Wofür der Winter gut ist

25. Januar 2010 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Klimawandel, Medien, Schnee und Eis

Wir frieren hier langsam ein – und das gefällt mir nicht. Seit Tagen klirrende Kälte mit wenigen Niederschlägen, der Schnee hat sich in eine feste Eisdecke verwandelt. Das Hoch über dem Osten Europas hat weite Teile Deutschlands im Griff. Und viele Mitbürger bestätigen meine Auffassung: Dieser Winter ist ungewöhnlich schneereich und ungewöhnlich kalt. Jedenfalls im Vergleich zu den vergangenen Jahren. In diesem Zusammenhang muten natürlich die Meldungen von globalen Temperaturrekorden (laut NASA war 2009 das Jahr mit der zweithöchsten mittleren globalen Temperaturanomalie seit Beginn ihrer Temperaturreihe im Jahr 1880) seltsam an. Seltsam der Realität entrückt, und das sind sie auch.

Es gibt berechtigte Zweifel daran, ob das Verfahren, nach dem man die „mittlere globale Temperaturanomalie“ bestimmt, valide ist. Ob also die Art, wie man die Daten erhebt und auswertet, überhaupt geeignet ist, die zu messende Größe zu repräsentieren. Es gibt sogar berechtigte Zweifel daran, ob die durch den Menschen definierte globale gemittelte Temperaturabweichung überhaupt einen Aspekt der Realität physikalisch aussagekräftig wiederspiegelt. Aber das lasse ich mal für den Moment dahingestellt.

Denn es spielt für die Bewertung dieses Winters keine Rolle. Die Kältewelle auf der Nordhalbkugel als Widerlegung der Hypothese von der menschgemachten Erderwärmung anzusehen, ist ein Trugschluß. Ein Beweis für die globale Erwärmung ist sie auf der anderen Seite aber auch ganz sicher nicht. Dieser Winter lenkt den Blick auf etwas völlig anderes:

„Auch wenn wir einen Erwärmungstrend von rund 1° C hinter uns haben – die Schwankungsbreite des lokalen Wetters ist noch ein Vielfaches größer, und die wird es immer geben.“

Dieser Winter zeigt uns, daß der menschgemachte Klimawandel, wie er nach Auffassung vieler Wissenschaftler stattfindet, völlig belanglos ist.

Es gibt eine Reihe Grundtatsachen, an denen auch eine noch so hohe Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre nichts ändern kann. Die Erde ist eine Kugel, je näher man an die Pole kommt, desto kälter wird es im Mittel, weil die Sonnenstrahlen entsprechend flacher einfallen. Die Erde rotiert um ihre eigene Achse und somit wird gut die Hälfte ihrer Oberfläche regelmäßig für viele Stunden nicht von der Sonne beschienen. Es gibt Tag und Nacht – und nachts ist es nun einmal kälter, als tagsüber. Zudem ist die Erdachse um etwa 23,4° gegen die Bahnebene des Umlaufes um die Sonne geneigt. Dies verursacht in den mittleren und hohen Breiten unseres Planeten deutlich unterscheidbare Jahreszeiten. Klimazonen, der Wechsel zwischen Tag und Nacht, Sommer und Winter – solche natürlichen Variabilitäten sind es, die in erster Näherung unser lokales Klima und unser lokales Wetter hinsichtlich der Temperaturen bestimmen. Überall auf der Welt. Und die dadurch hervorgerufenen Schwankungsbreiten in den lokalen Temperaturen sind enorm. Über die gesamte Erdoberfläche hinweg gelangen sie in die Größenordnung von 100° Celsius. Selbst bei mir zu Hause liegen zwischen Tag und Nacht oder Sommer und Winter 30° Celsius und mehr.

