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Norbert Bolz über die Unmöglichkeit von Nachhaltigkeit in komplexen Systemen

10. März 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Nachhaltigkeit, Ökologismus, Politik, Wissenschaft

quentin_100In der Sendung „Sternstunde Philosophie“ des Schweizer Fernsehens kommt der Philosoph Norbert Bolz ausführlich zu Wort. Die Sendung ist in ganzer Länge sehenswert, besonders möchte ich aber auf zwei Punkte hinweisen, und in Schriftform Bolz zitieren. Seine Ausführungen zum Mainstream in den Medien sind nicht so neu, zumindest nicht für mich, doch was er zur Nachhaltigkeit sagt, gehört diskutiert und stellt eine Gegenposition zum derzeit weit verbreiteten Denken darüber dar.

Katja Gentinetta: Nehmen wir genau dieses Wort Widerstand auf. Sie haben den Begriff schon genannt: Konformismus. Sie zeichnen sich ja dadurch aus, dass sie versuchen, oft, eine Gegenmeinung zu vertreten. Sie vertreten sie auch, sehr deutlich, sie haben beispielsweise gesagt, Authentizität ist eines der großen Schlagworte, Nachhaltigkeit ist ein anderes. Sie positionieren sich just am anderen Ende. Nachhaltigkeit halten Sie für nahezu ökologischen Fundamentalismus, wenn man so will. Wie begründen Sie das? Beziehungsweise, wieviel an Ihrer Position ist Gegenprovokation und wieviel ist Philosophie?

Norbert Bolz: Das ist natürlich jetzt schwer für mich zu beurteilen, objektiv über mich zu urteilen, was so eine zentrale Frage betrifft. Aber zumindest was mein Selbstverständnis betrifft, hat es mit Gegenprovokation überhaupt nichts zu tun. Bleiben wir bei dem Beispiel Nachhaltigkeit. Das habe ich relativ früh



Die Neutronik – der Weg zur nuklearen Batterie?

2. März 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Energieerzeugung, Innovationspolitik, Kernenergie, Politik, Technium

Das Prinzip eines Pumpspeichers ist leicht zu veranschaulichen. Man hebe einfach ein Glas Wasser hoch – und lasse es fallen. Der erste Schritt entspricht dem Pumpen von Wasser in ein höher gelegenes Becken. Das erfordert Arbeit, wie man leicht merkt, wenn man es mit einem vollen Maßkrug probiert. Denn die Erdanziehungskraft gilt es zu überwinden, wenn auch nur für ein paar Zentimeter. Ein Teil der aufgewendeten Energie ist nun im Wasserglas gespeichert – ein Teil aber auch unwiederbringlich verloren (beispielsweise durch Reibung in den Muskeln oder durch die Verdrängung der Luft). Beim Pumpspeicher geschieht gleiches. Verluste entstehen unter anderem in den Pumpen und durch die Reibung des Wassers in den Leitungen. Läßt man das Wasser aus dem oberen Reservoir wieder abfließen und zur Stromerzeugung durch Turbinen strömen, wird die gespeicherte Energie wieder freigesetzt. Genau wie beim fallenden Wasserglas.

Jeder Energiespeicher funktioniert nach diesem Prinzip. Gespeicherte Energie ist das Potential eines Systems, Arbeit zu leisten. Verliehen wird ihm diese Fähigkeit durch ein Kraftfeld, in dem es sich befindet. Je näher sich das System an der Quelle dieses Feldes befindet, desto geringer ist sein Potential. Denn desto weniger Energie kann es bei einem “Absturz” noch freisetzen. Neben der Gravitation, die auf alle



