Wie stark schmilzt die Arktis in diesem Sommer? Die Klimaforscher raten – wir raten mit!

10. August 2010 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Kurioses, Schnee und Eis

Alle Jahre wieder – ist man geneigt zu sagen. Im mittlerweile dritten Jahr in Folge geben auch dieses Jahr wieder gestandene Arktisforscher und solche, die sich dafür halten, ihre Schätzungen ab, wie stark das Eis in der Arktis in diesem Jahr zum September abschmelzen wird (hier). Zu dieser Zeit erreicht nämlich die Ausdehnung der Eisbedeckung immer ihren niedrigsten Stand im Jahr. Der beste Zeitpunkt also, mal wieder lautstark das Panikorchester anschwellen zu lassen.  Die Prognosen werden dabei jeweils von Juni bis August in jedem Monat erneuert. Durch Anpassen der verschiedenen Modelle an die jeweils aktuellen Daten soll so die Präzision der Vorhersage verbessert werden.

Das ganze Verfahren lieferte jedoch bisher im großen und ganzen Ergebnisse die irgendwo zwischen ziemlich schlecht und völlig unbrauchbar lagen (wir berichteten). Im Durchschnitt ermittelten die Klimaforscher so im letzten Jahr ein September-Minimum von 4,6 Millionen km². Der tatsächliche Wert wurde dann mit 5,36 Millionen km² angegeben. Sämtliche Arbeitsgruppen hatten die tatsächliche Ausdehnung deutlich zu niedrig eingeschätzt und waren demnach von einem stärkeren Abschmelzen ausgegangen. 

Wie schon so oft, hat also die Realität den Forschern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Mittlere Abweichung der Modelle von den tatsächlichen Werten betrug fast 800.000 km², oder anders ausgedrückt, entsprach der Fläche von Deutschland und Großbritannien zusammen. Ob man Heerscharen von Wissenschaftlern beschäftigen sollte, um Prognosen von dieser Qualität zu erstellen, muss wohl jeder selbst für sich entscheiden.

Wie gut, oder besser gesagt wie schlecht, die Methoden der unterschiedlichen Institute sind, lässt sich gerade in diesem Jahr besonders gut an der Bandbreite der Erwartungen der unterschiedlichen Beteiligten ablesen. So schätzt der aktuelle „Spitzenreiter“, die University of Alaska, das diesjährige September-Minimum auf 5,7 Millionen km². Die niedrigste Schätzung stammt von dem Umweltforscher Charles Wilson, der die Meinung vertritt, das Eis würde in diesem Jahr fast komplett bis auf einen Restbestand von 1 Millionen km² abschmelzen.

Bei so viel moderner Kaffeesatz-Leserei möchten wir von Science-Skeptical natürlich nicht hinten anstehen und präsentieren Ihnen hier unsere Schätzung des diesjährigen Arktischen-September-Minimums. Die Berechnungen zur Abschätzung möchten wir, wie es bei uns üblich ist, für den Leser möglichst nachvollziehbar und transparent gestalten. Wir verwenden dazu eine Methode, die der Autor Papy Jako im französischen „Le Post“ vorgestellt hat.

Hierbei werden die Werte der Forscher für das September-Minimumaus dem letzten Jahr herangezogen und mit dem tatsächlich im September ermittelten Wert verglichen. Der daraus resultierende Fehlerfaktor wird dann mit der Prognose aus diesem Jahr multipliziert.

Als Ergebnis dieser Berechnungen konnten wir Anhand der Juli-Daten der Forscher ermitteln, dass das Septemberminimum in diesem Jahr 5.770.000 km² betragen wird. Papy Jako hat unter Berücksichtigung der Juni-Daten noch einen Wert von 5.627.000 ermittelt.

 Sind wir nun der Meinung, dass der von uns ermittelte Wert „besser“ ist, als jene von den honorigen Klimawissenschaftlern vorgestellten Zahlen? Nein, das glauben wir wirklich nicht. Allerdings hat unsere Schätzung den Vorteil, dass Sie ohne Aufwendungen aus Ihren Steuergeldern zustande gekommen ist. Da den „echten“ Wert ohnehin niemand wissen (und wie die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen auch nicht verlässlich abschätzen) kann, bleibt uns letztendlich nur das Abwarten. Es ist wie immer, wenn es um das Wetter geht. Wenn der Hahn kräht auf dem Mist…

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2 Kommentare
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  1. Eine umfangreiche Gegenüberstellung der Eis-Zustandsberichte verschiedener Institute gibt es bei Watts-Up-With-That; http://wattsupwiththat.com/sea-ice-page/ .
    Die beklagte „moderner Kaffeesatz-Leserei“ hätte schon längst besseren Analysen weichen können, wenn man sich der arktischen Erwärmung vor 90 Jahren ernsthaft angenommen hätte. Damals, im Winter 1918/19, fand ein enormer Temperaturschub zwischen Spitzbergen und der Fram Strait statt, die für zwei Dekaden anhielt. Der starke Temperaturanstieg betraf die Wintersaison, was zwingend auf eine Strukturverschiebung in der Meerwasserschichtung und den West-Spitzbergenstrom hindeutet. Ausführlich dazu: http://www.arctic-heats-up.com/ , http://www.arctic-warming.com/ . Zu Ort, Zeitpunkt, Entwicklung und Dimension des Ereignisses, von dem immerhin die ganze Nordhemisphäre mit einer Warmphase bis 1940 betroffen wurde, sagt die neuste Forschung noch immer wenig, obwohl schon im Jahr 1922 von einer dramatischen Erwärmung im hohen Norden berichtet wurde:
    “The Arctic seems to be warming up. Reports from fisherman, seal hunter, and explorer who sail the seas about Spitsbergen and the eastern Arctic, all point to a radical change in climatic conditions, and hitherto unheard-of high temperatures in that part of the earth’s surface”. (Monthly Weather Review, 1922/Nov)
    Auch wenn der derzeitigen Erwärmung der Arktis andere Mechanismen zugrunde liegen als vor 90 Jahren, solide Analysen und Erkenntnisse zu dem damaligen Ereignis würde der Einschätzung der heutigen Seevereisungsprozesse sehr dienlich sein und ein „DIE raten -- WIR raten“ vielleicht überflüssig machen.

  2. Hallo,

    da die Aussagekraft von Modellen einen immer währender Streitpunkt darstellt, würde ich es sehr begrüßen, wenn sich mal jemand hiermit beschäftigen würde:

    http://climateaudit.org/2010/08/09/mckitrick-et-al-2010-accepted-by-atmos-sci-lett/
    Aufgegriffen hier:
    http://joannenova.com.au/2010/08/the-models-are-wrong-but-only-by-400/

    Wäre toll, wenn jemand die Debatte auch in Hinblick auf Santer 2008 in deutscher Sprache beleuchten könnte.

    beste Grüße, UL

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