Die Töpfer-Wende

18. Oktober 2012 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Energieerzeugung, Energiewende, Erdgas, Kernenergie, Politik

Reden kann er. Der Saal in der Kaiserpfalz ist ja auch ein sehr ansprechendes Ambiente für einen Vortrag. Hier fühlt sich der ergraute ältere Herr richtig wohl, wie er offen zugibt. Umgeben von überlebensgroßen Gemälden deutscher Kaiser aus vergangenen Zeiten kann man sich eben schon dem Eindruck hingeben, Geschichtsträchtigkeit und Bedeutung würden auf die eigenen Worte abfärben. Und so war am Abend des 17. Oktober ein glänzend aufgelegter Klaus Töpfer in Goslar zu bestaunen.

Nicht als Ex-Professor für Volkswirtschaftslehre, als Ex-Staatssekretär oder Ex-Minister und auch nicht als Ex-Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen UNEP wurde er geladen. Nein, an diesem Abend war der Ex-Vorsitzende der Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung gefragt, als der er Angela Merkel beim Atomausstieg im Frühsommer 2011 so hilfreich zur Seite gestanden hatte. Die Energiewende sollte Klaus Töpfer erklären. Eine Aufgabe, der er durchaus unterhaltsam nachkam. Den Begriff der Nachhaltigkeit handelte der Direktor des  Institute for Advanced Sustainability Studies dabei gleich im ersten Satz ab, ohne das Wort danach noch einmal zu verwenden. Begriffe wie “Klimaschutz”, “globale Erwärmung” oder “2-Grad-Ziel” kamen überhaupt nicht vor. Lediglich am Rande erwähnte er einmal, genau einmal, den Ansatz der Reduzierung von CO2-Emissionen. Über Kernenergie dagegen sprach er lang und ausführlich. Auf die Töpfer-Kerze ist er eben immer noch stolz.

Mit Angst habe der Ausstieg aus der Kernkraft überhaupt nichts zu tun, schon gar nicht sei er ein Symbol für die “German Angst”, so begann seine Rückschau auf die Ethikkommission. Man habe sich schlicht eine Welt vor Augen geführt, in der bald neun Milliarden Menschen leben. Neun Milliarden mit einem wachsenden Energiehunger. Dann habe man sich gefragt, welche Technologien denn Deutschland exportieren könne, um diesen Bedarf zu stillen. Und die Kernenergie habe man eben ausgeschlossen. Sie sei für ein Entwicklungsland schlicht zu teuer und zu kompliziert.

Das ist, was Klaus Töpfer unter der Energiewende versteht. Nachhaltigkeitsideologie? Klimaschutz? Atomangst? Alles irgendwie dabei, aber eben nicht so wichtig. Nein, die Energiewende ist eigentlich ein Auftrag an die deutsche Industrie, die Technologien zu entwickeln, an deren zukünftiges weltweites Wachstum die Politik glaubt. Diese Töpfer-Wende bestimmte den Hauptteil seines Vortrages.

Natürlich schwingt hier einmal mehr der Denkfehler mit, unter einem Kernkraftwerk den herkömmlichen Leichtwasserboliden mit mehr als 1000 MW Leistung zu verstehen. Natürlich übersieht Klaus Töpfer geflissentlich den Boom, der sich zwar nicht in den Entwicklungsländern, aber immerhin in den zahlungskräftigen Schwellenländern Asiens und Südamerikas und auch in Osteuropa abzeichnet. Entwicklungen, von denen nun nicht mehr die Deutschen, wohl aber die Koreaner, Japaner, Russen, Amerikaner und Franzosen profitieren. Vielsagender aber ist, wie deutlich er damit – ohne es zu wollen – den Low-Tech Charakter von Windrädern und Solarzellen herausstellt. Denn diese sind ja für die ärmsten Länder geeignet, man kann sie sich dort nicht nur leisten, sondern auch bedienen.

Die Welt schaue auf Deutschland, so hob er an. Er berichtete von seinen Auslandsreisen und den vielen Gesprächen, die er dort erlebt. Freimütig räumte er die Skepsis und Verwunderung ein, die ihm dort entgegenschlagen. Aber, so beschrieb er weiter, in persönlichen Gesprächen würde ihm immer wieder die Haltung vermittelt, wenn ein Land eine solche Energiewende schaffen könne, dann Deutschland. Und wenn es Deutschland nicht schaffe, dann schaffe es niemand. Dies ist Töpfers Ansatz, Begeisterung für die Wende zu wecken. Es ginge darum, der Welt etwas zu beweisen. Zu zeigen, was deutsche Ingenieurskunst vermag.

