Innovationspolitik



Die Technetium-Krise

11. März 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Gesundheit, Innovationspolitik, Kernenergie, Nuklearmedizin, Wirtschaftsförderung

ego150Was fällt Ihnen zum Thema Gesundheit ein? Der Verzehr von Obst und Gemüse? Bewegung und Sport? Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen?

Mir kommen solche Gedanken nicht. Mein Körper ist perfekt an meine Couch angepaßt. Gut, das mag jetzt auch an der Konstruktion der Couch liegen. Mein Hunger verlangt nach Steaks und Schnitzeln, nach Pommes und Bratkartoffeln. Arztbesuche vermeide ich nach Möglichkeit. Denn ich bin nicht krank. Ich muß nicht nach etwas streben, was ich schon erreicht habe.

Es ist schwer zu definieren, wann “Gesundheit” vorliegt, wenn man wirklich mehr darunter fassen möchte als die “Abwesenheit von Krankheit”. Der menschliche Körper ist ein hochkomplexes, von rückgekoppelten Prozessen geprägtes System. Da viele dieser Vorgänge noch immer nicht ausreichend verstanden sind, gibt es keine Möglichkeit, einen Idealzustand festzulegen. Allenfalls kann man herausfinden, wann und warum etwas nicht funktioniert, wann und warum Schäden auftreten. Viele medizinische Diagnosemethoden stoßen hier an prinzipielle Grenzen, da sie nur einen momentanen Zustand erfassen und nicht dynamische Änderungen in einer ausreichenden zeitlichen Auflösung. Häufig sind eben Filme erforderlich, um Abläufe zu begreifen. Einzelne Fotos reichen nicht. Das gilt nicht nur für Sportwettkämpfe, sondern auch für den menschlichen Blutkreislauf.

Die Nuklearmedizin gestattet solche Diagnoseverfahren. Ihr Ansatz ist, über Änderungen in der Verteilung bestimmter



Elektromobilität: Bilder einer Ausstellung

19. Februar 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Elektromobilität, Innovationspolitik, Politik, Wirtschaftsförderung

Im Historischen Museum Hannover ist noch bis zum 14. Juni 2015 eine kleine Sonderausstellung zum Thema Elektromobilität zu sehen. Unter dem Titel: “Hannover aufgeladen!: Elektromobilität zwischen Wunsch und Wirklichkeit” werden dort durchaus nachdenkliche Töne angeschlagen. Denn der gezeigte historische Verlauf der Entwicklung begründet den politischen Optimismus hinsichtlich dieser Technologie gerade nicht. Natürlich ist die Schau mit öffentlichen Mitteln im Rahmen des Projektes “Schaufenster Elektromobilität” gefördert worden und natürlich findet man die üblichen Warnungen über Klimawandel und Ressourcenknappheit. Aber zum ersten Mal (zumindest nach meinen Erfahrungen) wird dem Publikum von “offizieller” Seite deutlich mitgeteilt, ein Akkumulator mit einer Energiekapazität von mehr als etwa 1.000 Wh pro Kilogramm Batteriemasse sei physikalisch einfach nicht möglich. Zwar fehlt die Begründung (die findet man ja hier bei uns), doch die Ausstellungsmacher haben verstanden, daß nur 10% der Energiedichte nicht ausreichen, um mit Benzin oder Diesel konkurrieren zu können. Deswegen gelangen sie am Ende zu dem Fazit, der Markterfolg der Elektromobilität hinge von Veränderungen des Mobilitätsverhaltens und der Mobilitätsansprüche der Nutzer ab. Ich teile diese Einschätzung. Ein Batteriefahrzeug ermöglicht eben nicht den Individualverkehr, wie wir ihn heute kennen. Es funktioniert nur als Teil einer Kette von Linienverkehren, als Ergänzung zu Bus und Bahn,



USA kooperiert mit China bei Flüssigsalz-Thorium-Reaktor

7. Februar 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Energieerzeugung, Innovationspolitik, Kernenergie, Politik

