Die Energiewende bedeutet das Ende der Grundstoffindustrie

25. Oktober 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Energieerzeugung, Energiewende, Erdgas, Erdöl, Kohle, Politik

ego150Es heißt ja oft, Lobbyisten aus der Wirtschaft hätten großen Einfluss auf die in Berlin Regierenden und deren Politik. Entweder ist da nichts dran, oder die Einflüsterer haben geschlafen. Die Energiewende jedenfalls geht unbeirrt in ihr sechzehntes Jahr und vernichtet nach und nach unsere industrielle Basis. Erst wurden die Stromversorger sturmreif geschossen. Jetzt beginnt man damit, die Öl- und Gasindustrie aus dem Land zu treiben. Als nächstes kommen die Grundstoffhersteller an die Reihe.

Wolfgang Eder, seines Zeichens Vorstandschef der österreichischen Voestalpine und Präsident des Weltstahlverbandes, beklagt sich im Tagesspiegel jedenfalls bitterlich über die hohen Energiekosten, unter denen seine Branche zu leiden habe. Was zwangsläufig zu einer Verlagerung der Produktion ins Ausland führen werde. Das ist zwar korrekt beobachtet, gibt aber nur die halbe Wahrheit wieder. Die Verfechter der gegenwärtigen Energiepolitik sehen in hohen Energiepreisen nur einen nützlichen Nebeneffekt. Ihr Primärziel lautet Dekarbonisierung. Und dazu ist auf Energieträger wie Stein- oder Braunkohle, Öl oder Gas in Zukunft weitgehend zu verzichten. Hierin liegt das eigentliche Menetekel für die Eisen- und Stahlproduktion in Deutschland.

Stahl, Zement, Glas und Keramik bilden die Basis jeder Industriegesellschaft. Sie werden für fast alle Maschinen und Infrastrukturen benötigt. Kohle, Öl und Gas sind zu ihrer Herstellung notwendig. Denn nur mit Kohlenwasserstoffen können die erforderlichen Prozesstemperaturen von jeweils mehr als 1.000 Grad über längere Zeiträume dargestellt werden. Solarthermie ist keine Alternative, da selbst riesige Spiegelfelder in sonnenreichen Regionen solche Wärmemengen nur tagsüber und räumlich eng konzentriert liefern. Die Kernenergie wäre eine Option, aber bis zur Umsetzung existierender Pläne für Hochtemperaturreaktoren können Jahrzehnte vergehen. Außerdem ist Kohlenstoff ein für die Produktion der Grundstoffe unverzichtbarer Reaktionspartner.

In einem Hochofen wird Roheisen aus Eisenerz gemäß der Reaktionsgleichung Fe2O3 + 2C -> 2Fe + CO + CO2 gewonnen. Zur Darstellung von einer Tonne Eisen bedarf es daher 333 kg Kohlenstoff als Reduktionsmittel. Hinzu treten weitere 50 kg als Legierungsbestandteil und 34 kg aus Kohlenwasserstoffbindungen als Energielieferant. In Summe ergeben sich 417 kg Kohlenstoff, die in 468 kg Koks enthalten sind. Diese Überschlagsrechnung betrifft den Idealfall eines Prozesses ohne jegliche Verluste. Solche aber lassen sich in der Praxis niemals vollständig vermeiden. Derzeit benötigt die deutsche Stahlindustrie etwa 500 kg Koks zur Produktion von einer Tonne Roheisen. Die technischen Möglichkeiten zur Steigerung der Effizienz sind ausgeschöpft.

Wenn man Kohlendioxid-Emissionen mit einer Strafzahlung versieht, ganz gleich ob über Emissionszertifikate oder eine Steuer, ist es den deutschen Hüttenwerken daher nicht möglich, diese zusätzlichen Kosten mit einer effizienteren Herstellung und reduzierten Emissionen abzufangen. Sie werden zahlen müssen, denn Chemie und Physik beugen sich nicht politischen Irrwegen. Ein Wettbewerbsnachteil, der die Stahlproduktion aus dem Land treibt. Auch für Zement, Glas und Keramik sieht es düster aus. Die zuliefernden Maschinen- und Anlagenbauer werden folgen. So vernichtet eine auf Dekarbonisierung fokussierte Energie- und Klimapolitik ganze Wertschöpfungsketten.

