Innovationspolitik



So geht Elektromobilität

12. Januar 2016 | Von | Kategorie: Artikel, Elektromobilität, Innovationspolitik, Mobilität, Technium

ego150Bei der Suche nach neuen Ideen für innovative Produkte wird man häufig in der Vergangenheit fündig. Vor allem die Technikgeschichte der letzten 200 Jahre bietet viele faszinierende, damals zukunftsweisende Konzepte, die heute in Vergessenheit geraten sind. Die Ursachen des Scheiterns können meist auf einen oder mehrere der folgenden Umstände zurückgeführt werden:

  • Manche Visionen waren in der zu ihrer Zeit zur Verfügung stehenden technischen Umwelt nicht marktfähig umsetzbar. Beispiele sind das Fehlen geeigneter Materialien, geeigneter Steuerungs- und Antriebssysteme oder auch der erforderlichen Produktionstechnologien. Den Bodeneffektfahrzeugen geht es bis heute so, obwohl ich nach wie vor eine Renaissance derselben erwarte.
  • Manchen Erfindern gelang es nie, ausreichend Unterstützung zur Überwindung von Hindernissen aller Art zu generieren. Dies betrifft nicht nur das erforderliche Kapital, sondern auch ideelle und organisatorische Hilfen sowie geeignete Mitstreiter. Ohne die Allgegenwart von Massenmedien, ohne das Internet als Kommunikationskanal waren insbesondere Entwicklungen aus dem Umfeld des Militärs häufig so wenig Menschen bekannt, daß sie leicht augebremst und verhindert werden konnten. Mit dem Tragschrauber (Gyrocopter) und dem Flüssigsalzreaktor seien zwei Produkte genannt, deren Wiederentdeckung erst nach Jahrzehnten durch kleine Unternehmen und Startups erfolgte.
  • Manche Entwickler konzentrierten sich schlicht auf ein völlig falsches Marksegment, in dem andere technische Paradigmen die Bedarfe der


CRISPR/Cas9

3. Oktober 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Ernährung, Gentechnik, Gesundheit, Innovationspolitik, Politik, Technium

DNA1Eine solche Überschrift wollte ich schon immer mal über einen meiner Texte setzen. Mal im Ernst: Wer klickt denn so etwas an? Das müssen schon echte Hardcore-Leser sein. Dabei fällt mir immer der leider viel zu früh verstorbene Dietrich Schwanitz ein, der in seinem Opus Magnum „Bildung“ sinngemäß ausführte, Wissen über Naturwissenschaften und Technologien wäre nutzlos. Man würde es nicht benötigen, um in der Welt zurecht zu kommen. Das mag sogar stimmen, aber wer trotzdem Ahnung hat, kann immerhin Politiker ärgern. Das ist doch auch nicht schlecht. Außerdem steht CRISPR/Cas9 für einen möglichen Nobelpreis.

Merkwürdige Gensequenzen entdeckte man Ende der 1980er Jahre in vielen Bakterien. Sich wiederholende Abfolgen von 20 bis 50 Basenpaaren, die häufig von vorne nach hinten gelesen dasselbe ergeben wie andersherum, also Palindrome darstellen. Zwischen diesen Strukturen liegen Abschnitte ohne erkennbare Regelmäßigkeit, sogenannte Spacer, deren Länge sich zwischen einzelnen Bakterien unterscheiden kann, für einen bestimmten DNS-Strang aber immer dieselbe ist. Anders ausgedrückt handelt es sich um kurze, gehäufte, regelmäßig unterbrochene palindromische Wiederholungen, was im Englischen mit clustered regularly interspaced short palindromic repeats oder eben CRISPRs bezeichnet wird. Begleitet werden CRISPRs von weiteren charakteristischen Strukturen, die man entsprechend CRISPR as



Leserbrief an die FAZ: „Abgasskandal: Kraftfahrtbundesamt stellt VW Ultimatum“

29. September 2015 | Von | Kategorie: Blog, Innovationspolitik, Mobilität, Politik

800px-VW_WolfsburgLeserbrief von Prof. Dr.-Ing. Helmut Alt zum Artikel „Abgasskandal: Kraftfahrtbundesamt stellt VW Ultimatum“ vom 27.09.2015

Der VW-Abgasskandal sollte für alle besser als Weckruf an den Gesetzgeber und die Autoindustrie verstanden und genutzt werden, mit dem Unsinn der Zweigleisigkeit aufzugeben, den Brennstoffverbrauch in l/100 km und den CO2 Emissionswert in g/km der Fahrzeuge anzugeben.

