Werde Klimapolizist! Climate Cops – ein Umerziehungsprogramm von RWE-npower

2. August 2008 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Kurioses

In seiner düsteren Zukunftsutopie “1984” beschreibt George Orwell die Kinder in einem fiktiven Überwachungsstaat Ozeanien mit folgenden Worten:Fast alle Kinder waren heutzutage schrecklich. Am schlimmsten von allem war jedoch, dass sie mit Hilfe von solchen Organisationen wie den Spähern systematisch zu unbezähmbaren kleinen Wilden erzogen wurden…

Es war für Leute über dreißig nahezu normal, vor ihren eigenen Kindern Angst zu haben. Und das mit gutem Grund, denn es verging kaum eine Woche, in der nicht in der Times ein Bericht stand, wie ein lauschender kleiner Angeber – ‘Kinderheld’ lautete die gewöhnlich gebrauchte Bezeichnung – eine kompromittierende Bemerkung mit angehört und seine Eltern bei der Gedankenpolizei angezeigt hatte.”

Zum Glück ist dieses Szenario der Phantasie eines Buchautors unter dem Eindruck der Zustände in Nazi-Deutschland und der stalinistischen Sowjetunion entsprungen. Verhältnisse wie in solchen totalitären Regimes braucht man in unseren freiheitlichen westlichen Demokratien wohl nicht zu fürchten.

Kinder sollen “Climate Cops” werden

Dennoch kann sich dem Besucher der englischen Internetseite Climate Cops, die von der RWE Tochter npower betrieben wird, des Eindrucks kaum erwehren, dass die Macher dieser Seite möglicherweise etwas anstreben, was den von Orwell beschriebenen Zuständen erschreckend nahe kommt. Weil Erwachsene “häufig einfach zu beschäftigt sind wahrzunehmen wie viel Energie sie verschwenden”, seien jetzt die Kinder in der Pflicht “etwas zu unternehmen”. In einem “Tagebuch für Klimaverbrechen” sollen sie notieren, was Ihnen an Energievergeudung in ihrer Umgebung auffällt.

Gleich im Intro der Homepage wird angezeigt, woher der Wind auf dieser Seite weht. Mit markigen Sprüchen werden die Kleinen auf das was sie erwartet eingestimmt.

“Der Klimawandel bedroht unsere Welt.”

“Je mehr Energie wir verschwenden, umso schlimmer wird es.”

Dem so verängstigten jungen Leser dieser Zeilen wird allerdings gleich darauf aufgezeigt, wie er oder sie die drohende Katastrophe verhindern helfen kann.

“Es ist an der Zeit zurück zu schlagen. Es ist Zeit für… Die Klimapolizisten!”

Die Mission der “Rekruten der Klimapolizei” ist laut den Machern von „Climate Cops” einfach. Unter der appellhaften Überschrift

Bist Du bereit, die Mission als Klimapolizist aufzunehmen?”

findet der Leser eine Reihe von Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden.

– “Benutze Deine investigativen Fähigkeiten um Klimaverbrechen in Deinem Zu Hause zu bekämpen.”

Lade die ‘Klimaverbrechenskarten’ herunter und stelle sicher, dass keine Klimaverbrechen unter Deinem Dach passieren!”

“Klimapolizisten sagen, halte deine Fenster sauber, um natürliches Licht herein zu lassen… Dieses kann helfen den Raum aufzuheizen.

Und weil die Rettung der Welt nicht nur zu Hause stattfinden kann, wird der junge Aktivist angehalten, auch in seinem weiteren Umfeld nach “Klimaverbrechern” zu fahnden.

“Du kannst Deine Suche auch erweitern, indem Du noch weitere Fälle von Klimaverbrechen notierst. Wie sieht es in den Heimen deiner Onkel, Tanten oder Schulfreunde aus?”

Das Ausspionieren anderer zur Weltenretttung?

Es ist unbestritten eine gute Idee mit den Ressourcen unseres Planeten möglichst schonend umzugehen, und nicht unnötig Energie zu verschwenden. Was man beim Versuch, die bestehenden Verhältnisse zu verbessern allerdings nicht vergessen darf ist, dass der gute Zweck nicht automatisch jedes Mittel heiligt. So darf er nicht in eine Welt führen, in der jeder jeden überwacht und eventuell unkorrektes Verhalten von “Blockwarten” notiert und gegebenenfalls gemeldet wird. Unseren Kindern eine solche Mentalität zu vermitteln, darf auf keinen Fall als probates Mittel angesehen werden. Deutlich mehr könnten wir sicherlich erreichen, wenn wir unsere Kinder zu kritischen Persönlichkeiten erziehen, welche auch die Freiheit ihrer Mitmenschen achten.

Beim Betrachten der Internetseite Climate Cops bleibt hingegen der Eindruck zurrück, dass deren Macher in ihrem Ansinnen unsere Kinder zu Weltenrettern zu erziehen des “Guten” etwas zu viel gewollt haben. Hier soll der Spass der Kinder am Detektiv spielen für äußerst fragwürdige Zwecke instrumentalisiert werden. Ein Aufruf zur Denunziation und die ständige Suche nach Verfehlungen Anderer wird jedenfalls nicht zu einer lebenswerteren Welt beitragen.

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