Politik



Dreizehn Energiewende-Märchen – Teil 1

29. Mai 2011 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Blog, Energieerzeugung, Kernenergie, Politik

Die Bundesregierung hat am 28.9.2010 ihr Energiekonzept für eine „umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung“ vorgelegt. Zu den wichtigsten Vorhaben zählen darin:

  • Die Reduktion der Treibhausgasemissionen um 80% bis 95% gegenüber dem Wert des Jahres 1990; um 40% bis zum Jahre 2020.
  • Der Ausbau der erneuerbaren Energie auf einen Anteil von 60% am Bruttoendenergieverbrauch bzw. 80% am Bruttostromverbrauch. Für 2020 sollen das 18% bzw. 35% sein.
  • Eine Verminderung des Primärenergieverbrauchs bis 2050 um 50% gegenüber 2008 (2020: 20%). In Deutschland bestünden angeblich „weiterhin ganz erhebliche Potentiale zur Energie- und Stromeinsparung.“
  • „Die Laufzeit der Kernkraftwerke werden wir um durchschnittlich 12 Jahre verlängern.“

Allein diese wenigen Zeilen enthalten eine hohe Konzentration an stark übertriebenen und unrealistischen und auch sehr kurzlebigen Zielvorgaben; im Falle Kernkraft eine 180-Grad-Wende innerhalb weniger Wochen.  Bereits der erste Satz stellt ein bemerkenswertes Beispiel von Schönfärberei dar, denn – wie in den folgenden Kapiteln dargelegt wird – dieses Energiekonzept würde Deutschland in eine sehr unzuverlässige, unbezahlbare und zudem ganz und gar nicht umweltschonende Energieversorgung befördern, wenn es denn jemals ernsthaft versucht wird. Bereits der Versuch würde große wirtschaftliche Schäden anrichten und es ist ein nur schwacher Trost, daß die vollständige Umsetzung dieses Energiekonzeptes ohnehin unerreichbar ist, weil bei einem bestimmten



Dreizehn Energiewende-Märchen – Teil 2

29. Mai 2011 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Blog, Energieerzeugung, Kernenergie, Politik

(Den erste Teil der Dreizehn Energiewende-Märchen finden Sie hier)

Nr. 8: Das Märchen von der Sonne, die keine Rechnung schickt

Der Werbespruch “Die Sonne schickt keine Rechnung” ist gewiß der Anwärter für den Hauptgewinn im Volksverdummungs-Wettbewerb. Spötter haben dazu festgestellt, daß auch die geologischen Epochen Carbon und Perm keine Rechnung für die damals erzeugte Kohle schicken und daß die kosmische Katastrophe, die das Sonnensystem mit seinen Uranvorräten hervorbrachte, ebenfalls netterweise auf die Versendung von Rechnungen verzichtet hat.

Was mit diesem Verdummungsspruch verschleiert werden soll: Die Sonne scheint in Deutschland – wenn sie scheint – mit einer Leistungsdichte von nur ca. 1000 Watt (thermisch) pro Quadratmeter, woraus eine Silizium-Photovoltaikzelle etwa 90 Watt (elektrisch) erzeugt. Hoffnungen, daß sich das in Zukunft wesentlich verbessert, sind unbegründet und gehören zum technologiepolitischen Wunderglauben (siehe das Märchen vom Technologiesprung). Diese sehr alte Technik ist in den vielen Jahrzehnten bis dicht an ihre physikalische Grenze herangebracht worden; wundersame Verbesserungen, “Technologiesprünge”, wird es nicht geben.

Dieser bei voller und möglichst senkrecht einfallender Sonne seine 90 Watt abgebende Quadratmeter kostet echtes Geld. Die Anschaffungskosten für ein Einfamilienhaus-Dach belaufen sich auf 13.000 Euro für eine Spitzenleistung von 2,5 KWp. Für den Anteil der Solarzellen daran zahlt man derzeit bis



Kretschmanns Gründerzeit

29. Mai 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Politik

Ein guter Slogan ist Gold wert. Werbestrategen ersinnen eingängige Formulierungen, die dann sofort mit einem Produkt in Verbindung gebracht werden und gewünschte Assoziationen hervorrufen (have a break, ich bin doch nicht blöd, usw). Oft werden auch Produktnamen erfunden die bereits eine Eigenschaftsbeschreibung beinhalten oder auf eine Zielgruppe hinweisen (Kinderschokolade, Softis, Tipp-Ex). Manchmal geht so eine Namensgebung auch daneben, Mitsubishi musste das mit seinem Pajero erleben, was in der spanischen Vulgärsprache „Wichser“ bedeutet. Doch solche Pannen sind eher selten.

