Nachhaltigkeit



Norbert Bolz über die Unmöglichkeit von Nachhaltigkeit in komplexen Systemen

10. März 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Nachhaltigkeit, Ökologismus, Politik, Wissenschaft

quentin_100In der Sendung „Sternstunde Philosophie“ des Schweizer Fernsehens kommt der Philosoph Norbert Bolz ausführlich zu Wort. Die Sendung ist in ganzer Länge sehenswert, besonders möchte ich aber auf zwei Punkte hinweisen, und in Schriftform Bolz zitieren. Seine Ausführungen zum Mainstream in den Medien sind nicht so neu, zumindest nicht für mich, doch was er zur Nachhaltigkeit sagt, gehört diskutiert und stellt eine Gegenposition zum derzeit weit verbreiteten Denken darüber dar.

Katja Gentinetta: Nehmen wir genau dieses Wort Widerstand auf. Sie haben den Begriff schon genannt: Konformismus. Sie zeichnen sich ja dadurch aus, dass sie versuchen, oft, eine Gegenmeinung zu vertreten. Sie vertreten sie auch, sehr deutlich, sie haben beispielsweise gesagt, Authentizität ist eines der großen Schlagworte, Nachhaltigkeit ist ein anderes. Sie positionieren sich just am anderen Ende. Nachhaltigkeit halten Sie für nahezu ökologischen Fundamentalismus, wenn man so will. Wie begründen Sie das? Beziehungsweise, wieviel an Ihrer Position ist Gegenprovokation und wieviel ist Philosophie?

Norbert Bolz: Das ist natürlich jetzt schwer für mich zu beurteilen, objektiv über mich zu urteilen, was so eine zentrale Frage betrifft. Aber zumindest was mein Selbstverständnis betrifft, hat es mit Gegenprovokation überhaupt nichts zu tun. Bleiben wir bei dem Beispiel Nachhaltigkeit. Das habe ich relativ früh



Die Sehnsucht nach Arkadien

18. Februar 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Nachhaltigkeit, Ökologismus, Ökologistische Mythen

Was wollen Ökologisten?
Von was träumen sie?
Was treibt sie an?

Meist wird ihnen unterstellt, sie wären einfach nur rückwärts gewandt, wollten die Zeit zurückdrehen.
Nichts wäre falscher.
Sie wollen nicht zurück, sondern in ein anderes Land: Nach Arkadien.

Nachdem Vergil das Land in Rom als entrücktes Ideal besungen hatte, geriet es im Mittelalter in Vergessenheit. Die Menschen suchten ihr Paradies im Jenseits.
Doch in der Renaissance erwachte die alte Sehnsucht wieder und im Barock erlebte sie eine Blüte.

Warum?

Sicherlich, weil es eine Art Archetyp ist, fest verankert im menschlichen Bewusstsein. Aber es gehört noch mehr dazu.
Im antiken Rom war es eine Überflussgesellschaft, die, sicher vor materiellen Nöten, in einer dekadenten Stimmung dem goldenen Käfig entfliehen wollte.
In der Renaissance wurde die Antike verehrt, die Menschen fühlten sich ‘wiedergeboren’ nach der dunklen Zeit des Mittelalters, vor allem aber bildete sich wieder eine reiche, übersättigte Oberschicht, die erneut an der Grenze zur Dekadenz nach Fluchten suchte, Zwänge und Konventionen abstreifen wollte und sich nach dem ‘einfachen Leben’ sehnte, von dem sie allerdings so weit entrückt war, dass sie gar nicht wusste, wie dieses Leben denn wirklich aussah.

Das galt besonders für die Kinder und Enkel der Renaissance, der Adelsgesellschaft



Preisgekröntes Video zum Dual-Fluid-Reaktor jetzt auf deutsch

17. Februar 2014 | Von | Kategorie: Blog, Energieerzeugung, Kernenergie, Nachhaltigkeit, Technium, Wissenschaft

9096645828_79af9c8dd3_cÜber den Dual-Fluid-Reaktor, einem neuartigen Konzept eines Flüssigsalz Kernreaktors, haben wir auf unserer Seite schon des öfteren Berichtet. Es handelt sich dabei um ein elegantes Reaktor-Design, das eine hohe Energieausbeute und einen inhärent sicheren Betrieb mit der Möglichkeit verbindet, die oft und falsch als Atommüll bezeichneten Reststoffe der konventionellen Kernkraftwerke nicht nur unschädlich zu machen, sondern in wertvolle seltene Metalle umzuwandeln.