An dieser Stelle unterbrachen donnernder Applaus und gar vereinzelte Jubelrufe den Redner.

Nun hatte es die Gestaltung der Sitzreihen in Form langer, quer zum Podium orientierter Tischreihen dem Publikum ermöglicht, sich selbstorganisiert in bestimmter Weise zu verteilen. Rechts gruppierten sich Wissenschaftler älterer Semester, von diversen Forschungseinrichtungen stammend, links jüngere Ingenieure aus diversen Unternehmen. Von rechts schlug dem Vortragenden unverhohlene Bewunderung entgegen, die sich in ständigem, betont heftigem Nicken äußerte und in glückseliges Lächeln überging, sobald der wohlwollende Blick des Stargastes den engagierten Zuhörer streifte. Links herrschte gelassenes Desinteresse und es wurde ausführlich die Karte mit den im Anschluß an den Vortrag erwarteten Speisen studiert. Der Appell an die Ehre der deutschen Industrie traf nur rechts auf Gegenliebe. Links rührte sich keine Hand.

Die applaudierende Hälfte verleitete Töpfer zu einem weiteren argumentativen Höhepunkt. Nach “Waldsterben” hätte man nun ein zweites deutsches Wort in den internationalen Sprachschatz integriert, denn auch “Energiewende” würde nicht übersetzt. Worauf man stolz sein könne, wollte er vermitteln. Daß uns das eher zu denken geben sollte, war ihm nicht klar.

Auch die aktuellen Diskussionen fehlten in Töpfers Ausführungen nicht. Die Umsetzung der Energiewende empfindet er als mangelhaft. Auf keinen Fall dürfe man das EEG durch etwas anderes ersetzen. Jede Form von Quotenregelung würde die Energiewende beenden, von den “Erneuerbaren” bliebe dann nur noch die Onshore-Windenergie übrig. Das hat er gut erkannt. Seinem “alten Freund” Altmaier riet er zur Etablierung eines professionellen Projektmanagements. Man kenne sich ja schon aus der Zeit, in der Altmaier noch JU-Vorsitzender in Rheinland-Pfalz und Töpfer dort Minister war. Was die Interpretation nahelegt, der Jungspund in Berlin solle sich doch besser am alten Hasen orientieren.  

Weniger versteckt ist dann die Kritik an der staatlichen Förderung der Elektromobilität. Es leuchte ihm nicht ein, so Töpfer, warum man aus Gas erst Strom machen solle, um mit diesem eine Batterie zu laden. Es wäre doch klüger, das Gas direkt im Motor zu verbrennen. An dieser Stelle applaudierten immerhin zwei Anwesende. Ich war einer davon. Von “Peak Gas” oder gar “Peak Oil”, ergänzte Töpfer, rede schließlich keiner mehr. Und beschrieb ausführlich die Umwälzungen im Energiemarkt, die zur Zeit in den USA stattfinden. Nein, dumm genug, das Banner an der Tür zum Festsaal zu übersehen (Bild unten), war Klaus Töpfer nicht. Der Beifall am Ende zeigte eine gewisse Sehnsucht nach solchen Politikern auf. Nach einer Standhaftigkeit, die geschmeidig genug ist, Realitäten anzuerkennen statt sie zu leugnen.

Die mangelhafte Bildqualität ist dem Fotographieren mit einem Handy in einem abgedunkelten Raum zuzuschreiben.

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31 Kommentare
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  1. Nein, die Energiewende ist eigentlich ein Auftrag an die deutsche Industrie, die Technologien zu entwickeln, an deren zukünftiges weltweites Wachstum die Politik glaubt

    Damit kann aber eigentlich nicht der Bedarf der Entwicklungsländer gemeint sind. Das Problem unserer Energiewende ist es doch Tecnologien zu finden, die volatilen Quellen (Sonne und Wind) in ein bestehendes und funktionierendes Verbundnetz zu integrieren. In den Entwicklungsländern existiert das in dieser Weise nicht. Hier wäre es nötigTechnologien zu entwickeln, die wenn sie auf Wind und Sonne basieren, temporär Strom zur Verfügung zu stellen und die Verfügbarkeit so weit wie möglich zu erhöhen. Das ist etwas, was bei uns keine sogenannte stromautarke Gemeinde akzeptieren dürfte.
    Es geht also eigentlich um Off-Grid-Anwendungen der wetterabhängigen Energieerzeuger. Zu deren Entwicklung kann man aus unserer Energiewende wohl kaum Erkenntnisse ziehen, noch sie als Beispiel vorführen.

