Wie die Grünen die “Klimakatastrophe” für sich entdeckt haben

26. April 2010 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Klimawandel, Politik

Die Grünen haben gerade den 30. Gründungstag in Karlsruhe gefeiert. Klimaschutz und grüne Politik ist heute das Thema. Das war aber nicht immer so. Schaut man 30 Jahre zurück, so stellt man fest, dass der Klimaschutz zu diesem Zeitpunkt politisch noch keine Rolle gespielt hat. So tauchen im ersten Bundesprogramm der Grünen von 1980 weder die Worte Klimaerwärmung, noch Treibhauseffekt, oder Kohlendioxid auf. Dabei hatte die WMO bereits 1979 die erste Weltklimakonferenz veranstaltet.

Deren Ergebnisse waren allerdings auf wenig öffentliches und politisches Interesse gestoßen. Erst als die DPG am 22. Jan. 1986 die “Warnung vor der drohenden Klimakatastrophe” verkündet hatte und ein breites Medienecho fand, wurde der Klimaschutz von der Politik entdeckt. Zunächst warben die Grünen und später auch andere Parteien mit dem Klimaschutz um Wählerstimmen.

Schon 1979 war man um das globale Klima besorgt

Auf der Weltklimakonferenz (World Climate Conference) vom 12.-23.2.1979 in Genf, dem Sitz der Weltklimaorganisation WMO (World Meteorological Organisation) befassten sich Experten verschiedener UNO-Unterorganisationen mit dem Zusammenhang von Klima-Anomalien seit 1972 und der Klimabeeinflussung durch die menschliche Gesellschaft. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Zunahme des Kohlendioxid-Gehaltes in der Atmosphäre die höchste Aufmerksamkeit der internationalen Staatengemeinschaft verdiene, weil eventuell auch gravierende langfristige Veränderungen des globalen Klimas verursacht werden könnten. Als eine Konsequenz dieser Klimakonferenz wurde das Weltklimaprogramm (WCP) (World Climate Programme) bei der WMO ins Leben gerufen.

Zu diesem Zeitpunkt war der Klimaschutz aber noch nicht ins öffentliche Interesse gelangt und damit kein Thema, mit dem man Wählerstimmen hätte gewinnen können. Themen wie Smog, Waldsterben und Ozonloch beherrschten in der ersten Hälfte der 1980er Jahren noch die Schlagzeilen. Das änderte sich erst 1986.

Die DPG (Deutsche Physikalische Gesellschaft) hatte im Januar 1986 eine „Warnung vor einer drohenden Klimakatastrophe“ herausgegeben. Die Presseinformation der DPG hatte folgenden Wortlaut: „Der Arbeitskreis Energie der Deutschen Physikalischen Gesellschaft e. V. warnt in beiliegender Schrift eindringlich vor einer nahen, drohenden Klimakatastrophe. Bedingt wird diese durch den weltweit rapide steigenden Gehalt der Luft an Kohlendioxid und einigen weiteren Spurengasen. Der Arbeitskreis Energie der DPG lädt Sie ein zu einer Pressekonferenz am Mittwoch, 22. Januar 1986, 15 Uhr in Bonn, Hotel am Tulpenfeld, Heussallee 2.“

Diese „Warnung” wurde von den Medien aufgegriffen und am 11. August 1986 von dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL zu einem politischen Problem erhoben, denn als Folge anhaltender Treibhausgasemissionen sollte der Meeresspiegel ansteigen, um den Kölner Dom in den Nordseefluten versinken zu lassen.

So zeigte DER SPIEGEL auf der Titelseite den Kölner Dom in den Nordseefluten versinken. Erst danach wurde die Politik auf das Phänomen “Klimakatastrophe” aufmerksam.

Ende September 1986 wurde von den Grünen ein Umbauprogramm, zum Umbau der Industriegesellschaft verabschiedet. Hier wird Kohlendioxid als “Klimagas” identifiziert und es fällt zum ersten Mal das Wort “Klimakatastrophe”.

“… Kohlendioxid (C02) ist zwar in den natürlichen Konzentrationen für Menschen und Tiere ungefährlich, für Pflanzen sogar lebensnotwendig. In den erhöhten Mengen jedoch, wie sie zur Zeit durch die Verbrennung fossiler Energieträger in der Atmosphäre erzeugt werden, stellt das C02 die Hauptgefahr für das Wärmegleichgewicht der Erde dar.”

“Bei der Verbrennung fossiler Energieträger entsteht notwendigerweise das Abgas Kohlendioxid, das nach heutiger Kenntnis zu einer globalen Klimakatastrophe führen kann.”

Klimaschutz seit 1987 Teil der politischen Agenda

Im folgendem Jahr 1987 wurde die Enquete-Kommission “Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre” einberufen. Damit war einer drohenden Klimakatastrophe der politische Weg geebnet. Der Weg eröffnete der Politik die Einführung neuer Instrumente, diese Instrumente heißen Ökosteuer und Emissionshandel. Das breit entfachte öffentliche Interesse versprach zudem Aufmerksamkeit und Wählerstimmen.