Eine gewisse Berühmtheit erlangte der Dual-Fluid-Reaktor dadurch, dass er im letzten Jahr als Sieger beim Online-Voting zum Greentech-Award hervorging. Woraufhin den Machern des Greentech-Awards auffiel, dass es sich bei der vorgeschlagenen Technologie um Kernkraft handelte – und die galt es aus deren Sicht doch eigentlich zu verteufeln. Obwohl das Reaktorkonzept, wie in etwa diesem Artikel ausführlich dargelegt, die Kriterien einer “grünen” und “nachhaltigen” Entwicklung ganz sicher deutlich besser verkörperte als sämtliche anderen Preisanwärter, änderten die Verantwortlichen kurzerhand nachträglich das Regelwerk und entfernten den Dual-Fluid-Reaktor aus dem Wettbewerb.

Damit hatten sie sich allerdings keinen Gefallen getan. Ein Gericht machte die Entscheidung in Nachhinein unwirksam, und was noch besser war, das Hickhack um die ansonsten ziemlich unbedeutende und medial wenig beachtete Auszeichnung brachte dem DFR eine Publicity, die auch durch das Einschalten der besten PR-Agenturen wohl kaum zu



Volker Hauff im Tiefschlaf

13. Februar 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Energieerzeugung, Nachhaltigkeit, Ökologismus, Politik

ego150Wenn man sich die Frage stellt, wie „Nachhaltigkeit“ als politisches Leitprinzip in der Bundesrepublik verankert wurde, kommt man an Volker Hauff nicht vorbei. Der ehemalige Bundesminister für Forschung und Technologie (1978 bis 1980) und für Verkehr (1980 bis 1982) ist ein zentraler Knoten des Netzwerkes in Medien, Wirtschaft und Verwaltung, das die Nachhaltigkeitsideologie in Deutschland etablierte. Ein Blick auf seinen Lebenslauf zeigt Parallelen zu Maurice Strong. Man findet bei beiden diese Mischung aus politischem Gestaltungswillen und ökonomischem Engagement, die Strong sinngemäß mit der Aussage beschrieb, er wäre ein Sozialist, der sich kapitalistischer Methoden bedient. Von 2001 bis 2011 prägte Hauff als Vorsitzender des Rates für nachhaltige Entwicklung die Konzepte unterschiedlicher Bundesregierungen entscheidend mit. Der ihm zugemessene Wert als Berater wurde durch die Berufung in die Ethikkommission „Sichere Energieversorgung“ in 2011 deutlich. Nach dem Störfall im japanischen Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi etablierte Kanzlerin Merkel dieses Gremium, um eine geistig-moralische Begründung für ihre Energiepolitik zu entwickeln.

Volker Hauff hat viele sehr grundlegende Reden zur nachhaltigen Entwicklung gehalten, die einen tiefen und erhellenden Einblick in Denkweisen und Argumentationsschemata der Nachhaltigkeitsideologie gestatten. Exemplarisch soll ein Vortrag aus dem Jahr 2010 betrachtet werden. Hauff versucht in diesem, aus Herkunft und Geschichte des Nachhaltigkeitsbegriffes seine aktuelle Relevanz



Umweltökonomische Versager

23. Januar 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Daten, Energieerzeugung, Energiewende, Innovationspolitik, Nachhaltigkeit

UGR_TitelKaum beachtet, veröffentlichte die Destatis kürzlich ihren Bericht

Umweltnutzung und Wirtschaft – Bericht zu den Umweltökonomischen Gesamtrechnungen

Weiterführende Publikationen finden sich hier: Umweltweltökonomische Gesamtrechnungen (UGR)

Der Spiegel kommentierte:

Zwölf-Jahres-Bilanz: Deutschland nutzt Rohstoffe besser

Für die meisten Waren werden natürliche Rohstoffe benötigt. Ihre Verschwendung scheint in Deutschland gebremst. Vor neun Jahren hatte die EU beschlossen, Rohstoffe effizienter nutzen zu wollen. Deutschland sei mit dem Vorhaben mittlerweile recht erfolgreich, berichtet die Bundesregierung. “Wir brauchen weniger natürliche Ressourcen und nutzen sie besser”, teilt sie unter Berufung auf Erhebungen des Statistischen Bundesamtes mit.

Ähnlich sei die Entwicklung bei Energie. Von 2000 bis 2012 sei dessen Effizienz um fast ein Fünftel erhöht worden, mithin um 1,5 Prozent jährlich.

Also eine Erfolgsgeschichte? Eine Bestätigung nachhaltiger, ökologischer Politik?

