Energieerzeugung



Paul Reeves: Echte Innovation lässt sich nicht erzwingen

18. Juni 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Energieerzeugung, Innovationspolitik, Nachhaltigkeit, Politik, Wirtschaftsförderung

Es scheint, als stünden wir heute unter dem Zwang, zwei Welten miteinander in Einklang zu bringen: ökonomisches Wachstum auf der einen und Reduzierung unseres ökologischen Fußabdrucks auf der anderen Seite und müssten zwischen Fortschritt und Selbstbescheidung wählen. Folglich erheben viele Ingenieure und Institutionen im Technologiesektor immer häufiger ein mit möglichst geringen Belastungen verbundenes Wachstum zur Tugend. Dieser scheinbar attraktive Ansatz könnte jedoch langfristig in Wirklichkeit innovationshemmend wirken und echte Innovationen in Projekten, Produkten und Prozessen eher behindern.

Vom Helden zum Zauderer

Im Ingenieurwesen war man früher bestrebt, Neues zu schaffen, das weitreichende positive Veränderungen für die Gesellschaft mit sich brachte. Heute hingegen beschränkt man sich zumindest in Großbritannien darauf, alte Infrastrukturen wie das Abwassersystem oder Schienennetz auszubessern. Nachdem der Autobahnbau in den 1960er und 1990er Jahren boomte, geht es bei den heutigen Infrastrukturprojekten in erster Linie um Wartung, Ausbesserungs- und Verbreiterungsmaßnahmen, um die Straßensicherheit zu gewährleisten und Nadelöhre, insbesondere in den Ballungsgebieten, zu entlasten (1). Als Entschuldigung für den Mangel an größeren und verbesserten Verkehrskapazitäten wird auf Alternativen wie den Schienenverkehr verwiesen – doch nur, weil man das Autofahren möglichst eindämmen möchte. Die Erschließung neuer Flächen auf der grünen Wiese oder gar in Grüngürteln stößt auf Ablehnung. Und obgleich die



AStA TU Darmstadt vs. Freiheit von Lehre und Forschung

17. Juni 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Energieerzeugung, Kernenergie

An der Technischen Universität Darmstadt wird eine Wahlpflichtvorlesung „Kernenergie“ für Maschinenbaustudenten mit folgenden Inhalten angeboten:



Die Deutschen, EHEC und die Risikotechnologie

5. Juni 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Biomasse, Blog, Ernährung, Gesundheit

In den letzten Jahrzehnten haben sich die Ernährungsempfehlungen grundlegend geändert. War in den 70er Jahren das Fleisch noch „Ein Stück Lebenskraft“, galten schon bald darauf tierische Produkte als Wurzel allen Übels und standen im Verdacht Auslöser für zahlreiche „Zivilisationskrankheiten“ zu sein. Dieses Dogma gilt im Prinzip bis heute, ungeachtet der Tatsache, dass seitdem bei steigendem pro Kopf Verzehr von tierischen Produkten die Menschen bei uns im Land immer älter werden und im Alter gesünder sind als sämtliche Generationen vor uns.

Das Dogma von der gesunden Rohkost
Seit dem Beginn der Ökowelle gilt in Deutschland als gesund, was möglichst naturbelassen produziert und verarbeitet wird. Anhänger dieser Bewegung ignorierten dabei, dass der Mensch im Laufe seiner Kulturgeschichte seine Nahrung nur in den wenigsten Fällen unbehandelt zu sich nahm. Und das aus guten Gründen, schließlich sorgt das Kochen, Braten und Fermentieren dafür, dass die Nahrung besser zu verdauen ist, dass giftige Pflanzeninhaltsstoffe entfernt oder unschädlich gemacht werden und dass Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren abgetötet werden.

