Wenn Vorsorge zur Gefahr wird

13. März 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Ökologismus, Politik

via pixelio.de
Der Gedanke des Vorsorgeprinzips ist bereits tief in unserer Gesellschaft verwurzelt.
So tief, dass viele Themen bedenkenlos akzeptiert werden, ohne ihren Nutzen geschweige ihre Konsequenzen zu überdenken.
Das Vorsorgeprinzip darf nicht verwechselt werden mit „Vorbeugen“. Es baut auf einer Strategie des Vermeidens aller möglichen und unmöglichen Beeinflussungen der uns umgebenden Natur -und umgekehrt auch aller Risiken- als das primäre Ziel der Glückseligkeit.

Von der Zeugung an ist das Leben ständigen, vielfältigen und unvorhersehbaren Gefahren ausgesetzt.
Mit vielen davon haben wir gelernt, umzugehen. Andere treiben uns noch heute Schauer über den Rücken.

Eine der Urgefahren für uns Menschen ist das veränderliche Klima in seiner territorialen und zeitlichen Ausdehnung auf der Erde.
Der Mensch kann sich nur sehr schlecht an wechselnde Bedingungen, insbesondere Temperaturschwankungen, anpassen. Ihm fehlt von Natur aus der entscheidende Schutz – das Fell.
Damit blieb er so lange an begrenzte Gebiete der Kontinente gebunden, bis er auf die Idee kam, sich anzupassen, indem er sich Erfindungen der Natur zu eigen Machte, die er so nicht besaß: Die Kleidung und das Feuer.
Damit bestand für den Menschen fortan die Möglichkeit, die Herrschaft über den Rest der Kontinente zu übernehmen.
Gut, das ist soweit bekannt. Aber bereits hier liegt ein wesentlicher Gedanke zu Grunde: Die Anpassung ermöglichte es, auf drohende Gefahr (Hitze, Kälte) zu reagieren und damit zu überleben.
Wären unsere Urahnen auf die Idee gekommen, nach dem Vorsorgeprinzip zu handeln, wären Klimazonen für alle Zeiten unüberwindliche, tödliche Grenzen geblieben. Denn einen anderen Weg gibt es nicht.

So mancher von uns hat vielleicht schon Stress mit anderen Menschen bekommen. Zum Problem kann das werden, wenn man auf die gemeinsame Arbeit in der Gruppe angewiesen ist, wie in Kindergarten, Schule und Beruf.
Tritt ein solcher Fall ein, ist es sprichwörtlich „zum davonlaufen“, was viele als Lösung ansehen und dem Problem ausweichen.
Doch spätestens am nächsten Tag ist das Problem wieder da, und das Prinzip der Vermeidung als Form der Vorsorge greift hier nicht.
Dabei ist es oft mit einem klärenden Gespräch oder aber einer Auseinandersetzung mit den vermeintlichen Gegnern erledigt. Nicht zuletzt, weil der eine oder andere einsehen muss, dass er sich in das Team integrieren, anpassen muss, um zu bestehen.

Nun mache ich einen Bogen auf aktuelle Probleme und deren Bewältigung.
Zwei Beispiele, die Grippe und die Klimaveränderungen.

Um heute Probleme zu lösen, dazu haben wir die Politik. Sie fragt die Wissenschaft, und die haben meist schnell -nach einigen von interessierten Kreisen finanzierten Studien- den Schuldigen gefunden; H5N1 zum Beispiel, und das CO2.
Nun aber werden große Geschütze aufgefahren, um der vermeintlichen Gefahr zu begegnen. Ein Impfstoff muss her, koste es, was es wolle. Oder im Ausnahmefall mal Geo-engineering.
Beschleunigt wird das ganze gerne durch sich überstürzende Meldungen von ersten Opfern.
Niemand kommt auf die Idee, die Frage zu stellen, ob wir überhaupt ein Problem haben. Und keiner kann sagen, ob die Impfung wirkt. Aber wir müssen doch etwas tun, ganz schnell!
In der Realität angekommen, sieht es dann so aus, dass wir zwar prinzipiell richtig lagen (das Virus führte nachweislich zu Todesfällen). Aber:
Auf die Verhältnismäßigkeit zwischen Risiko einer Erkrankung mit dem neuen Erreger und dem ständigen Risiko einer allgemeinen Grippe hin steht der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen.
Auch, wenn man uns von interessierter Seite etwas anderes erzählt, ist doch heute klar, dass das Problem offensichtlich kein Problem war.
Grundsätzlich will ich hier nicht den Sinn der Impfung als solches in Frage stellen, aber an diesem Beispiel zeigt sich sehr schön und deutlich die allgemeine Risikobereitschaft als entscheidender Faktor der Evolution.
Wir wollen eben gezielt nicht alle Risiken vermeiden, gehen sogar ganz gezielt Risiken ein, wo wir sprichwörtlich „eine Gänsehaut bekommen“ – oder einfach Spaß an der Sache haben.