  2. Hmm. Was meinst Du Peter, kann man dem Töpfer diese Argumentation abkaufen? Die Energiewende als Blaupause für Entwicklungsländer, da die sich ja keine teurere Kraftwerke leisten können, klingt doch sehr nach einem Rechtfertigungsnarrativ, welches man sich zurechtlegt, um Entscheidungen die getroffen wurden nachträglich einen Sinn zu geben, da der ursprüngliche Grund nicht mehr vorhanden ist, oder weil man die ursprünglichen Beweggründe nicht mehr anbringen kann, da diese nicht mehr aktuell sind. Von neuen Erkenntnissen hinweggefegt.

  3. Wie unterschiedlich man so eine Sache sehen kann. Der Dalai Lama ist nun wirklich kein Energieexperte, aber seiner Einschätzung nach, wären Kernkraftwerke vor allem für Entwicklungsländer geeignet.

    http://www.kerngedanken.de/2011/11/der-weiseste-lebende-mensch-der-dalai-lama-ist-fur-kernenergie/

    “Er [der Dalai Lama] erwähnte besonders, dass andere Energiequellen wie Wind und Solar zu ineffizient seien um realistisch die Bedürfnisse von sich schnell entwickelnden Ländern zu erfüllen.”

    Und es sind vor allem aufstrebende Entwicklungsländer (China, Brasilien, Indien) die nach der Kernenergie greifen.

    Erstaunlich wie sich der Herr Töpfer hier das Versagen deutscher Energiepolitik schön redet.

  4. Erinnert ihr euch noch an die Zeit, als uns von denn EE-lern Windräder und PV als ‘High Tech’ angepriesen wurden?
    Und jetzt ist es Primitiv-Tech für Entwicklungsländer.
    Sic transit gloria mundi… :-D

    Übrigens: Primitiv-Tech macht man in Indien und China besser als anderswo, siehe Fahrräder, Kleinstautos etc.
    Denn die wissen erstens, wie wirklich einfache Technik auszusehen hat und sie können sie auch extrem billig produzieren.
    Ein Windrad Made in Germany ist, nebenbei bemerkt, alles andere als wartungsfreundlich und erfordert hochqualifizierte Mechaniker und eine Vielzahl teurer Ersatzteile.
    Für ein Entwicklungsland, in dem es womöglich nicht mal einen einzigen Mechaniker gibt, der auch nur einen modernen Dieselmotor warten kann -- so geschehen in der Republik Kongo vor noch gar nicht so langer Zeit -- sind Groß-Windräder wie unsere Energiewende-Modelle so ungefähr das letzte, was sie brauchen können, mal ganz davon abgesehen, dass sie ja nicht mal dazu taugen ein Hospital zuverlässig mit Strom zu versorgen, da müsste der Reseve-Dieselgenerator ja auch gleich mitgeliefert werden.

  5. Dieser Satz hier ist außerordentlich aufschlußreich:

    Neun Milliarden mit einem wachsenden Energiehunger. Dann habe man sich gefragt, welche Technologien denn Deutschland exportieren könne, um diesen Bedarf zu stillen. Und die Kernenergie habe man eben ausgeschlossen. Sie sei für ein Entwicklungsland schlicht zu teuer und zu kompliziert.

    Deutsche Energiepolitik (oder Finanzpolitik, Politik allgemein) wird also nicht zum Nutzen des eigenen Landes und seiner Bevölkerung betrieben, sondern nur als richtungsweisende Vorstufe zur Entwicklungshilfe. Das erklärt natürlich, warum die Energiewende trotz der offensichtlichen und sich immer deutlicher abzeichnenden katastrophalen Nebenwirkungen alternativlos ist. Es macht aber vor allem deutlich, woran die deutsche Psyche tatsächlich leidet: das Helfersyndrom.

    Laut Postulat bzw. Modell hat ein vom Helfersyndrom Betroffener ein schwaches Selbstwertgefühl und ist auf seine Helferrolle fixiert; das Helfen wird zur Sucht. Dabei versucht er ein Ideal zu verkörpern, das er selbst bei seinen Eltern bzw. in seiner Kindheit vermisst hat. Seine Hilfsbereitschaft geht bis zur Selbstschädigung; dabei übersieht (oder unterschätzt) er die Grenzen des Möglichen und ignoriert auch die Frage, ob seine Hilfe überhaupt erwünscht und/oder sinnvoll ist.