Schlechter Journalismus, am Beispiel Stefan Siller

1. März 2014 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Energiewende, Kohle, Medien

quentin_100Beim SWR gibt es auch gute Moderatoren für Informationssendungen, Wolfgang Heim und Gábor Paál beispielsweise, Stefan Siller gehört aber nicht dazu, und jedesmal wenn ich seine durchaus sympathische Stimme im Radio höre, wechsle ich den Sender. Schon seit langem geht mir Siller mit seiner moralisierenden, ganz dem grünen Zeitgeist angepassten, Attitüde auf den Wecker. Für Musiksendungen mag er ja noch ganz brauchbar sein, aber, zumindest zu Hause, höre ich keine Musik im Radio, sondern hauptsächlich bei Digitally Imported oder SKY.fm. Lokales Radio brauche ich nur um Kommentare oder Infosendungen anzuhören, oder wegen Staumeldungen wenn ich unterwegs bin. Und für Infos und Kommentare gibts Podkast, den für SWR1 Leute habe ich abonniert, kann mir also in Ruhe anhören was gesprochen wurde, zu einer Zeit wenn es am besten passt. Wenn dann Stefan Siller als Moderator genannt wird, kann ich mir die Zeit meist sparen, es sei denn das Thema ist zu interessant für mich um es zu ignorieren.

Aus diesem Grund, interessantes Thema, habe ich mir die Sendung SWR1-Leute vom 25.02. angehört, und es hat sich gelohnt, denn der Chef der Stadtwerke Ettlingen, Eberhard Oehler, war zu Gast und er sollte unter anderem über die Energiewende sprechen. Doch dazu



Passend zur Grillsaison – Wer viel Fleisch isst lebt gesünder

26. Februar 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Ernährung, Gesundheit, Ökologistische Mythen

800px-Eye_Fillet,_Grass-Fed_BeefDie ersten Sonnenstrahlen künden es untrüglich an und auch der Blick auf den Kalender spricht eine deutliche Sprache. Der Frühling steht vor der Tür. Damit beginnt die von vielen sehnsüchtig erwartete Grillsaison. Und dem Liebhaber von auf offener Glut oder über der Gasflamme gebratenem herzhaftem Fleisch läuft allein schon beim Gedanken an das Brutzeln eines Steaks auf dem Grillrost das Wasser im Mund zusammen.

Getrübte Freude…

Wobei bei manch einem die Freude über das leckere Essen dadurch getrübt wird, dass man glaubt seiner Gesundheit damit nichts Gutes zu tun. Wird uns doch, vor allem von der gesundheitsbewussten Presse, seit vielen Jahren gepredigt, dass vor allem der Genuss von Fleisch zu mannigfaltigen Zivilisationskrankheiten führen würde. Und diese könnten durch den bewussten Verzicht auf Fleisch dementsprechend verhindert werden. So lässt etwa der deutsche Vegetarierbundes VEBU verlauten: „Vegetarische Kostformen haben das Potenzial, die meisten dieser Zivilisationskrankheiten zu verhindern. Darüber hinaus können sie erfolgreich bei deren Behandlung eingesetzt werden.“ Diese und ähnliche Stellungnahmen, welche den Vorteil einer fleischarmen oder gar fleischfreien Kost preisen, bekommt man im deutschen Blätterwald beinahe jede Woche zu lesen.

Dünne Faktenlage

Fragt man nach Belegen für diese Aussagen, wird es dann allerdings relativ schnell still. Es handelt sich dabei um



Die Sehnsucht nach Arkadien

18. Februar 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Nachhaltigkeit, Ökologismus, Ökologistische Mythen

Was wollen Ökologisten?
Von was träumen sie?
Was treibt sie an?

Meist wird ihnen unterstellt, sie wären einfach nur rückwärts gewandt, wollten die Zeit zurückdrehen.
Nichts wäre falscher.
Sie wollen nicht zurück, sondern in ein anderes Land: Nach Arkadien.

Arkadien01

Schon in der Antike war Arkadien ein mythischer Ort. Glückliche Hirten, so glaubte man, lebten dort frei und von der freundlichen Natur verwöhnt ohne Zwang und ohne Sorgen.

Nachdem Vergil das Land in Rom als entrücktes Ideal besungen hatte, geriet es im Mittelalter in Vergessenheit. Die Menschen suchten ihr Paradies im Jenseits.
Doch in der Renaissance erwachte die alte Sehnsucht wieder und im Barock erlebte sie eine Blüte.

Warum?