Das ist politisch gewollt. Schon im Dezember 2001 äußerte sich der Sachverständigenrat für Umweltfragen der Bundesregierung zu den erwarteten Auswirkungen der im Jahr zuvor eingeleiteten Energiewende wie folgt:

„Der Sachverständigenrat für Umweltfragen hält einen – sozial abgefederten und rechtzeitig eingeleiteten – Strukturwandel weg von den energieintensiven Altindustrien für langfristig ohnehin sinnvoll.“

Altindustrien, damit sind genau die gemeint, die auf Kohlenwasserstoffe als Energieträger und Kohlenstofflieferanten prinzipiell nicht verzichten können. Damit sind Stahl, Zement, Glas und Keramik gemeint, ohne die übrigens auch Windräder, Biogasanlagen, Wasserkraftwerke und Solarzellen nicht möglich wären.

Im Energiekonzept des Jahres 2010 hat die Kanzlerin den Ausstieg aus der Grundstoffindustrie endgültig festgeschrieben. Mit etwa 18 Millionen Tonnen jährlichem Bedarf sind die „Altindustrien“ heute noch immer der zweitgrößte Nutzer von Steinkohle nach den Stromversorgern, deren Kraftwerke rund 40 Millionen Tonnen verbrennen. Das Ziel der Energiewende besteht darin, zur Vermeidung von Emissionen den Steinkohlverbrauch in Deutschland bis 2050 auf unter 15 Millionen Tonnen abzusenken. Die dann fast ausschließlich der Stromproduktion dienen. Stahl, Zement, Glas und Keramik kommen in diesem Plan nicht mehr vor.

Weite Teile der deutschen Industrie versuchen noch immer, sich mit dieser Politik zu arrangieren, statt sie zu bekämpfen und zu verhindern. Konzerne wie EON oder RWE investieren Millionen in Anzeigenkampagnen, in denen sie sich als Vorreiter einer Energiewende darstellen, durch die sie am Ende vernichtet werden. ExxonMobil lässt keine Gelegenheit aus, Erdgas als wichtigen Bestandteil des Übergangs zu Wind und Sonne zu vermarkten. Als ob es nur darum ginge, ein paar wildgewordene Anti-Fracking-Aktivisten zu neutralisieren. In Wirklichkeit schiebt der Gesetzgeber diese nur vor, um die Öl- und Gasindustrie durch die so entschuldigte Verzögerung dringend erforderlicher Regelungen zur Erdöl- und Erdgasgewinnung in Deutschland verhungern zu lassen. Dekarbonisierung bedeutet Verzicht, man will schlicht die Produktion und auch die Nutzung von Kohlenwasserstoffen in Deutschland massiv begrenzen. Bemerken Lobbyisten denn nicht, was die Regierung und deren Beratergremien so alles von sich geben?

Nun scheint wenigstens die Stahlindustrie aufgewacht zu sein. Lange genug hat es gedauert. Ob es noch etwas bringt? Wenn überhaupt wäre eine konzertierte und andauernde Aktion der gesamten Industrie erforderlich und nicht nur verhaltene Wortmeldungen aus einzelnen Branchen. Joachim Steinhöfel schreibt an anderer Stelle zur Kanzlerin:

Sie zum Rücktritt zu zwingen, ist die herausragende politische Aufgabe unserer Zeit.

Das gilt nicht nur für die Migrations- sondern auch für die Energie- und Klimapolitik.

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Hinweis in eigener Sache: Dieser Text ist zuerst am 23.10.2015 in meiner Lichtblicke-Kolumne bei Tichys Einblick erschienen.