  6. Erstens, Herr Töpfer ist nach einer abgebrochenen Bundeswehr-Karriere in die Politik gewechselt, weil er dort andere schwindlig geschwätzt hat.
    Zweitens, von Volkswirtschaft versteht er so viel wie Ochsen von Finanzen.
    Drittens sind seine Ergüsse bisher immer im Sinne seiner Sponsoren erfolgt. Ob als Ersatzpapst eines Ethikrates oder verwirrter Visionär einer „Energiewende“, der von Technik nicht den Hauch einer Ahnung hat.

    Wenn er nun für Fracking und Gasförderung wirbt, dann ist das einerseits ein Erfolg derer, die diesen Ökoschamanen für eine lohnende Sache gewonnen zu haben scheinen und ein Lichtblick, dass sich endlich auch Andere seiner angenommen haben, um ins Geschäft zu kommen, was also durchaus Chancen auf die Entwicklung der Gaspreise nach unten haben kann.
    Wer Herrn Töpfer anders als einen nützlichen Helfer sieht, überschätzt den Mann völlig.

  7. Wie viel (wie wenig) die Entwicklungs- und Schwellenländer davon halten, sich gemäß Töpfer Ihrer Rolle als Empfänger von Low-Tech zur Energieversorgung zu fügen, schreibt Zettel in einem aktuellen Artikel:

    Marginalie: Australien exportiert verstärkt Uran. Indien wird die Stromerzeugung aus KKWs vervierfachen. Und wo bleiben wir deutschen Vorreiter?

    Der Kern der “Energiewende” ist bekanntlich der im Frühsommer 2011 beschlossene “Ausstieg aus der Kernenergie”. Hier speziell möchten wir Deutschen gern dem Rest der Welt voranreiten; so, wie dies der seinerzeitige Minister Röttgen im April 2011 formuliert hat:

    Wir müssen Vorreiter sein und zeigen, dass dieser Weg gangbar ist, gerade in einem Hochindustrieland wie Deutschland. Wenn wir erfolgreich vorangehen, werden auch andere folgen.

    Und wie ist es nun mit der Vorreiterei? Wen sieht denn der Vorreiter Deutschland in seinem Gefolge, wenn er sich umblickt? Niemanden.

    Japan hat seine eigenen Gründe, in einer fernen Zukunft vielleicht die friedliche Nutzung der Kernenergie aufzugeben; da bedurfte es keines Vorreiters. Ansonsten setzt man weltweit nicht aufs Aussteigen, sondern auf einen Ausbau der Kernenergie. Ein Beispiel ist Indien.

    Und Indien profitiert demnach durchaus von der deutschen Energiewende. Allerdings anders, als es Herr Töpfer wohl im Sinn hatte.

    Indien ist auch für die Kernkraft auf Importe angewiesen. (Um das Thorium nutzen zu können, über das es verfügt, fehlt noch die Technologie). Ein potentieller Lieferant ist Australien.

    Dort hatte man bisher aus politischen Gründen Indien nicht beliefert, weil es dem Atomwaffen-Sperrvertrag nicht beigetreten ist. Diese Politik hat Australien jetzt revidiert. Dabei spielt eine Rolle, daß die Nachfrage aus Deutschland und möglicherweise demnächst Japan sinken wird und Australien deshalb Indien als neuer Abnehmer für sein Uran willkommen ist.

  8. Beim Lesen der Aussagen von Töpfer ist mir spontan ein Zitat von Paul Watzlawick in den Sinn gekommen:

    “Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.”

    Herrn Töpfers “Handwerk” war in den letzten Jahren ganz eindeutig die Entwicklungshilfe. Und folgerichtig hat er also ganz offensichtlich seine Prioritäten bei der Energiewende aus Sicht des Entwicklungshelfers gesetzt. Das Energieproblem wird in seiner Wahrnehmung auf den “Nagel” Entwicklungshilfe reduziert.

    Unabhängig davon, dass die Schwellen- und Entwicklungsländer offenbar nicht bereit sind, sich gemäß Töpfers Vorstellungen zu verhalten (siehe Bsp. Indien oben), finde ich es schon ein starkes Stück, dass Entscheidungen über die Energiezukunft Deutschlands nach Kriterien getroffen werden, in wie weit diese den unterentwickelten Ländern zugute kommen. Aber als vorsitzender der Ethik-Kommission hat Töpfer ja auch keinen Eid leisten müssen, in erster Linie dem deutschen Volk zu dienen.

