Artikel



Gutmenschen und Doppelmoral

29. März 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Ökologismus

halo

Wir trinken Diet Coke – Zum Big Mac und Fritten.

Wir gehen ins Fitnessstudio – Und nehmen den Aufzug in den zweiten Stock.

Wir installieren energiesparende Durchlauferhitzer – Und duschen dann länger.

Wir fahren mit dem SUV zu einem Vortrag von Al Gore.

Michael Rosenwald

Uli Hoeneß hat mindestens 28 Millionen € Steuern unterschlagen.

Er ist ein Krimineller.

Wer hätte das gedacht! Der Uli, der für seinen Verein lebt, Spitzensportler, erfolgreicher Unternehmer und großzügiger Wohltäter, Träger des Baverischen Verdienstordens und der Bayerischen Staatsmedaille für soziale Verdienste – Und Millionenbetrüger? In einer Person?
Doch er ist, wie wir alle wissen, kein Einzelfall.
Dahinter steckt ein ganz alltägliches psychologisches Muster, die ‘Moralische Selbstlizensierung’.
Je positiver die Selbstwahrnehmung eines Menschen ist, je ‘moralischer’ er sich fühlt, desto mehr glaubt er ‘sich erlauben zu können’. Er beansprucht sozusagen Kredit für seine Verdienste und beansprucht mehr Freiräume – bis hin zum Verbrechen.

 “Frühere gute Taten können Individuen dazu bringen, unmoralisch, unethisch oder in anderer Hinsicht problematisch zu handeln, also Handlungen zu begehen, die sie sonst aus Furcht oder aus einem Gefühl, unmoralisch zu sein, vermieden hätten.”

Anna Merritt et al.

“Die moralische Selbstlizensierung ist ein unterbewusster Effekt, der dadurch wirkt, dass er das moralische Selbstwertgefühl



Die WMO, das sechstwärmste Jahr und die Stagnation

25. März 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Klimawandel, Medien, Meeresspiegel, Wissenschaft

from 1997Die Weltorganisation für Meteorologie hat (WMO) hat gestern ihren Jährlichen Bericht zur Klimaentwicklung vorgestellt. Wer, wie die meisten Leser hier, die Entwicklung der globalen Temperaturen mehr oder weniger regelmäßig verfolgt, für den kommt die Hauptbotschaft des Reports nicht überraschend. Die seit etwa 1998 andauernde Stagnation beim Anstieg der Globaltemperaturen hat sich auch im Jahr 2013 weiter fortgesetzt. Die Grafik rechts zeigt die Entwicklung der Globaltemperatur seit 1997  nach unterschiedlichen Messdaten.

Stagnation beim Temperaturanstieg kein Thema

Zugegeben, von der Stagnation erfährt man lediglich in dem dem Bericht zugrunde liegenden Daten, nicht im Bericht selbst. Die WMO, die ebenso wie das IPCC eine Organisation der UNO ist, wählt ihre Formulierungen dann doch lieber so, dass der Umstand dass es seit über 15 Jahren nicht mehr wärmer wird nicht so deutlich auffällt. In der Presseerklärung wird der Begriff Stillstand (Hiatus) nicht einmal erwähnt. Dort heißt es stattdessen:

The report confirmed that 2013 tied with 2007 as the sixth warmest on record, continuing the long-term global warming trend.

(…)Thirteen of the fourteen warmest years on record have all occurred in the 21st century, and each of the last three decades has been warmer than the previous one, culminating with 2001-2010 as the warmest decade



Die Berliner Runde

23. März 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Klimawandel, Politik, Wissenschaft

ego150Es gab den Moment, als die Stimmung im Saal zu kippen drohte. Michael Limburg erhob sich, um eine Frage an Hans von Storch zu richten. Eine durchaus vernünftige nach den Auswirkungen des steigenden Kohlendioxid-Gehaltes auf die irdische Flora. Immerhin wäre ja zu erwarten, daß überall dort, wo ausreichend Licht, Wasser und sonstige Nährstoffe vorhanden sind, Kohlendioxid als zusätzlicher Dünger das Pflanzenwachstum anregt. Was nützlich sein kann. Erst allerdings fiel der Moderator Herrn Limburg ins Wort – mit der Aufforderung, kein Koreferat zu halten – und dann reagierte von Storch ungehalten und schulmeisterlich. Sicher wurde im Vorfeld besprochen, längliche Monologe aus dem Publikum zu unterbinden. Auch ich hatte entsprechende Befürchtungen aufgrund von Erfahrungen bei anderen Veranstaltungen. Aber Herrn Limburg schon nach wenigen Worten zu maßregeln, wäre nicht nötig gewesen. Zumal er für längliche Monologe nicht gerade bekannt ist. Es war wohl eher eine reflexhafte Reaktion, ausgelöst durch Limburgs Engagement für das Europäische Institut für Klima und Energie, kurz EIKE.