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13 Kommentare
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  1. @Peter

    Meiner Erfahrung nach ist die Lobbyarbeit der Industrie sehr operativ und auf die Partikularinteressen der jeweiligen Firmen oder Verbände beschränkt. Eine einheitliche Meinung des Mittelstands zu erzeugen wäre eine Sisyphusarbeit.

    Auf Gewerkschaftsseite haben wir einen Mitgliederschwund. Das heißt die profitieren davon , wenn es wirtschaftlich wieder schlechter geht. Das ist ungefähr so wie bei den Kirchen. In den Zeiten der Not sind die Kirchen voll. Auch die profitieren von Krisen. Das ist das Problem. Die Dauerkrise ist ein Wirtschaftsfaktor und füllt die Klingelbeutel aus dem sich die Schmarotzer bedienen. Oder glaubst Du ein PIK hätte ein neueres Gebäude bekommen gäbe es den Klimawandel nicht.

    Fazit. Die Ursache ist: Vermutlich geht es uns zu gut.
    Die Politik ist in einer konzertierten Aktion dabei das zu ändern.

    Die einzige der etablierten Parteien der ein Licht aufgegangen ist, ist skurrilerweise die CSU. Eigentlich hätte es die SPD sein müssen, denn die machen ja eigentlich Politik für die Arbeiterklasse.
    Obwohl Arbeiter hat ja das BMBF schon wegdefiniert:

    Diese Arbeiter, sie sind in Deutschland ein Problem, Anlass nicht enden wollender Hinweise von Wissenschaftlern bei der OECD, dass das deutsche Bildungssystem zu sehr auffällig sozial stratifiziert, dass diese Arbeiter, jene Bildungsfernen ohne reproduzierte Intelligenz, es zu selten schaffen, Kinder zu Bildungsaufsteigern zu erziehen. Manche sagen sogar, dass Kinder aus Arbeiterfamilien es nicht an Hochschulen schaffen, das sei Ergebnis des Bildungssystems. Das muss man sich einmal vorstellen, wo doch klar ist, dass das System nur die Unterschiede in der reproduzierten Intelligenz, die nun einmal unter Arbeiterkindern nicht vorhanden ist, reproduziert.

    Ich denke das ist vor allem das Problem, dass es keine Partei mehr gibt, die die Menschen in der Industrie vertritt die unseren Wohlstand erwirtschaften.
    Jede Aktion der Industrie muss deshalb ins Lehre laufen.

  2. Wir haben es seit Jahren mit dem kompletten Versagen der „Eliten“ zu tun. Deutschland schafft sich Schritt für Schritt selbst ab.Die Medien klatschen dabei noch heftig Beifall. Es gibt natürlich kleine Grüppchen von mahnenden Propheten, aber wer hört auf die? Jetzt mit 67 hoffe ich auf noch ein glückliches Ende für mich, den jüngeren Generationen wird dies nicht vergönnt sein. Wenn wir dekarbonisiert sind, keinen Stahl mehr für Autos und Maschinenbau haben, kein Kupfer für die Elektroindustrie, weil wie im Mittelalter nur noch an wenigen „windigen Tagen“ unser modernes Korn gemahlen werden kann, dann können wir die Flüchtlinge an der Hand nehmen und in deren Heimatländer wandern. Sie werden uns dann in Überlebenstechniken haushoch überlegen sein. Wir kennen doch nur noch Daumen oben oder unten, aber mit 70 % Abititurienten im Jahrgang.

  3. Wenn Merkel zum Rückzug gezwungen wird, meist geschieht das bei Kanzlern hierzulande durch Druck aus der eigenen Partei und nicht durch Abwahl, dann wird es wahrscheinlich wegen der Migrationspolitik, sprich der Flüchtlingsproblematik, geschehen. Ändert sich dann aber was bei der Energie- und Klimapolitik? Vielleicht durch die Hintertür dadurch, dass dann weniger nach Europa und der Welt geschaut wird, sondern mehr aufs eigene Land. Doch die ganzen Narrative rund um Nachhaltigkeit und Vorsorge bleiben dabei ja unangetastet.

