Auf den Punkt: Die gewaltigen Veränderungen am US-Energiemarkt lassen sich in einer einzigen Grafik darstellen

16. Juli 2012 | Von | Kategorie: Artikel, Energieerzeugung, Energiewende, Erdgas, Politik, Unkonventionelles Gas und Öl, Wirtschaftsförderung

Die Energie aus der Steckdose erlebt in Amerika den schnellsten und größten Wandel, der jemals stattgefunden hat.

Es ist nur wenigen wirklich aufgefallen, aber in der amerikanischen Elektrizitätswirtschaft vollzieht sich gerade ein Wandel, wie man ihn nie zuvor gesehen hat. Nicht im Jahr 1973, nicht 1950 und noch nicht einmal 1900. So lange, wie in den USA Elektrizität produziert wird, stellte die Kohle den Hauptanteil vor allen anderen Energieträgern.

Während Erdgas und Erdöl beim gesamten Energieverbrauch eine große Rolle spielen, lag bei der Stromerzeugung aus fossilen Rohstoffen der Anteil der Kohle in den letzten 50 Jahren immer über 65%. Und während der meisten Zeit im 20 Jahrhundert lag der Anteil der Kohle an der gesamten Stromerzeugung über 50 %.

Nun ist allerdings das Erdgas dabei, der Kohle den Rang abzulaufen. Und das in rasendem Tempo. Die Erzeugung von Elektrischer Energie verändert sich, wie man in der unten stehenden Abbildung gut sehen kann, normalerweise nur langsam. Wenn man sich in der Abbildung allerdings die letzten drei Jahre ansieht, erkennt man eine Dynamik im Wachstum, die man ansonsten nur in der High-Tech-Industrie kennt, keinesfalls aber bei der Stromerzeugung.

 

 

Es ist dabei wert erwähnt zu werden, dass die absoluten Zahlen hinter diesen in der Grafik dargestellten Prozentangaben ebenfalls gigantisch sind. Jeder Prozentpunkt entspricht in etwa einer Jahresproduktion von 40 Millionen Megawattstunden. Als Vergleich, sämtliche Solaranlagen in den USA produzierten 2010 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) 1,3 Millionen Megawattstunden [Deutschland 2010: 11, 7 Millionen Megawattstunden].

Bei dieser Entwicklung wurde im April diesen Jahres ein neuer Meilenstein erreicht. Wie die amerikanische Energie-Informations-Behörde (Energy Information Administration, iea) vor kurzem bekannt gab wurde in diesem Monat zum ersten mal in der Geschichte der Behörde genauso viel Strom aus Gas wie aus Kohle produziert.

 

 

Lesen Sie hier die Erklärung der iea, wodurch diese unglaubliche Wende im amerikanischen Energiesektor ausgelöst wurde:

Während der 1990er und 2000er Jahre verringerten sich die Kosten der Stromerzeugung mit Gas durch den vermehrten Einsatz von effizienten Gas-und-Dampfturbinen-Kraftwerken (combined cycle technology). Ein Ausbau des Gaspipeline-Netzes reduzierte dabei Unsicherheiten in der Versorgung. Einen steiler Anstieg der heimischen Erdgasproduktion aus Schiefergas begann im Jahr 2005. Die Steigende Produktion an heimischem Schiefergas entwickelte sich schneller als der Zuwachs beim Bedarf an Erdgas und führte so zu fallenden Preisen, während die Preise für Kohle anstiegen. Ab dem Jahr 2009 führten diese Trends dazu, dass die Stromproduktion in der Osthälfte der USA sich von der Steinkohle aus den Appalachen hin zur Produktion aus Erdgas verschob.

