Drei Zitate über Innovation und Evolution

31. März 2017 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Energieerzeugung, Innovationspolitik, Nachhaltigkeit

Opel-Kadett-mit-HolzvergaserZufällig, durch einen Artikel im The European, bin ich auf den Historiker Prof. Dr. Rolf Peter Sieferle aufmerksam geworden, habe ein bisschen gegoogelt und eine Expertise von ihm für das WBGU-Hauptgutachten „Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ gefunden. Immer mal wieder bin ich auf dieses Gutachten eingegangen insbesondere hier, mit diesem Zitat:

„Die kolossale Herausforderung für die Modernisierung repräsentativer Demokratien besteht nun darin, zur Gewinnung von zusätzlicher Legitimation mehr formale Beteiligungschancen zu institutionalisieren, diese zugleich aber an einen inhaltlichen Wertekonsens nachhaltiger Politik zu binden, damit „mehr Partizipation“ im Ergebnis nicht zu „weniger Nachhaltigkeit“ führt.“ (WBGU-Gutachten S.218)

„Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“ soll mal Walter Ulbricht gesagt haben, erinnerte mich ein Leser, und diesen Geist atmet eben auch dieses Nachhaltigkeitspostulat wie es im WBGU (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesrgierung Globale Umweltveränderungen) vertreten wird. Doch das nur nebenbei.

Die Expertise von Sieferle habe ich damals nicht recht wahr genommen, um ehrlich zu sein, habe ich das ganze Gutachten auch mehr überflogen als intensiv gelesen. Die Zeit jeden Satz zu bedenken und zu deuten, die habe ich mir nicht genommen. Ich denke aber, dass ich den »Spirit« dessen was dieses WGBU-Gutachten ausmacht, trotz dieser meiner Oberflächlichkeit ganz gut erfasst habe.

Doch genug davon, kommen wir zur Sieferle Expertise. Er stellt zweierlei Modelle vor, die beschreiben, was Innovation befördert und antreibt: Einmal aus Knappheit heraus, Innovation ist dann eine Antwort auf ein Problem.

„Aus dieser Perspektive war die neolithische Revolution also ein Ausweg aus einer sich verschärfenden Knappheit infolge sich verschlechternder Umweltzustände. Diese Position wurde vor allem von Cohen (1977) im Anschluss an Boserup (1965) vertreten. Danach bildeten verknappte Ressourcen eine challenge, auf die als response der Übergang zur Landwirtschaft stattfand. Nach diesem Erklärungsmuster sind Innovationen als Reaktionen auf eine Problemlage zu verstehen, wie dies Wilkinson (1973) für verschiedene historische Übergänge generalisiert hat. Im Prinzip handelt es sich hier um das Muster des development by shortage.“

Das gegenteilige Modell ist Innovation aus Überfluss:

„Eine Alternativerklärung setzt dagegen den Akzent auf den relativen Überfluss im Sinne des generellen Erklärungsmusters development by excess. Diese Position wurde in Bezug auf die neolithische Revolution zuletzt prononciert von Reichholf (2008) vertreten: Es sei gerade der relative Überfluss am Ende der letzten Eiszeit gewesen, der zur Landwirtschaft führte. Der Fruchtbare Halbmond war keineswegs knapp an Jagdtieren, im Gegenteil: wo wilde Gräser wachsen, die zur Basis der Erntewirtschaft und schliesslich der Domestikation von Getreidepflanzen werden konnten, muss es auch grosse Herbivoren geben, die sich von diesen Gräsern ernähren. Der Ackerbau (oder auch schon die Erntewirtschaft) kann daher nicht Resultat einer sich verschärfenden Knappheit sein, so dass man von der eigentlich favorisierten Fleischnahrung zu weniger favorisierter vegetarischer Kost überging.

