Wirtschaftsförderung



Wir alle sind Volkswagen!

27. September 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Innovationspolitik, Mobilität, Politik, Wirtschaftsförderung

Diesel2Kein Maßstab scheint derzeit zu groß, um Volkswagens absichtliche Täuschung staatlicher Prüfbehörden einzuordnen. Der Klimaschutzpräsident Obama habe VW die Grenzen aufgezeigt, jubelt Spiegel Online, obwohl doch die Angelegenheit mit Klimaschutz überhaupt nichts zu tun hat. Sascha Lobo sieht eine Verschwörung gegen das Elektroauto und verhaftet Themen wie automatisiertes Fahren und vernetzte Fahrzeuge gleich mit. Obwohl doch die Intelligenz und das Kommunikationsvermögen eines PKW überhaupt nicht mit seinem Antrieb zusammenhängen. Andernorts wird das Ende der deutschen Wirtschaft durch die bevorstehende Abkehr globaler Kunden vom Gütesiegel „Made in Germany“ beschworen – nicht nur Autos, sondern gleich alle Erzeugnisse unserer Maschinenbauer betreffend. Entwirft man eine Collage der Schlagzeilen Mutmaßungen der letzten Tage, so scheint eine Verschwörung ungeahnten Ausmaßes aufgedeckt worden zu sein, der neben den Wolfsburgern nicht nur gleich alle Automobilhersteller, sondern höchste Kreise in nationalen Regierungen und der EU angehören. Die Skandalisierung des Skandals ist eine in deutschen Medien meisterhaft beherrschte Disziplin.

Aber welchen Schaden hat VW wirklich angerichtet? Es gibt tatsächlich Menschen, die glauben, das berechnen zu können. Es kursieren eine Reihe unterschiedlicher Schätzungen im Web, die von einzelnen bis zu einigen hundert vorzeitigen Todesfällen pro Jahr reichen. Ein zutiefst antihumanistischer Ansatz, der uns alle zu Totschlägern erklärt.

Wir



Rainer Klute: AUS für Kernenergie?

26. Mai 2015 | Von | Kategorie: Blog, Energieerzeugung, Innovationspolitik, Kernenergie, Politik, Technium, Wirtschaftsförderung

NukleariaDas „AUS“ in der Überschrift steht natürlich für Australien. Das, obwohl einer der größten Uranproduzenten der Welt, noch kein eigenes Kernkraftwerk betreibt. Der Vorsitzende des Nuklearia e.V., Rainer Klute, beschreibt in seinem privaten Blog kurz und prägnant, warum sich dies bald ändern könnte:

Steht Australien vor dem Atomeinstieg und der Lösung des weltweiten Atommüllproblems? In Südaustralien analysiert eine Royal Commission die Möglichkeiten. Ein Senator präsentiert die Vision eines nuklearen, atommüllfinanzierten Wirtschaftsaufschwungs.

Während Deutschland vor dem Atommüll kapituliert und die Endlagersuchkommission von immer höheren Kosten und einem sehr viel längeren Verfahren spricht, geschieht am anderen Ende der Welt so ziemlich das Gegenteil: Australien erwägt den Einstieg in die Kernkraft und die Lösung des Atommüllproblems gleich mit.

Als technischer Hintergrund kann die Entwicklung eines Integral Fast Reactors IFR unter dem Markennamen PRISM durch GE Hitachi Nuclear Energy angesehen werden, mit dessen Hilfe man in Südaustralien eine gewinnbringende „Nuklearwirtschaft auf Atommüllbasis“ aufbauen will. Einer der politischen Treiber hinter der Idee ist der liberale Senator Sean Edwards. Klute beschreibt dessen Vision wie folgt:

Edwards rechnet bei einer Umsetzung seines Konzepts mit einem gewaltigen Wirtschaftsaufschwung für Südaustralien. Dank entsorgungsfinanzierter Reaktoren wäre der Strom äußerst billig. Günstige Energiepreise würden weitere Industrien anziehen und für Arbeitsplätze



Die Energiewende: Kalter Kaffee für den Klimaschutz?

13. Mai 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Energieerzeugung, Energiewende, Politik, Wirtschaftsförderung

ego3-150x150Viele Kaffeegenießer leisten sich mit Kapseln zu fütternde Vollautomaten. Die Vorteile liegen auf der Hand. Eine frisch zubereitete Tasse steht jederzeit und schnell zur Verfügung. So schmeckt der Kaffee besser, als abgestanden aus der großen Kanne. Auch kann man einfach zwischen verschiedenen Geschmacksrichtungen und Kompositionen wechseln. Dieser Luxus führt natürlich zu einem erhöhten Aufwand an Ressourcen und Kosten. Man denke allein an die Verpackung des portionierten Kaffeepulvers, die zu einem großen Teil aus dem energetisch aufwendig hergestellten Aluminium besteht.