Neben den Brennstoffkosten spielen noch andere Faktoren eine entscheidende Rolle, welche Kraftwerke zur Deckung des Strombedarfs betrieben werden. Ein wichtiger Faktor sind hierbei die verfügbaren Kraftwerkskapazitäten. Zwischen 2000 und 2012 wuchs die Kapazität bei den Gaskraftwerken um 96 %. Im Kontrast dazu war der Zubau bei den Kapazitäten an Kohlekraftwerken in diesem Zeitraum relativ gering und die Kapazitäten bei der Stromerzeugung aus Erdöl gingen sogar um 12 % zurück. Weiter Faktoren waren die laufenden Kosten für den Kraftwerksbetrieb, Kosten für das hoch und herunter fahren, Emissionen, finanzielle Förderungen, Übertragungskosten und -kapazitäten,  und Anforderungen an die Zuverlässigkeit. Energieversorger betrachten dabei sämtliche Faktoren wenn sie entscheiden, welche Kraftwerke jeweils eingesetzt werden.

Während die oben beschriebene Entwicklung die Energiepreise und damit die Kosten für die Industrie in den USA spürbar senkt, gerät in Deutschland und Europa das produzierende Gewerbe immer mehr unter Druck. Durch diese Tendenz alarmiert, schlägt der EU-Energiekommissar Günter Oettinger inzwischen vor, den Plan der EU, die Emissionen bis 2020 um 20 % zu senken und gleichzeitig die Energieeffizienz um 20 % zu steigern, um einen weiteren Aspekt zu erweitern.

Wie der Spiegel unter Berufung auf das Handelsblatt berichtet, könnte es laut Oettinger ein weiteres Ziel der EU werden, einen Anteil von 20 Prozent industrieller Wertschöpfung am Bruttoinlandsprodukt zu sichern.

Entscheidend für die Zukunft der Industrie seien die in seine Zuständigkeit fallenden Energiepreise, schreibt Oettinger. „In zahlreichen Branchen sind die Preise für Energie und Rohstoffe längst wichtiger als Arbeitskosten“, schreibt Oettinger. Der Weltmarkt-Konkurrent USA stehe dank niedriger Energiepreise vor einer Re-Industrialisierung.

Dieser Beitrag stellt eine erweiterte und ergänzte Version eines Artikels dar, der am 15.07. bei der Global Warming Policy Foundation (GWPF) erschienen ist.

[Update] Als Ergänzung zu diesem Artikel finden sich weitere Fakten zu unkonventionellen Kohlenwasserstoffen in dem  Artikel „Der Energiereichtum NordamerikasNordamerikas„, der bei EIKE erschienen ist.

[Update 2] Watts Up With That –  Neue Studie:  Schiefergas weniger Klimaeinfluss als Kohle

„Assessing the greenhouse impact of natural gas“

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27 Kommentare
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  1. Ich frage mich nur, wann hier in Zentraleuropa bemerkt wird, was da abläuft. Vielleicht gelingt ja Grossbritannien eine Wiederbelebung seiner industriellen Traditionen. Frankreich muss in absehbarer Zeit seine Kernkraftwerke ersetzen. Wie die das bei Kosten für EPRs machen wollen, ist mir schleierhaft. Ob wir uns dazu durchringen können, den Wind- und PVSchrott einfach in der Landschaft stehen zu lassen und ansonsten auf Wachstum zu setzen, wage ich anzuzweifeln. Die USA werden uns als Absatzmarkt nicht brauchen, da hat sicher Asien und Russland vorrang. Und so als die Finanzdrehscheibe für die Welt bieten wir uns mit dem Spektakel um den Euro auch nicht so richtig an.

  2. China prepares for shale gas auction

    China has 25.08 trillion cubic meters of exploitable onshore shale-gas reserves, said the Chinese Ministry of Land and Resources in March. As part of its current 5-year economic plan, China aims to produce 6.5 billion cubic meters of shale gas a year by the end of 2015.

  3. Herr Kipp,
    das ist das Argument, was die deutsche Grenzen des Wachstums Ideologie ins Wanken bringen könnte.

    Da braucht es keinen Beweis mehr, diese Reindustrialisierung läuft in den USA gegen den Willen von Obama seit einigen Jahren. Im Januar hat sich der Strompreis für den Bürger seit 2008 auf 8 uscent halbiert. Das sind etwa 6 €cent im Endverbrauch.

