Nachhaltigkeit



Fracking – Warum der Boom der Öl- und Gasförderung weitergeht

4. September 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Energieerzeugung, Erdgas, Erdöl, Nachhaltigkeit, Unkonventionelles Gas und Öl

Rig_wind_riverDie USA verursachen seit einigen Jahren eine Revolution auf dem Gas- und auf dem Ölmarkt. Grund dafür sind neue Fördertechniken, dazu gehört vor allem die Möglichkeit tief unter der Erde horizontal zu bohren und das stimulieren von Gas- und Ölvorkommen in eigentlich zu dichtem Gestein durch das Erzeugen von Rissen mit Hilfe von Wasser, Sand und hohem Druck. Vor allem letztere Methode, das Fracking, ist in den USA und auch ganz besonders auch in Deutschland Gegenstand häufig heftiger Kritik (Hier ein Überblick über die Technologie und Potentiale in Deutschland).

Sorge bereitet den Kritikern dabei am meisten, daß dem Frack-Fluid geringe Mengen Chemikalien beigemischt werden. Da hilft es auch nicht, daß es in den USA trotz vieler Tausend durchgeführter Bohrungen bislang zu keinem ernstzunehmenden Zwischenfall gekommen ist. Und auch  nicht daß von Sachkundiger Seite Entwarnung gegeben wird, wie etwa von der University of Texas oder in Deutschland von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die dem Fracking bei sachgemäßer Durchführung ein äußerst geringes Gefährdungspotential zuschreibt:

“Die Risiken von Fracking-Maßnahmen im geologischen Untergrund stellen sich im Vergleich zu möglichen Unfällen bei obertägigen Aktivitäten als gering dar. durch standortbezogene Voruntersuchungen können Fracking-Maßnahmen so geplant werden, dass ein unkontrolliertes Entweichen der Fracking-Fluide



Der Fall Bengtsson

6. Mai 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Klimawandel, Medien, Nachhaltigkeit, Politik, Wissenschaft

ego150Die Naturwissenschaft ist voller offener Fragen, auf die verschiedene Forscher unterschiedliche Antworten geben. Daraus entstehen Diskussionen, die manchmal auch heftig verlaufen. Obwohl viele ungeklärte Hypothesen Grundlegendes betreffen, man denke an die Funktionen unseres Gehirns, an die Entstehung und die Entwicklung des Kosmos, an die innere Struktur der Materie, werden diese Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit – wenn überhaupt – nur beobachtend und mit distanziertem Interesse wahrgenommen. Manche, die sich der Wissenschaftskommunikation verschrieben haben, bedauern das. Aber es ist kaum zu ändern, da der verstehende Zugang zu solchen Themen eine intensive Auseinandersetzung erfordert, die weder Wirtschaftsführer, noch Politiker oder Journalisten und schon gar nicht die breite Bevölkerung leisten können oder wollen. Und es hat auch etwas Gutes. Denn der Abstand zu den für die Tagespolitik relevanten gesellschaftlichen Debatten schafft erst den Freiraum, in dem die Wissenschaft Erkenntnisfortschritte nach ihren eigenen erprobten Regeln erzielen kann.

Zuviel Nähe zur Politik hingegen birgt die Gefahr der Vereinnahmung und Instrumentalisierung. Die Eugeniker des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts beriefen sich auf die Evolutionstheorie. Sie waren fest davon überzeugt, mit ihren Konzepten Gutes bewirken zu können. Tatsächlich aber öffneten sie Tür und Tor für totalitäre, rassistische Ideologien und furchtbare, staatlich sanktionierte Verbrechen. Auch Trofim Lyssenko wollte



Norbert Bolz über die Unmöglichkeit von Nachhaltigkeit in komplexen Systemen

10. März 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Nachhaltigkeit, Ökologismus, Politik, Wissenschaft

quentin_100In der Sendung „Sternstunde Philosophie“ des Schweizer Fernsehens kommt der Philosoph Norbert Bolz ausführlich zu Wort. Die Sendung ist in ganzer Länge sehenswert, besonders möchte ich aber auf zwei Punkte hinweisen, und in Schriftform Bolz zitieren. Seine Ausführungen zum Mainstream in den Medien sind nicht so neu, zumindest nicht für mich, doch was er zur Nachhaltigkeit sagt, gehört diskutiert und stellt eine Gegenposition zum derzeit weit verbreiteten Denken darüber dar.