Das sollte man genauer hinterfragen.
Aber wie?
Nun, es bietet sich an, bestimmte Meilensteine der Umweltpolitik und ihren Einfluß zu betrachten. Wenn Politik etwas bewirkte, muss sich das in harten Zahlen und Daten niederschlagen.
Wenn sich zwischen 2000 und 2012 die Effizienz um knapp 20% verbesserte, dann kann dies nur dann als politischer Erfolg gelten, wenn die Effizienzsteigerung vorher in einem ähnlichen Zeitraum sehr viel schlechter war und die Erfolge anderer Länder deutlich übertroffen wurden.

Die Geburtsstunde der Umweltökonomie



An ihren Worten sollt ihr sie erkennen

20. Januar 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Klimawandel, Medien, Nachhaltigkeit, Ökologismus, Ökologistische Mythen, Politik, Profiteure, Wissenschaft

ego150Die Sprache selbst ist das größte Hindernis jeder Kommunikation. Sie versagt oft schon bei der Definition des Themas, über das man eigentlich spricht. Was meist nicht auf die mangelnde Fähigkeit ihrer Anwender zurückzuführen ist, sie formalen Regeln folgend zu gebrauchen. Sondern auf ihre Eigenschaft, neben allgemeingültigen Bedeutungen auch individuell differenzierte Bewertungen zu übertragen. Worte werden mit Interpretationen verknüpft und lösen dadurch dem Rezipienten zwingend erscheinende Assoziationsketten aus, die seitens des Sprechers nicht intendiert waren. Ein typischer Dialog zwischen Alarmist und Skeptiker könnte etwa so aussehen:

Alarmist: Du kannst doch nicht ernsthaft am Treibhauseffekt zweifeln?

Skeptiker: Das muß ich auch nicht.

Alarmist: Aha, Du gibst also zu, daß Kohlendioxid dem Klima schadet?

Skeptiker: Wieso?

Worte sind die Waffen der Politik. Erfolgreiche Politiker zeichnen sich daher durch die meisterlich beherrschte Fähigkeit aus, Worte mit einem Kontext aufzuladen, der ihre Agenda unterstützt. Im Beispiel setzt der Alarmist “Kohlendioxid”, “Treibhauseffekt” und “Klimakatastrophe” gleich, weil ihm dies durch die staatliche Propaganda seit Jahren eingeredet wird. Der Skeptiker hingegen sieht nur drei völlig verschiedene Begriffe, deren Verbindung miteinander kritisch zu betrachten ist.

Ein wesentlicher, oft unterschätzter Aspekt der Aufklärung lag in der Entwicklung der Fähigkeit, Sprache zur Übermittlung ideologiebefreiten Faktenwissens zu nutzen. Das Aufkommen der



Nachhaltigkeit – Was ist das?

8. Dezember 2013 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Energieerzeugung, Innovationspolitik, Nachhaltigkeit, Ökologismus
http://www.youtube.com/watch?v=dEBJ-ta_sQs

nachhaltig1

‘Nachhaltigkeit’ ist DAS Buzzword der ökologistischen Bewegung, sozusagen das Qualitätssiegel der Alternativen Bewegung für jede Art von Tätigkeit oder Produktion.

‘Nachhaltig’ weckt Assoziationen wie stabil, sorgenfrei, zukunftssicher. Man baut ewas auf und wenn es geschaffen ist, darf man sich ausruhen und die Früchte der Arbeit geniessen bis an das selige Ende.

Das steht natürlich im krassen Widerspruch zu Fortschritt und Innovation, denn der Fortschritt wirbelt immer wieder die Karten durcheinander und verteilt sie neu. Um diesen Widerspruch aufzulösen, sollen nur solche Innovationen zugelassen werden, die zu einem stabilen Zustand führen, wie etwa die ‘Erneuerbaren Energien’, für die innovative (und sogar utopische) Techniken gefordert werden um dann, wenn das Ziel erreicht ist, das statische Schlaraffenland zu eröffnen.

Utopia

Ist schon der ursprüngliche Begriff unscharf, wird er auch noch maßlos überfrachtet:

Mit der Arbeit der Brundlandt-Kommission der UN und der darauf folgenden UN Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 wurde ein Begriffsverständnis von “Nachhaltigkeit” salonfähig, das verschiedene politische Interessen vereinen sollte; dabei sollten umweltpolitische Ziele den ökonomischen und sozialen Entwicklungszielen gleichgestellt werden. Der Begriff Nachhaltigkeit wird hier als Zielbündel verwendet: dauerhaft stabile Gesellschaften seien zu erreichen, indem ökologische, ökonomische und soziale Ziele nicht gegeneinander ausgespielt, sondern gleichrangig angestrebt würden. Dieses Begriffsverständnis von