Innovationspolitik



Gegen alle Vorbehalte: Das fliegende Auto kommt!

19. April 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Innovationspolitik, Mobilität, Technium

Kaum eine Vision stößt auf so viel Ablehnung, wie die des fliegenden Autos. Natürlich gibt es die Diskussionen über die Kernenergie oder auch über die Gentechnik. Nur speist sich in diesen Fällen der Widerspruch aus dem Wissen über die Realisierbarkeit dessen, was man kritisiert. Beim fliegenden Auto dagegen sind es Unglaube und Ignoranz, die zu einer scharfen Opposition führen.

Im Laufe der Jahre habe ich in meinen Vorträgen dem Publikum schon immer viel zugemutet. Vom Weltraumbergbau über sich selbst replizierende Nanomaschinen bis hin zu nuklearen Batterien reichte das Spektrum. Sicher gab es bei jedem Thema Einsprüche und Gegenargumente. Daß es möglich wäre, wurde aber nie in Zweifel gezogen. Fliegende Autos allerdings induzieren noch nicht einmal solche Reaktionen, sondern vor allem Gleichgültigkeit. Nicht nur die Automobil- und Flugzeugbauer unter den Zuhörern betrachten es wie das technische Äquivalent zum physikalischen Perpetuum Mobile. Als eine Art Gedankenexperiment ohne reale Bedeutung, aus dem man nur lernen kann, wo die Grenzen des Machbaren liegen. Ein neues Las Vegas in den Einöden der Mondkrater – warum nicht? Samen, aus denen gleich Tische wachsen, ohne für diese erst Bäume fällen zu müssen? Tolle Vorstellung, sollte man mal drüber nachdenken. Atomgenaue Trenn- und Fügetechnologien und damit der Weg



Der eigene Waggon und das Ende der Eisenbahn

2. April 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Innovationspolitik, Mobilität, Politik, Technium

ego150Mein Bekannter ist Anwalt und sieht die Welt entsprechend. Über die Unternehmen aus dem Silicon Valley und deren immer größere Wirkung auf unsere Art zu leben und zu arbeiten, hat er nicht viel Gutes zu sagen. Es wäre schließlich nicht akzeptabel, sich einfach so über die geltende Rechtslage hinwegzusetzen. Ob bei großen Fragen wie Datenschutz und Urheberrecht oder ob bei kleineren wie dem Personenbeförderungsgesetz: Man dürfe doch nicht wissentlich Regulierungen unterlaufen. Ich entgegnete, wenn Firmen wie Uber mit ihren Fahrdienstangeboten einen offensichtlich vorhandenen Bedarf erfolgreich befriedigen, müsse man doch wohl eher die Gesetze ändern. Eine Vorschrift, die neue und nützliche Angebote be- oder gar verhindert, hätte keine Verteidigung verdient. Worauf er mit dem Anspruch der Taxifahrer auf Schutz antwortete.

Hatten die Droschkenfahrer zum Ende des 19. Jahrhunderts diesen nicht auch? Oder die Erbauer und Betreiber von Segelschiffen? Ich hatte das große Glück, die Cutty Sark im Jahr 2006 in Greenwich noch besichtigen zu können, bevor sie durch einen Brand schwer beschädigt wurde. Der Teeklipper aus dem Jahr 1869 stellte wohl gemeinsam mit der ein Jahr vorher fertiggestellten Thermopylae einen Höhepunkt der Schiffbaukunst dar. Schnellere und schönere Vollschiffe gab es zuvor nicht – und vielleicht auch nicht danach. Was mögen ihre 



Solar Impulse – Wegweiser in die Zukunft?

31. März 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Energieerzeugung, Innovationspolitik, Photovoltaik

Ein Beitrag von Irene und Simon Aegerter (kaltduschenmitdoris.ch)

