Politik



Wie der Fraunhofer Direktor in seinem Ferienhaus in Kalifornien Energie spart

2. September 2012 | Von | Kategorie: Artikel, Energieerzeugung, Energiewende, Klimawandel, Photovoltaik, Profiteure

Der Direktor des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme in Freiburg, Professor Eicke R. Weber, hat in der Badischen Zeitung seine Meinung in einem Kommentar kundgetan. Es stört ihn, dass die deutsche Unternehmen das große Potenzial der Photovoltaik einfach nicht erkennen würden. Ihnen fehle der Glaube.

Völlig unbeeindruckt davon, dass aufgrund der Billigkonkurrenz aus China in Deutschland ein Photovoltaik-Produzent nach dem anderen  Insolvenz anmeldet und dass selbst die zu bedeutend geringeren Kosten produzierende und mit staatlichen Förderungen gepäppelte Branche in China gerade ebenfalls den Bach runter geht, ist Weber davon überzeugt, dass die Photovoltaik in naher Zukunft einen bislang ungesehen Boom erleben würde.

Mangelnder Glaube als Ursache für Insolvenzen?

Es wird nicht ganz klar ob der Professor tatsächlich meint, die Solarfirmen in Deutschland würden reihenweise Pleite gehen, weil ihnen der von ihm eingeforderte Glaube fehlt. Das scheint schließlich bei den hiesigen Produzenten das geringste Problem zu sein. Die glauben alle daran, dass ihre Produkte besser sind als die der Chinesen und dass der einzige Weg in eine nachhaltige Zukunft darin besteht, dass immer mehr Kunden immer mehr von ihren Solarmodulen kaufen.

Nur, zwar kann der Glaube bekanntlich Berge versetzen, aber er bezahlt keine einzige Rechnung eines Zulieferers und keine Löhne für die Angestellten.



Schweizer Studie: Keine Risiken für Umwelt und Gesundheit durch Grüne Gentechnik

29. August 2012 | Von | Kategorie: Artikel, Ernährung, Gentechnik, Gesundheit, Ökologismus, Politik, Technium

Der Schweizer an sich gilt als ein äußerst besonnener Zeitgenosse. Überstürzte Reaktionen sowie unnötige Hektik sind ihm fremd. Dass an diesem stereotypen Bild so einiges stimmig ist, davon konnte man sich überzeugen, als im letzten Jahr nach Fukushima auch in der Schweiz die Kernenergie in die Kritik geriet und ein Ausstieg aus dieser Technologie beschlossen wurde. Nur, ganz anders als in Deutschland, erfolgte dieser nicht kopflos und überhastet sondern wesentlich besonnener. Nicht quasi über Nacht, sondern in einem langen Prozess bis 2034 soll dieser Ausstieg erfolgen. Genug Zeit also, um Alternativen zu entwickeln und diesen Schritt in einigen Jahren gegebenenfalls noch einmal zu überdenken.

Grüne Gentechnik polarisiert auch in der Schweiz

Ganz ähnlich verhält sich die Schweiz bei einem anderen Thema, dass ganz ähnlich wie die Kernenergie in der Lage ist, eher emotional als rational in der Öffentlichkeit diskutiert zu werden. Gemeint ist die Grüne Gentechnik.

Diese Technologie ist auch in der Schweiz alles andere als unumstritten. Weshalb die Schweizer 2005 sogar eine Volksabstimmung zu dem Thema abhielten, in der sich knapp 56% der Schweizer für ein fünfjähriges Moratorium der Grünen Gentechnik entschieden. Dieser Zeitraum sollte genutzt werden, um in einem eigens dafür eingerichteten Forschungsprogramm den Nutzen und die Risiken



EEG vor dem Aus?

29. August 2012 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Energieerzeugung, Energiewende, Erdgas, Kernenergie, Kohle, Politik, Wirtschaftsförderung

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft hat – zeitlich abgestimmt auf den gestrigen Energiegipfel bei der Bundesregierung – eine neue Studie zu den Kosten der Energiewende vorgestellt. Diese kommt zu dem Ergebnis, ein „wettbewerbsorientiertes Finanzierungsmodell“ würde den bis 2020 geplanten Ausbau regenerativer Energien um 52 Milliarden Euro preiswerter ermöglichen, als die aktuelle Subventionierung gemäß des von rotgrün im Jahr 2000 geschaffenen „Erneuerbare-Energien-Gesetz“ EEG.