Katja Gentinetta: Nehmen wir genau dieses Wort Widerstand auf. Sie haben den Begriff schon genannt: Konformismus. Sie zeichnen sich ja dadurch aus, dass sie versuchen, oft, eine Gegenmeinung zu vertreten. Sie vertreten sie auch, sehr deutlich, sie haben beispielsweise gesagt, Authentizität ist eines der großen Schlagworte, Nachhaltigkeit ist ein anderes. Sie positionieren sich just am anderen Ende. Nachhaltigkeit halten Sie für nahezu ökologischen Fundamentalismus, wenn man so will. Wie begründen Sie das? Beziehungsweise, wieviel an Ihrer Position ist Gegenprovokation und wieviel ist Philosophie?

Norbert Bolz: Das ist natürlich jetzt schwer für mich zu beurteilen, objektiv über mich zu urteilen, was so eine zentrale Frage betrifft. Aber zumindest was mein Selbstverständnis betrifft, hat es mit Gegenprovokation überhaupt nichts zu tun. Bleiben wir bei dem Beispiel Nachhaltigkeit. Das habe ich relativ früh



Die Sehnsucht nach Arkadien

18. Februar 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Nachhaltigkeit, Ökologismus, Ökologistische Mythen

Was wollen Ökologisten?
Von was träumen sie?
Was treibt sie an?

Meist wird ihnen unterstellt, sie wären einfach nur rückwärts gewandt, wollten die Zeit zurückdrehen.
Nichts wäre falscher.
Sie wollen nicht zurück, sondern in ein anderes Land: Nach Arkadien.

Arkadien01

Schon in der Antike war Arkadien ein mythischer Ort. Glückliche Hirten, so glaubte man, lebten dort frei und von der freundlichen Natur verwöhnt ohne Zwang und ohne Sorgen.

Nachdem Vergil das Land in Rom als entrücktes Ideal besungen hatte, geriet es im Mittelalter in Vergessenheit. Die Menschen suchten ihr Paradies im Jenseits.
Doch in der Renaissance erwachte die alte Sehnsucht wieder und im Barock erlebte sie eine Blüte.

Warum?

Sicherlich, weil es eine Art Archetyp ist, fest verankert im menschlichen Bewusstsein. Aber es gehört noch mehr dazu.
Im antiken Rom war es eine Überflussgesellschaft, die, sicher vor materiellen Nöten, in einer dekadenten Stimmung dem goldenen Käfig entfliehen wollte.
In der Renaissance wurde die Antike verehrt, die Menschen fühlten sich ‘wiedergeboren’ nach der dunklen Zeit des Mittelalters, vor allem aber bildete sich wieder eine reiche, übersättigte Oberschicht, die erneut an der Grenze zur Dekadenz nach Fluchten suchte, Zwänge und Konventionen abstreifen wollte und sich nach dem ‘einfachen Leben’ sehnte, von dem sie



Preisgekröntes Video zum Dual-Fluid-Reaktor jetzt auf deutsch

17. Februar 2014 | Von | Kategorie: Blog, Energieerzeugung, Kernenergie, Nachhaltigkeit, Technium, Wissenschaft

9096645828_79af9c8dd3_cÜber den Dual-Fluid-Reaktor, einem neuartigen Konzept eines Flüssigsalz Kernreaktors, haben wir auf unserer Seite schon des öfteren Berichtet. Es handelt sich dabei um ein elegantes Reaktor-Design, das eine hohe Energieausbeute und einen inhärent sicheren Betrieb mit der Möglichkeit verbindet, die oft und falsch als Atommüll bezeichneten Reststoffe der konventionellen Kernkraftwerke nicht nur unschädlich zu machen, sondern in wertvolle seltene Metalle umzuwandeln.

Eine gewisse Berühmtheit erlangte der Dual-Fluid-Reaktor dadurch, dass er im letzten Jahr als Sieger beim Online-Voting zum Greentech-Award hervorging. Woraufhin den Machern des Greentech-Awards auffiel, dass es sich bei der vorgeschlagenen Technologie um Kernkraft handelte – und die galt es aus deren Sicht doch eigentlich zu verteufeln. Obwohl das Reaktorkonzept, wie in etwa diesem Artikel ausführlich dargelegt, die Kriterien einer “grünen” und “nachhaltigen” Entwicklung ganz sicher deutlich besser verkörperte als sämtliche anderen Preisanwärter, änderten die Verantwortlichen kurzerhand nachträglich das Regelwerk und entfernten den Dual-Fluid-Reaktor aus dem Wettbewerb.