Darf man sich für eine Technologie begeistern, obwohl sie durch das deutsche EEG mit Milliardenbeträgen aus den Taschen der Verbraucher subventioniert wird? Man darf, meine ich. Denn Technophobie in Politik und Gesellschaft kann nur konstruktiv kritisieren, wer sich selbst einer solchen enthält. Gemeint ist hier konkret die Photovoltaik. Die technische Lösung, durch die mittels geschickt kombinierter halbleitender Materialien aus Licht direkt Strom erzeugt wird, ist zwar einfach zu verstehen, aber nicht trivial zu entwickeln. Die Verknüpfung von Möglichkeiten der Festkörper-, Atom- und Strahlenphysik in einer Solarzelle weist eine Eleganz auf, die beispielhaft für den Weg von der naturwissenschaftlichen Beschreibung von Phänomenen zur Innovation steht. Die sinnvollen Anwendungsmöglichkeiten der Photovoltaik sind vielfältig. Aber ihr Fähigkeiten anzudichten, über die sie einfach nicht verfügt, prinzipiell nicht verfügen kann, ist auch nur eine perfide Form der Technikfeindlichkeit. Wer die Grenzen einer Technologie nicht erkennt oder nicht erkennen will, der handelt fahrlässig und im Ergebnis kontraproduktiv.  Dies gilt für die Energieversorgung eines hochindustrialisierten Landes ebenso, wie für den Flugzeugbau.

Solar Impulse ist ohne jede Frage ein herausragendes Stück Ingenieurskunst. Deswegen schmückt das im Bild gezeigte Modell auch mein Büro. Aber wenn Bertrand Piccard und sein Team den



Die Technetium-Krise

11. März 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Gesundheit, Innovationspolitik, Kernenergie, Nuklearmedizin, Wirtschaftsförderung

ego150Was fällt Ihnen zum Thema Gesundheit ein? Der Verzehr von Obst und Gemüse? Bewegung und Sport? Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen?

Mir kommen solche Gedanken nicht. Mein Körper ist perfekt an meine Couch angepaßt. Gut, das mag jetzt auch an der Konstruktion der Couch liegen. Mein Hunger verlangt nach Steaks und Schnitzeln, nach Pommes und Bratkartoffeln. Arztbesuche vermeide ich nach Möglichkeit. Denn ich bin nicht krank. Ich muß nicht nach etwas streben, was ich schon erreicht habe.

Es ist schwer zu definieren, wann “Gesundheit” vorliegt, wenn man wirklich mehr darunter fassen möchte als die “Abwesenheit von Krankheit”. Der menschliche Körper ist ein hochkomplexes, von rückgekoppelten Prozessen geprägtes System. Da viele dieser Vorgänge noch immer nicht ausreichend verstanden sind, gibt es keine Möglichkeit, einen Idealzustand festzulegen. Allenfalls kann man herausfinden, wann und warum etwas nicht funktioniert, wann und warum Schäden auftreten. Viele medizinische Diagnosemethoden stoßen hier an prinzipielle Grenzen, da sie nur einen momentanen Zustand erfassen und nicht dynamische Änderungen in einer ausreichenden zeitlichen Auflösung. Häufig sind eben Filme erforderlich, um Abläufe zu begreifen. Einzelne Fotos reichen nicht. Das gilt nicht nur für Sportwettkämpfe, sondern auch für den menschlichen Blutkreislauf.

Die Nuklearmedizin gestattet solche Diagnoseverfahren. Ihr Ansatz ist, über Änderungen in der Verteilung bestimmter



Elektromobilität: Bilder einer Ausstellung

19. Februar 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Elektromobilität, Innovationspolitik, Politik, Wirtschaftsförderung

Im Historischen Museum Hannover ist noch bis zum 14. Juni 2015 eine kleine Sonderausstellung zum Thema Elektromobilität zu sehen. Unter dem Titel: “Hannover aufgeladen!: Elektromobilität zwischen Wunsch und Wirklichkeit” werden dort durchaus nachdenkliche Töne angeschlagen. Denn der gezeigte historische Verlauf der Entwicklung begründet den politischen Optimismus hinsichtlich dieser Technologie gerade nicht. Natürlich ist die Schau mit öffentlichen Mitteln im Rahmen des Projektes “Schaufenster Elektromobilität” gefördert worden und natürlich findet man die üblichen Warnungen über Klimawandel und Ressourcenknappheit. Aber zum ersten Mal (zumindest nach meinen Erfahrungen) wird dem Publikum von “offizieller” Seite deutlich mitgeteilt, ein Akkumulator mit einer Energiekapazität von mehr als etwa 1.000 Wh pro Kilogramm Batteriemasse sei physikalisch einfach nicht möglich. Zwar fehlt die Begründung (die findet man ja hier bei uns), doch die Ausstellungsmacher haben verstanden, daß nur 10% der Energiedichte nicht ausreichen, um mit Benzin oder Diesel konkurrieren zu können. Deswegen gelangen sie am Ende zu dem Fazit, der Markterfolg der Elektromobilität hinge von Veränderungen des Mobilitätsverhaltens und der Mobilitätsansprüche der Nutzer ab. Ich teile diese Einschätzung. Ein Batteriefahrzeug ermöglicht eben nicht den Individualverkehr, wie wir ihn heute kennen. Es funktioniert nur als Teil einer Kette von Linienverkehren, als Ergänzung zu Bus und Bahn,