Was Dr. Martin Iffert, dem Vorstandsvorsitzenden des Aluminium-Produzenten Trimet natürlich sehr gut gefällt, auch wenn Folien und Beschichtungen nur einen kleinen Teil des Umsatzes seines Unternehmens ausmachen. Am Beispiel der Kaffekapseln aber kann man nach seiner Auffassung häufige Trugschlüsse der Klima- und Energiedebatte besonders gut verdeutlichen.

Denn der höhere Aufwand pro Tasse darf nicht einfach hochgerechnet werden. Bezogen auf die gesamte Menge des in Deutschland gekochten Kaffees sparen Kapseln, Pads und entsprechende Automaten sehr wohl Energie ein. Weil sie ein bedarfsgerechtes Angebot gestatten. Anders ausgedrückt: Der auf diese Weise zubereitete Kaffee wird auch getrunken. Die herkömmliche Produktionsmethode hingegen erzeugt viel Abfall. Der am Ende einfach weggeschüttet wird. Auf den  Luxus zu verzichten und gar noch den Energieverbrauch herkömmlicher Kaffeemaschinen zu regulieren,



Die Technetium-Krise

11. März 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Gesundheit, Innovationspolitik, Kernenergie, Nuklearmedizin, Wirtschaftsförderung

ego150Was fällt Ihnen zum Thema Gesundheit ein? Der Verzehr von Obst und Gemüse? Bewegung und Sport? Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen?

Mir kommen solche Gedanken nicht. Mein Körper ist perfekt an meine Couch angepaßt. Gut, das mag jetzt auch an der Konstruktion der Couch liegen. Mein Hunger verlangt nach Steaks und Schnitzeln, nach Pommes und Bratkartoffeln. Arztbesuche vermeide ich nach Möglichkeit. Denn ich bin nicht krank. Ich muß nicht nach etwas streben, was ich schon erreicht habe.

Es ist schwer zu definieren, wann „Gesundheit“ vorliegt, wenn man wirklich mehr darunter fassen möchte als die „Abwesenheit von Krankheit“. Der menschliche Körper ist ein hochkomplexes, von rückgekoppelten Prozessen geprägtes System. Da viele dieser Vorgänge noch immer nicht ausreichend verstanden sind, gibt es keine Möglichkeit, einen Idealzustand festzulegen. Allenfalls kann man herausfinden, wann und warum etwas nicht funktioniert, wann und warum Schäden auftreten. Viele medizinische Diagnosemethoden stoßen hier an prinzipielle Grenzen, da sie nur einen momentanen Zustand erfassen und nicht dynamische Änderungen in einer ausreichenden zeitlichen Auflösung. Häufig sind eben Filme erforderlich, um Abläufe zu begreifen. Einzelne Fotos reichen nicht. Das gilt nicht nur für Sportwettkämpfe, sondern auch für den menschlichen Blutkreislauf.

Die Nuklearmedizin gestattet solche Diagnoseverfahren. Ihr Ansatz ist, über Änderungen in der Verteilung bestimmter



Elektromobilität: Bilder einer Ausstellung

19. Februar 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Elektromobilität, Innovationspolitik, Politik, Wirtschaftsförderung

Im Historischen Museum Hannover ist noch bis zum 14. Juni 2015 eine kleine Sonderausstellung zum Thema Elektromobilität zu sehen. Unter dem Titel: „Hannover aufgeladen!: Elektromobilität zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ werden dort durchaus nachdenkliche Töne angeschlagen. Denn der gezeigte historische Verlauf der Entwicklung begründet den politischen Optimismus hinsichtlich dieser Technologie gerade nicht. Natürlich ist die Schau mit öffentlichen Mitteln im Rahmen des Projektes „Schaufenster Elektromobilität“ gefördert worden und natürlich findet man die üblichen Warnungen über Klimawandel und Ressourcenknappheit. Aber zum ersten Mal (zumindest nach meinen Erfahrungen) wird dem Publikum von „offizieller“ Seite deutlich mitgeteilt, ein Akkumulator mit einer Energiekapazität von mehr als etwa 1.000 Wh pro Kilogramm Batteriemasse sei physikalisch einfach nicht möglich. Zwar fehlt die Begründung (die findet man ja hier bei uns), doch die Ausstellungsmacher haben verstanden, daß nur 10% der Energiedichte nicht ausreichen, um mit Benzin oder Diesel konkurrieren zu können. Deswegen gelangen sie am Ende zu dem Fazit, der Markterfolg der Elektromobilität hinge von Veränderungen des Mobilitätsverhaltens und der Mobilitätsansprüche der Nutzer ab. Ich teile diese Einschätzung. Ein Batteriefahrzeug ermöglicht eben nicht den Individualverkehr, wie wir ihn heute kennen. Es funktioniert nur als Teil einer Kette von Linienverkehren, als Ergänzung zu Bus und Bahn,