Wir hätten weder Amerika entdeckt, noch könnten wir heute sorglos Pilze essen, oder im Schadensfall Vergiftungen behandeln, wenn wir in der Vergangenheit alle Risiken gemieden hätten.
Der Pionierarbeit unerschrockener Forscher (die das freilich nur allzu oft mit dem Leben bezahlt haben) verdanken wir, dass wir heute das Wissen haben, Risiken abzuschätzen und gezielt auszuschließen.
Wissen um die Gefahr setzt den unmittelbaren vorausgegangenen Kontakt mit ihr voraus. Wir tun dies gern und täglich, es ist unser Lebensinhalt.

Zum Thema Klima hat Herr Heller in der Vergangenheit hier schon erläutert, dass auch dort die Vermeidung von Emissionen keinen Sinn bringt angesichts der Tatsache, dass wir sie erstens nie werden vollständig kontrollieren können, und zweitens die gezielte Anpassung an veränderte Temperaturen oder Meeresspiegel deutlich einfacher bzw. kostengünstiger möglich ist.
Auch hier muss die Frage gestellt werden, ob das Davonlaufen vor der vermeintlichen Gefahr nicht schlimmer wird, als die Gefahr selbst.
Denn auch hier gilt: Es hat immer und wird immer Katastrophen geben, deren Folgen wir durch umsichtiges Handeln versuchen können zu minimieren. Ausschließen können wir sie nicht. Sie werden uns treffen, gestern heute, morgen.
Deshalb bauen wir Staudämme, schaffen uns Vorräte an und bauen einen Airbag in unsere Fahrzeuge. Sie geben uns Sicherheit, und die Möglichkeit Dinge zu tun, die sonst von vornherein ausgeschlossen wären, würden wir streng nach dem Vorsorgeprinzip handeln.

Wer dies alles versucht hat zu verstehen, wird nun vielleicht auch begreifen, warum unsere Väter die Kernenergie etablierten und dieses Risiko auf sich nahmen, mit dem wir heute noch leben. Oder anders herum, wie vielen Menschen hat das mehr an Energie erst zu einem menschenwürdigen Dasein verholfen, oder hat das Leben oder Überleben erst ermöglicht.
Auch hier gab es Rückschläge, Opfer. Aber auch neue Erkenntnisse, wie man vieles in Zukunft besser machen könnte und sollte.

Ohne Risiko kein Fortschritt. Ohne Fortschritt kein überleben.

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6 Kommentare
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  1. @Wetterfrosch

    Wären unsere Urahnen auf die Idee gekommen, nach dem Vorsorgeprinzip zu handeln, wären Klimazonen für alle Zeiten unüberwindliche, tödliche Grenzen geblieben. Denn einen anderen Weg gibt es nicht.

    Ergänzend dazu sei darauf hingewiesen, dass die Evolution seit Jahrmilliarden nach dem Prinzip „Survival of the fittest” abläuft, d.h. dass auf Dauer nicht die Stärksten überleben, sondern diejenigen Lebewesen, die sich am effektivsten an ihren Lebensraum anzupassen vermögen. Insofern hat sich der „Generalist Mensch” Lebensräume erschließen können, die anderen ebenfalls erfolgreichen Spezies verschlossen blieben.

  2. Wieder einmal eine gute Analyse in diesem Blog! Danke.

    Ich möchte einen Gedanken hinzufügen: Das Vorsorgeprinzip entspricht dem tief in der menschlichen Psyche verankerten Bedürfnis nach Magie. Angesichts der vielen Unwägbarkeiten des Lebens, denen der Mensch ohnmächtig ausgeliefert ist wie z.B. Krankheit, Naturkatastrophen, Missernten, Tod hat der Mensch das Bestreben, seine Ohnmacht vor sich selbst zu kaschieren und etwas zu tun. Deshalb ist die Parole „Man muss doch etwas tun!“ eins der elementarsten Prinzipien der Menschen. Beispiele:

    Wenn man schon gegen den Tod nichts tun kann, legt man wenigstens Blumen auf den Sarg.