Analog dazu vermutet Reichholf, dass die ursprüngliche Kultivierung von Getreide nicht so sehr der Nahrung diente, sondern der Zubereitung alkoholischer Getränke (Bier), mit denen man sich bei rituellen Festen berauschte. Auch hier wäre also eher eine soziale als eine ökonomisch ökologische Dynamik Ursache für die neolithische Revolution.“

Innovation aus Überfluss erscheint komplexer in seinen Gründen als die einfachere Innovation aus Mangel. Ja es könnte geradezu sein, dass Mangel zwar einzelne Komponenten einer Innovationsleistung zwar befördert, doch insgesamt eine solche nur in Gesellschaften vorkommt die sich Innovationen leisten können. Passend dazu auch die immer wieder vertretene These, dass nicht Ackerbau, sondern Religion unsere Ahnen zu Stadtbewohnern machte. Somit wäre die einfache eineindeutige Darstellung von »Innovation aus Mangel« durch »Innovation durch Kultur« zu ersetzen. Damit wird es komplexer. Im Hinblick auf die Industrielle Revolution bemerkte Sieferle:

„Der Weg der Transformation war daher in vielfacher Hinsicht offen. Es handelte sich um einen grossen Prozess der Suche, der sich im Medium starker sozialer und politischer Konflikte vollzog. Alle Versuche, ein bestimmtes Stadium oder eine bestimmte Organisationsform zu fixieren, sind früher oder später gescheitert. Die industrielle Transformation blieb in dieser Hinsicht ein evolutionärer Vorgang. Die Akteure, die an diesem Prozess beteiligt waren, verfolgten ihrerseits keine einheitlichen Ziele. Die Politiker strebten nach Macht, die Unternehmer nach Reichtum, die Wissenschaftler nach Erkenntnis oder nach Anerkennung ihrer Peers. Aus der Kombination dieser heterogenen Ziele konnte dann eine Transformation hervorgehen, die also solche keiner der Beteiligten gewollt hatte. Will man hieraus Schlussfolgerungen für die Zukunft ziehen, so ist eine gewisse Bescheidenheit angebracht. Eine wichtige Eigenschaft der Zukunft besteht darin, dass sie unbekannt ist. Alle Versuche, sich frühzeitig auf bestimmte Lösungspfade festzulegen, stehen daher vor einem grossen Risiko des Scheiterns.“

Doch genau das geschieht mit der sogenannten Energiewende, die eigentlich eine Kulturwende mit spirituellen Charakter sein soll, deren Hauptaussage die Rede von der Nachhaltigkeit ist. Suffizienz und Bescheidenheit sind dann erstrebenswerte moralische Werte dieser neuen Kultur. Die Einbettung des Menschen in Stoffkreisläufe, seine Rückführung in den Schoß der Natur ist das spirituelle Ziel. Überfluss wird geradezu als Verfehlung gegen diese neue Spiritualität der Nachhaltigkeit empfunden. Dies wird ein Nachlassen der Innovationstätigkeit bewirken, und somit längerfristig eine Mangelgesellschaft schaffen. Und was die Evolution mit derartigen Gesellschaften macht, lässt sich leicht voraussagen, wenn man einen Blick in die Geschichte der Menschheit wagt.

Die Vertreter dieser Nachhaltigkeitsspiritualität hoffen natürlich immer noch, dass erzeugter Energiemangel Innovationen befördert, was dann das selbst geschaffene Problem wieder lösen soll. Dies kann aber nur geschehen, wenn es dieses »development by shortage« tatsächlich gibt. Als ehemaliger DDRler habe ich da so meine Bedenken. Innovationen aus Mangel gab es da einige, die waren aber meist Notlösungen, mehr nicht.

„Alle Versuche, ein bestimmtes Stadium oder eine bestimmte Organisationsform zu fixieren, sind früher oder später gescheitert.“ schreibt Sieferle, doch genau eine bestimmte Organisationsform wird angestrebt, wenn die Transformation der Gesellschaft hin zu einem bestimmten Ziel (Nachhaltigkeit) geplant wird. Was genau dann das Scheitern dieser quasi spirituellen Nachhaltigkeitsgesellschaft für Gründe haben wird, das können wir noch nicht wissen. Ein Grund könnte sein, dass in weiten Kreisen nicht verstanden, noch nicht mal nachgedacht wird, wie und unter welchen Bedingungen Innovation entsteht.