Damit hatten sie sich allerdings keinen Gefallen getan. Ein Gericht machte die Entscheidung in Nachhinein unwirksam, und was noch besser war, das Hickhack um die ansonsten ziemlich unbedeutende und medial wenig beachtete Auszeichnung brachte dem DFR eine Publicity, die auch durch das Einschalten der besten PR-Agenturen wohl kaum zu



Volker Hauff im Tiefschlaf

13. Februar 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Energieerzeugung, Nachhaltigkeit, Ökologismus, Politik

ego150Wenn man sich die Frage stellt, wie „Nachhaltigkeit“ als politisches Leitprinzip in der Bundesrepublik verankert wurde, kommt man an Volker Hauff nicht vorbei. Der ehemalige Bundesminister für Forschung und Technologie (1978 bis 1980) und für Verkehr (1980 bis 1982) ist ein zentraler Knoten des Netzwerkes in Medien, Wirtschaft und Verwaltung, das die Nachhaltigkeitsideologie in Deutschland etablierte. Ein Blick auf seinen Lebenslauf zeigt Parallelen zu Maurice Strong. Man findet bei beiden diese Mischung aus politischem Gestaltungswillen und ökonomischem Engagement, die Strong sinngemäß mit der Aussage beschrieb, er wäre ein Sozialist, der sich kapitalistischer Methoden bedient. Von 2001 bis 2011 prägte Hauff als Vorsitzender des Rates für nachhaltige Entwicklung die Konzepte unterschiedlicher Bundesregierungen entscheidend mit. Der ihm zugemessene Wert als Berater wurde durch die Berufung in die Ethikkommission „Sichere Energieversorgung“ in 2011 deutlich. Nach dem Störfall im japanischen Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi etablierte Kanzlerin Merkel dieses Gremium, um eine geistig-moralische Begründung für ihre Energiepolitik zu entwickeln.

Volker Hauff hat viele sehr grundlegende Reden zur nachhaltigen Entwicklung gehalten, die einen tiefen und erhellenden Einblick in Denkweisen und Argumentationsschemata der Nachhaltigkeitsideologie gestatten. Exemplarisch soll ein Vortrag aus dem Jahr 2010 betrachtet werden. Hauff versucht in diesem, aus Herkunft und Geschichte des Nachhaltigkeitsbegriffes seine aktuelle Relevanz



Umweltökonomische Versager

23. Januar 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Daten, Energieerzeugung, Energiewende, Innovationspolitik, Nachhaltigkeit

UGR_TitelKaum beachtet, veröffentlichte die Destatis kürzlich ihren Bericht

Umweltnutzung und Wirtschaft – Bericht zu den Umweltökonomischen Gesamtrechnungen

Weiterführende Publikationen finden sich hier: Umweltweltökonomische Gesamtrechnungen (UGR)

Der Spiegel kommentierte:

Zwölf-Jahres-Bilanz: Deutschland nutzt Rohstoffe besser

Für die meisten Waren werden natürliche Rohstoffe benötigt. Ihre Verschwendung scheint in Deutschland gebremst. Vor neun Jahren hatte die EU beschlossen, Rohstoffe effizienter nutzen zu wollen. Deutschland sei mit dem Vorhaben mittlerweile recht erfolgreich, berichtet die Bundesregierung. “Wir brauchen weniger natürliche Ressourcen und nutzen sie besser”, teilt sie unter Berufung auf Erhebungen des Statistischen Bundesamtes mit.

Ähnlich sei die Entwicklung bei Energie. Von 2000 bis 2012 sei dessen Effizienz um fast ein Fünftel erhöht worden, mithin um 1,5 Prozent jährlich.

Also eine Erfolgsgeschichte? Eine Bestätigung nachhaltiger, ökologischer Politik?

Das sollte man genauer hinterfragen.
Aber wie?
Nun, es bietet sich an, bestimmte Meilensteine der Umweltpolitik und ihren Einfluß zu betrachten. Wenn Politik etwas bewirkte, muss sich das in harten Zahlen und Daten niederschlagen.
Wenn sich zwischen 2000 und 2012 die Effizienz um knapp 20% verbesserte, dann kann dies nur dann als politischer Erfolg gelten, wenn die Effizienzsteigerung vorher in einem ähnlichen Zeitraum sehr viel schlechter war und die Erfolge anderer Länder deutlich übertroffen wurden.

Die Geburtsstunde der Umweltökonomie