Es sollte endlich, die physikalische Gesetzmäßigkeit der CO2 Abhängigkeit vom Kraftstoffverbrauch zur Kenntnis genommen werden. Diese ist ebenso nur eine Frage der Umrechnung, wie die zuvor erfolgte Umstellung der Leistungsangabe in PS auf die von den SI-Einheiten abgeleitete Einheit kW. Auch die Diskussion um eine CO2 basierte Kfz-Steuer ist neuen Wein in alten Schläuchen zu verkaufen, da die bisherige Kraftstoffsteuer auf den im Zuge der Verbrennung gebildeten CO2 Anteil einfach umgerechnet werden kann. Hierdurch würde das Kraftfahrtbundesamt (KBA) verhindern, dass überhaupt Manipulationssoftware zum Nachweis der dann überflüssigen Abgasverordnung nützlich wäre.

Mit den EU-Auflagen aus dem Jahr 2012, demnach ab 2020 nur noch ein CO2 Ausstoß von 95 g/km als Durchschnittswert zulassungsfähig sein wird, hat sich die EU voll der auf dem Gebiet des sogenannten „Klimaschutzes mittels anthropogener CO2-Reduzierung“ üblichen Vernebelungstaktik zu eigen gemacht.

Tatsache ist, dass zwischen Kraftstoffverbrauch



Wir alle sind Volkswagen!

27. September 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Innovationspolitik, Mobilität, Politik, Wirtschaftsförderung

Diesel2Kein Maßstab scheint derzeit zu groß, um Volkswagens absichtliche Täuschung staatlicher Prüfbehörden einzuordnen. Der Klimaschutzpräsident Obama habe VW die Grenzen aufgezeigt, jubelt Spiegel Online, obwohl doch die Angelegenheit mit Klimaschutz überhaupt nichts zu tun hat. Sascha Lobo sieht eine Verschwörung gegen das Elektroauto und verhaftet Themen wie automatisiertes Fahren und vernetzte Fahrzeuge gleich mit. Obwohl doch die Intelligenz und das Kommunikationsvermögen eines PKW überhaupt nicht mit seinem Antrieb zusammenhängen. Andernorts wird das Ende der deutschen Wirtschaft durch die bevorstehende Abkehr globaler Kunden vom Gütesiegel „Made in Germany“ beschworen – nicht nur Autos, sondern gleich alle Erzeugnisse unserer Maschinenbauer betreffend. Entwirft man eine Collage der Schlagzeilen Mutmaßungen der letzten Tage, so scheint eine Verschwörung ungeahnten Ausmaßes aufgedeckt worden zu sein, der neben den Wolfsburgern nicht nur gleich alle Automobilhersteller, sondern höchste Kreise in nationalen Regierungen und der EU angehören. Die Skandalisierung des Skandals ist eine in deutschen Medien meisterhaft beherrschte Disziplin.

Aber welchen Schaden hat VW wirklich angerichtet? Es gibt tatsächlich Menschen, die glauben, das berechnen zu können. Es kursieren eine Reihe unterschiedlicher Schätzungen im Web, die von einzelnen bis zu einigen hundert vorzeitigen Todesfällen pro Jahr reichen. Ein zutiefst antihumanistischer Ansatz, der uns alle zu Totschlägern erklärt.

Wir



Rainer Klute: AUS für Kernenergie?

26. Mai 2015 | Von | Kategorie: Blog, Energieerzeugung, Innovationspolitik, Kernenergie, Politik, Technium, Wirtschaftsförderung

NukleariaDas „AUS“ in der Überschrift steht natürlich für Australien. Das, obwohl einer der größten Uranproduzenten der Welt, noch kein eigenes Kernkraftwerk betreibt. Der Vorsitzende des Nuklearia e.V., Rainer Klute, beschreibt in seinem privaten Blog kurz und prägnant, warum sich dies bald ändern könnte:

Steht Australien vor dem Atomeinstieg und der Lösung des weltweiten Atommüllproblems? In Südaustralien analysiert eine Royal Commission die Möglichkeiten. Ein Senator präsentiert die Vision eines nuklearen, atommüllfinanzierten Wirtschaftsaufschwungs.

Während Deutschland vor dem Atommüll kapituliert und die Endlagersuchkommission von immer höheren Kosten und einem sehr viel längeren Verfahren spricht, geschieht am anderen Ende der Welt so ziemlich das Gegenteil: Australien erwägt den Einstieg in die Kernkraft und die Lösung des Atommüllproblems gleich mit.