Zuerst erschienen auf Glitzerwasser und der Achse des Guten.

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33 Kommentare
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  1. Soweit mir bekannt ist, soll die neolithische Revolution ein Zufallsprodukt sein. Menschen sammelten in der Gegend des fruchtbaren Halbmond Wild-Getreide ein. Dabei gingen Getreidekörner verloren. Dort wuchs dann neues Getreide. Die Menschen lernten daraus, wie man Getreide kultiviert, so dass man es nicht mehr suchen musste und lange Wege zurücklegen musste. Innovationen entwickeln sich fast immer aus Zufällen. Planwirtschaft hingegen nicht.

  2. @Quentin
    Wie man das Zitat aus dem Gutachten interpretiert, hängt davon ab, wie man „nachhaltige Politik“ definiert. Rational bedeutet „nachhaltige Politk“, dass man eine Politik wählt, auf die man aufbauen kann, die man weiter führen kann. Eine Politik, die man nach 5 Jahren verwirft, weil sie Mist ist, ist nicht nachhaltig.

    Deine Interpreatation ist allerdins nicht rational sondern emotional. Du sagt quasi Politik ist Mist, ganz egal wie man sie nennt.

    Die Schlussfolgerung mittels gewagtem Beispiel, dass nur Überfluss zu Innovation führt, ist viel zu sehr Schwarz-Weiß-Denken. Schon unser Überlebenswille ist ein außreichender Grund für Innovation durch Knappheit, denn irgendwer hat mal gesagt „Erst kommt das Fressenund dann die Moral“. Der Mensch kann also sehr innovativ sein, wenns ums eigene Überleben geht.

    Warum du so denkst, zeigt sich an deinem vorletzten Absatz. Für dich ist Innovation nur das Große, das Revolutionäre, also Rad, Dampfmaschine oder Verbrennungsmotor. Innovation ist aber alles, was ich verändere um meine Situation zu verbessern. Die Innovationen in der DDR sehen für dich nur wir Improvisation aus, weil du sie aus dem hier und jetzt, sprich der Überflussgesellschaft betrachtest. Schau doch einfach mal in die 3. Welt. Da baut ein schlauer Mensch aus dem Müll der Industriestaaten etwas, das er verkaufen kann. Das ist dann zwar kein neues Smartphone, aber er verbessert durch den Verkauf seinen Wohlstand und damit ist sein Produkt innovativ.

  3. @ oxybenzol:
    Ich bin wie Quentin auch „Ossi“ und kann ihm nur zustimmen. Wir hatten in den sechzigern internationale Verträge mit Ägypten, Indien usw. um Kessel mit Bagasse Feuerungen zu verkaufen, der Wartburg (das Auto) hat sogar Design Preise gewonnen. Dann kam der große Mangel, kein Geld mehr für wirkliche Innovationen. Weder Trabi noch Wartburg wurden wirklich weiterentwickelt, Notlösungen halt nur. Wenn jemand in der dritten Welt seinen Wohlstand mit der Aufarbeitung von Müll verbessert, ist das o.k. aber keine Innovation.

  4. Wer glaubt, das mit der Nachhaltigkeit ist doch eh nur Gerede, der höre sich einmal diese kurze Rede von Carsten Träger (SPD) im Bundestag an. Politiker wie er schwafeln nicht nur, denen ist es mit diesen beschriebenen Transformationsprozessen ernst. Ab Minute 32 wird es richtig klar.

    https://youtu.be/UugT4CcQz1c?t=30m1s

  5. @oxybenzol

    Rational bedeutet „nachhaltige Politk“, dass man eine Politik wählt, auf die man aufbauen kann, die man weiter führen kann.