    Unsere Zwangsfinanzierten ÖRs schaffen es irgendwie, diese Info fernzuhalten. Industrie der USA zieht zurück in die USA.Umzug ganzer Werke. Arbeitsplätze entstehen. Gas verdrängt nicht nur Kohle- liebe Nachhaltigen, Kohle wird das Schicksal von Torf teilen und als Ressource bald nicht gebraucht werden und im Boden verbleiben.
    Gas wird dort auch KKW verdrängen. Die GUDs , dank deutscher Siemenstechnologie(ist Siemens deutsch?), vervielfältigen sich rasant. Mit Investitionskosten von ca $900 je KWh verdrängen sie auch moderne EPR KKW mit ca §5000 je KWh.

    In den USA schaffen es die Nachhaltigen nicht, die Industrie zu beeinflussen. Obama und seine EPA schaffen es gerade, die KeystonePipeline zu verzögern. Wenn Kanada billiges ÖL nach Süden liefert, wird Soros im mexikanischen Golf mit seiner Tiefseeförderung von Öl bankrott gehen. Wer soll dann Obama finanzieren?

  4. Ein guter Beitrag. Danke Herr Kipp. Habe ihn gleich bei uns (bei Ihnen?) verlinkt: http://www.eike-klima-energie.eu/news-cache/der-energiereichtum-nordamerikas/
    Evtl. könnten Sie das auch hier tun.
    mfG
    M.L.

  5. Hallo Herr Limburg,

    Sehr guter Vorschlag, ich habe das soeben ergänzt. Ich würde Ihnen vielleicht noch empfehlen, den Begriff Hydrocarbon oder auch Hydrocarbonat einfach durch Kohlenwasserstoff zu ersetzen. Hydrocarbon gibt es im Deutschen nicht. Und, so sehr ich es den Amerikanern auch wünschen würde, Bodenschätze im Wert von mehreren „Trillionen“ Dollar zu besitzen, auf deutsch werden daraus Billionen.

    Herzliche Grüße,
    Rudolf Kipp

  6. Hallo Herr Kipp #5,

    das mit dem Hydrokarbonat kommt aus meinen Übersetzungen. Ab sofort werde ich bei weiteren Übersetzungen zu diesem Thema Ihren Vorschlag umsetzen! Und was die zahlen angeht… da hat mir ein Kommentator freundlicherweise Angaben zukommen lassen, die ich einfach übernommen habe. So gfanz eindeutig scheint das aber auch noch nicht zu sein. Kann es sein, dass die amerikanische „trillion“ etwas anderes ist als die englische?

    Chris Frey, Übersetzer

  7. Hallo Herr Frey,

    meines Wissens nach haben mittlerweile auch die Briten die amerikanische Bezeichnung Trillion für 10E18 übernommen. Meist ergibt sich der Zusammenhang ja auch, wenn man die Zahlen auf Plausibilität abklopft. 7 Milliarden Milliarden Dollar wären wohl selbst für Amerikaner eine sehr sehr große Zahl 🙂

  8. ich bitte doch sehr drum dass „Trillion“ im englischen 10E12 entspricht … während es im deutschen 10E18 entspricht

  9. @ Helium

    Das ist natürlich richtig. Da habe ich in #7 die Zahl verwechselt.

  10. #8, 9
    Also wenn wir schon bei der Pedantik sind: genau genommen ist die amerikanische trillion 10 hoch 12, also 1E12.
    10E12 wäre 10 hoch 13.

  11. stimmt … mea culpa

  12. Oha, da hat wieder mal einer bei uns hier gespickt!

    Amerika steht vor gigantischer Rohstoff-Revolution

    Während Deutschland die Energiewende plant, sind die USA viel weiter. Im Rohstoffsektor findet eine Revolution statt, die den USA ein goldenes Zeitalter bescheren könnte.