Als technischer Hintergrund kann die Entwicklung eines Integral Fast Reactors IFR unter dem Markennamen PRISM durch GE Hitachi Nuclear Energy angesehen werden, mit dessen Hilfe man in Südaustralien eine gewinnbringende „Nuklearwirtschaft auf Atommüllbasis“ aufbauen will. Einer der politischen Treiber hinter der Idee ist der liberale Senator Sean Edwards. Klute beschreibt dessen Vision wie folgt:

Edwards rechnet bei einer Umsetzung seines Konzepts mit einem gewaltigen Wirtschaftsaufschwung für Südaustralien. Dank entsorgungsfinanzierter Reaktoren wäre der Strom äußerst billig. Günstige Energiepreise würden weitere Industrien anziehen und für Arbeitsplätze



Kernpunkte zur Klima- und Energiepolitik aus der AfD

7. Mai 2015 | Von | Kategorie: Blog, Energieerzeugung, Energiewende, Innovationspolitik, Klimawandel, Politik

ThesenIch habe ein Positionspapier der Bundesweiten Arbeitsgruppe Klima und Energie (BAKE) in der AfD erhalten, das ich hier zur Diskussion stellen möchte. Mit Günter Keil gehört auch einer unserer Autoren zu den Verfassern und ich werde in einem der sogenannten Kernpunkte (Nummer 7) wörtlich zitiert (was ich im Vorfeld gestattet hatte).

Es handelt sich hier nicht um eine offizielle Verlautbarung der Partei oder gar um eine Zusammenfassung aus der beschlossenen Programmatik. Denn die BAKE ist kein gewähltes oder beauftragtes Gremium, sondern eine Gruppe engagierter Mitglieder. Deren Einfluß auf die Parteilinie trotzdem nicht als gering eingeschätzt werden sollte. Einige der in der BAKE aktiven Personen wirken parallel in den offiziellen Landes- bzw. Bundesfachausschüssen der AfD mit oder sind als Funktionäre in der Parteistruktur tätig.

Mit den acht formulierten Thesen möchte man natürlich die Parteilinie in der Energie- und Klimapolitik beeinflussen und sucht daher Unterstützer auch außerhalb der AfD.

Mir persönlich gefällt das Papier. Ich finde auch in den ersten beiden Punkten, über die einige Leser vielleicht stolpern werden, nichts unmittelbar Unwissenschaftliches. Es mag sein, daß einige hier lesen „es gibt keinen Treibhauseffekt“ und einige der Verfasser das auch so verstanden wissen wollen. Aber politische Papiere, das sollte man beachten, beinhalten immer



Gegen alle Vorbehalte: Das fliegende Auto kommt!

19. April 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Innovationspolitik, Mobilität, Technium

Kaum eine Vision stößt auf so viel Ablehnung, wie die des fliegenden Autos. Natürlich gibt es die Diskussionen über die Kernenergie oder auch über die Gentechnik. Nur speist sich in diesen Fällen der Widerspruch aus dem Wissen über die Realisierbarkeit dessen, was man kritisiert. Beim fliegenden Auto dagegen sind es Unglaube und Ignoranz, die zu einer scharfen Opposition führen.

Im Laufe der Jahre habe ich in meinen Vorträgen dem Publikum schon immer viel zugemutet. Vom Weltraumbergbau über sich selbst replizierende Nanomaschinen bis hin zu nuklearen Batterien reichte das Spektrum. Sicher gab es bei jedem Thema Einsprüche und Gegenargumente. Daß es möglich wäre, wurde aber nie in Zweifel gezogen. Fliegende Autos allerdings induzieren noch nicht einmal solche Reaktionen, sondern vor allem Gleichgültigkeit. Nicht nur die Automobil- und Flugzeugbauer unter den Zuhörern betrachten es wie das technische Äquivalent zum physikalischen Perpetuum Mobile. Als eine Art Gedankenexperiment ohne reale Bedeutung, aus dem man nur lernen kann, wo die Grenzen des Machbaren liegen. Ein neues Las Vegas in den Einöden der Mondkrater – warum nicht? Samen, aus denen gleich Tische wachsen, ohne für diese erst Bäume fällen zu müssen? Tolle Vorstellung, sollte man mal drüber nachdenken. Atomgenaue Trenn- und Fügetechnologien und damit der Weg