    In diesem Sinne ist die Benutzung der fossilen Energieträger die nachhaltigste Energiepolitik die der Mensch je gemacht hat. Dadurch wurden natürliche Ressourcen wie der Wald geschont.
    Die Menschheit konnte von 2 Mrd auf 7 Mrd wachsen. Die Lebenserwartung ist deutlich gestiegen und die Armut gesunken. Durch Kohle wurden die Milleniumsziele bzgl. Armut der UN erreicht. Darauf lässt sich aufbauen. Denn ohne fossile Energiequellen wäre das nicht erreicht worden. Und ohne fossile Energieträger kommt die Entwicklung der Nicht- Industrieländer nicht voran.
    Insofern bedeutet Nachhaltigkeit in ihrer Definition, dass wir die fossilen Energieträger auch weiter nutzen.

  6. @Quentin

    Nachhaltigkeit ist heutzutage lediglich ein Etikett das ideologisch an die jeweilige Politik angeheftet wird.
    Gut sehen kann man das an der Holzverbrennung. Während vor 30 Jahren gegen den Einschlag in Wäldern demonstriert wurde, wird es heute bejubelt, weil es angeblich nachhaltig ist. Früher war es nicht nachhaltig, heute ist es nachhaltig.
    Das Etikett „nachhaltig“ hat also die Beliebigkeit der Ideologen angenommen die Begriffe in ihrem Sinne umdeuten. Das ist das gleiche wie es mit dem Begriff Ökologie schon passiert ist. Bedenklich ist vor Allem dass diese politischen Begriffe dann umgedeutet auch in die Wissenschaft gespült werden. Der begriff Nachhaltigkeit wird also verwendet, um eine bestimmte Ideologie zu verkaufen.

  7. @Günter

    Ich stimme dir zu, der Begriff Nachhaltigkeit wurde beliebig und danach von Ideologen gekapert um ihn benutzen zu können. Er wirkt wie eine Vorhang der das was sich dahinter abspielt verbirgt. Alles Mögliche lässt sich da hinein interpretieren und gleichzeitig eine unverdächtige Sinnhaftigkeit geben.

    Es gibt Momente, da rümpfe ich nur die Nase, und denke, es ist doch langweilig sich überhaupt damit zu befassen. Doch schaut man etwas genauer hin, stellt man fest, dass in diesem scheinbar unverdächtigem Hintergrund Fäden gesponnen werden, Strategien entwickelt werden, die darauf abzielen unser Leben grundlegend zu verändern. Es bedeutet nichts weniger als der Versuch einen Kulturwandel politisch herbei zu führen. Es ist sozusagen ein neuer Marsch durch die Institutionen, nur diesmal etwas besser gemacht, weil gut verkleidet. Ich muss in diesem Zusammenhang an den Begriff asymmetrische Demobilisierung denken.

    Diese Strategie funktioniert so lange wie es keine grundsätzliche Opposition dagegen gibt. Deshalb ist es wichtig, aus meiner Sicht, den Vorhang weg zu ziehen, damit man die die im Verborgenen wirken, ins Scheinwerferlicht stellen kann. Möglich wird das, meines Erachtens, in dem der Begriff Nachhaltigkeit grundsätzlich in Frage gestellt wird, und nicht nur einfach nicht beachtet wird. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an diesen meinen Text. Der Krauss von der Klimazwiebel hatte ja ziemlich heftig auf die darin gemachten Aussagen reagiert, was eigentlich ein gutes Zeichen ist.

  8. @Quentin #7

    Ja das ist ein gutes Zeichen wen dii den geschätzten Werner Krauss auf die Palme bringst.
    Meines Erachtens ist Trump die Folge dieser politisch korrekten Strategie mit all den guten Absichten.
    Er zieht den Vorhang weg, da er seine Fehler und seine politisch inkorrekten Äußerungen öffentlich macht.