Sicherlich, weil es eine Art Archetyp ist, fest verankert im menschlichen Bewusstsein. Aber es gehört noch mehr dazu.
Im antiken Rom war es eine Überflussgesellschaft, die, sicher vor materiellen Nöten, in einer dekadenten Stimmung dem goldenen Käfig entfliehen wollte.
In der Renaissance wurde die Antike verehrt, die Menschen fühlten sich ‘wiedergeboren’ nach der dunklen Zeit des Mittelalters, vor allem aber bildete sich wieder eine reiche, übersättigte Oberschicht, die erneut an der Grenze zur Dekadenz nach Fluchten suchte, Zwänge und Konventionen abstreifen wollte und sich nach dem ‘einfachen Leben’ sehnte, von dem sie



Die Energiewende als Vorbild für die Welt?

17. Februar 2014 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Energieerzeugung, Energiewende, Politik, Wirtschaftsförderung

ego150Die Energiewende ist nicht nur ein zentraler Baustein deutscher Klimawandelvermeidungsphantasien. Sie wird – zumindest in der politischen Kommunikation – auch als Instrument zur Sicherung zukünftiger Wertschöpfungsmöglichkeiten unserer Wirtschaft verkauft.

So führte Sigmar Gabriel auf dem Berliner Energy Forum am 10.02.2014 aus:

Das Ziel ist keineswegs, nur den Klimaschutz und die Ökologie im Blick zu haben. Wir glauben vielmehr, dass wir mit der Energiewende auch ein erhebliches Potenzial für Wachstum und den Neuaufbau von Industrie und Arbeitsplätzen schaffen können. Darüber wollen wir in den kommenden Wochen und Monaten auch mit unseren europäischen Partnern verstärkt in die Diskussion kommen.

Wenn man sich der Diskussion über Sinn und Unsinn von Dekarbonisierung einer- und über Sinn und Unsinn des Ausstiegs aus der Kernenergie andererseits verweigert, reduziert man seine Wahrnehmungs- und Entscheidungsmöglichkeiten in riskanter Weise. Das Alternativszenario, in dem andere Länder diesem Ansatz nicht folgen, kann nicht mehr in das Kalkül einbezogen werden. Man ist festgelegt auf die Vorstellung, die Energiewende würde automatisch zu einem Exportschlager, weil in naher Zukunft weitere relevante Wirtschaftsräume des Planeten zwingend dem deutschen Vorbild nachzueifern hätten.

Noch einmal sei dazu unser Wirtschaftsminister zitiert:

[...] wollten wir zeigen, dass eine leistungsfähige Industriegesellschaft wie die deutsche Klimaschutz und Erneuerbare Energien miteinander verbinden



Professor der TU Bergakademie Freiberg gegen Verbot von Hydraulic Fracturing

15. Februar 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Energieerzeugung, Unkonventionelles Gas und Öl

Tightgas-Bohrung Düste Z10 im Landkreis Diepholz ©chef79In der Debatte um das Hydraulic Fracturing wird jeder Zwischenfall, der dem Verfahren oftmals zu Unrecht angelastet wird, medial breit präsentiert. Durchaus existierende sachliche, nicht dramatisierende oder sogar befürwortende Äußerungen von Fachleuten sind, von einigen Ausnahmen abgesehen, in der Medienlandschaft nicht auszumachen, da sie schlichtweg ignoriert werden. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Ein dpa-Interview mit dem Freiberger Professor Mohammed Amro soll hier zusammengefasst und kommentiert werden.

Doch zunächst noch einige Worte zur Einleitung: Im vergangenen Jahr erschien eine Studie, die erhöhte Methankonzentrationen in Hausbrunnen fand, die sich in der Nähe von Schiefergasbohrungen befinden. Zur Erschließung von Schiefergaslagerstätten ist das Hydraulic Fracturing-Verfahren zwingend erforderlich, um künstliche Fließwege durch Rissbildung (Fracturing) zu schaffen. Obwohl die Forscher in der Studie “Increased stray gas abundance in a subset of drinking water wells near Marcellus shale gas extraction” nicht das Verfahren dafür verantwortlich machten, sondern unzureichend ausgebaute Bohrlöcher, titelte z.B. SpiegelOnline: “Studie über Pennsylvania: Fracking treibt Gase ins Trinkwasser” . Auf diese Fehlinformation soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden, sie wurde bereits hier im Juli 2013 kommentiert. Das sollte nur eines von vielen Beispielen sein, bei denen zu Unrecht dem Hydraulic Fracturing Vorfälle angelastet werden.

Doch nun zum Interview, dessen Inhalt nach kurzer