Wie der Klimaschutz die Kernkraft wieder salonfähig gemacht hat

28. März 2010 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Klimawandel, Politik

Grüne Politik und Kernkraft, das gehört nicht zusammen. Grüne Politik und Klimaschutz gehören hingegen zusammen. Dieser Eindruck vermittelt sich einem, wenn man die Initiativen der Umweltverbände verfolgt.

Viele Umwelt- und Klimaschützer sind auch erbitterte Kernkraftgegner. Sie sind gegen Kernkraft als auch gegen Kohlekraft und fordern statt dessen den Ausbau der Erneuerbaren Energien (EE). Hier beißt sich die Katze allerdings in den Schwanz. Denn derzeit sind wir noch auf Kohle- und/ oder Kernkraft angewiesen, um unseren Bedarf nach Energie und Strom gerecht zu werden. Eine Vollversorgung durch EE ist in Deutschland nicht absehbar, jedenfalls nicht in den nächsten Jahrzehnten. Aktuell werden nicht einmal zehn Prozent des Deutschen Energiebedarfs über EE gedeckt.

Das weiß auch die Politik. Da in den letzten Jahren die Rufe gegen die Kohlekraft immer lauter geworden sind und diverse Neubauten von Kohlekraftwerken verhindert wurden, Kernkraftwerke hingegen als CO2- und Klimaneutral gelten, hat sich die Politik kurzerhand entschieden auf diesen Zug mit aufzuspringen und die Laufzeiten der Reaktoren zu verlängern. Zumal mit den Kernkraftwerken noch satte Gewinne einzufahren sind. Somit schlägt man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe.

Die Parteien CDU/CSU und FDP wollen den seinerseits von SPD und Bündnis90/Die Grünen geschlossenen Konsensvertrag zum Kernkraftausstieg ändern und die Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke verlängern. Begründet wird dies insbesondere mit Klimaschutz-Argumenten oder niedrigeren Strompreisen. Die schwarz-gelbe Regierung erwägt nun eine Laufzeitverlängerung um 28 Jahre. Die deutschen Meiler könnten demnach bis 2050 am Netz bleiben. Mit der Laufzeitverlängerung sei in Aussicht gestellt, die Zeit zu überbrücken, bis genügend EE zur Verfügung stehe. So die Argumentation.

Aber nicht nur die Politik setzt auf das so genannte Greenwashing der Kernkraft, auch die Kernkraftbetreiber selbst haben den Klimaschutz für sich neu entdeckt und springen auf den fahrenden Zug mit auf. Die Umwelt- und Klimaschützer mag es stören, aber gerade die Klimaschutzdebatte hat die Kernkraft wieder salonfähig gemacht.

Das ist nicht neu. Vermutungen gehen sogar soweit, dass die Kernkraftlobby eine treibende Kraft war, welche die “Klimakatastrophe” in Deutschland mit etabliert hat.

Den Vermutungen nach sollen der Lobby zugeneigte Kernphysiker, schon in den achtziger Jahren, speziell das Kohlendioxid als Klimakiller verteufelt haben, um die fossilen Energieträger Kohle, Erdöl und Erdgas aus dem Strommarkt zu verdrängen. Dann beschworen sie die globale Klimakatastrophe herauf, um den atomaren Sündenfall von Hiroshima und Nagasaki als winzig erscheinen zu lassen im Vergleich zum drohenden globalen Klima-GAU.

In wie weit diese Vermutungen zutreffend sind, sei dahin gestellt. Fakt ist allerdings das die Kernkraftlobby den Klimaschutz für sich neu entdeckt hat und nun damit wirbt.

Beispiele?

Paradebeispiel ist der Energiekonzern Vattenfall. Zu Vattenfall gehören u.a. die “Pannen-Reaktoren” Brunsbüttel und Krümmel. Nun hat Vattenfall mit der Kampagne “Klimaunterschrift” den Klimaschutz auf seine Fahne geschrieben.

Annähernd 250.000 Leute haben sich an der Aktion beteiligt und für den Klimaschutz bei Vattenfall unterschrieben.

Im September 2009 hat sich Vattenfall der UN-Kampagne “Seal the Deal” – eine Kampagne der Vereinten Nationen im Hinblick auf die UN-Klima Konferenz in Kopenhagen – angeschlossen. Über 400.000 Menschen haben diese Initiative unterschrieben.

Zudem informierte Vattenfall in einem eigenen Blog über den Stand der Verhandlungen in Kopenhagen.

Auch in der Klimapolitik ist Vattenfall nicht untätig. Neben Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, wurde der Chef des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall, Lars Josefsson, im Dezember 2006 von Angela Merkel in das Amt des Klimaberaters der Bundesregierung berufen.

In Anbetracht der Verbindungen verwundert es auch nicht, dass Herr Schellnhuber – der als Klimapapst Deutschlands gilt – eine liberale Auffassung gegenüber der Kernkraft vertritt.

Er vertritt die Ansicht, dass eine maßvolle Laufzeitverlängerung den EE zum Durchbruch verhelfen könnte.

“Die Kernkraftwerke mit hohen Sicherheitsstandards sollten zehn bis zwölf Jahre länger am Netz bleiben dürfen”, meint Schellnhuber. Viele Politiker und auch Klimaforscher teilen diese Meinung.

So schließt sich der Kreis zwischen Klimaschutz und Kernkraft. Eines dient dem anderen. Und welche Konsequenz ziehen wir daraus? Diese Frage möchte ich zur Diskussion stellen.