  13. Greenpeace scheint die Veränderungen aber noch nicht so richtig geschnallt zu haben und gängelt Unternehmen weiterhin mit sogenannten Ökorankings. Ich wußte gar nicht, dass es so ein Schwachsinn in der Form überhaupt gibt. Aber diesbezüglich scheint es wohl keine Grenzen zu geben.
    karl.s

  14. Diese Ökorankings sind nun mal das Kerngeschäft von Greenpeace.
    Man nennt es auch Schutzgelderpressung -- „Wen du ein gutes Ranking haben willst, sollte dir das etwas wert sein!“

  15. #14. Tritium

    höchst mafiös 😉

  16. Jau, langsam schnallen die Medien auch, wat da gerade bei den Amis passiert….

    Gas ist das neue Öl

    Vielleicht werden Historiker eines Tages als Revolution bezeichnen, was gerade in den USA passiert; ähnlich bedeutsam wie die Zeit vor 150 Jahren, als die ersten Glücksritter im Westen Amerikas anfingen, nach Öl zu bohren. Nur geht es diesmal um Gas. Für Louisiana und seinen Gouverneur Piyush Jindal ist es jetzt schon eine große Sache: „Ich verkünde heute die größte Investition in der Geschichte unseres Bundesstaates“, jubelt er in die Reporter-Mikrofone. „Bis zu zehn Milliarden Dollar“ werde das südafrikanische Unternehmen Sasol investieren, sagt er und hält inne, damit es auch jeder kapiert: „nicht zehn Millionen“. Damit könnten in dem wirtschaftlich schwachen Bundesstaat 5.000 Arbeitsplätze entstehen……………..

    Und noch einen Effekt haben niedrigere Preise für Gas und Kohle. Der Zeitpunkt, an dem Wind und Sonne Elektrizität zu Kosten erzeugen können wie fossile Kraftwerke, verschiebt sich weiter in die Zukunft.

    Ziemlich langer Artikel, der vieles aufgreift, wat Rudi schon geschrieben hat.
    Billige Energie belebt die Wirtschaft, billiges Erdgas aus Amiland ärgert Gazprom, macht dummerweise auch die Kernenergie unwirtschaftlicher…….und is ganz „böse“ fürs Klima.
    Während Deutschland weiterhin, unbeeindruckt vom Rest der Welt, seine irrsinnige Energiewende mit katastrophalen Kostensteigerungen für den Endverbraucher durchzieht, sind es wieder mal die bösen Amis, die uns zeigen was Pioniergeist wirklich erreichen kann.

    Europa im Ganzen und Deutschland im Speziellen entfernen sich immer weiter von der Entwicklung der Menschheit, während hier der Verzicht und der Rückschritt in den Feudalismus auf höchster Ebene diskutiert und gefordert wird, zeigt uns der Rest der Menschheit den vergnügten Stinkefinger.

    Ach ich vergass, Deutschland will ja der Welt gerade zeigen, was passiert wenn technische Laien und ideologisierte Politik eine Wirtschaftsnation mit voller Absicht gegen die Wand fährt…….als historischen Beweis, nie und niemals nimmer den Idioten im Lande die Oberhand zu überlassen.

    Nun ja, geistig sind wir ja eh schon im Mittelalter gelandet……..Hexenjagd ist wieder Gesellschaftsfähig, Ablasshandel europäisch erzwungen, Gesinnungsterror medial zur Perfektion transmutiert und Menschenrechte……..nicht mal mehr das Papier wert, auf das die Verfassung gedruckt wurde.

    Dekadenz einer ausufernden Bürokratie mit Regulierungswahn und -wut……..oder doch von Aliens regiert, obwohl mir die Idee mit den Aliens langsam sympatischer vorkommt, egal………das Ende wird grausam sein.
    H.E.

  17. #16. Heinz Eng

    Und noch einen Effekt haben niedrigere Preise für Gas und Kohle. Der Zeitpunkt, an dem Wind und Sonne Elektrizität zu Kosten erzeugen können wie fossile Kraftwerke, verschiebt sich weiter in die Zukunft.