772px-MSRE_ReactorÜber den Flüssigsalz-Thorium-Reaktor haben wir hier schon des öfteren berichtet. Es handelt sich dabei um einen Kernreaktor, in dem in einem geschmolzenen Kern aus Thorium 232 Uran 233 erbrütet wird, welches dann über Kernspaltung Energie erzeugt. Charmant an dem Konzept ist zum einen die inhärente Sicherheit, das heißt auch im Falle eines völligen Versagens der Reaktor-Infrastruktur geht dieser von selbst in einen sicheren Zustand, und zum anderen der Umstand, dass keine langlebigen radioaktiven Reststoffe entstehen. Nur ein sehr geringer Teil der Spaltprodukte muss maximal 300 Jahre sicher gelagert werden. Als besonderen Bonus kann ist ein solcher Reaktor auch in der Lage das, was wir heute als Atommüll bezeichnen, in Energie und unkritische Spaltprodukte umzuwandeln. Eine Spezialform dieses Reaktortyps ist der in in Berlin am Institut für Festkörperphysik entwickelte Dual-Fluid-Reaktor.

In Deutschland heute undenkbar

Es versteht sich in Deutschland nahezu von selbst, dass über eine Entwicklung dieses Konzeptes bei uns nicht einmal nachgedacht wird. Jede Form der Energiegewinnung, die auf der Einstein-Gleichung E=mc² beruht, ist böses Atom und damit des Teufels. Unerheblich, ob damit handfeste Vorteile verknüpft sind, wie die Lösung der Endlagerfrage.

Anders liegt der Fall in China. Das aufstrebende Reich hat einen so gigantischen Energiebedarf, dass man



LNG: Der Sprit, der aus der Kälte kam

31. Januar 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Elektromobilität, Energieerzeugung, Erdgas, Innovationspolitik, Politik, Technium, Unkonventionelles Gas und Öl, Wirtschaftsförderung

ego150Die junge Dame starrte mich an, als wäre ich ein Alien. Ziel Ihres Auftrittes war, die Besucher von den Vorteilen der Elektromobilität zu überzeugen. Und weil interaktive Elemente irgendwie angesagt sind, wurde gleich zu Beginn das Publikum mit einer Frage einbezogen: Was sollte ein Elektroauto können, damit man es sich kauft? Meine Antwort rief nicht nur besagten Blick der Vortragenden, sondern auch sofortiges Schweigen im Publikum hervor: „Es sollte das bieten, was ein konventionelles Fahrzeug auch bietet, dabei aber preiswerter sein.“

Das war eine aus Sicht der Dame offensichtlich unerhörte und unerwartete Äußerung. Auch der Rest des Publikums schien geradezu betroffen ob meiner egoistischen Ignoranz höherer Ziele. Aber nach wenigen Sekunden der Überraschung erhoben sich erste Stimmen, die mir beipflichteten. Und andere, die wütend protestierten. „Batterien bringen es nicht!“ gegen „So darf man das doch nicht sehen!“. Auf „Wir müssen doch mal darüber nachdenken, wo wir in zwanzig Jahren sein wollen!“ mußte man auch nicht lange warten.  Die Veranstaltung war gelaufen. Wenig später verließ ich den Saal.

Es ist schwierig geworden mit Innovationen in Deutschland. Weil die jahrzehntelange Ökopropaganda in uns den Reflex verankert hat, das Neue auf andere Weise zu bewerten. Etwas unter den subjektiven Kriterien der



Elektromobilität: Zukunftsangst gegen Innovation

27. Januar 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Elektromobilität, Innovationspolitik, Wirtschaftsförderung

ego3-150x150Im Verlauf jeder wirtschaftspolitischen Diskussion gelangt man an den Zeitpunkt, an dem sich jemand mit dem Satz zu Wort meldet: „Aber wir müssen uns doch mal überlegen, wo wir in zwanzig Jahren sein wollen!“ Müssen wir? Können wir? Sollten wir?

Es mag Zusammenhänge geben, in denen dieser Ansatz sinnvoll ist. Wenn man als Privatperson eine Immobilie finanziert oder auch, wenn Politik über grundlegende Rechtssetzungen nachdenkt. Aber in Bezug auf Innovationen ist diese Art zu Denken nicht nur nicht hilfreich, sondern kontraproduktiv. Innovationen finden in der Gegenwart statt, nicht in der Zukunft. Sie sind Objekte des Hier und Jetzt. Je nach Branche ist das „Hier und Jetzt“ natürlich dehnbar. Manche müssen die nächste Produktgeneration, die nächste Neuheit in Monaten präsentieren, manchen genügen ein, zwei oder drei Jahre und einige wenige denken tatsächlich in Jahrzehnten.