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8 Kommentare
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  1. Der Anteil erneuerbarer Energien an der STROMERZEUGUNG betrug bereits 2008 15,1% ! Und nur dieser Parameter kann herangezogen werden wenn die EE mit der Atomkraft verglichen werden soll. Denn die Wärme aus AKW wird ja nicht in dem Maße für z.B. Fernwärme genutzt wie bei anderen Kraftwerken (egal ob Kohle, Gas oder Biomasse).

  2. @ Spiegelleser

    Vielleicht wäre es tatsächlich sinnvoller gewesen, die Zahlen für die Stromerzeugung zu nehmen. Was natürlich an der Grundaussage dieses Textes nichts ändern würde.

  3. Man könnte jetzt natürlich noch mehr ins Detail gehen, wieviel des erzeugten EE-Stroms wurde im Jahr 2009 billig ins Ausland verkauft?
    Ist es rechtlich statthaft den Exportüberschuss des Stromgewerbes komplett den fossilen Energien zuzuschreiben oder ist ein erheblicher Anteil den zeitlichen Überangebotes an Windenergie geschuldet?
    15,1 % EE sind lediglich die dem Stromkunden per Zwangsgeld übergeholfenen staatlichen Gebührenabzocke von einigen wenigen Privatinvestoren.
    Mittels der Mehrwertsteuer holt sich Papa Staat ganz nebenbei auch gleich wieder seine EE-Förderungen mit rein.

    Merke, wer nur die Addition beherrscht sollte nicht ständig eine irgedwie geartete Machbarkeit von 100% EE beweisen wollen.

    PS. Spiegel-Leser wissen noch weniger!

  4. Hallo,
    was kann man mit intermittierenden Stromquellen erreichen, ausser grüne Pfründebeschaffer für „etablierte“ Politiker zu masturbieren?
    Weder „Windenergie“ noch Solarpaneele garantieren einen konstanten, berechenbare Versorgung. Sie sind nunmal von Parametern abhängig auf die nicht mal ein Grüner Einfluss hat, sondern nur die Natur. Kindische „Grundlastgenerierung“ wie zur Zeit von der Wasserstofferzeugung und deren Verbrennung in Bio- Gaskraftwerken, zusammen mit Methan (Biogas)in die Welt geschwafelt wird, sind bei derzeitigem Sicherheitsstandard nur einem Grünen zuzumuten- wenn dem die Scheisse um die Ohren fliegt weiss er wenigstens, dass er was falsch gemacht hat. Wasserstoff neigt nunmal zur Selbstentzündung.
    http://tinyurl.com/ycesfxr
    Und stehende Flügel eines „Windkraftwerks“ haben riesige Vorteile- für Störche, sichern sie doch deren Überleben.
    Wir werden, so die deutsche Zipfelmützenrepublik überleben soll, um Kernenergie und die Nutzung der heimatlichen (Braun)Kohle nicht umhinkommen.
    Ansonsten- Gute Nacht
    Gruss

  5. 1.Spiegelleser 29. März 2010 09:29
    Der Anteil erneuerbarer Energien an der STROMERZEUGUNG betrug bereits 2008 15,1% ! Und nur dieser Parameter kann herangezogen werden wenn die EE mit der Atomkraft verglichen werden soll. Denn die Wärme aus AKW wird ja nicht in dem Maße für z.B. Fernwärme genutzt wie bei anderen Kraftwerken (egal ob Kohle, Gas oder Biomasse).<
    ……….
    Die Fremdwärmegenerierung wurde mit dem systematischen "Kaputtdemonstrieren" des THTR 300, eines heliumgekühlten Hochtemperaturreaktors, der zudem zu den sichersten der Welt gehörte, wenn nicht sogar der sicherste, gezielt durch Grüne beendet. China hat gerade dieses Prinzip wieder aufleben lassen und wird die Welt (hoffentlich) mit vielen THTR's neu beglücken.
    Der Reaktortyp wurde für Mehrfachnutzung der Reaktionswärme konzipiert- der in Uentrup zum Beispiel zur Kohleverflüssigung. Logisch dass das dem Grünen nicht passen kann.- und witzig dass eine Minigruppierung
    (das Grüne hat 45000 Mitglieder) den Rest der deutschen Zipfelmützen am Nasenring hinter sich herzieht…
    Gruss

  6. @Yogi.Baer #5

    Diese Aussage ist definitiv falsch…,

    und witzig dass eine Minigruppierung (das Grüne hat 45000 Mitglieder) den Rest der deutschen Zipfelmützen am Nasenring hinter sich herzieht…

    …denn die „Öko-Khmer“ sind nur das „Trojanische Pferd“ der Plutokraten; weiterführende Lektüre findest Du im folgenden Link, und dann unter: (Schei…kleister der Link läßt sich schon wieder nicht einbauen!!!???)

    http://www.oekologismus.de/?p=1284#comment-46025

    Ich darf mal kurz erinnern…

    mfg

  7. 6.Zyniker 1. April 2010 12:55
    Danke für den link
    Gruss Yogi

  8. Wenn ich mich recht erinnere, hat schon Franz-Josef Strauß während einer Parlamentsdebatte sein Eintreten für die Kernenergie mit der CO2-Neutralität dieser Stromerzeugung begründet. Leider konnte ich auch mit Suchmaschinen diese Aussage nicht verifizieren.
    Festzustellen bleibt, dass das Wissen über die Dimensionen des Energiebedarfs einer Industrienation wie Deutschland, rudimentär ist. Die meisten glauben, dass nur eine um 10 € monatlich höhere Stromrechnung die Folge des Abschaltens der Atomkraftwerke sei. Wer vermittelt die Folgen für die Industrie und die Arbeitsplätze anschaulich?

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