Die aktuelle Kältewelle ist also keine Überraschung. Sie ist natürlich. Als Überraschung kann sie nur empfinden, wer angesichts der Klimapropaganda geglaubt hat, eine globale Erwärmung um einzelne Temperaturgrade würde sich erstens überall gleichmäßig auswirken, und wäre zweitens die dominante Kraft, die in Zukunft unser Wettergeschehen bestimmt. Man kann es aber nicht oft genug betonen: Welcher Trend auch immer sich in global gemittelten Werten zeigt, lokal kann er ein völlig anderer sein. Wenn es global gemittelt wärmer wird, ist das durchaus mit einer lokalen Abkühlung verträglich. Und die Größenordnung, um die es nach den globalen Projektionen des IPCC überhaupt wärmer werden kann, ist nicht geeignet, an der Dominanz der natürlichen Faktoren etwas zu ändern.

Globale Mittelwerte kann man nicht wahrnehmen. Keine Pflanze und kein Tier haben einen Sensor dafür. Die Menschen und ihre Umwelt sind an ihre lokalen Umgebungen und damit auch an ihr lokales Wetter angepaßt. Die behauptete Erwärmung um etwa 1° (meinethalben auch 0,6 oder 0,7°) in den letzten hundert Jahren hat den strengen Winter nicht verhindert. Und auch eine projizierte um weitere 4° oder mehr bis zum Ende dieses Jahrhunderts wird dies nicht schaffen. Oder anders ausgedrückt: Es interessiert die Eisdecke in meiner Garageneinfahrt nicht, ob das Thermometer nun 15°  oder nur 10° unter Null zeigt und auch meine Enkel werden weiterhin Streusalz benötigen.

Was dieser Winter den Menschen also in aller Deutlichkeit zeigt, ist der geringe Effekt eines mutmaßlichen anthropogenen Einflusses auf Klima und Wetter angesichts der Größenordnung und der Variabilität der natürlichen Prozesse. Vor diesem Hintergrund ist der verzweifelte Versuch, die Nachricht vom „zweitwärmsten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen“ in den Medien gegen Climategate und Glaciergate zu plazieren, sogar ein schwerer taktischer Fehler. Die Menschen begreifen langsam, daß dieses „zweitwärmste Jahr“ sie überhaupt nicht betrifft.

Und vielleicht wird nun auch endlich die Strategie der Verbesserung der Anpassung an die natürlichen Schwankungen auf lokaler Ebene als die erkannt, die die Antwort auf den mutmaßlich menschgemachten Klimawandel mit beinhaltet.

Ganz genau, Herr Rahmstorf:

„Auch wenn wir einen Erwärmungstrend von rund 1° C hinter uns haben – die Schwankungsbreite des lokalen Wetters ist noch ein Vielfaches größer, und die wird es immer geben.“

So war es, so ist es, und so wird es auch in Zukunft sein. Ihre Klimaforschung ist wichtig, um den wissenschaftlichen Erkenntnisprozeß voranzutreiben, relevante Empfehlungen für praktische, an den Interessen der Menschen ausgerichtete Politik aber liefert sie nicht.

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3 Kommentare
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  1. http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article5970904/Weltklimarat-geraet-erneut-ins-Zwielicht.html

  2. @ P Gosselin

    So langsam scheint das Thema also auch für die Mainsstream Medien interessant zu werden. Ich bin drauf und dran, mir seit Ewigkeiten mal wieder einen Spiegel zu kaufen.

    Wieder wachsendes Vertrauen…

    ….in die Klimaberichterstattung des SPIEGEL, überkam mich bei der Morgen-Lektüre der heutigen Print-Ausgabe des Spiegel (4/2010). Darin findet sich auf drei Seiten eine sehr gute Zusammenfassung dessen, was in den letzten Monaten und Wochen hier auf der Achse des Guten zum Thema Climategate und Weltklimarat zu lesen war (leider nicht online). Titel: “Schmelzendes Vertrauen”.

  3. @autor
    Wegen Providerwechsel ist die Netzrosinenseite nur noch direkt erreichbar:

    http://www.netzrosinen.ch

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