Politik will natürlich auch verkauft werden, hier ist es ebenso wichtig eingängige Formulierungen zu finden (Freiheit statt Sozialismus, Mehr Demokratie wagen). Wohlwollend betrachtet sind diese Slogans die Verpackung eines entsprechenden Programms, weniger wohlwollend sind es Sprüche die vom Inhalt ablenken oder einen Inhalt suggerieren, der so nicht nicht vorhanden ist. Ganz selten wird man später noch die Wahlkampfslogans mit der Politik verbinden, die dann Wirklichkeit wurde. Wenn wirklich eine wegweisende Epoche geschah, wurde dieser ein ganz anderer Name gegeben. Oftmals nach Politikern benannt (Wilhelm, Adenauer, Brandt, Kohl), oder nach wirtschaftlichen Besonderheiten (Inflationszeit, Wiederaufbau, Gründerzeit, Wirtschaftswunderzeit).

Da Winfried Kretschmann, grüner Ministerpräsident von Baden-Württemberg, in seiner Regierungserklärung eine neue Gründerzeit ausgerufen hat, sollte man sich erst einmal deutlich machen, zu welcher Kategorie dieser Begriff



Relativ gedacht ist absolut daneben…

28. Mai 2011 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Blog, Energieerzeugung, Erdgas, Erdöl, Kernenergie, Kohle, Politik

Die Siemens-Postille „Pictures of the Future“ schaue ich immer wieder gerne durch. Weil der krampfhafte Versuch, über das nicht zu berichten, mit dem man wirklich Geld verdient, mittlerweile absurd-komische Züge annimmt. Auf der Hannover-Messe ist man wenigstens ehrlich und zeigt die Anlagen- und Kraftwerkstechnik für den konventionellen Bereich, sprich vor allem für die Gewinnung und Nutzung fossiler und sonstiger mineralischer Ressourcen aller Art. In „Pictures of the Future“ dagegen ist alles nur noch Öko. In den kommenden 30 Jahren, so die Botschaft, schafft sich Siemens einfach ab. Die PR-Abteilung würde natürlich sagen „Wir erfinden uns immer neu!“. Tja, wenn PR-Leute etwas erfinden, ist es eben meistens unbelastet von jeglichem Bezug zur Realität.

An der aktuellen Ausgabe hat mich zumindest eines positiv überrascht: Die Ausrufung des „Stromzeitalters“. Klar ist das im Sinne des Konzerns, denn viele Komponenten für die Regelung und Verteilung von Elektrizität sind unabhängig von der Art der Stromerzeugung. Aber angesichts der gegenwärtigen Debatten um die „Energiewende“ verwundert es dann doch, wenn endlich einmal aus der Wirtschaft offen und deutlich die Aussage getroffen wird, daß wir in Zukunft einen höheren Elektrizitätsbedarf haben könnten, und nicht etwa sicher von einem sinkenden auszugehen ist. Siemens benennt drei wesentliche Argumente:

  • Effizienzsteigerungen im


Fukushima und das Primat der Technologie

23. Mai 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Energieerzeugung, Innovationspolitik, Kernenergie, Politik, Technium, Wirtschaftsförderung

„Die kontrollierte Kernspaltung und die auf diesem Wege zu gewinnende Kernenergie leiten den Beginn eines neuen Zeitalters für die Menschheit ein. […]die Entwicklung von Kernkraftmaschinen an Stelle der Dieselmotoren und anderer Verbrennungskraftmaschinen für feste und fahrbare Kraftstationen, für Schiffe, Flugzeuge und andere Verkehrsmittel muß den Platz Deutschlands in der Reihe der Industrievölker sichern; […]“ (SPD Parteitag in München, 14.07.1956)

„Eine Risikotechnologie wie die Kernkraft kann nicht auf Dauer gegen die Mehrheit der Bevölkerung betrieben werden. Sie ist auf gesellschaftliche Akzeptanz angewiesen.“ (FDP-Parteitag in Rostock, 15.05.2011)

Zwischen diesen beiden Parteitagsbeschlüssen liegen nicht nur einfach mehr als 50 Jahre.