  9. @Rolf
    Die DDR war innovativ. Nicht aus der Sicht der kapitalistisch organisierten Länder aber aus Sicht der Ostblockländer und im langen Schatten des großen Bruders UdSSR. Die DDR war nun mal ein sozialistisch bzw. diktatorisch organisierter Staat. Der Wartburg hätte schon seit den 70er Jahren nen 4Takt-Motor haben können, die Regierung lehte dies aber ab. Das ist dann aber auch nicht anders als das was GM mit seinem E-Auto gemacht hat. Die 1500 EV-1 wurden teils mit polizeilicher Gewalt einkassiert und in die Schrottpresse gepackt. Das dazugehörige Akkupatent hatte man an Texaco verkauft. Es war nun mal keine kapitalistische Entscheidung, da es weder dem Wunsch der Kunden entsprach noch eine innovationsfördernde Maßnahme war.

    @Günther
    Alles schön und gut, nur übersiehst du ein wichtiges Problem.
    Das Wohlstandslevel Euopas oder gar der USA ist aufgrund der Ressourcenknappheit nicht für die gesamte Weltbevölkerung erreichbar. Schau dir doch einfach mal an wieviel CO2 bzw. Energie ein US-Bürger pro Jahr verbraucht und dann schau wie der weltweite Durchschnitt aussieht.
    Die Transformation der Gesellschaft soll diese Problem lösen, nur würde ein Politiker, der so etwas durchsetzen will, sehr schnell aus dem Amt gejagt. Der Mensch will sein Wohlstandslevel nun mal nicht verringern, damit es am Arsch der Welt einem Menschen besser geht. Er will alle 2 jahre ein neues Smartphone, so häufig wie möglich ein neues, größeres Auto, eine große Wohnung, einen schönen Urlaub an allen möglichen Orten der Welt oder allgemein alles mögliche, das seine Freizeit weniger langweilig erscheinen lässt. Nur braucht man für all das Ressourcen. Daher wird sich an dieser Welt auch nichts ändern. Es wird weiterhin Verteilungskämpfe geben, also Krieg, Tod und Leid um am Ende immer wieder viele Flüchtlinge. Die einzige Lösung, die ich sehe, ist ein Leben in der virtuellen Realität. Dort besteht nun mal alles aus Bits und Bytes und nicht aus real existierenden Ressourcen.

  10. Soweit mir bekannt ist, soll die neolithische Revolution ein Zufallsprodukt sein. Menschen sammelten in der Gegend des fruchtbaren Halbmond Wild-Getreide ein. Dabei gingen Getreidekörner verloren. Dort wuchs dann neues Getreide. Die Menschen lernten daraus, wie man Getreide kultiviert, so dass man es nicht mehr suchen musste und lange Wege zurücklegen musste. Innovationen entwickeln sich fast immer aus Zufällen. Planwirtschaft hingegen nicht.

    War es nicht so, dass man das Getreide vor allen Dingen brauchte um „Bier“ herzustellen mit dem man die Mammutsteaks runterspülte? Also die Alkoholsucht?

  11. @oxybenzol #9

    Das Wohlstandslevel Euopas oder gar der USA ist aufgrund der Ressourcenknappheit nicht für die gesamte Weltbevölkerung erreichbar.

    Selbstverständlich ist es das. China und Indien zeigen das ja,
    Es braucht Kampf gegen Korruption, fossile Energiequellen und Marktwirtschaft und nicht Biobauern, SUVs für NGOs und Solarkocher. Dazu braucht es eine sinnvolle Geburtenkontrolle. Afrika hat 4.5 Kinder pro Frau. Das ist im Grunde das Problem dort, neben Korruption und rassistischen Stammeskriegen wie es gerade im Südsudan passiert.
    Nur passt diese Beobachtung nicht in das linke Weltbild, Zu was das linke Weltbild führt sieht man gerade in Venezuela.