Und diese Gründe haben im Prinzip noch heute Gültigkeit. Zwar können wir heute auf Pflanzen zurückgreifen, deren Gehalt an giftigen Abwehrstoffen durch züchterische Maßnahmen deutlich reduziert ist, und auch in Punkto Lebensmittelhygiene ist die Situation heute sehr



Dreizehn Energiewende-Märchen – Teil 1

29. Mai 2011 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Blog, Energieerzeugung, Kernenergie, Politik

Die Bundesregierung hat am 28.9.2010 ihr Energiekonzept für eine „umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung“ vorgelegt. Zu den wichtigsten Vorhaben zählen darin:

  • Die Reduktion der Treibhausgasemissionen um 80% bis 95% gegenüber dem Wert des Jahres 1990; um 40% bis zum Jahre 2020.
  • Der Ausbau der erneuerbaren Energie auf einen Anteil von 60% am Bruttoendenergieverbrauch bzw. 80% am Bruttostromverbrauch. Für 2020 sollen das 18% bzw. 35% sein.
  • Eine Verminderung des Primärenergieverbrauchs bis 2050 um 50% gegenüber 2008 (2020: 20%). In Deutschland bestünden angeblich „weiterhin ganz erhebliche Potentiale zur Energie- und Stromeinsparung.“
  • „Die Laufzeit der Kernkraftwerke werden wir um durchschnittlich 12 Jahre verlängern.“

Allein diese wenigen Zeilen enthalten eine hohe Konzentration an stark übertriebenen und unrealistischen und auch sehr kurzlebigen Zielvorgaben; im Falle Kernkraft eine 180-Grad-Wende innerhalb weniger Wochen.  Bereits der erste Satz stellt ein bemerkenswertes Beispiel von Schönfärberei dar, denn – wie in den folgenden Kapiteln dargelegt wird – dieses Energiekonzept würde Deutschland in eine sehr unzuverlässige, unbezahlbare und zudem ganz und gar nicht umweltschonende Energieversorgung befördern, wenn es denn jemals ernsthaft versucht wird. Bereits der Versuch würde große wirtschaftliche Schäden anrichten und es ist ein nur schwacher Trost, daß die vollständige Umsetzung dieses Energiekonzeptes ohnehin unerreichbar ist, weil bei einem bestimmten



Dreizehn Energiewende-Märchen – Teil 2

29. Mai 2011 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Blog, Energieerzeugung, Kernenergie, Politik

(Den erste Teil der Dreizehn Energiewende-Märchen finden Sie hier)

Nr. 8: Das Märchen von der Sonne, die keine Rechnung schickt

Der Werbespruch “Die Sonne schickt keine Rechnung” ist gewiß der Anwärter für den Hauptgewinn im Volksverdummungs-Wettbewerb. Spötter haben dazu festgestellt, daß auch die geologischen Epochen Carbon und Perm keine Rechnung für die damals erzeugte Kohle schicken und daß die kosmische Katastrophe, die das Sonnensystem mit seinen Uranvorräten hervorbrachte, ebenfalls netterweise auf die Versendung von Rechnungen verzichtet hat.

Was mit diesem Verdummungsspruch verschleiert werden soll: Die Sonne scheint in Deutschland – wenn sie scheint – mit einer Leistungsdichte von nur ca. 1000 Watt (thermisch) pro Quadratmeter, woraus eine Silizium-Photovoltaikzelle etwa 90 Watt (elektrisch) erzeugt. Hoffnungen, daß sich das in Zukunft wesentlich verbessert, sind unbegründet und gehören zum technologiepolitischen Wunderglauben (siehe das Märchen vom Technologiesprung). Diese sehr alte Technik ist in den vielen Jahrzehnten bis dicht an ihre physikalische Grenze herangebracht worden; wundersame Verbesserungen, “Technologiesprünge”, wird es nicht geben.

