Artikel



Im Zweifel für den Angeklagten

3. Januar 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Emissionshandel, Energiewende, Karbonsteuer, Klimawandel, Politik

ego150Vor einigen Tagen erreichte mich eine Mail eines prominenten Klimaforschers. In dieser bezeichnete er mich als Beispiel für einen “politisch motivierten Skeptiker”. Der genaue Zusammenhang ist hier uninteressant. Es ging aber nicht darum, meine Haltung zu kritisieren. Vielmehr schien es ihm eine völlig zutreffende und in keiner Weise wertende Beschreibung zu sein. Mein erster Impuls war Zustimmung. Erst nach einigem Nachdenken kam mir der Gedanke, “politische Motivation” könnte auch völlig falsch verstanden werden.

Das Weltbild eines typischen Alarmisten ist ziemlich simpel (Bild 1). Die Menschen emittieren Treibhausgase und seien daher schuld an der kommenden Klimakatastrophe. Eine auf Dekarbonisierung zielende wäre also zwingend erforderlich. Determiniert wird die gesamte dogmatische Kette ausschließlich durch naturwissenschaftliche Erkenntnisse, denen sich politisches Handeln zu unterwerfen habe.

Zweifel2

Mein Weltbild als Skeptiker ist etwas vielfältiger (Bild 2). Es gibt – kurz gesprochen – unterschiedliche Möglichkeiten der Interpretation der Faktenlage. Die Zukunft ist nicht vorhersehbar. Viele verschiedene Szenarien erscheinen plausibel und unter jeder dieser Möglichkeiten können unterschiedliche politische Strategien in Betracht gezogen werden.

So ist bereits im ersten gedanklichen Schritt die Frage nach fehlendem Wissen über das Klimasystem zu stellen. Können natürliche, vom Menschen nicht zu beeinflussende Faktoren ausgeschlossen werden, die auf vergleichbaren Zeitskalen in vergleichbaren Ausmaßen wie anthropogene



Smart Region Pellworm – Ein Vorgeschmack?

28. Dezember 2013 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Energiewende

Pellworm02

Die nordfriesische Insel Pellworm ist seit Anfang den 1980er Jahren Schauplatz für die Energieforschung. 1983 entstand dort der größte Solarpark Europas. Mit Ergänzung von Windenergieanlagen entstand 1989 Europas größtes Hybridkraftwerk. Ein intelligentes Stromnetz soll die Insel nun stromautark machen.

Offenbar wird auf Pellworm die Energiewende geprobt. Ein guter Grund, sich das näher anzusehen.

Eins sei gleich bemerkt: Wer sich auf die Suche nach konkreten Zahlen macht, hat es nicht leicht, vor allem über die Kosten wird beharrlich geschwiegen. Aber auch Daten zur Leistung der Einzelkomponenten sucht man in vielen Fällen vergeblich oder man findet sie nur mit Mühe und auf Umwegen. Möchte man sich nicht zu sehr in die Karten schauen lassen?

Hier ist jedenfalls die offizielle Projektseite: SmartRegion Pellworm

 

Die Erzeuger

Die Stromerzeugung Pellworms beruht auf der Trias PV, Wind und Biomasse.

  • PV-Nennleistung: 2989 kW, Nutzungsgrad 11%
  • Wind-Nennleistung 6025 kW, Nutzungsgrad 23%
  • Biomasse-Nennleistung: 1060 kW, Nutzungsgrad 47%

Weitere Daten, die aus verschiedenen Quellen eruiert wurden:

  • Längste gemessene Flautedauer: 74 Stunden
  • Gesamterzeugung pro Jahr: ca. 22.300 MWh
  • Anbindung: 2 Seekabel (20kV)

Die Speicher:

  • Li-Ion-Batterien 560 kWh
  • Redox-Flow-Batterie 1200 kWh
  • 11 Li-Ion ‘Haushaltsspeicher’ mit insgesamt 80 kWh

(Quelle)

Die Verbraucher

  • Fläche: 37,44 km²
  • Einwohner: ca. 1100
  • Haushalte:


Science Skeptical steht zur Wahl zum Wissenschaftsblog des Jahres 2013

17. Dezember 2013 | Von | Kategorie: Artikel, Internes, Medien

logo_wissenschaftsblog2013_3d_gold_kleinAls wir im letzten Jahr bei der Wahl zum Wissenschaftsblog des Jahres nominiert waren hatte sich unser Admin Peter Heller noch einigermaßen verwundert (wenn nicht gar entsetzt) gezeigt. Richtig groß war die Verwunderung auf unserer Seite allerdings erst, als wir das Ergebnis der Online Abstimmung des Blogs Wissenschaft kommuniziert erfahren haben. In einem ohne Übertreibung als hochkarätig zu bezeichnenden Teilnehmerfeld schafften wir es aus dem Stand auf den zweiten Platz.