USA kooperiert mit China bei Flüssigsalz-Thorium-Reaktor

7. Februar 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Energieerzeugung, Innovationspolitik, Kernenergie, Politik

772px-MSRE_ReactorÜber den Flüssigsalz-Thorium-Reaktor haben wir hier schon des öfteren berichtet. Es handelt sich dabei um einen Kernreaktor, in dem in einem geschmolzenen Kern aus Thorium 232 Uran 233 erbrütet wird, welches dann über Kernspaltung Energie erzeugt. Charmant an dem Konzept ist zum einen die inhärente Sicherheit, das heißt auch im Falle eines völligen Versagens der Reaktor-Infrastruktur geht dieser von selbst in einen sicheren Zustand, und zum anderen der Umstand, dass keine langlebigen radioaktiven Reststoffe entstehen. Nur ein sehr geringer Teil der Spaltprodukte muss maximal 300 Jahre sicher gelagert werden. Als besonderen Bonus kann ist ein solcher Reaktor auch in der Lage das, was wir heute als Atommüll bezeichnen, in Energie und unkritische Spaltprodukte umzuwandeln. Eine Spezialform dieses Reaktortyps ist der in in Berlin am Institut für Festkörperphysik entwickelte Dual-Fluid-Reaktor.

In Deutschland heute undenkbar

Es versteht sich in Deutschland nahezu von selbst, dass über eine Entwicklung dieses Konzeptes bei uns nicht einmal nachgedacht wird. Jede Form der Energiegewinnung, die auf der Einstein-Gleichung E=mc² beruht, ist böses Atom und damit des Teufels. Unerheblich, ob damit handfeste Vorteile verknüpft sind, wie die Lösung der Endlagerfrage.

Anders liegt der Fall in China. Das aufstrebende Reich hat einen so gigantischen Energiebedarf, dass man



LNG: Der Sprit, der aus der Kälte kam

31. Januar 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Elektromobilität, Energieerzeugung, Erdgas, Innovationspolitik, Politik, Technium, Unkonventionelles Gas und Öl, Wirtschaftsförderung

ego150Die junge Dame starrte mich an, als wäre ich ein Alien. Ziel Ihres Auftrittes war, die Besucher von den Vorteilen der Elektromobilität zu überzeugen. Und weil interaktive Elemente irgendwie angesagt sind, wurde gleich zu Beginn das Publikum mit einer Frage einbezogen: Was sollte ein Elektroauto können, damit man es sich kauft? Meine Antwort rief nicht nur besagten Blick der Vortragenden, sondern auch sofortiges Schweigen im Publikum hervor: „Es sollte das bieten, was ein konventionelles Fahrzeug auch bietet, dabei aber preiswerter sein.“

Das war eine aus Sicht der Dame offensichtlich unerhörte und unerwartete Äußerung. Auch der Rest des Publikums schien geradezu betroffen ob meiner egoistischen Ignoranz höherer Ziele. Aber nach wenigen Sekunden der Überraschung erhoben sich erste Stimmen, die mir beipflichteten. Und andere, die wütend protestierten. „Batterien bringen es nicht!“ gegen „So darf man das doch nicht sehen!“. Auf „Wir müssen doch mal darüber nachdenken, wo wir in zwanzig Jahren sein wollen!“ mußte man auch nicht lange warten.  Die Veranstaltung war gelaufen. Wenig später verließ ich den Saal.

Es ist schwierig geworden mit Innovationen in Deutschland. Weil die jahrzehntelange Ökopropaganda in uns den Reflex verankert hat, das Neue auf andere Weise zu bewerten. Etwas unter den subjektiven Kriterien der