  9. Nö, das ist langfristige Zukunftsplanung: Deutschland als Entwicklungsland.
    In den Schulen züchten wir ja schon die zukünftigen Einwohner heran.

  10. Es ist natürlich zu berücksichtigen, welche Sponsoren die Konferenz und insbesondere den abendlichen Event mit Klaus Töpfer möglich gemacht haben: ExxonMobile, BakerHughes und Siemens. Ich habe das oben absichtlich zunächst nicht erwähnt, weil ich einfach nicht glauben mag, Klaus Töpfer könne käuflich sein.

    Aber ich bin mir relativ sicher, daß er für jedes Publikum die passenden Textbausteine parat hat. Hier hat er eben nicht über Klimaschutz und Nachhaltigkeit gesprochen, weil er bei diesem Publikum damit keine Wende-Begeisterung hätte schüren können. Er hat sich das ausgesucht, mit dem er glaubt, die Industrie packen zu können. Ich glaube aber, daß auch das nicht funktioniert.

    Auf der Veranstaltung wurde deutlich, daß heute jeder unter Energiewende etwas völlig anderes versteht. So hat der niedersächsische Umweltminister Stefan Birkner (FDP) sich klar für eine Quotenregelung ausgesprochen -- die dann eben Töpfer ganz vehement ablehnte. Siemens glaubt nicht, daß wir Strom einsparen können und hat ein Szenario vorgestellt, in dem auch langfristig die gleiche Menge an Erzeugungskapazitäten konventionell vorhanden ist, wie heute. Dabei wurde für Kohle und Wind geworben. Exxon glaubt zwar, man könne Strom- und Primärenergiebedarf senken, hat aber ein amderes Szenario vorgelegt, in dem bis 2030 Erdgas der mit Abstand führende Energieträger sein wird. Beide Szenarien widersprachen in den beiden Parametern Energiemix und Energiebedarf sich nicht nur gegenseitig, sondern auch diametral den Vorstellungen der Bundesregierung.

    Ein totales Durcheinander.

  11. Moin!

    Mir hatte vor knapp fünfzig Jahren (in der DDR) ein durchaus intelligenter Marxismus -- Dozent (mit physikalischem Hintergrund) “bewiesen”, daß das mit der Allgemeinen Relativitätstheorie kosmologisch nicht funktionieren könne, weil nämlich Marx, bezugnehmend auf Hegel, in seiner Schrift (…vergessen) schon nachgewiesen hatte, daß usw. usw.

    Will sagen, daß man letztendlich nur seinem eigenen kritischen Verstande trauen sollte und besser auf jede (ungeprüfte) politische / wissenschaftliche Autorität erstmal scheißt.

    mfG

  12. …..dazu ein Kommentar von ZETTEL:

    Kurioses, kurz kommentiert: Wissen Sie, warum Deutschland sich zur Energiewende entschlossen hat? Nicht was Sie denken. Professor Klaus Töpfer klärt uns auf

  13. @Altmaier Töpfer ct Ganz Kurz: Wenn A. und T. wissen,daß die USA( und Andere) für ihre Industrie weit weniger für Strom bezahlen müssen (nur 50% der Deutschen Taxe) und trotzdem bei EEG bleiben ,so muß man sich fragen :
    Sind die Leute kompetent?Antwort :Nein! (Die sind : “uneuropäisch”!)

  14. Lieber Herr nLeser #11,

    Sie schreiben:
    “Will sagen, daß man letztendlich nur seinem eigenen kritischen Verstande trauen sollte und besser auf jede (ungeprüfte) politische / wissenschaftliche Autorität erstmal scheißt”

    Ich lehne auch Autoritäten ab, da bin ich bei Ihnen.
    Aber was Sie schreiben wäre ja schon die Definition eines ignoranten Verstandes zum mindestens auf die Naturwissenschaft bezogen.
    Sozusagen die Autorität des eigenen Verstandes die man ohne Selbstkritik akzeptiert.
    Ich gehe aber davon aus, dass sie das etwas differenzierter gemeint haben, als es da steht.

    Man sollte sich schon kritisch mit unterschiedlichen Quellen auseinandersetzen, davon lernen, aber auch selbst denken und sich auch selbstkritisch mit der eigenen Meinung auseinandersetzen.