Dieser bei voller und möglichst senkrecht einfallender Sonne seine 90 Watt abgebende Quadratmeter kostet echtes Geld. Die Anschaffungskosten für ein Einfamilienhaus-Dach belaufen sich auf 13.000 Euro für eine Spitzenleistung von 2,5 KWp. Für den Anteil der Solarzellen daran zahlt man derzeit bis



Relativ gedacht ist absolut daneben…

28. Mai 2011 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Blog, Energieerzeugung, Erdgas, Erdöl, Kernenergie, Kohle, Politik

Die Siemens-Postille „Pictures of the Future“ schaue ich immer wieder gerne durch. Weil der krampfhafte Versuch, über das nicht zu berichten, mit dem man wirklich Geld verdient, mittlerweile absurd-komische Züge annimmt. Auf der Hannover-Messe ist man wenigstens ehrlich und zeigt die Anlagen- und Kraftwerkstechnik für den konventionellen Bereich, sprich vor allem für die Gewinnung und Nutzung fossiler und sonstiger mineralischer Ressourcen aller Art. In „Pictures of the Future“ dagegen ist alles nur noch Öko. In den kommenden 30 Jahren, so die Botschaft, schafft sich Siemens einfach ab. Die PR-Abteilung würde natürlich sagen „Wir erfinden uns immer neu!“. Tja, wenn PR-Leute etwas erfinden, ist es eben meistens unbelastet von jeglichem Bezug zur Realität.

An der aktuellen Ausgabe hat mich zumindest eines positiv überrascht: Die Ausrufung des „Stromzeitalters“. Klar ist das im Sinne des Konzerns, denn viele Komponenten für die Regelung und Verteilung von Elektrizität sind unabhängig von der Art der Stromerzeugung. Aber angesichts der gegenwärtigen Debatten um die „Energiewende“ verwundert es dann doch, wenn endlich einmal aus der Wirtschaft offen und deutlich die Aussage getroffen wird, daß wir in Zukunft einen höheren Elektrizitätsbedarf haben könnten, und nicht etwa sicher von einem sinkenden auszugehen ist. Siemens benennt drei wesentliche Argumente:

  • Effizienzsteigerungen im


Fukushima und das Primat der Technologie

23. Mai 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Energieerzeugung, Innovationspolitik, Kernenergie, Politik, Technium, Wirtschaftsförderung

„Die kontrollierte Kernspaltung und die auf diesem Wege zu gewinnende Kernenergie leiten den Beginn eines neuen Zeitalters für die Menschheit ein. […]die Entwicklung von Kernkraftmaschinen an Stelle der Dieselmotoren und anderer Verbrennungskraftmaschinen für feste und fahrbare Kraftstationen, für Schiffe, Flugzeuge und andere Verkehrsmittel muß den Platz Deutschlands in der Reihe der Industrievölker sichern; […]“ (SPD Parteitag in München, 14.07.1956)

„Eine Risikotechnologie wie die Kernkraft kann nicht auf Dauer gegen die Mehrheit der Bevölkerung betrieben werden. Sie ist auf gesellschaftliche Akzeptanz angewiesen.“ (FDP-Parteitag in Rostock, 15.05.2011)

Zwischen diesen beiden Parteitagsbeschlüssen liegen nicht nur einfach mehr als 50 Jahre.

Angesichts der andauernden Debatte über die friedliche Nutzung der Kernenergie in Deutschland, die eigentlich nur mehr eine Debatte darüber ist, wie schnell man aus dieser Technologie denn nun aussteigen könne, mag mancher Zeitgenosse denken, die Teilnehmer des SPD-Parteitages von 1956 wären wohl ein wenig naiv gewesen. Aber beim Lesen des Textes in voller Länge wird deutlich: Man hat sich für die Kernenergie in voller Kenntnis über die ihr innewohnenden Risiken entschieden. Und gerade diese Risiken waren der Grund, aus dem man in parteiübergreifender Einigkeit in den 1950er Jahren begann, Forschung und Entwicklung ebenso zu unterstützen wie die Errichtung von