    Jo, Heinz. Vor allem dieser letzte Satz muß doch eine schallende Ohrfeige für unsere ach so tollen „EnergieExpertiologen“ sein. Ich sehe das als weiteren Sargnagel für den EEG Irsinn!

    karl.s

  18. Auf der Seite http://www.peak-oil.com wird in zwei aktuellen, guten Artikeln der „Ölboom“ in den USA Dank des Schieferöls („Tight Oil“, „Shale Oil“) und des Ölschiefers („Oil shale“) analysiert. Das Fazit: Dieser „Ölboom“ scheint nichts anderes zu sein als ein kurz wärmendes Strohfeuer. Und deswegen sollte sich in Europa niemand verrückt machen wegen der Strompreise, die im übrigen für Großverbraucher (Papier, Alu, Glas, Zement etc.) sehr, sehr günstig sind.
    Meine Merkregel für das Auseinanderhalten von Schieferöl und Ölschiefer ist das: Bei Schieferöl kommt zuerst die Deckschicht aus Schiefer dann das Öl und beim Ölschiefer ist das Ganze gemischt.

    Unkonventionelles Öl – die Lösung für Peak Oil? Teil 1: Tight Oil
    21.04.2012 (Christoph Senz)
    http://tinyurl.com/c2alkm2

    Unkonventionelles Öl: Die Lösung für Peak Oil? Teil 2: Ölschiefer
    02.05.2012 (Christoph Senz)
    http://tinyurl.com/clmuemw

  19. Herr Stefan Becker,
    diese Argumentation ist nicht neu, sie wurde im englischen Raum schon vor langem geführt.

    Der grundlegende Fehler ist, wie so oft, die Extrapolierung des Status Quo.
    Vor wenigen Jahren waren diese Ölvorkommen noch unzugänglich, heute nicht mehr. Und in wenigen Jahren wird sich die Fördertechnik zweifellos nochmals deutlich weiterentwickelt haben.
    Über die Grenzmenge reden wir, wenn sich die Förderrate nivelliert. Momentan wächst sie exponentielll!

    Was die globale Versorgung betrifft, so ist schon in Kanada ein gigantisches Reservoir an Ölsanden. In Venezuela sind riesige Mengen Schweröl. In Brasilien vermutet man wenigstens 3 x so viel Öl wie in den USA. Was in Russland und Asien steckt, weiss noch niemand.
    Davon abgesehen haben sich seit der Prophezeihung des ‚Club of Rome‘ jedes Jahr die gesicherten(!) Ölreserven vermehrt.
    Viel realistischer waren die Prognosen der Ölgesellschaften. Heute prophezeit BP für das Jahr 2030:

    Crude oil output from Iraq is projected to double to nearly 6 Mb/d, while Saudi output expands by nearly 3 Mb/d.
    Supply from the Americas will also expand, by 8 Mb/d, as advances in drilling technologies unlock additional resources in the Canadian oil sands (+2.2 Mb/d), Brazilian deepwater (+2 Mb/d), and US shale oil (+2.2 Mb/d).
    --
    Die Rohölproduktion des Irak wird sich voraussichtlich auf 6 Megabarrel/Tag verdoppeln, während Saudi-Arabien seine Förderrate um nahezu 3 Mb/d erweitert.
    Die Förderung in Gesamtamerika wird durch Fortschritte in der Bohrtechnik, die zusätzliche Ressourcen erschliessen, ebenfalls um 8 Mb/d steigen. Davon kommen aus kanadischen Ölsanden 2,2 mb/d, aus brasislianische Offshorefeldern +2 mb/d und aus US Shale-Öl 2,2 Mb/d.

    So viel also zum Ausblick auf das Jahr 2030. Es erscheint mir sehr verwegen, über diese 20-Jahresfrist hinaus zu blicken, dafür ist die Technologie auf allen Gebieten zu sehr im Umbruch.
    Immerhin wird China dann voraussichtlich bereits weit über 100 Leichtwasser-Reaktoren in Betrieb haben und zusätzlich die Serienfertigung seiner ’schnellen‘ Reaktoren begonnen haben.

    Bangemachen gilt also nicht. Die Realität spricht eine zu deutliche Sprache.