Dabei hatte der Abend bis dahin einen sehr angenehmen Verlauf genommen. Sicher, es war die Show des Hans von Storch. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist sein Verein. Die Diskussion zum Klimawandel am vergangenen Montag hat er – vermute ich – angeregt und wohl wesentlich



Niedersachsen erschwert Genehmigung von Erdgasgewinnungsprojekten Teil I

22. März 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Energieerzeugung, Erdgas, Unkonventionelles Gas und Öl

08_Buchhorst_T12_bearb2Seit fast drei Jahren stockt die Genehmigung von hydraulischen Fracmaßnahmen in niedersächsischen Erdgaslagerstätten. Das ist bedingt durch die Unterstellung, dass dieses Standardverfahren angeblich zu massiven Umweltbeeinträchtigungen in den USA im Zusammenhang mit der Schiefergasförderung geführt haben soll. Unter Betrachtung der gesamtwissenschaftlichen Erkenntnisse hat diese Unterstellung jedoch wenig Bestand. Weiterhin verantwortlich für die Diskussion um die niedersächsische Erdgasgewinnung sind räumlich eng begrenzte Kontaminationen an Lagerstättenwasserleitungen aus Polyethylen. Dieser erste Teil einer kritischen Betrachtung zur nunmehr bekanntgewordenen Erschwerung der Genehmigung von Erdgasgewinnungsprojekten in Niedersachsen soll zunächst die Hintergründe der Debatte beleuchten. Aufgrund der Komplexizität ist das nur übersichtsartig möglich. In einem zweiten folgenden Teil wird die Pressemitteilung der verantwortlichen Minister dazu kommentiert.

1. Einleitende Anmerkungen

Bötersen Z11, März 2012 chef79

Bötersen Z11, März 2012 chef79

In niedersächsischen Erdgaslagerstätten wurden seit 1961 Fracarbeiten durchgeführt. Insgesamt kamen bis zum Stopp 2011 über 300 Einzelmaßnahmen in mehr als 100 Bohrungen zusammen[1]. Die Umweltschäden beliefen sich dabei auf sage und schreibe NULL[2]. Das trifft selbstverständlich auch auf Grundwasserkontaminationen zu, die seitens der Gegnerschaft quasi als zwangsläufige Folge der Anwendung von Hydraulic Fracturing angesehen werden, obwohl es bei über 2 Millionen durchgeführten Fracmaßahmen nach Recherchen der Shale Gas Information Platform lediglich zu einem einzigen Grundwasserschaden gekommen sein soll



Polen sichert seine Netze gegen deutschen Ökostrom – BMWi nennt das “Meilenstein beim Netzausbau in Europa”

20. März 2014 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Energiewende, Photovoltaik, Windkraft

Umspannwerk_01_KMJDer Ausbau der Produktion von Strom aus Windkraft und Photovoltaik  in Deutschland schafft nicht nur hierzulande wachsende Probleme. Neben der durch die Zwangseinspeisung von teurem “Ökostrom” stetig steigenden Energiepreise bereiten vor allem die  starken Fluktuationen der wetterabhängigen Stromerzeugung denjenigen die für die Stabilität der Netze verantwortlich sind zunehmend Kopfschmerzen. Schließlich muss in einem stabilen Stromnetz zu jeder Sekunde genau so viel Strom verfügbar sein, wie in diesem Verbraucht wird. Zu wenig oder zu viel Strom führen zunächst zur Instabilität und schließlich zum Zusammenbruch, also dem was man landläufig einen Black Out nennt.

Im März wieder kritische Situation

Deutlich wurde das Ausmaß der Probleme welche die Energiewende für eine sichere Stromversorgung schafft wieder am letzten Wochenende. Auf der unten dargestellten Grafik werden die Einspeisung von Wind- und Photovoltaik-Strom, sowie die Erzeugung mit konventionellen Kraftwerken und die Netzlast, also der jeweils aktuelle Strombedarf, im Zeitraum vom 1. bis zum 20. März gezeigt.