    Allerdings sollte man die Dynamik nicht unterschätzen, die sich entwickeln kann, wenn sich Paradigmen ändern. Aber dass das auf die Energie- und Klimapolitik durchschlägt, sehe ich noch nicht. Zwar ist dieser Vorstoß der Stahlindustrie ein Anfang, doch ist das politische Lager immer noch recht konstant zur knappen Hälfte Links (Rot-Rot-Grün) und die Union wird sich nicht auf einen Partner FDP verlassen, da deren Einzug in den Bundestag keineswegs sicher ist. Das heißt, ob mit oder ohne Merkel, ist zu befürchten, dass sie als Machtoption weiterhin die Grünen, oder als geringeres Übel die SPD, sehen. Und mit der AfD werden sie nicht wollen, wie mit den Linken nicht.

    Aber, wie gesagt, vielleicht läuft ja über den Umweg, dass nationale Interessen wieder mehr in den Vordergrund treten, wie bei den Nachbarländern in Europa, einiges dahingehend, dass wesentlich mehr auf den Prüfstand kommt als das wegen dem Merkel demnächst abtreten muss. Möglicherweise ist das die Zeit, die für die Öcomodernisten gute Chancen bietet. Das wäre ja wenigstens etwas. Die Nachhaltigkeits- und Vorsorgenarrative scheinen mir jedenfalls noch zu tief verwurzelt, auch im Konservatismus, als dass ich hier auf einen schnellen Politikwechsel hoffen würde.

  4. doch ist das politische Lager immer noch recht konstant zur knappen Hälfte Links (Rot-Rot-Grün)

    Die Grünen gehören nicht in diese Reihe.

  5. @anorak2

    Natürlich gehören die Grünen noch dazu. Jedenfalls nach ihrem Selbstverständnis und nach dessen ihrer Wähler. Wenn man natürlich ihre Kapitalismuskritik analysiert, kommt man auf widersprüchliche Ergebnisse, einiges deutet auf konservative Haltungen hin, doch das gehört zu ihren inneren Widersprüchen. So macht die SPD ja auch die gleiche Entwicklung durch, weg von linken Anliegen (Gerechtigkeit zwischen den Klassen) hin zu einer Vernachlässigung ihrer eigentlichen Klientel.

    Eigentlich ist mit dem Ökologismus als politische Richtung etwas ganz anderes entstanden, nämlich der Versuch der Versuch Harmonie und Empathie und Ausgleich auf die gesamte Menschheit, die ganze Welt, das Universum, auszudehnen. Im Grund bleibt es aber linke Kapitalismuskritik, auch bei den Grünen.

  6. Auch die Ökonomen am PIK sind aufgewacht.

    Edenhofer schreibht hier:

    Doch trotz aller Anstrengungen und finanzieller Aufwendungen hat sich am zentralen Problem der deutschen Energiewende nichts geändert: Der Anteil der erneuerbaren Energien steigt, ohne dass dies zu nennenswert sinkenden Treibhausgasemissionen führt.

    und

    Es ist zwar richtig, dass die Stromgestehungskosten von Wind an guten Standorten schon fast so niedrig sind wie die Stromgestehungskosten von Kohle. Rechnet man jedoch die Kosten der Fluktuation des Windes mit ein, ist der Windstrom immer noch weit teurer als der Kohlestrom, zumindest bei größeren Anteilen von Windstrom im Netz. Für Solarenergie gilt Ähnliches. Bei den erneuerbaren Energien wird es weitere Durchbrüche geben, aber sie werden die Nutzung der Kohle nicht auf einen Schlag unrentabel machen.

  7. Also in Bremen sind die ehemaligen Stahlwerke, welche soviel CO2-Emisstieren wie die Bremer Bürger, von rot-grün von den CO2-Sparzielen ausgenommen. Sparen soll dort der Bürger.