  20. @Tritium

    „Vor wenigen Jahren waren diese Ölvorkommen noch unzugänglich, heute nicht mehr. Und in wenigen Jahren wird sich die Fördertechnik zweifellos nochmals deutlich weiterentwickelt haben. Über die Grenzmenge reden wir, wenn sich die Förderrate nivelliert. Momentan wächst sie exponentielll!“

    Könnten Sie kurz den Begriff Grenzmenge erläutern, weil ich trotz Google dazu keinen richtigen Treffer hatte?
    Ja die Förderrate wächst noch sehr schnell, weil auch von den Experten diese Art von Ölvorkommen, vor wenigen Jahren noch, nicht also so schnell ausbeutbar beurteilt wurden und diese Ölvorkommen noch ganz am Anfang der Gewinnung steht. Im Moment ist wohl jede Bohrung noch ein Treffer. Dazu kommen aber Probleme mit dem Bedarf an Wasser und an Diesel!

    In dem ersten Dokument von Peak-oil.com verlinkt habe („Unkonventionelles Öl – die Lösung für Peak Oil? Teil 1: Tight Oil“) ist eine Grafik der Behörde für mineralische Ressourcen in Nord-Dakota enthalten, die zeigt, dass die Förderung einer typischen Ölbohrung im Bakken-Gebiet nach etwa zwei Jahren nur noch ein fünftel(!) der ursprünglichen Menge beträgt. Dies ist also sogar steiler als bei einer Gasbohrung.

    Dazu muss man sich die folgende Grafik mal anschauen (aus dem ASPO-Newsletter Nr. 32)

    Zusammensetzung der Erdgasproduktion aus einzelnen Feldern in den USA:
    http://tinyurl.com/cxsd7k9

    Diese Grafik zeigt sehr schön, was passiert, wenn sich Förderkurven mit jeweils rasch nachlassender Förderung überlagern:
    Der Decline, d.h. der Rückgang, der durch neue Förderungen ausgeglichen werden muss wird immer steiler. D.h. je länger die Ausnutzung eines solchen Rohstoffs fortschreitet, desto abrupter ist am Ende das Ende.

    Hier noch ein Reisebericht des deutschen ASPO-Vorsitzenden bei einer Bahnfahrt durch das Bakken-Gebiet:

    „Pumpen-Hans (pumpjack) – Fossile Nordamerika-Impressionen -- Sommer 2012
    Martin Held, ASPO Deutschland
    Tutzing, 10. Juli 2012
    Ebenso markant ist, was er zum Bakken-Field erzählte: Die Förderung wurde sehr schnell
    hochgefahren, bevor es Pipelines in der Gegend gab. Deshalb muss das mit hohem Aufwand
    von den kleinen pumpjacks abgeholt werden, mit vielen kleineren Tanks vor Ort, um dann mit
    der Eisenbahn an die Küste weiter befördert zu werden. Pipelines sind der Flaschenhals! Des-
    halb tobt dazu derzeit auch ein heftiger Streit politisch, wirtschaftlich, kulturell, environmen-
    tal being just one issue. Tatsächlich stellt sich die Frage, ob die Pipelines nicht in jedem Fall
    zu spät kommen, wie lange die Förderung so hoch ist, dass eine derartige noch zu bauende
    Pipeline auch tatsächlich ausgelastet wäre.

    Und sehr auffällig ist ebenso, geradezu unübersehbar im wörtlichen Sinn: Selbst in einer der-
    artigen Gegend, in einem Industrieland, sieht man an vielen wells kleinere flarings – selbst da
    lohnt es sich nicht überall, Erdgas zu nutzen. Es wird schlicht und einfach nach wie vor zu
    einem Teil abgefackelt! Der Öltechniker meinte dazu, dass es bisher noch keine einfach ver-
    fügbare, kostengünstig einsetzbare Technik gibt, mit der man vor Ort das Erdgas als Energie-
    quelle zum Antrieb der Pumpenhanse und anderen Energiebedarf einsetzen könnte (ob das so
    stimmt, habe ich bisher nicht recherchiert).“
    https://docs.google.com/uc?export=download&id=0B9AZj5ZYb55NbUM3SGFWYXRqSDg

    Dieser BP-Ausblick für das Jahr 2030 bedeutet praktisch nichts, wenn man sich den Förderrückgang in den alten Ölfeldern (auch Saudi-Arabien, Groß-Britannien, Norwegen, Mexiko etc.) anschaut.