Angesichts der andauernden Debatte über die friedliche Nutzung der Kernenergie in Deutschland, die eigentlich nur mehr eine Debatte darüber ist, wie schnell man aus dieser Technologie denn nun aussteigen könne, mag mancher Zeitgenosse denken, die Teilnehmer des SPD-Parteitages von 1956 wären wohl ein wenig naiv gewesen. Aber beim Lesen des Textes in voller Länge wird deutlich: Man hat sich für die Kernenergie in voller Kenntnis über die ihr innewohnenden Risiken entschieden. Und gerade diese Risiken waren der Grund, aus dem man in parteiübergreifender Einigkeit in den 1950er Jahren begann, Forschung und Entwicklung ebenso zu unterstützen wie die Errichtung von



Der Markt und die Atomkraft

16. Mai 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Energieerzeugung, Kernenergie, Politik, Wirtschaftsförderung

Eine Betrachtung der Atompolitik aus libertärer Sicht.

von Kalle Kappner


„Atomkraft – Nein, danke!“ oder „Atomkraft – Ja, bitte!“ – die Fronten in der politischen Debatte scheinen klar zu sein. Hier die Grünen und Linken, die schon immer (außer natürlich vor den 80ern) gegen Atomkraft waren. Dort die Konservativen und Liberalen, als Stimme der wirtschaftlichen Vernuft, die an der Atomenergie festhalten. Exemplarisch dafür steht der Eifer, mit dem die rot-grüne Bundesregierung den Ausstieg forciert hat, der dann später von der schwarz-gelben Regierung wieder verwässert wurde. Emotionen spielen natürlich eine wichtige Rolle. Nicht anders lässt sich die enorme Politisierung der Energiefrage erklären: Wenn die übliche linksgrüne Klientel gegen Atomkraft ist, muss man als Liberaler scheinbar zwingend dafür sein und AKWs mit Zähnen und Klauen verteidigen. Als Linker braucht es oftmals überhaupt keine Begründung mehr für eine ablehnende Haltung zur Atomkraft. Man ist halt dagegen. Das S21-Phänomen scheint sich zu wiederholen. Als die linksgrüne Klientel gegen S21 auf die Straße ging (freilich nicht, um gegen Steuergeldverschwendung zu protestieren, sondern um das Steuergeld für ein alternatives Zwangsprojekt einzusetzen), entdeckten viele „Liberale“ aufeinmal ihre Liebe für den Polizeistaat, den Bahnsozialismus und für bürokratische Planfeststellungsverfahren.

Atomkraft im freien Markt

„Ursache: Militärisch-industrieller Komplex. Grundlagen: Staatliche Forschung.



Nachhaltige Entwicklung? – Die Welt gehört den Lebenden…

15. Mai 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Nachhaltigkeit, Ökologismus, Ökologistische Mythen

Der Besuch im Vergnügungspark endete vor der lebensgroßen Figur des Mammuts. „Lebensgroß“ bedeutet in diesem Fall nichts anderes als „ziemlich groß“, also beeindruckend. Der Gestalter hatte sich alle Mühe gegeben, denn immerhin wissen wir heute genau, wie Mammuts einmal ausgesehen haben. Und im Gegensatz zu all den vielen Dinosauriern, deren lebens- also ziemlich große Nachbildungen der Park ebenfalls zu bieten hatte, waren Mammuts einmal unsere Zeitgenossen. Das erklärt die Faszination, die diese Tiere auf uns ausüben. Und ebenfalls im Gegensatz zu den Dinosauriern gibt es zumindest Indizien, die das Aussterben dieser großen Landsäugetiere mit dem Menschen, mit den Fertigkeiten steinzeitlicher Jäger, in Verbindung bringen.  Die Figurengruppe im Vergnügungspark, die nicht nur aus dem gigantischen Rüsseltier, sondern auch aus unseren fellbedeckten, mit Speeren herumfuchtelnden Vorfahren besteht, bildete einen merkwürdigen Kontrast zu den Horden lärmender Kinder und staunender Eltern, die sie betrachteten.

Dieser Kontrast verdeutlicht das Scheitern des Prinzips der „nachhaltigen Entwicklung“.

Unsere gegenwärtigen Bedürfnisse, so dieses Prinzip, sollen wir auf eine Art und Weise erfüllen, die die Fähigkeit künftiger Generationen zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse nicht einschränkt. Für sich genommen bietet diese Vorgabe keinerlei Entscheidungskriterium. Denn erstens kennen wir die Bedürfnisse zukünftiger Generationen nicht – und zweitens nicht deren Fähigkeiten.

Das Prinzip