    Widerspricht zum Beispiel die eigene Meinung allen Lehrbüchern, sollte man zumindestens nochmal darüber nachdenken und versuchen die Lehrbücher zu verstehen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß.

  15. Lieber Herr Heß,

    dieser Differenzierung kann ich nur beipflichten!

    Wer sich meinetwegen durch die Anfangsgründe der Mathematik gequält hat, für den haben Begriffe wie ja, nein, vielleicht, wahrscheinlich, sicher einen neuen Klang gewonnen und das färbt auch auf die Beurteilung politischer Sachverhalte ab, erzeugt eine gewisse Skepsis gegenüber ihren Protagonisten, andererseits auch Vertrauen in wissenschaftliche “Standbeine” und insbesondere auch (worauf Sie ja hinwiesen) ein gutes Maß an Selbstreflexion; Überprüfung eigener Ansichten, Bereitschaft zu deren Änderung.

    Die Schattenseite solcher Pingeligkeit im Sinne Sokrates’, des mehr Fragens als Wissens, ist jedoch, daß man damit heute in der Öffentlichkeit schnell als komischer Trottel dasteht. Deshalb ziehe ich gern die Mütze, wenn mal im Fernsehen die Äußerung fällt: “Ich weiß es nicht”. :)

    Gruß!

  16. Lieber Herr nLeser,

    Ich beobachte da eine negative Auslese.
    Naturwissenschaftler die die Unsicherheiten klar benennen
    sind wohl eher uninteressante Gäste in Talk-Shows.
    Selbsternannte Experten die ihr Halbwissen im Brustton der Überzeugung verkünden
    sind medial wirksamer.

    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  17. @Günter Heß

    Selbsternannte Experten die ihr Halbwissen im Brustton der Überzeugung verkünden, sind medial wirksamer.

    …..vor allem, wenn dann noch ihre riesigen Titel ins Bild gewuchtet werden.

    Wie sagte doch Thomas Bernhard einmal recht treffend:

    ….. Ich habe zeitlebens immer alle diese Titel und die, die sie tragen, gehaßt. Sie sind mir so widerwärtig, wie nichts sonst. Wenn ich das schon höre: Universitätsprofessor! wird mir schlecht. Ein solcher Titel ist ja geradezu meistens der Beweis für einen besonders außerordentlichen Dummkopf. Je ungeheuerlicher sich ein solcher Titel anhört, ein desto größerer Dummkopf trägt ihn.”

    Quelle:
    Thomas Bernhard, Auslöschung. Ein Zerfall

  18. @Tim #17
    Dazu passt ein Wort von Schopenhauer:
    Gesunder Menschenverstand kann fast jedes Bildungsniveau ersetzen, aber keine noch so hohe Bildung den gesunden Menschenverstand.

    Leider leider gibt es keine Titel, die ein hohes Maß an gesundem Menschenverstand anzeigen.

  19. Hallo Peter,

    Rechts gruppierten sich Wissenschaftler älterer Semester, von diversen Forschungseinrichtungen stammend, links jüngere Ingenieure aus diversen Unternehmen. […] Links herrschte gelassenes Desinteresse und es wurde ausführlich die Karte mit den im Anschluß an den Vortrag erwarteten Speisen studiert. Der Appell an die Ehre der deutschen Industrie traf nur rechts auf Gegenliebe. Links rührte sich keine Hand.

    Das ist eine interessante Beobachtung. Ich hätte, was das Alter betrifft, genau das Gegenteil vermutet. Bei Forschungseinrichtung vs. Industrie ist mir die verschiedene Reaktion schon eher verständlich.

    Haben wir einen Trend bei jungen Ingenieuren, dass diese mehrheitlich nicht mehr auf der Ökowelle mitsurfen? Dagegen diejenigen die von staatlicher Alimentierung abhängen, eher der Gegenpart sind.

    Alt vs. Jung, Industrie vs. Forschungseinrichtung. Was würdest Du von beiden als das Wichtigere betrachten?

  20. Auf der Homepage der IASS-Potsdam sind zwei Video der Auftaktveranstaltung der Plattform Energiewende (TPEC) zu sehen. Das war am 07.03.2012. In einem von beiden spricht Töpfer und auch hier ist keine Rede von Klimawandel und dergleichen. Ebenfalls führt er aus, dass Fukushima nicht der Anlass für die Energiewende gewesen sei.