    Wenn man schon gegen schicksalhaft hereinbrechende Krankheiten nichts tun kann, will man wenigstens durch gesunde Lebensweise, durch Besuche bei „Heilern“, durch besondere Nahrung etc. vor sich selbst den Eindruck erwecken, etwas zu tun.

    Unsere Vorfahren haben wegen dieses Urbedürfnisses des Menschen Götzen geschnitzt und ihnen zum Schutz vor Unwetter und Hagelschlag Opfer dargebracht.

    Diesem Urbedürfnis des Menschen folgt natürlich auch die Politik. Wenn schon die Probleme unlösbar sind, will ein Politiker wenigstens vor sich und vor dem Publikum den Eindruck erwecken, er habe etwas getan. Deshalb die weitverbreitete Symbolpolitik in vielen Politikfeldern.

    Z.B: Wenn man schon gegen den Übergang der europäischen Währungsunion zur Transferunion, der am Freitag beschlossen worden ist, nichts tun kann, will man wenigstens durch papierne Forderungen nach besserer Lohn- und Etatdisziplin in den Krisenstaaten den Eindruck erwecken, etwas zu tun. Oder: Wenn man schon gegen die -- angebliche -- Bedrohung durch den „Rechtsradikalismus“ nichts tun kann, will man wenigstens ein Zeichen setzen und eine LIchterkettendemonstration veranstalten. Das gibt ein gutes Bauchgefühl und beruhigt die Nerven angesichts der eigenen Ohnmacht.

    So ist auch das Vorsorgeprinzip zu verstehen. Wenn schon die wissenschaftlichen Dinge ungeklärt und schwierig sind, wenn sich schon die Fachleute streiten, so dass ein einfacher Staatsbürger alles nicht mehr durchschaut, will man wenigstens etwas tun, um sich selbst zu beruhigen.

    Letztlich ist das alles nichts anderes als Magie, hilfloser Ausdruck der eigenen Inkompetenz und vermeintlichen Ohnmacht.

    Ich stimme dem Kommentar zwar zu, dass das Vorsorgeprinzip in der beschriebenen Form Unsinn ist, aber ich fürchte, trotz aller Rationalität und aller Aufklärung wird es schwierig sein, es zu überwinden. Jedem, der diesen Versuch unternimmt, wird entgegenschallen: „Man muss doch schließlich etwas tun und seine Hausaufgaben machen.“ Ich kann dem nur mit Kant entgegenhalten: „Sapere aude -- Wage es, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“

  3. Hallo Allerseits,

    ich möchte dem Artikel sowie den Kommentaren absolut zustimmen, insbesondere auch dem Kant’schen Zitat

    “Sapere aude – Wage es, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen”

    im Kommentar von Rainer.

    Reiner schreibt weiter oben

    trotz aller Rationalität und aller Aufklärung

    und genau da habe ich so meine Probleme: sogenannte Fantasy Serien im TV und Bücher im Handel mit Zauberern, Hexen, Dämonen und wer weiss noch was für ’nen Unsinn …. jede noch so seriöse Zeischrift oder Zeitung, jeder Rundfunk- oder TV-Sender -- ja, auch die zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen mit einem eigentlichen Bildungs- und Informationsauftrag -- entblöden sich nicht, täglich Horoskope an den Mann resp. die Frau zu bringen …. die Buchhandlungen sind voll mit Esoterik-Schwarten …. über dei Waldorfschulen des bekennenden Hellsehers Steiner werden allenthalben positive Berichte gesendet …. naturwissenschaftliche Bildung hat einen schweren Stand …. und unsere Politiker sonnen sich im Lichte von irgendeinem grinsenden Gott König …. von Rationalität und Aufklärung ist da nix zu spüren.

    Chr!s

  4. Beachtenswerter Post.Ich habe einige tolle Denkanstoesse gekriegt. Freue mich schon auf neue Posts zum Thema.

  5. @ Wetterfrosch

    Danke für den Artikel. Es wird, meines Erachtens nach, viel zu wenig über die verschiedenen Mentalitäten der Menschen, auch Veranlagungen die eventuell erblich bedingt sind, nachgedacht. Das passt auch nicht so recht in unsere Zeit, wo doch alles gleich gemacht sein soll, Unterschiede jeglicher Art als Ungerechtigkeit empfunden werden.