  21. Lieber Herr Becker,
    die Impressionen eines deutschen Vereinsvorsitzenden bedeuten MIR nichts.
    ich halte mich da lieber an die Experten der BP oder Exxon, die, wie Sie wissen, in der Vergangenheit weitaus bessere Prognosen lieferten alle anderen.

  22. Oh, noch etwas:
    Das mit dem Wassermangel im ach so dürregeplagten Mittelwesten hab‘ ich schon mal gehört und deshalb durchcgerechnet: Ein Frack kostet die jährliche Niederschlagsmenge von 1 Hektar (100 x 100m) Land. Lächerliche Peanuts also.

  23. Hallo Herr Tritium,
    das mit der Grenzmenge habe ich ernst gemeint, weil ich auch nicht alles wissen kann.

    Leider haben Sie anscheinend den verlinkten Reisebericht, aber auch nicht einmal meinen Beitrag in Gänze gelesen. Dort steht nämlich: „Der Öltechniker meinte dazu,“. D.h. der Reisebericht stützt sich hauptsächlich auf die Aussagen eines Technikers, der im Bakken-Feld für die Aufrechterhaltung der Förderung mit Hilfe von einigen Mitarbeitern (60 Leute) zuständig ist.

    Also in Bezug auf Prognosen verlasse ich mich lieber auf unabhängige Experten wie z.B. Colin Campbell oder Matthew Simmons (interessante Analysen über den Water Cut in Saudi-Arabien), wobei letzterer leider vorzeitig ins Gras bzw. in den Swimming-Pool beißen mußte. Bei Konzernaussagen sollte man immer ein bischen vorsichtig sein finde ich, wenn man an die Enron-Geschichte denkt.

    Was ich in der letzten Stunde so in Sachen „Harmlosigkeit“ von Fracking bzw. der Suche nach Schieferöl und Schiefergas zu gefunden habe (die Übersetzungen der Artikel hole ich noch nach):

    1. Bericht eines Mitarbeiters eines Bohrunternehmens aus dem Jahr 2006 (man denke an die diesjährige extreme Sommerdürre in den USA) bei The Oildrum:

    „And we thought Colorado had problems
    Posted by Heading Out on February 22, 2006GeoPoet on February 22, 2006
    My company is currently suspending drilling operations in Oklahoma due to lack of available water. State, municipal and private water owners have all told us that they will no longer sell water to us. We are experiencing similar problems in Colorado, Wyoming and New Mexico, but not to the degree we have encountered in Oklahoma.“
    http://tinyurl.com/99ez72u

    Dazu passt ein aktueller Bericht über die diesjährige Sommerdürre und die Auswirkungen auf die Fracking-Industrie (mit Karte zur Überlagerung von Schieferöl- und gasfeldern und den Dürregebieten in den USA):

    OIL AND GAS:
    Water flows to money in drought-stricken drilling regions
    Gayathri Vaidyanathan and Ellen M. Gilmer, E&E reporters
    EnergyWire: Monday, July 30, 2012
    http://tinyurl.com/8vqcxa2

    2. Bericht über die Mittelstreichung von Studien in den USA, die die Gesundheitsauswirkungen des Fracturing untersuchen sollten:

    „Gas Drilling Research Suffers From Lack Of Funding
    AP | By KEVIN BEGOS Posted: 08/01/2012 2:57 pm Updated: 08/01/2012 6:50 pm

    A House committee in June turned down an Obama administration request to fund $4.25 million in research on how drilling may affect water quality. In the spring, Pennsylvania stripped $2 million of funding that included a statewide health registry to track respiratory problems, skin conditions, stomach ailments and other illnesses potentially related to gas drilling.