    Die Videos liegen bei Youtube und sind auf de IASS-Seite eingebunden. Klasse, dachte ich, da kann ich gleich mal negativ bewerten und einen Kommentar schreiben. Doch Pustekuchen, bei beiden Videos sind jeweils diese beiden Funktionen deaktiviert. Warum nur?

  21. @ Quentin:

    Haben wir einen Trend bei jungen Ingenieuren, dass diese mehrheitlich nicht mehr auf der Ökowelle mitsurfen? Dagegen diejenigen die von staatlicher Alimentierung abhängen, eher der Gegenpart sind.

    Zumindest konnte ich das in den vergangenen zwei Jahren auf zahlreichen Veranstaltungen beobachten. Ist natürlich ein rein subjektiver Eindruck und es sind ja auch nur bestimmte Konferenzen und Kongresse, die ich besuche. Es hängt aber nicht nur mit der staatlichen Alimentierung zusammen, sondern vor allem mit dem Alter. Je mehr eine Person beruflich von öffentlicher Finanzierung abhängt oder auch glaubt, von politischen Rahmensetzung abhängig zu sein (was oft eben nur Glaube ist, aber nicht Realität) und desto älter sie ist, desto eher verfangen Angstszenarien. Es gibt auch (politisch unkorrekt, ich weiß) einen Unterschied zwischen Frauen und Männern. Frauen neigen eher zu Ängsten hinsichtlich abstrakter Ideen (Ressourcenknappheit, Klimawandel, demographische Entwicklung) als Männer.

    Meinen Beobachtungen nach ist die Generation jüngerer Ingenieure aus der Industrie (so ca. 30-50) am wenigsten von Zukunftsängsten betroffen. Bei denen verfangen entsprechende Szenarien daher auch nicht.

    Aber das ist, wie gesagt, rein subjektiv. Es betrifft vor allem Ingenieure aus den Sparten Energie und Fahrzeugbau. Bei Ökonomen derselben Generation gibt es keinen so eindeutigen Trend.

  22. Lieber Herr Heller,

    Man kann jeden Tag in den Medien verfolgen, dass Politiker und Journalisten bzgl. unserer Industrie in einem Elfenbeinturm leben.

    Wer aber in der Industrie arbeitet weiß eigentlich heutzutage, dass die Medien
    im Grunde ein antiquiertes Bild verbreiten. Weder die Großindustrie noch der Mittelstand vertreten heute Interessen die gegen ihre Mitarbeiter und gegen die Interessen unseres Landes gerichtet sind. Im Gegenteil sie erarbeiten unseren Wohlstand und orientieren sich an den Menschen.
    Das kriegen heute vor allem junge Ingenieure, aber natürlich auch Studenten und Schüler mit die Praktika machen. Durch diese positiven Erfahrungen werden heute junge Menschen die in der Industrie arbeiten weniger empfänglich für diejenigen die Ängste schüren.
    Allerdings gibt es viele Berufsgruppen die von der Arbeit und der Leistung die in der Industrie erbracht wird weit weg sind. Die sind dann vermutlich anfälliger für die Propaganda der Umverteilungsexperten und der Politik-Klimaaktivisten.

    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  23. HILFE

    Es ist soweit. Mutti spürt schon Gespenster

    “Die Bürger in Deutschland können wissen, dass wir uns gemeinsam dem Ziel der Energiewende verpflichtet fühlen”, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag nach einem Spitzengespräch mit den Ministerpräsidenten zur Energiewende im Kanzleramt. “Und ich habe jedenfalls heute den Geist gespürt, dass wir das auch schaffen wollen und vielleicht auch schaffen können.”

    Na dann kann ja garnichts mehr schiefgehen.

  24. Weingeist?

  25. @ Tritium #24

    Wer weiß, wer weiß.
    Die Halluzinationen dieser Wendekünstlerin könnten wohl darauf schließen lassen.

  26. @Tritium

    Weingeist?

    ….ja sicher, wat sonst?

    (Andernfalls hätte es ja geheißen: „Mutti, der Mann mit dem Koks ist da”)

  27. @moosgeist #23
    Ich hab die Zeitungsartikel zu dem Bund-Länder-Treffen Energiewende gelesen, voll Fassungslosigkeit über dieses Ausmass kollektiver Realitätsverweigerung durch die Politik. Was dort für Beschwörungsformeln gedroschen wurden, in anmaßender Berufung auf die Bürger, ist schwer zu ertragen.