Bislang sind die Netzbetreiber verpflichtet, den aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse erzeugten Stroms in unbegrenzter Höhe vorrangig abzunehmen und gleichzeitig dafür den Produzenten staatlich garantierte Vergütungen weit über den Marktpreisen konventionell  produzierter Elektrizität zu zahlen. Diese Mehrkosten werden auf den Verbraucher umgelegt.

Das neue Modell – eingängig „WEE“ für „Wettbewerbsmodell Erneuerbare Energien“ getauft – bedeutet eine radikale Abkehr von dieser Strategie. Es soll keine staatlich garantierten Vergütungen mehr geben und die Abnahmeverpflichtung wird auf eine bestimmte Höhe begrenzt. Gegenwärtig hieße das dann für die Netzbetreiber, lediglich 25% ihres Stromangebotes aus regenerativen Quellen decken zu müssen und sich dabei auch noch die kostengünstigste Variante aussuchen zu können.

Hier handelt es sich natürlich um eine Steilvorlage für Wirtschaftsminister Rösler, der eine solche „Reform“ des EEG schon seit einiger Zeit mit Nachdruck fordert. Wo er bei Röttgen noch auf



China baut Thorium-Reaktor

21. August 2012 | Von | Kategorie: Artikel, Energieerzeugung, Energiewende, Innovationspolitik, Kernenergie, Politik, Technium

Nachrichten aus dem Reich der Mitte erreichen uns meist nur gefiltert aus zweiter oder dritter Hand. Vor allem der Bereich der Forschung und Entwicklung wird von den Medien in Deutschland oft sehr stiefmütterlich behandelt – und das gilt leider nicht nur für China. Im angelsächsischen Sprachraum ist die Situation etwas besser, da viele freie Journalisten in Blogs und Büchern immer mal wieder einzelne Informationshäppchen aus eigenen Recherchen preisgeben. Aber auch die muss man erst einmal finden und die Zeit, aus einzelnen Puzzlestücken ein Gesamtbild zusammenzusetzen, hat kaum jemand.

Umso schöner, wenn endlich einmal eine Primärquelle zur Verfügung steht. Am 06.08.2012 hat Professor Kun Chen, stellvertretender Direktor der Abteilung für Nukleartechnik und nukleare Sicherheit am Schanghai Institut für angewandte Physik, in den USA, an der kerntechnischen Abteilung der Universität Berkeley, einen Vortrag gehalten. Dieser ist hier in voller Länge verfügbar.

Hinweise auf das, was er dort dargestellt hat, gab es schon länger. In seinem Buch „Superfuel“ berichtet Richard Martin ausführlich von chinesischen Delegationen, die sich am Oak Ridge National Laboratory über Nuklearprojekte der Vergangenheit informiert hatten. Was scheinbar offizielle Stellen in China dazu bewog, Anfang 2011 ein aufsehenerregendes, in Deutschland aber leider völlig ignoriertes Projekt bekanntzugeben. Nun sind solche



Die Schöne, das Biest und das Primat der Technologie

26. Juli 2012 | Von | Kategorie: Artikel, Energieerzeugung, Energiewende, Innovationspolitik, Kernenergie, Nachhaltigkeit, Ökologismus, Politik

Bryony Catherine Baronin von Worthington gehört auf den ersten Blick nicht gerade zu den Menschen, deren Anliegen hier auf Science Skeptical wohlwollend aufgenommen wird. Geboren 1972 verfiel die Waliserin wie viele Altersgenossen schon in ihrer Jugend der scheinbar sinnstiftenden Umweltbewegung. Unmittelbar nach Ende ihres Studiums der englischen Literatur startete sie ihre Karriere als Spendensammlerin für Nachhaltigkeitsprojekte in der Dritten Welt. Ein Engagement als Klimaaktivistin bei der internationalen Umweltschutzorganisation Friends of the Earth (deutscher Arm: BUND) folgte und schließlich etablierte sie mit der Sandbag-Initiative ein besonders perfides Instrument zur Wohlstandsvernichtung. Privatleute, so das Konzept, sollten Emissionszertifikate kaufen und sie dem weiteren Handel entziehen, damit diese nicht mehr von der Industrie eingesetzt werden können „um damit Schlechtes zu tun“. Zwischen diesen Tätigkeiten hat sie auch noch am Klimaschutzprogramm der Regierung Blair mitgeschrieben, das im Jahr 2008 verabschiedet wurde und eine Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen um 80% bis 2050 vorsieht. Seit 2011 sitzt sie für die Labour-Partei im englischen Oberhaus und setzt ihren Feldzug gegen Kohlenwasserstoffe unbeirrt fort. Hier, so könnte man schließen, liegt der klassische Fall einer ideologiegetriebenen Fanatikerin vor, die keinerlei guten Argumenten mehr zugänglich ist. Aber dieser erste Eindruck täuscht, denn Bryony Worthington hat etwas Wichtiges verstanden:

there’s an



ITER und die Chinesen

22. Juli 2012 | Von | Kategorie: Artikel, Energieerzeugung, Energiewende, Technium

2009 wurde der Verein IASS (Institute for Advanced Sustainability Studies) mit Sitz in Potsdam gegründet. Der Spiegel schrieb damals:⁽¹⁾

“Vorbild ist der Ministerin zufolge das Institute for Advanced Study im amerikanischen Princeton, wo auch Albert Einstein forschte. Ähnlich wie an dem US-Elite-Institut könnten die “klügsten Köpfe” in Potsdam ein frei gewähltes Thema bearbeiten und bis zu zwei Jahre lang am Institut in der Potsdamer Kleist-Villa forschen und wohnen.”

Klaus Töpfer ist zur Zeit der Exekutivdirektor und neben anderen wichtigen Posten gibt es auch noch einen Strategiebeirat, dessen Vorsitzender Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber ist. Dies nur kurz zur Erläuterung, um die politische Ausrichtung dieses Vereins zu verstehen. Im März diesen Jahres wurde unter dem Dach des IASS eine Plattform Energiewende (TPEC) vorgestellt, die sich als unabhängiger wissenschaftlicher und transdisziplinärer Begleitprozess der Energiewende versteht.⁽²⁾

Am 28. Juni fand nun eine Expertenanhörung statt mit dem Thema: “Energiewende: Wo stehen wir? Was ist zu tun?” Siebzehn Experten konnten jeweils fünf Minuten zu einem Fachgebiet sprechen, und etwa die doppelte Zeit stand noch mal für Rückfragen der Jury zur Verfügung. Die Videoaufzeichnung dieser Veranstaltung ist in zwei Teilen auf der Seite des IASS zu sehen.⁽³⁾. Die Vorträge waren von unterschiedlicher



Walter Russell Mead: Die Energie-Revolution und das neue amerikanische Jahrhundert

21. Juli 2012 | Von | Kategorie: Blog, Energieerzeugung, Politik, Unkonventionelles Gas und Öl

Stellen Sie sich auf ein neues amerikanisches Jahrhundert ein: das scheint die Hauptkonsequenz der Energierevolution zu sein, die jetzt weltweit Wirtschafts- und Politikexperten dazu veranlasst, ihre alten Prognosen zu zerreißen. Das neue amerikanische Jahrhundert wird keine Wiederholung des letzten sein, aber in mancherlei Hinsicht sieht es so aus, als ob die Welt eher die Richtung eines globalen, liberalen Kapitalismus einschlägt, den die Vereinigten Staaten – wie Großbritannien zuvor – seit Jahrzehnten als ihr geopolitisches Ziel ansehen.

Energie war für die Geopolitik des 20. Jahrhunderts sehr wichtig; Energieknappheit formte die strategischen Entscheidungen, die Deutschland und Japan zur Niederlage im 2. Weltkrieg führten und der Kampf um den energiereichen Nahen Osten spielte im Kalten Krieg eine wichtige Rolle. Die Annahme, dass die Welt bereits „Peak Oil“ erreicht hat oder kurz davor steht, motivierte die Prognosen, dass das 21. Jahrhundert ein Zeitalter eines Wettkampfs zwischen den USA und China werden würde, da Chinas verzweifelte Suche nach mehr Energiequellen das Land zu einer aggressiven globalen Energiepolitik verleiten könnte, die mit vitalen Interessen der USA in Konflikt gerät.

Die Annahme, dass sich nur noch wenige große Vorkommen erschließen lassen, brachte viele dazu, Prognosen aufzustellen, in denen die Golf-Region weiterhin einen weltpolitischen Dreh- und Angelpunkt bildet;