    Wie schon mehrfach von mir erwähnt, neigt der Mensch dazu andere Menschen in zwei gegenteilige Gruppen einzuteilen, auch ich will es hier tun, da es meines Erachtens gut zu dem Artikel hier passt. Nehmen wir auf der einen Seite die Entdecker und auf der anderen Seite die Bewahrer. Die einen die ausziehen wollen um Neuland zu entdecken, stehen denen gegenüber die lieber auf das ihnen Vertraute setzen und Neuem skeptisch gegenüber stehen.

    Man stelle sich einen Disput zwischen diesen beiden Gruppen, einfach einmal in der Zeit der Völkerwanderung vor. Rationale Gründe gibt es für beide Gruppen. Auch wenn uns der Hunger plagt, woher wollen wir wissen, dass es jenseits des Horizonts nicht noch schlimmer ist? Also bleiben wir besser hier. Oder die andere Gruppe, die meint genügend Hinweise zu haben, dass in fernen Gebieten eine deutlich verbesserte Lebensweise möglich ist. Was schließlich den Ausschlag zwischen hier bleiben oder weg gehen gibt, sind weniger die Argumente als vielmehr die innere Einstellung.

    In einem Focus Artikel aus dem Jahr 1994 wird die deutsche Neid-Gesellschaft beschrieben. Nebenbei bemerkt, dieser Artikel wirkt auf mich immer noch aktuell. Es werden zwei Seiten des Neids dargestellt: der schwarze Neid und der weiße Neid.

    Der schwarze Neider ist mißgünstig und wünscht dem Beneideten alles erdenklich Schlechte an den Hals; die weiße Variante des Neids dagegen stachelt an und schlägt in Ehrgeiz um.

    Auch am Beispiel Neid zeigt sich, gleiche Sachverhalte lösen verschiedene Symptome aus, die aber den gleichen Namen tragen. Auch hier macht die positive oder negative Grundeinstellung den Unterschied aus.

    Auf den Begriff Vorsorge angewandt, heißt das, auf der einen Seite stehen die Bewahrer die glauben mit den Mitteln von heute, die die bekannt sind, den zukünftigen Herausforderungen zu begegnen; auf der andern Seite die Entdecker, die glauben, zukünftige Chancen besser nutzen zu können, wenn man seine Fähigkeiten weiter entwickelt um auf Veränderungen zu reagieren. Schwarze und weiße Vorsorge sozusagen. Es ist eine Mentalitätsfrage welchem von beiden man eher zugeneigt ist.

  6. Tja, und wenn dann schon jetzt feststeht welche Folgen so einige Vorsorgemassnahmen nach sich ziehen, gucken plötzlich wieder einige Leute dumm aus der Wäsche.

    Umweltschützer bangen um deutsche Wälder

    Umweltschützer sehen den deutschen Wald zunehmend in Gefahr, weil immer mehr Holz verfeuert wird. Die Verbände NABU und BUND kritisierten unter anderem die Subventionen für Biomasse und die zunehmend kommerzielle Nutzung der Wälder. Vor allem Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) griffen sie heftig an. Aigners Ministerium wies die Kritik zurück.

    Es muss ein schlechter Witz der Geschichte sein,…….. diejenigen sogenannten Umweltverbände die seit Langem den AGW propagieren, wundern sich jetzt das die Massnahmen zum Schutz vor demselben ganz plötzlich ins Gegenteil umschwenken.

    Was dachten die denn was NaWaRo sind?………..Bunter Gänseblümchen auf der Wiese oder was?
    (Mit den nachhaltig entnommenen Holzbeständen unserer Wälder könnten wir gerade mal 3-5% unseres Primärenergieverbrauches decken)

    Erst in das allgemeinen Klagelied einstimmen wie schlimm doch dieser Planet überhitzen wird und dann wundern wenn praktisch veranlagte Menschen die vermeintlich CO2-Neutrale-Verbrennung in die Tat umsetzen.

    Innerhalb einiger wenigen Jahre hat sich gezeigt das die Öko-Blase genauso Wurmstichig ist wie die Telekom-Aktie, das Dumme ist nur das unsere Natur mal wieder die Leidtragende ist.

    Grüne Öko-Heilige wissen zwar was weg muss, wie das Weggefallene aber zu ersetzen ist……….da blamieren sie sich argumentativ fast stündlich.

    Onkel Heinz……ist das Lachen im Hals stecken geblieben

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