  8. PS: Die CO2-Emissionen in Bremen (pro Kopf) sind mehr als doppelt so hoch wie in Hamburg und Berlin und Deutschland. Grund dafür ist insbesondere die Stahlindustrie, die ehemaligen Stahlwerke in Bremen. Das Klimaschutz- und Energieprogramm (KEP) 2020 im Land Bremen enthält die Zielsetzung, die CO2-Emissionen im Land Bremen (ohne Stahlindustrie) bis zum Jahr 2020 um mindestens 40 Prozent gegenüber dem Niveau des Jahres 1990 zu senken.

  9. @6.Günter Heß
    Die sind nicht aufgewacht, die gehen ihren Weg unbeiirt weiter.
    Die sagen ja nicht, dass Wind und Sonnenenergie zu teuer sind, sondern das Kohle immer noch zu billig ist.
    Und als staatliches Zentralkommitee wird man eben dann die Kohle in Zukunft dann mit Steuer und Abgabenlast so teuer machen, dass Wind und Sonne dann auch einmal billiger sind…..man muss das ungewünschte „BILLIGE“ oder „BESSERE“ nur per Gesetz und Propaganda „TEURER“ oder „SCHECHTER“ machen und schon hat man sein Ziel erreicht….und über die Politik (Gesetze) wird man diese Ziele auch erreichen. Vor allen bei so einer „unaufgeklärten“ Gesellschaft/Wirtschaft , wie diese in Deutschland vor zu finden ist.

  10. PPS

    Im Land Bremen betragen die CO2-Emissionen pro Jahr 11.577.000 Tonnen. Davon entfallen 5.275.000 Tonnen auf die Stahlwerke (Stand 2010) und 6.302.000 Tonnen auf die Bürger.

    Im Jahr 1990 wurden durch den Energieverbrauch im Land Bremen (ohne Stahlindustrie) rund 7.100.000 Tonnen CO2 verursacht. 2020 will rot-grün in Bremen auf 4.260.0000 Tonnen CO2 kommen.

  11. @PH Sehr „erhellernder“ Beitrag. Mal wieder.

    @QQ:

    Wenn Merkel zum Rückzug gezwungen wird, meist geschieht das bei Kanzlern hierzulande durch Druck aus der eigenen Partei und nicht durch Abwahl, dann wird es wahrscheinlich wegen der Migrationspolitik, sprich der Flüchtlingsproblematik, geschehen. Ändert sich dann aber was bei der Energie- und Klimapolitik? Vielleicht durch die Hintertür dadurch, dass dann weniger nach Europa und der Welt geschaut wird, sondern mehr aufs eigene Land. Doch die ganzen Narrative rund um Nachhaltigkeit und Vorsorge bleiben dabei ja unangetastet.

    … war auch mein erster Gedanke, zu PH’s Schlusssätzen.

    Mir wäre es deutlich lieber, sie müsste wegen ihrer Energie- und Klimapolitik gehen. Es wäre ein Zeichen echter, kollektiver Ratio, welches mir das Vertrauen in den Verstand einer Bevölkerungsmehrheit und ihrer kollektiven Zukunftsfähigkeit zurückgeben könnte.

    Dass SIE wegen der „Flüchtlinge“ gehen muss, weiß sie selbst, aber das ist, in erster Lesung zumindest, ein emotionales Thema.
    Fakt ist: Spätestens 2017 wird es keine Kanzlerkandidatur Merkel mehr geben.

    Deshalb kann sie jetzt auch frei heraus falsche Versprechungen machen -- keine Steuern, keine neue Staatsversschuldung, keine Zwangseinquartierungen, usw. Alles nur Verschleierungs-, Verzögerungs- und Zersetzungstaktik, genau wie der gestrige Gipfel. Zeit gewinnen für die normative Kraft des Faktischen -- das beherrscht Merkel wie keine Zweite. Einfältige Menschen bescheinigen ihr „Aussitzerqualitäten“. Ich sage: Unterschätze nie deinen Gegner!

