-Bild“ wäre eine korrekte Beschreibung der Klimafrage wie folgt: Sie gehen zu sechs Ärzten und fünf davon teilen Ihnen mit, man müsse Ihnen sofort den Arm amputieren, andernfalls könnten Sie ihn sich in 50 Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von 75% brechen. Wie würden Sie sich wohl verhalten?

Niemand würde dem Rat der Mehrheit der Mediziner in diesem Falle folgen. Und daher sollte man auch Emissionsminderungen nicht zustimmen. Denn diese bedeuten einen sofortigen, unmittelbaren Nachteil ökonomischer Natur zur Vermeidung eines Risikos, das möglicherweise irgendwann in der späteren Zukunft auftritt und von dem nicht klar ist, ob man es dann nicht ohnehin beherrschen kann.

Eine noch größere geistige Verwirrung liegt der „Versicherungs-Metapher“ zugrunde: Wenn Sie ein Haus bauen, versichern Sie es doch auch gegen Feuer.

Das ist richtig. So verhalten sich Menschen gegenüber Risiken: Sie versichern sich. Gegen die Folgen des Eintretens des Risikos wohlgemerkt. Denn eine Feuerversicherung schützt ein Haus ja nicht vor Feuer, die Haftpflicht nicht vor einem Unfall und eine Lebensversicherung nicht vor dem Tod. Tatsächlich ergibt eine Versicherung nur dann Sinn, wenn der Schaden wirklich eintritt. Man erhält eine Entschädigung und kann sich ein neues Haus bauen. Das alte ist nichtsdestotrotz verbrannt und damit verloren.

Die gegenwärtige Klimapolitik ist daher das totale Gegenteil einer Versicherung. Im oben verwendeten Bild kann man sie auf diese Weise charakterisieren: Wenn Sie ein Haus bauen, verbieten Sie ja auch die Verwendung von Feuerzeugen und Streichhölzern innerhalb Ihres Grundstückes, damit es nicht zu einem Brand kommt.

Wer würde dem wohl zustimmen?

Die Vermeidungsstrategie der Alarmisten ist ein Irrtum selbst dann, wenn sich die These von der menschgemachten und gefährlichen globalen Erwärmung als korrekt herausstellen sollte.

Denn wenn man sich den einen Arm amputiert, kann man sich immer noch den anderen brechen. Und wenn man alle Feuerzeuge und Streichhölzer verbietet, kann immer noch der Blitz einschlagen. Witterungsbedingte Risiken wie Stürme, Dürren und Fluten sind ein ständiger Begleiter der Menschheit. Es gab sie zu kühleren Zeiten, es gab sie zu wärmeren, es gibt sie heute und es wird sie auch in Zukunft geben. Ganz gleich, in welchem Umfang  Emissionen reduziert werden – solche Katastrophen sind eine reale Gefahr und kein potentielles Risiko. Man kann diese Gefahren nicht aus der Welt schaffen, aber man kann sie marginalisieren.

Die sinnvolle und logische politische Schlußfolgerung auf die alarmistischen Warnungen ist, eine Welt zu ermöglichen, in der Stürme, Dürren und Fluten keinen Schaden mehr anrichten können. Zumindest keinen, der nicht einfach zu beheben wäre. Das bedeutet, in Anpassung und damit insbesondere in neue Technologien zu investieren. Geld auszugeben, das man am besten durch die rasche und vollständige Nutzung kohlenstoffhaltiger Ressourcen erwirtschaftet. Das genaue Gegenteil von dem, was unsere Regierung derzeit treibt.

Das wäre dann eine Versicherung. Ich würde sie abschließen. Schließlich werden auch Ärzte krank.

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14 Kommentare
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  1. Ärzte…..als ob Herr Heller geahnt hätte, wat BILD heut gemeldet hat………..