Der Satz oben aber stellt eine Metapher dar, die nicht nur meint, gleich mehrere Produktgenerationen im Voraus, sondern gar eine Art endgültiges Ziel festlegen zu müssen. Die Motivation verdeutlichen diverse synonyme Formulierungen, in denen die Aussage ebenfalls angeboten wird. „Wenn wir jetzt nicht in diese oder jene Richtung aufbrechen, werden wir in zwanzig Jahren vor großen Problemen stehen!“ heißt es dann beispielweise. Furcht treibt die Protagonisten der



Die Endlagersuche: Das grüne Dilemma

28. September 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Energieerzeugung, Innovationspolitik, Kernenergie, Politik, Technium, Wirtschaftsförderung

ego150Der Umgang der deutschen Politik mit der Kernenergie war zu keinem Zeitpunkt von sachbezogenen Erwägungen geprägt. Das galt in den 1950er und 1960er Jahren, als der Einstieg mit übertriebenen Heilsversprechen gegen die zögernden Energieversorger erzwungen wurde. Das galt im Jahr 2000, als die rotgrüne Bundesregierung den Ausstieg bis zum Jahr 2020 gesetzlich festlegte. Das galt für die sogenannte “Laufzeitverlängerung”, mit der schwarzgelb Ende 2010 den Ausstieg auf das Jahr 2040 verschob. Und das galt in besonderer Weise für die Kehrtwende im Frühjahr 2011, als man angesichts der Ereignisse im fernen Japan die Laufzeitverlängerung wieder zurücknahm.

Nüchtern betrachtet ist der Störfall in Fukushima-Daiichi ein Beleg für die Beherrschbarkeit der mit der friedlichen Nutzung der Kernenergie einhergehenden Risiken. Das Kraftwerk wurde von einer Naturkatastrophe zerstört, auf die es konstruktiv nicht ausgelegt war. Es befand sich in den Tagen nach Erdbeben und Tsunami in einer Wüste, da die Infrastrukturen in seiner Umgebung (Transportwege, Energie- und Kommunikationsnetze) nicht mehr funktionierten. Weder die Kernschmelze, noch die Freisetzung radioaktiver Stoffe konnten verhindert werden. Trotz allem sind keine Todesopfer durch Verstrahlung zu verzeichnen und es gibt keine Anzeichen für eine Zunahme von Erkrankungen in der Bevölkerung. Betroffen war auch nur eine kleine Region in unmittelbarer Nähe zum



Im Zeitalter der verengten Perspektiven

11. September 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Energieerzeugung, Innovationspolitik, Politik, Ressourcenverknappung, Technium

ego150Wenn es im Schwarzwald regnet, geht man am besten unter Tage. Die Berge dort sind von alten Stollen durchlöchert. Mineralien und Erze in großer Vielfalt wurden bis in das 19. Jahrhundert hinein gewonnen. Das Silberbergwerk „Segen Gottes“ in Haslach, das mit Unterbrechungen bis 1786 in Betrieb war, vermittelt einen Einblick in damalige Zustände. Enge, schlecht beleuchtete und belüftete Stollen, die man über lange Strecken nur gebückt durchwandern kann, führen zum Erzgang, aus dem in reiner Handarbeit das Gestein herausgebrochen wurde. Kaum ein Bergmann erreichte damals ein Alter jenseits der 50. Und auch Kinderarbeit, etwa zum Transport der Erzbrocken ans Tageslicht, war üblich. Attraktiv war das Gewerbe trotzdem. Die Bergleute stellten die höchstangesehenen Mitglieder der Gemeinde, sie hatten in der Kirche reservierte Plätze in den ersten Reihen und verdienten ein Vielfaches von dem, was die Bauern erwirtschaften konnten. Spezifische Kenntnisse, etwa über das treffsichere Vorantreiben von Zugangs- und Wetterstollen im Fels, sicherten als eifersüchtig gehütete Geheimnisse einiger Familien ein Auskommen über Generationen hinweg. Aufgegeben wurde die Grube aus wirtschaftlichen Gründen. Das Silbererz war schlicht zu fein verteilt, um es mit der damaligen Technologie gewinnbringend fördern zu können. Eine „Nachnutzung“ erfuhr „Segen Gottes“ erst im 20. Jahrhundert durch Mineraliensammler, auf