    Ein paar Monate kann s i e das noch durchhalten und weitgehend unbeschädigt daraus kommen, weil es ihre Nachfolger sein werden, die genau dieses durchziehen müssen, die ja gerade in schöner Regelmäßigkeit aus der dritten Reihe genau diese „Grausamkeiten“ immer wieder „auf Widerstand testen“, damit jungfräulich ob eines obsoleten Kanzlerinnenversprechens, welches sie ja nicht gegeben haben.

    Auch der Hosenanzug wird weitgehend unbefleckt und brauchbar für eine supranationale Funktion bleiben, war SIE es nicht, die ihre Versprechen brechen musste. SIE war es, die den Nahen Osten und gestern den Balkan gerettet hat. Wen interessiert Deutschland?

    Der Michel wird es wieder schlucken und geradezu erleichtert sein, endlich mit der Wahrheit des Wahnsinns konfrontiert zu werden (da er unterbewusst schon heute sich weitgehend klar ob der Folgen ist), der dann um so folgsamer und vorgeblich befreit von der vermeitlichen Ursache des Unglücks, den Ballast eigener Identität über Bord werfen darf, vielleicht, sogar wahrscheinlich, mit einer zunehmend militanten Gegenbewegung auf der anderen Seite.

    Der politischen Nomenklatura wäre dann die maximal mögliche Schadensbegrenzung (natürlich nur für ihre Klasse) durchaus gelungen und um so befreiter kann sie die weiteren Agenden durchziehen und Probleme „lösen“, die es ohne eine „parasitäre Polit-Klasse“ nicht gäbe -- die Bevölkerung ist dann eh mit dem „Gelingen“ des medial und alltäglich präsenteren „Nerobefehls Kulturverdünnung“ -- auf der einen oder anderen Seite der Sache der Nomenklatura dienlich -- beschäftigt.
    Auch die Gegenbewegung wird nicht merken, dass sie der Nomenklatura eigentlich nur den Rücken freihält, indem sie Gründe für weitere Zwangsmaßnahmen und Unfreiheiten liefert, indem sie (frei im Zusammenhang, dennoch nach Churchill) versucht das „falsche Schwein zu schlachten“.

    Divide et impera! Das wussten schon die herrschenden Klassen antiker Hochkulturen. Daran hat sich bis heute wenig geändert.

  12. Sehr geehrter Herr Heller,

    „Wenn überhaupt wäre eine konzertierte und andauernde Aktion der gesamten Industrie erforderlich und nicht nur verhaltene Wortmeldungen aus einzelnen Branchen.“

    Glauben Sie das wirklich, daß so etwas geschehen wird? Ich habe einmal selber miterlebt, wie eine voll funktionsfähige gute Firma geschrottet wurde, weil sie „denen oben“ nicht genehm war. Man schiebt einfach in das obere Management neue genehme Leute hinein, die dafür sorgen, daß der Laden zusammenbricht: Man zieht der Firme ganz schlicht alle Aufträge weg.

    Das schlimmste Beispiel war, daß man selbst einen Auftrag ablehnte, den nur diese Firma bearbeiten konnte, weil die als einzige dazu in der Lage war -- mit dem Argument, „das passe nicht in die Personalpolitik der Firma“. Der Auftraggeber verstand die Welt nicht mehr.

    Unser Bereichsleiter bezeichtete damals (unter der Hand) diese neuen Leute im Management treffend als „Abrißbirnen“.

    Nun erklärt der „Oberboß“ von Audi, „dass die Diesel-Affäre die Elektrifizierungspläne des Unternehmens befeuere und man jetzt richtig Tempo mache. Man wolle das Vertrauen der Kunden zurückerobern – und künftig verstärkt Elektroautos entwickeln.“ (www.emobilitaetonline.de)

    Da kann man nur richtig Angst bekommen. Der Fisch stinkt vom Kopf her.

    MfG

    G.Wedekind

  13. Gerade vorhin war ein „Experten“-Chat mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie auf Facebook.
    War wohl nicht so das, was die sich gewünscht haben

    https://www.facebook.com/bundeswirtschaftsministerium/posts/803324806461246

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