    BILD enttarnte den Jäger der Schummel-Doktoren

    Heidingsfelder ist Diplomkaufmann und Programmierer. Studium an der Uni Erlangen-Nürnberg. Er ist Chef des Marktforschungsunternehmens „Succedeo Research Network“ in Erlangen.

    UND: Heidingsfelder ist aktives SPD-Mitglied! Erklärt das, warum „VroniPlag“ bisher vor allem Unions- und FDP-Politiker ins Visier genommen hat?

    Im Bundestagswahlkampf 2005 gründete Heidingsfelder mit anderen die Plattform „angela-nein-danke.​de“. Ziel: „Wir wollen die Wahl kippen! Schwarz-Gelb verhindern, nicht mehr und nicht weniger.“………

    Wat sacht uns dat?
    Dat man vorher prüfen sollte, ob der Arzt auch wirklich einer ist…………oder ob er der richtigen politischen Linie entspricht………oder er mit dem Stinkefinger auf andere andere Ärzte zeigt, weil er sie los werden will.

    Ich liebe nur Ärzte die Musik machen, ansonsten halte ich mich vor denen so fern als möglich.

    Wie sacht ein altes Sprichwort?
    Es gibt mehr alte Säufer als alter Ärzte……..in diesen Sinne…………juten Morjen allerseits

    Onkel Heinz……….vetraut da lieber auf die Selbstheilungskräfte der Natur

  2. Zum Artikel
    Ich habe den TV-Auftritt von Monckton versus Dennis genossen !!! (ein Glück, daß ich halbwegs genügend Englisch verstehe).

    Sehr schön herausgearbeitet, der Ärzte- und Versicherungs-Unsinn. Das Beispiel mit dem Arm, den man jetzt amputieren müsse, weil man ihn sich sonst in 50 Jahren brechen könnte finde ich sehr treffend -- das hätte Monckton auch bringen können als Gegenargument.

    … aber was die Kultur und die Wertschätzung des Diskurses betrifft, scheinen uns die alten angelsächsischen Demokratien immer noch ein paar Schritte voraus zu sein.

    So scheint es mir auch. Leider. Dieses erbärmliche, unterirdische Talk-Runden-Gequassel in den deutschen TV-Medien ist dagegen absolut schauerlich. Dieses ausführliche Raum-geben und zu-Wort-kommen-lassen konträrer Positionen. Unmöglich hierzulande.

    Wenn ich jung und leistungsfähig wäre und meine Zukunft vor mir hätte -- mit meinem jetzigen Wissensstand: Ich würde schauen, dieses den Geist einschnürende, neurotische Land fluchtartig zu verlassen. Richtung angelsächsische Kultur …

  3. Menschen reagieren nicht mit Vermeidungsstrategien auf ein Risiko

    Für mich der wichtigste Satz im Artikel. Das stimmt so für den Einzelnen, wie auch für die Menschheit insgesamt, insbesondere bei Nutzung von Bodenschätzen oder zur Verfügung stehender Technologien. Freiwilligen Verzicht gibt es nur in Zusammenhang mit religiösen Überzeugungen.

    Deshalb sind die Vermeidungsstrategien alle zum Scheitern verursacht, da sie der Natur des Menschen widersprechen. Kurzzeitige Trends, im historischem Maßstab, die in die andere Richtung gehen, können an dieser Grundaussage nichts ändern. Derjenige der seine Chancen besser nutzt und das Risiko besser einschätzt, wird einen Vorteil gegenüber seinen Konkurrenten haben. Das galt schon bei den Jägern und Sammlern und das gilt auch heute in der Wallstreet. Will man dieses Verhalten ändern, muss man den Menschen ändern. Das wurde verschiedentlich versucht, mit bekannten Ergebnissen.

  4. Danke… ein sehr guter Beitrag… abgelegt in den Favoriten und als Argumentationsvorlage für spätere Diskussionen vorbestimmt 🙂 !