    Nicht nur, dass Frau Merkel nun von der Physikerin zur Geisterjägerin mutiert ist — ist das ihre Bewerbung für eine Neuauflage des Films Ghostbusters, mit ihr als Hauptdarstellerin? — die Ministerpräsidenten der Länder sind, bildlich gesprochen, von diesem grünen Ghostbusters-Geisterschleim schon völlig bedeckt und haben sich in blasenwerfende Kröten verwandelt:

    Lieberknecht / Thüringen: “Die Einigkeit von 16 Ländern ist auf eine Einigkeit des Bundes gestoßen, und das ergibt eine Gesamteinigkeit für Deutschland.“ Nach Ansicht von Torsten Albig, SPD-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, gehen Bund und Länder in allen relevanten Punkten in eine Richtung.

    Diese kollektiv-demonstrative Autosuggestion des politischen “Führungspersonals” wird die Kritik an der absoluten Irrsinnigkeit der sogenannten “Energiewende” nicht zum Verstummen bringen, ganz im Gegenteil. Ich hätte nicht geringe Lust, einen offenen Brief an Merkel zu unterzeichnen, indem sich Bürger entschieden(!) dagegen verwahren können, mit Frau Merkel ein fiktives “gemeinsames Ziel Energiewende” zu teilen — oder jemals geteilt zu haben.

  28. @Rudolf oder @Peter:
    könnte mal einer mein Posting vom 03.11.2012 um 01:10 aus dem Spam holen und hier freischalten? (Ist wohl wegen dem englischen Wort für “Geisterjäger” dort gelandet).
    Danke.

    [erfolgt, #27, Heller]

  29. @ C-O #27

    Politiker/innen der heutigen und neueren Generation dürfen bei ihren Entscheidungen allein und ausschließlich nur DAS resp. IHR Ziel und ggf. das ihrer Partei vor Augen haben. Sachkenntnis würde die Entscheidungsfreude nur behindern, ist daher verpönt und gilt für die Karriere des Nachwuchses als Ko-Kriterium.
    Die Verantwortung, die eigentlich an die Entscheidung gekoppelt sein sollte wird elegant an „zielorientierte“ Kommissionen und Institutionen delegiert, deren Mitglieder im Ernstfall nicht greifbar sind, weil sie als sog. „unverbindliche Berater“ für ihre „Expertisen“ nicht haftbar gemacht werden können. Siehe WBGU und diverse Ethikkommissionen.

    Das Ganze ist wohldurchdacht. Die Verantwortung trägt als „höchste Instanz“ der Souverän. Und wer ist das? Richtig das Volk, die Wähler, die Verarschen und Abgezockten.

    sinniert der Moosgeist

  30. @ 27, Climateobservator

    Auf Phönix war die Pressekonferenz, dieser Veranstaltung in der die politischen Angestellten für ihre Sponsoren zu retten versuchen was geht.

    Wenn die Politiker, bis runter zu den Gemeinderäten, an den Windgeschäften mitverdienen, weil sie a) Steuereinnahmen bringen und b) „Spenden“ der Betreibergesellschaften, dann hat der Verbraucher absolut nichts mehr „Störendes“ zu melden. Dann sitzen nur noch Profiteure zusammen, exakt das war bei dem „Bund-Länder-Treffen“ der Energiewender in aller Offenheit zu sehen.

    Eine Demokratie erkennt man daran, das die Verbraucher sich ungehindert kaufen können was ihnen gefällt und nicht gezwungen werden „Schutzgeldzahlungen“ an eine korrupte Bande die in der Regierung ihre Paten hat, an ein nationales Erzeugermonopol abdrücken müssen, was ideologischen Strom bewirtschaftet.

  31. Die Rede Töpfers hat mir keine Ruhe gelassen. Aber nun hat der Altmaier auf einer Rede bei der Jungen Union in Walthessen, den gleichen Tenor angeschlagen.

    Mir ist dazu ein Begriff eingefallen: Zwangsbewirtschaftung.

    Was von diesen Produkten und Technologien übrig blieb, nachdem die Rahmenbedingungen sich änderten, sieht man heute. Vielleicht 10%, so jedenfalls auf dem Historikertag in Mainz genannt. Es wird höchste Zeit zu erkennen, dass Zwangsbewirtschaftung nicht nur kaum etwas zur weiteren Entwicklung von Technologie, Produkten oder zur besseren Ressourcennutzung beiträgt, sondern auch noch dabei die Wirtschaftsbereiche schädigt, die nicht direkt von dieser Zwangsbewirtschaftung betroffen sind.

    Artikel demnächst auch hier.

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