In diesem Jahr wird wieder gewählt. Und uns damit die Chance gegeben, unsere Platzierung aus dem letzten Jahr noch zu verbessern. Wobei die Luft nach oben doch schon sehr dünn wird. Und auch in diesem Jahr treten wir gegen Namhafte Konkurrenz an. Einer der Teilnehmenden Blogs, der ebenfalls hauptsächlich Klima und Energie zum Thema hat, wird sogar von einem renommierten Professor aus Potsdam betrieben (Dessen Chef, so munkelt man, residiert gar in dem Büro, das einst Albert Einstein als Wirkungsstätte diente).

Aber wir wären nicht das was wir sind, wenn wir vor so großen Namen im Respekt vergehen würden. In diesem Sinne auch mein völlig eigennütziger Aufruf an unsere Leser: Wählen Sie uns und nicht die anderen. Zur Abstimmung geht es hier.



Die Berechnung der sozialen Kosten des Kohlendioxid: Wissenschaft oder Spekulation?

15. Dezember 2013 | Von | Kategorie: Artikel

kirche_gustorf

Mit diesem Artikel möchte ich an einem Beispiel aufzeigen wie in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur die hypothetischen sozialen Kosten des von uns Menschen emittierten COberechnet werden.

Die Abschätzungen der externen Kosten der CO2-Emissionen (englisch: social costs of carbon (SCC)) überdecken drei Größenordnungen, von 0.0 £ (oder sogar darunter) bis 1000 £ pro Tonne Kohlenstoff, schreiben Watkiss und Downing in: „The Social Cost of Carbon: Valuation estimates and their use in UK policy“. [1]

Fehlende Studien in den Wirtschaftssektoren und unser mangelndes Verständnis der lokalen und regionalen Wechselwirkungen schließen, laut Watkiss und Downing, eine mittlere Abschätzung der SCC von vornherein aus. Darüber hinaus bleibt ihrer Meinung nach die eindeutige Verwendung von SCC-Werten für die Klimawandelpolitik umstritten.

Die Berechnung der Grenzkosten der anthropogenen CO2-Emission

Um die Grenzkosten der anthropogenen CO2-Emission (im folgenden Grenzkosten) zu berechnen, brauchen wir im wesentlichen drei Funktionen.

Zum ersten eine Rückhaltefunktion G(t), die beschreibt welcher Anteil der CO2-Emissionen in der Atmosphäre verbleibt. Eine Schadensfunktion C(mh), welche die Kosten des Klimawandels mit den CO2 Konzentrationen in der Atmosphäre in Beziehung setzt. Wobei mit mh der Zuwachs an CO2 seit der vorindustriellen Zeit (das Jahr 1750) bezeichnet ist.  Zum Dritten eine Funktion V(t)



Bundesparteitag: FDP bekennt sich zur Planwirtschaft

14. Dezember 2013 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Energieerzeugung, Energiewende, Politik

ego150Der Schlüsselmoment des FDP-Bundesparteitags am 7. und 8. Dezember in Berlin war eine Frage an den für das Präsidium kandidierenden Europaabgeordneten Michael Theurer. Warum er denn im europäischen Parlament nicht gegen das Verbot von Mentholzigaretten für mündige Bürger gestimmt hätte, erkundigte sich ein Delegierter sinngemäß. Selbstverständlich sei er gegen das Verbot, antwortete Theurer und selbstverständlich hätten die Liberalen im europäischen Parlament sich entsprechend geäußert. Aber am Tag der Abstimmung selbst sei er nun mal verhindert gewesen. Da er an dieser Stelle nicht einen Todesfall, seine eigene Hochzeit oder ein vergleichbar wichtiges Ereignis zur Entschuldigung anführte, wird wohl auch kein solches vorgelegen haben. Und von solchen Verpflichtungen abgesehen sollte nichts einem Abgeordneten wichtiger sein, als bei Abstimmungen über Gesetze im Parlament teilzunehmen. Denn das ist sein Job, dafür wird er bezahlt und dafür wird er vor allem stellvertretend für die Bürger gewählt. Die legislative Gewalt darzustellen ist Auftrag, Pflicht und das höchste aller Abgeordnetenrechte zugleich. Wer dem ohne guten Grund nicht nachkommt, hat sein Mandat nicht verdient. Denn er schätzt seine eigenen Interessen offensichtlich höher ein, als die seiner Wähler. Diese Haltung prägte leider die Arbeit der FDP in der vergangenen Legislaturperiode und ist ursächlich für ihr Abschneiden bei der Bundestagswahl.