  5. Prima Tool für alle

    http://www.schenkelklopfer.com/l243-bullshit-protector.jpeg

  6. @ Andreas Baumann

    Hilft aber nur gegen gesprochenen Bullshit. Daher ergänzend ein
    Tool gegen geschriebenen..
    http://www.blablameter.de/

  7. „Ihr Text: 7276 Zeichen, 1025 Wörter

    Bullshit-Index :0.29

    Ihr Text zeigt erste Hinweise auf ‚Bullshit‘-Deutsch, liegt aber noch auf akzeptablem Niveau.“

    Na, da bin ich aber erleichtert.

  8. @ E.U.Mueller #6

    Nettes Tool. Ich habe mal den „Expertenblog“-Beitrag von Prof. Renn getestet:

    Ihr Text: 8848 Zeichen, 1126 Wörter
    Bullshit-Index :0.51
    Ihr Text signalisiert deutlich: Sie wollen etwas verkaufen oder jemanden tief beeindrucken. Es wirkt unwahrscheinlich, dass damit auch eine klare Aussage verbunden ist -- und wenn ja: wer soll das verstehen?

  9. Hihi

    Ick hab mir mal auch selber getestet…….also meine Artikel und Kommentare…….liege zwischen 0,2 -- 0,3 auf der Bullshit-Skala.

    Na dann is ja jut. 🙂

    Onkel Heinz…………Pittbull mit Bullshit……..hahaha

  10. @Peter Heller:

    Man würde sich wohl operieren lassen. Ich würde jedenfalls so handeln. Nur leider ist das nicht die Situation, vor der politische Entscheidungsträger stehen. Im “Ärzte-Bild” wäre eine korrekte Beschreibung der Klimafrage wie folgt: Sie gehen zu sechs Ärzten und fünf davon teilen Ihnen mit, man müsse Ihnen sofort den Arm amputieren, andernfalls könnten Sie ihn sich in 50 Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von 75% brechen. Wie würden Sie sich wohl verhalten?

    Ein guter Freund von mir sagte mal, nicht alles was hinkt ist auch ein Vergleich. Und ein bissel bin ich da auch intellektuell von Ihnen enttäuscht, wenn sie das für einen passendes Modell bzgl. der Entscheidungsfindung halten. Egal okay, versuchen wir mal zu retten, was zu retten ist. Ersetzen Sie mal Arm mit Weisheitszahn und amputieren mit ziehen und brechen können mit entzünden und schmerzen können und schon klingt es weniger an den Haaren herbeigezogen, sondern wie ein Beispiel aus dem täglichen Leben, dessen Entscheidung viele Eltern für ihre Kinder oder junge Erwachsene für sich selbst treffen müssen. Achja und natürlich sollte man Arzt durch Zahnarzt ersetzen. 😉 Die Mehrheit der Zahnärzte sagt, dass man Weisheitszähne, die im Kiefer nur halb durchbrechen und nicht genügend Platz haben, unbedingt entfernen lassen sollte. Es gibt auch durchaus auch Zahnärzte, die nicht dieser Meinung sind, und eine Extraktion nur für notwendig ansehen, wenn der Zahn stark schmerzt. Ich hatte übrigens als Kind einen Zahnarzt der zweiten Gruppe. Mit dem Ergebnis, dass ich den letzten Weisheitszahn dann als Erwachsener hab ziehen lassen mit den vielen netten Unannehmlichkeiten in den Jahren zuvor.

    Es ist schon klar, warum im Beispiel nicht von extrahierten Zähnen gesprochen wird, sondern von amputierten Armen. Diese Übertreibung soll natürlich die CO2-Reduzierung als radikale Maßnahme darstellen, die nur einen begrenzten Nutzen hat. Das es ist in Wirklichkeit nur darum geht, einen Bruchteil des Volkseinkommens in der Jetztzeit zu investieren, um die Kosten in der Zukunft evtl. zu reduzieren, das soll die Arm-Amputations-Metapher nicht verraten.