Last und Produktion März 2014

Während in der ersten Hälfte des Monats lediglich die Photovoltaik einen nennenswerten Beitrag zur Stromerzeugung leisten konnte, und das auch nur an wenigen Stunden des Tages, wandelt sich dieses Bild am Freitag den 14. März grundlegend. Die nächste Abbildung zeigt das noch deutlicher.

Einspeisung Wind 13. bis 17. März

Man erkennt sehr gut den Anstieg der



Sigmar Gabriel: “Wenn wir nicht mindestens unsere Industrie entlasten, droht uns eine Deindustrialisierung”

13. März 2014 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Energieerzeugung, Energiewende, Politik

FotoUnser stellvertretender Bundeskanzler und Bundesminister für Wirtschaft und Energie hat wahrlich keinen leichten Job. Man könnte annehmen, dass er es mittlerweile schon das eine oder andere Mal bereut haben könnte, neben dem Wirtschaftsministerium auch noch das Ressort Energie übernommen zu haben. Dieses Ressort, welches ja eigentlich im Wirtschaftsministerium auch gut aufgehoben ist, war in den letzten Jahren hauptsächlich in der Verantwortung der Umweltminister.

Grund dafür war, dass die Energiewende, also zunächst der Umbau unserer Energieversorgung auf sogenannte Erneuerbare Energien aus Gründen des Klimaschutzes, und dann nach 2011 der deutsche Ausstieg aus der Kernenergie, als Thema vor allem mit dem Umweltschutz begründet wurde.

Allerdings ist in den letzten Jahren ein anderer Aspekt immer mehr in den Mittelpunkt gerückt. Und zwar die ausufernden Kosten des Umbaus der Stromversorgung auf ineffiziente und damit teure Quellen, darunter vor allem Windkraft und Photovoltaik und zu einem geringen Anteil auch Biogas. Dass aus Jürgen Trittins ursprünglicher “Kugel Eis im Monat”  inzwischen “die Eiskarte rauf und runter essen” (Peter Altmaier) geworden ist, wird nicht mehr nur hier, sondern inzwischen in sämtlichen Medien intensiv diskutiert.

Und es ist so wie die Dinge stehen unausweichlich, dass die Kosten auch weiter steigen. Neben der steigenden



Norbert Bolz über die Unmöglichkeit von Nachhaltigkeit in komplexen Systemen

10. März 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Nachhaltigkeit, Ökologismus, Politik, Wissenschaft

quentin_100In der Sendung „Sternstunde Philosophie“ des Schweizer Fernsehens kommt der Philosoph Norbert Bolz ausführlich zu Wort. Die Sendung ist in ganzer Länge sehenswert, besonders möchte ich aber auf zwei Punkte hinweisen, und in Schriftform Bolz zitieren. Seine Ausführungen zum Mainstream in den Medien sind nicht so neu, zumindest nicht für mich, doch was er zur Nachhaltigkeit sagt, gehört diskutiert und stellt eine Gegenposition zum derzeit weit verbreiteten Denken darüber dar.

Katja Gentinetta: Nehmen wir genau dieses Wort Widerstand auf. Sie haben den Begriff schon genannt: Konformismus. Sie zeichnen sich ja dadurch aus, dass sie versuchen, oft, eine Gegenmeinung zu vertreten. Sie vertreten sie auch, sehr deutlich, sie haben beispielsweise gesagt, Authentizität ist eines der großen Schlagworte, Nachhaltigkeit ist ein anderes. Sie positionieren sich just am anderen Ende. Nachhaltigkeit halten Sie für nahezu ökologischen Fundamentalismus, wenn man so will. Wie begründen Sie das? Beziehungsweise, wieviel an Ihrer Position ist Gegenprovokation und wieviel ist Philosophie?

Norbert Bolz: Das ist natürlich jetzt schwer für mich zu beurteilen, objektiv über mich zu urteilen, was so eine zentrale Frage betrifft. Aber zumindest was mein Selbstverständnis betrifft, hat es mit Gegenprovokation überhaupt nichts zu tun. Bleiben wir bei dem Beispiel Nachhaltigkeit. Das habe ich relativ früh