    „It’s almost as if it’s a secret, that they don’t want to know about people who are affected,“ said Janet McIntyre, who lives near a drilling area about 30 miles north of Pittsburgh. „There’s a lot of people in my neighborhood that have rashes and little red spots.““
    http://tinyurl.com/9mer764

    3. Berichte und Untersuchungen über die Verbindung zwischen Fracturing und Erdbeben (die gleiche Technik übrigens wie bei einem Geothermie-Verfahren):

    Fracking-Earthquake Connection Suggested In New Study
    Posted: 08/07/2012 1:52 pm Updated: 08/07/2012 1:52 pm
    http://tinyurl.com/d7n8un9

    The Wichita Eagle
    Scientists investigate whether drilling, Oklahoma earthquakes are linked
    By Dan Voorhis
    Published Saturday, Nov. 12, 2011, at 7:07 a.m
    http://tinyurl.com/745ahps

    More information on earthquakes, injection wells
    By Bob Downing Published: April 21, 2012
    http://tinyurl.com/8hzbwzh

    4. Berichte über die Verschmutzung des Grundwassers durch Fracking Bohrungen (was angeblich gar nicht sein kann) gesammelt in einem Forum:

    „Is Oklahoma water being contaminated by salt water due to oil well drilling?

    04-26-2008, 07:05 AM
    *[i]“…The *SWD well has contaminated the surrounding shallow ground water and the unnamed tributary stream lying to the immediate west of the SWD well.““
    http://tinyurl.com/98fwuah

    Laxe Handhabe in Pennsylvania mit dem Fracking-Abwasser:

    January 3, 2011, 12:46PM ET
    Pa. allows dumping of tainted waters from gas boom
    By David B. Caruso
    http://tinyurl.com/8vqqjoj

    Diese ganzen Berichte zeigen den Unterschied zwischen schöner Theorie und der harten Realität. Es geht hier um Milliarden Dollar, da stören ein paar nicht zu vertuschende Umweltaspekte ganz gewaltig die Dividendenaussichten, selbst in den USA.

  24. Herr Becker,
    Sie zitieren Propaganda und haben keine eigene Meinung.

    Das sagt der Profi, der sich damit auskennt

    In den USA wird, trotz Versuchen der Umweltbehörden und Obama, dies zu stoppen, seit mehr als 20 Jahren Fracking betrieben. Der Gaspreis ist von 600 auf 90 $ je 1000qm Gas gefallen uned der größte Stromversorger der USA meldete im Frühjahr, der Strompreis hat sich seit 2008 auf 8 uscent halbiert.

    Die Keystone XL Pipeline wird von Obama noch behindert. Dafür hat er zwei neue KKW genehmigt, die aber kaum gebaut werden, weil dort GasKW der Renner sind. Investitionskosten ca.900$ je KWh statt KKW mit 5000 $ je KWh.

    Ergo, in den USA setzen sich Rudimente von freier Marktwirtschaft gegen die Planwirtschaft Obamas noch durch.

    In Deutschland müsste sich eine alte, 60 Jahre erprobte Technologie, Fracking genannt, gegen eine neuartige grünsozialistische Propaganda durchsetzen. Das wird aber zunehmend schwierig, auch das deutsche Volk hat ein Recht auf umgerechnet 6 eurocent die KWh. Die Klima-und CO2 Lüge wird auffliegen.

  25. @Admin
    Kleiner Hinweis, da steckt noch ein Kommentar des Herrn Becker in Moderation…….der hat einfach zu viele Links mit rein gepappt.
    MfG
    H.E.

  26. Herr Eng,
    Danke für den Hinweis. Wieviele Links sind den die Grenze für einen Beitrag?

  27. @Becker

    Max. 3 Links sind die Grenze, ansonsten schlägt der Spamfilter erbarmungslos zu oder der Kommentar landet automatisch im Moderationsordner.
    Aber keine Panik juter Mann, wenn einer der stark beruflich eingespannten Admins wieder On sind, kommt Dein Kommentar auch zur Veröffentlichung.
    Manchmal braucht es halt ewas Geduld in unseren Hobbyblog.
    MfG
    H.E.

    [So ist es. Jetzt ist der Kommentar (#23) freigegeben. RK]

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