    Niemand würde dem Rat der Mehrheit der Mediziner in diesem Falle folgen. Und daher sollte man auch Emissionsminderungen nicht zustimmen.

    Ist es nicht toll, dass es so schöne Metaphern gibt, wo komplexe Zusammenhänge plötzlich so einfach erscheinen und man mit Leichtigkeit eine Entscheidung fällen kann. Die Begründung „Und daher sollte man auch Emissionsminderungen nicht zustimmen.“ ist einfach nur genial. 😉

    Denn diese bedeuten einen sofortigen, unmittelbaren Nachteil ökonomischer Natur zur Vermeidung eines Risikos, das möglicherweise irgendwann in der späteren Zukunft auftritt und von dem nicht klar ist, ob man es dann nicht ohnehin beherrschen kann.

    Hmm, da muss ich jetzt mal kurz nachdenken. Eigentlich haben Sie völlig Recht. Ich werde morgen zu meinem Versichungsfritzen gehen und ihm sagen, dass ich die unmittelbaren Nachteile nicht mehr hinnehmen werde und sämtliche Versicherungen kündigen, Haftpflicht, Berufsunfähigkeit, Hausrat, KfZ-Versicherung. Können Sie sich vorstellen, mit welcher Argumentation die mich überredet haben, diese Versicherungen abzuschließen??? Ja, es könnte in der späteren Zukunft ja ein Ereignis eintreten, welches mir schaden könnte. Solche Witzbolde. Und ich bin darauf reingefallen. Danke das Sie mich vor weiteren Versicherungsausgaben bewahrt haben. 🙂

    Eine noch größere geistige Verwirrung liegt der “Versicherungs-Metapher” zugrunde: Wenn Sie ein Haus bauen, versichern Sie es doch auch gegen Feuer.

    Ohh jetzt wird es interessiert, weil wir gerade davon geredet haben.

    Das ist richtig. So verhalten sich Menschen gegenüber Risiken: Sie versichern sich. Gegen die Folgen des Eintretens des Risikos wohlgemerkt. Denn eine Feuerversicherung schützt ein Haus ja nicht vor Feuer, die Haftpflicht nicht vor einem Unfall und eine Lebensversicherung nicht vor dem Tod. Tatsächlich ergibt eine Versicherung nur dann Sinn, wenn der Schaden wirklich eintritt. Man erhält eine Entschädigung und kann sich ein neues Haus bauen. Das alte ist nichtsdestotrotz verbrannt und damit verloren.

    Die gegenwärtige Klimapolitik ist daher das totale Gegenteil einer Versicherung. Im oben verwendeten Bild kann man sie auf diese Weise charakterisieren: Wenn Sie ein Haus bauen, verbieten Sie ja auch die Verwendung von Feuerzeugen und Streichhölzern innerhalb Ihres Grundstückes, damit es nicht zu einem Brand kommt.

    Wer würde dem wohl zustimmen?

    Die Vermeidungsstrategie der Alarmisten ist ein Irrtum selbst dann, wenn sich die These von der menschgemachten und gefährlichen globalen Erwärmung als korrekt herausstellen sollte.

    Denn wenn man sich den einen Arm amputiert, kann man sich immer noch den anderen brechen. Und wenn man alle Feuerzeuge und Streichhölzer verbietet, kann immer noch der Blitz einschlagen. Witterungsbedingte Risiken wie Stürme, Dürren und Fluten sind ein ständiger Begleiter der Menschheit. Es gab sie zu kühleren Zeiten, es gab sie zu wärmeren, es gibt sie heute und es wird sie auch in Zukunft geben. Ganz gleich, in welchem Umfang Emissionen reduziert werden — solche Katastrophen sind eine reale Gefahr und kein potentielles Risiko. Man kann diese Gefahren nicht aus der Welt schaffen, aber man kann sie marginalisieren.