Die Grünen zogen 1990 mit dem Slogan „Alle reden von Deutschland. Wir reden vom Wetter“ in den Wahlkampf und haben somit sie “Klimakatastrophe” erstmals im Wahlkampf einer Bundestagswahl verwendet.
Andere Parteien zogen nach. Heute wirbt selbst die CSU mit dem Thema Klimaschutz.

Festzustellen ist, der Klimaschutz ist nicht um die Besorgnis um unseren Planeten heraus auf die politische Agenda gesetzt worden, sondern als Mittel zum Zweck. Erst als die “Klimakatastrophe” mediale Aufmerksamkeit erlangt hatte, wurde sie politisch attraktiv. Das “Projekt” Klimaschutz hat sich heute soweit verselbstständigt, dass es auf keiner politischen Agenda mehr fehlen darf. Nicht nur die Politik hat den Klimaschutz für sich entdeckt, sondern auch die Werbung, wie diese Beispiele zeigen.

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5 Kommentare
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  1. Sie reden von ein besserem Klima, dabei wird unser Klima immer mehr vergiftet ! Unsere Lebensgrundlagen stehen auf dem Spiel! Der Ungezügelte und unkontrollierte Kapitalismus ist so zerstörerisch, wie nichts vorher da gewesenes! Wenn dieser Wahnsinn nicht noch durch ein Wunder gestoppt wird, wird der Menschliche Untergang wohl nicht mehr aufzuhalten sein?

  2. @ Jochen Meier

    Nur, daß der ach so tolle Sozialismus, noch sorgfältiger mit den Lebensgrundlagen umging und dies, dort wo er noch oder schon wieder lebt, immernoch tut haben Sie wohl vergessen oder übersehen? Ihr simples Weltbild mag zwar wieder sehr modern sein, taugt aber leider nicht viel zur Lösung der anstehenden Probleme. Aber, ich gehe mal davon aus, daß Sie es lieben am Abgrund zu stehen und zu erschauern, um sich dann stehenden Fußes den Vorzügen der pösen kapitalistischen Gesellschaft genußvoll hingeben zu können. Hauptsache, man steht im Inneren fest auf der Seite der Guten, nicht?

  3. Sie reden von ein besserem Klima, dabei wird unser Klima immer mehr vergiftet !

    Mensch Meier! Lesen Sie eigentlich selbst den Stuß, den Sie schreiben?
    Klima ist eine statistische Abstraktion des Wetters in Zeit und geographischem Raum, und für eine solche sind toxikologische Überlegungen gegenstandslos.

    Unsere Lebensgrundlagen stehen auf dem Spiel!

    Meine übrigens nicht.
    Wo haben Sie denn so eine sinnfreie Behauptung aufgeschnappt? Ein wenig Begründung wäre nicht schlecht…

    Ansonsten Ihre Kapitalismus-Kritik in allen Ehren, doch Ihrem Leid können sie abhelfen durch Ersuchen nach politischem Asyl in Nord-Korea. Probleme mit der fremden Sprache wären zu vernachlässigen, weil Ihnen der konfliktbeladene Umgang schon mit der deutschen in Orthographie und Grammatik offensichtlich auch keine spürbaren Schwierigkeiten im zivilen Leben bereitet.

  4. In dem Bericht ist eine kleine Unschärfe, die man kaum glauben mag.
    Denn noch früher als DIE GRÜNEN hat die FDP auf das CO-Klimathema aufmerksam gemacht, und zwar bereits im Jahr 1982, was folgendes FDP-Wahlkampf-Poster aus 1982 dokumentiert:

    http://www.solarresearch.org/THA_Gummersbach_Klima1982_FDP.JPG

    Das Foto habe ich in der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach im Februar 2008 aufgenommen, wo es zu der Zeit eine Plakatausstellung mit FDP-Wahlplakaten „aus alten Zeiten“ gab…

    Zitat in dem Plakat aus 1982:
    „Im Jahr 2000 wird die Atmosphäre der Erde um Ein- Drittel wärmer sein als vor dem industriellen Zeitalter“

  5. @Hoffmann:
    Offensichtlich konnte sich 1982 die FDP gegen die Schreihälse von Global 2000 nicht wehren, die als Paten auf dem Plakat auftreten. Gerechterweise dürften alle Beteiligte an diesem Plakat nicht mehr unter uns weilen, weil soviel Blödheit schon aus medizinischen Gründen nicht mit den Leben vereinbar ist.
    Ein Drittel wärmer… -- bei angenommen 15 °C (288 K) sind das dann 111 °C ((288+288/3)-273 K) -- so ein Schwachsinn! Und mit solchen Idioten muß ich diesen Globus teilen?

    Es hat doch etwas beruhigendes, daß keine Generation auf ihr Grundrecht auf Klima-Angst verzichten muß. Jetzt heißt es mal wieder Salto rückwarts, und bei der lobotomierten Journaille wird von neuem das große Troll-Füttern ausgerufen werden.

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