Menschenrechte und Menschenpflichten

10. Dezember 2013 | Von | Kategorie: Artikel, Ökologismus, Politik

quentin_100Mit dem Ende des 2. Weltkrieges begann die Ära der Menschenrechte, so scheint und schien es. Gesprochen, diskutiert und formuliert wurde natürlich schon viel früher, erste Gesetze darüber wurden bereits aus religiösen Schriften abgeleitet, oder der mehr als dreitausend Jahre alte Codex Ur-Nammu spricht von einer »Gleichheit der Bürger«; und die Idee, dass Menschen unveräußerliche Rechte haben, ist wahrscheinlich so alt wie das Bewusstsein, welches das Selbsterhaltungsrecht quasi automatisch generierte, und dabei mehr ist als reiner Selbsterhaltungstrieb.

Nun aber, nach der Katastrophe des Krieges, angesichts der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, bekamen die Menschenrechte größere Popularität. Dies wurde bei der Gründung der UNO deutlich, oder der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, ein jeder wollte sich von der vorhergegangen Unmenschlichkeit distanzieren, womit dieser moralische Anspruch auch recht zügig als Argument Menschenrechte Einzug in den nun beginnenden Kalten Krieg nahm. Und zwar auf allen Seiten. Die Kolonien welche nach Unabhängigkeit strebten, nahmen es genauso für sich in Anspruch wie die sozialistische Internationale oder der »american way of life«. Und immer wurde dem jeweiligen Gegner vorgeworfen, universelle Menschenrechte zu verletzen. Stefan-Ludwig Hoffmann spricht von »Moralpolik« und dass man die Geschichte der Menschenrechte als ein »Produkt der globalen Gewalt- und Konfliktgeschichte« schreiben müsse. Menschenrechte



Nachhaltigkeit – Was ist das?

8. Dezember 2013 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Energieerzeugung, Innovationspolitik, Nachhaltigkeit, Ökologismus

nachhaltig1

‘Nachhaltigkeit’ ist DAS Buzzword der ökologistischen Bewegung, sozusagen das Qualitätssiegel der Alternativen Bewegung für jede Art von Tätigkeit oder Produktion.

‘Nachhaltig’ weckt Assoziationen wie stabil, sorgenfrei, zukunftssicher. Man baut ewas auf und wenn es geschaffen ist, darf man sich ausruhen und die Früchte der Arbeit geniessen bis an das selige Ende.

Das steht natürlich im krassen Widerspruch zu Fortschritt und Innovation, denn der Fortschritt wirbelt immer wieder die Karten durcheinander und verteilt sie neu. Um diesen Widerspruch aufzulösen, sollen nur solche Innovationen zugelassen werden, die zu einem stabilen Zustand führen, wie etwa die ‘Erneuerbaren Energien’, für die innovative (und sogar utopische) Techniken gefordert werden um dann, wenn das Ziel erreicht ist, das statische Schlaraffenland zu eröffnen.

Utopia

Ist schon der ursprüngliche Begriff unscharf, wird er auch noch maßlos überfrachtet:

Mit der Arbeit der Brundlandt-Kommission der UN und der darauf folgenden UN Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 wurde ein Begriffsverständnis von “Nachhaltigkeit” salonfähig, das verschiedene politische Interessen vereinen sollte; dabei sollten umweltpolitische Ziele den ökonomischen und sozialen Entwicklungszielen gleichgestellt werden. Der Begriff Nachhaltigkeit wird hier als Zielbündel verwendet: dauerhaft stabile Gesellschaften seien zu erreichen, indem ökologische, ökonomische und soziale Ziele nicht gegeneinander ausgespielt, sondern gleichrangig angestrebt würden. Dieses Begriffsverständnis von