    Also verstehe ich das gerade richtig? Es ist unsinnig eine Feuer-Versicherung abzuschließen, weil man könnte ja auch vom Blitz getroffen werden? Es tut mir leid Herr Heller, aber ich kann Ihren genialen Metaphern geistig nicht folgen. Sie begründen Ihre Ablehnung einer Gefahrenminimierung damit, das es ja noch viele andere Gefahren gibt, die einen treffen könnten. Natürlich ist bei so einem Szenario, wo es um die Vermeidung von Schäden geht, die Versicherung ein schlechter Vergleich, weil es dort um den finanziellen Ausgleich entstehender Schäden geht. Man kann die Versicherung als Beispiel für eine Risikobetrachtung heranziehen, dafür eignet es sich als Modell. Aber besser würde in dem Fall sowas wie eine Gesundheitsvorsorge passen. Bei einem Patienten mit Blutdruck und hohen Cholesterinwerten ist es sinnvoll, ihm eine spezielle Diät und viel Bewegung anzuraten, auch wenn das seinen inneren Schweinehund nicht gefällt. Nach Ihrer Logik hingegen würden Sie dem Patienten raten, statt jetzt die Zeit für solche medizinischen Maßnahmen zu verbraten, einfach das Geld für die Zukunft zu sparen, damit er dann im Alter sich einen Pflegeplatz nach dem Schlaganfall leisten kann.

    Die sinnvolle und logische politische Schlußfolgerung auf die alarmistischen Warnungen ist, eine Welt zu ermöglichen, in der Stürme, Dürren und Fluten keinen Schaden mehr anrichten können. Zumindest keinen, der nicht einfach zu beheben wäre. Das bedeutet, in Anpassung und damit insbesondere in neue Technologien zu investieren.

    Was Sie vorschlagen ist nichts anderes, als an den Symptomen herumzudoktoren, statt etwas an der Ursache zu machen. Naja, viele Ärzte haben sowas auch drauf, daher überrascht mich das jetzt nicht sehr. Aber generell bin ich schon über ihre Argumentation erstaunt, die zum Teil auf Übertreibung und falsch gewählte Metaphern beruhen. Aber ich bin ja schon mal froh, dass Sie nicht geschrieben haben (und das ist kein Witz, das hat jemand tatsächlich mal als Argument gebracht), wieso sollen wir Klimaschutz betreiben, wir werden doch sowieso alle mal sterben, da ist das doch völlig egal.

    MfG
    S.Hader

  11. @ Hader:

    Also verstehe ich das gerade richtig?

    Nein, Sie haben den ganzen Text nicht verstanden.

  12. Nein, Sie haben den ganzen Text nicht verstanden.

    Schade. Aber der Versuch war es wert. 🙂

    P.S.: Sind Sie immer so schlagfertig?

  13. Herr Hader,

    unabhängig davon, dass Sie die Ursache von „etwas“ kennen, dass offensichtlich nicht vorhanden ist und ich nicht, wären Sie dafür, dass so 1. ein Diskurs in Deutschland in unseren GEZ Fernsehen möglich wäre?

    2.Sehen Sie da in Australien einen demokratischen Vorsprung?

    3.Finden Sie es normal, dass in Deutschland die andere Meinung öffentlich-rechtlich nicht stattfindet?

    4.Finden Sie es normal, wenn uns der notwendige Diskurs in einer Ethikkommission vorgegaukelt wird, der wir dann alternativlos folgen sollen?

    5.Wie weit sind wir jetzt von der alten DDR entfernt?

  14. Hallo Herr Rassbach, habe mir z.T. dieselben Fragen wie in #13 auch schon öfters gestellt. Wie kann ein öffentlich-rechtlicher Sender im politischen Sinne ein ausgewogenes Programm gestalten? Ich bin da bisher zu keiner richtigen Antwort gekommen. Man kommt schnell bei sowas vom Hundertsten zum Tausendsten. Aber ich will wenigstens versuchen, etwas zu den Fragen nach einer objektiven Wissenschaftsdarstellung in den Medien sagen.