Wie eine Greenpeace Studie den Strompreis schlecht rechnet

2. Februar 2015 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Energieerzeugung, Energiewende, Erdgas, Kernenergie, Kohle, Wirtschaftsförderung

800px-Anti-EPR_demonstration_in_Toulouse_0179_2007-03-17Seitdem in den letzten Jahren immer deutlicher geworden ist, dass die Energiewende nicht, wie einst von Jürgen Trittin fabuliert, zum Preis von einer Kugel Eis im Monat zu haben ist, nimmt die Kritik an der Umstellung unserer Stromproduktion auf „Erneuerbare Energien“ auch in solchen Medien zu, die bis vor kurzem noch vornehmlich pro regenerativer Energien eingestellt waren. Zu offensichtlich ist der Effekt, den immer mehr Wind- und Solarstrom auf den Energiepreis der privaten Haushalte und großer Teile der Industrie hat.

Wer allerdings angesichts dieser erdrückenden Faktenlage mit dem Eingeständnis der Wind- und Photovoltaik-Lobby gerechnet hätte, dass die Sonne eventuell doch eine Rechnung schickt, der ist bislang noch immer enttäuscht worden. Ganz im Gegenteil, die Branche wird nicht müde zu betonen, dass Ihr Strom nicht nur umweltfreundlich sei (was angesichts der riesigen Windparks, die mittlerweile auch in Waldgebieten errichtet werden schon per se ein Witz ist), sondern, ganz im Gegensatzl zum Offensichtlichen, sogar günstiger wäre als der Strom aus konventionellen Quellen.

Ein Institut, das sich die wissenschaftliche Stützung dieser steilen These ganz besonders auf die Fahnen geschrieben hat, ist das Forum Ökologisch Soziala Marktwirtschaftz (FÖS). Dort wird seit einigen Jahren regelmäßig im Auftrag des Ökostrom-Produzenten Greenpeace Energy erforscht, wie man



LNG: Der Sprit, der aus der Kälte kam

31. Januar 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Elektromobilität, Energieerzeugung, Erdgas, Innovationspolitik, Politik, Technium, Unkonventionelles Gas und Öl, Wirtschaftsförderung

ego150Die junge Dame starrte mich an, als wäre ich ein Alien. Ziel Ihres Auftrittes war, die Besucher von den Vorteilen der Elektromobilität zu überzeugen. Und weil interaktive Elemente irgendwie angesagt sind, wurde gleich zu Beginn das Publikum mit einer Frage einbezogen: Was sollte ein Elektroauto können, damit man es sich kauft? Meine Antwort rief nicht nur besagten Blick der Vortragenden, sondern auch sofortiges Schweigen im Publikum hervor: „Es sollte das bieten, was ein konventionelles Fahrzeug auch bietet, dabei aber preiswerter sein.“

Das war eine aus Sicht der Dame offensichtlich unerhörte und unerwartete Äußerung. Auch der Rest des Publikums schien geradezu betroffen ob meiner egoistischen Ignoranz höherer Ziele. Aber nach wenigen Sekunden der Überraschung erhoben sich erste Stimmen, die mir beipflichteten. Und andere, die wütend protestierten. „Batterien bringen es nicht!“ gegen „So darf man das doch nicht sehen!“. Auf „Wir müssen doch mal darüber nachdenken, wo wir in zwanzig Jahren sein wollen!“ mußte man auch nicht lange warten.  Die Veranstaltung war gelaufen. Wenig später verließ ich den Saal.

Es ist schwierig geworden mit Innovationen in Deutschland. Weil die jahrzehntelange Ökopropaganda in uns den Reflex verankert hat, das Neue auf andere Weise zu bewerten. Etwas unter den subjektiven Kriterien der