    „3.Finden Sie es normal, dass in Deutschland die andere Meinung öffentlich-rechtlich nicht stattfindet?“

    Tja, wieviel „andere Meinung“ sollte man generell zulassen? Ich will die Frage jetzt nur auf die Wissenschaft beschränken und mal ein konkretes Beispiel nennen. Die Evolutionstheorie ist eine in der Wissenschaft dominante und anerkannte Erklärung, wie das Leben und die Arten entstanden sind. Neben verschiedenen religiösen Schöpfungsgeschichten gibt es durchaus alternative Ansätze in der Wissenschaft, die die Entstehung des Lebens erklären. Ob man das jetzt Kreationismus oder Intelligent Design nennt oder anders, soll jetzt keine wesentliche Rolle spielen. Man könnte es genauer ausdifferenzieren, es soll jetzt nur als Ansammlung verschiedener Meinungen verstanden werden, die sich gegen die Evolutionstheorie richten. Jetzt die Frage, sollen diese Statements einen Platz im öffentlich-rechtlichen Fernsehen finden?

    Ich persönlich finde, das es zu weit gehen würde, wenn man Kreationismus auf eine Plattform stellt und so tut, als wenn es sich um eine gleichberechtigte Idee in der wissenschaftlichen Debatte handeln würde. Man kann vielleicht darüber berichten, aber sollten beispielsweise Vertreter dieser Theorie ein Mitspracherecht in Fernseh-Debatten über die Evolution bekommen? Was würden Sie sagen, Herr Rassbach? Ich finde, die Darstellung von Meinungen/Theorien/Hypothesen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, sollte an nachvollziehbaren Kriterien gebunden sein. Ganz wichtig, wie wird die Theorie selbst unter den Wissenschaftlern gesehen. Entscheidend finde ich da, den Stellenwert in wissenschaftlichen Publikationen und Kongressen zu beachten.

    „4.Finden Sie es normal, wenn uns der notwendige Diskurs in einer Ethikkommission vorgegaukelt wird, der wir dann alternativlos folgen sollen?“

    Über die Aufgabenverteilung und das tatsächliche Zusammenspiel zwischen Politik und Ethikkommissionen habe ich mich schon mehrmals ausgelassen. Ich hoffe, Sie verzeihen mir das, wenn ich dazu erstmal nichts weiter schreibe.

    „5.Wie weit sind wir jetzt von der alten DDR entfernt?“

    Also aus meiner ganz praktischen Lebenserfahrung muss ich da ganz klar sagen, das was in der alten DDR stattfand, kann man mit unseren heutigen Zustand überhaupt nicht vergleichen, geschweige denn gleichsetzen. Ich lese zwar aus einigen Beiträgen heraus, dass sie die Bundesrepublik nichts weiter als eine Art DDR 2.0 halten, aber diese These hält wirklich keiner halbwegs vernünftigen Prüfung stand. Im Gegenteil, es spielt sogar das Demokratiedefizit in der DDR noch herunter. Um wirklich nur ein Beispiel zu nennen, freie Presse und Fernsehen. Das hat in der DDR einfach nicht existiert. Und da ging es nicht mal darum, dass sich Schwarze, Rote, Gelbe und Grüne in einem Aufsichtsrat gestritten haben, sondern die Weisungsbefugnis kam direkt vom Politbüro der SED. Ein freier Internetzugang (die DDR ist ja vorher zusammengebrochen) hätte es einfach nicht gegeben, wo sich die Menschen hätten andersweitig informieren können. In der Bundesrepublik hat man sich schnell an die vielfältige Medienlandschaft gewöhnt und ist auch verwöhnt und manche schimpfen schon rum, wenn mal drei Zeitungen zu einem Thema was ähnliches schreiben und sprechen dann von Meinungsdiktatur.

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