  12. @Günter

    Laut wikipedia hatte Deutschland 2010 2,7% der weltweiten Ölproduktion verbraucht.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Erd%C3%B6l/Tabellen_und_Grafiken

    Nun hat China und Indien zusammen eine 32mal so große Bevölkerung. Da nun in der Tabelle China und Indien zusammen auf 15% kommen, müsste die Rohölproduktion um vielleicht 60% ansteigen, wenn diese Länder den gleichen Rohölbedarf pro Kopf haben. Du magst vielleicht glauben, dass dies möglich ist und sich gleichzeitig der Rohölpreis kaum verändert. China sieht dies wohl aber anders und will dieses Risiko nicht eingehen. Man investiert daher sehr stark in die E-Mobilität. Nächstes Jahr wird die E-Auto-Quote kommen. In den Industriestaaten landet nun mal etwa 75% des Rohölbedarfs im Transportbereich.

    Oder mal ne andere Zahl. In Deutschland beträgt das pro-Kopf-BIP etwa 46000$, in China sind es etwa 7000$. Die Zahl zeigt auch sehr schön, dass sich viele Chinesen kein Auto leisten können und daher Fahrrad bzw. E-Bike das beliebteste Fortbewegungsmittel ist. Darüber hinaus können sich die Chinesen auch nicht die ganzen anderen Spielzeuge leisten, die in Deutschland selbstverständlich sind. Ganz egal wie wenig Korruptoin existiert, die notwendigen Ressourcen für einen höheren Wohlstand müssen irgendwo herkommen. Diese fallen nun mal nicht einfach nach Bedarf vom Himmel, sondern kommen aus der Erde und sind daher begrenzt.

    Biobauern existieren, weil es in Deutschland mehr als genug zu essen gibt und man sich daher auch für qualitativ besseres Essen oder auch für eine natürlichere Tierhaltung entscheidet. Wer aber jeden Tag sein Schitzel haben will, dafür aber so wenig wie möglich bezahlen möchte, kauft halt Fleisch aus der Massentierhaltung. Im Supermarkt sieht er ja auch nur das schön verpackte Stück Fleisch, sieht aber nicht unter welchen Umständen dieses entstanden ist.

    SUVs werden gebaut, weil es Menschen gibt, die diese kaufen. Gilt genauso für Luxuslimousien oder Sportwagen. Wenn man sich nun über deren Existenz aufregt, wird man dummerweise selbst zum Sozialisten, da man die Entscheidung nicht der Markt überlässt sondern diktatorisch verbieten will und begibt sich damit auf die Seite derer, die von der Transformation der Gesellschaft reden. Tja, entweder Kapitalismus und freier Markt oder Sozialismus und eingeschränkter Markt. Zwischen diesen beiden Stühlen sitzt nun mal die Politik, da Menschen nun mal recht unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was wichtig ist. Daher findet der Einzelne die Entscheiungen mal gut und mal schlecht. Allen kann man es nie recht machen.

    Venezuela passt hier auch nicht. Das Land macht einfach nur die falsche Politik, schafft also nicht die passenden Rahmenbedingungen. China hat es da wesentlich schaluer gemacht. Man ist zwar weiterhin recht diktatorisch, hat aber für große Teile der Wirtschaft den Zugang zum freien Markt ermöglicht.

  13. Wenn wir von Wohlstandslevel reden, dann ist das m.E. nur sehr eingeschränkt über BIP/Kopf möglich. Wohlstand geht über gesicherte Grundbedürfnisse wie Nahrung, medizinische Versorgung, Wohnung und Kleidung hinaus. Das fängt für viele mit dem Mobilfon an, gesicherte Altersvorsorge über kulturelle Veranstaltungen, Freizeit und Urlaubsfahrten, abends ausgehen … aber nicht notwendig über ein eigenes Auto. Ab einem gewissen Level steigt der praktische Wohlstand nicht mehr wesentlich, aber die Kosten exponentiell. Ein solides Wohlstandsniveau, wie es im Mittel der Bundesbürger -- ohne eigenes Auto -- hat, dürfte für die Mehrheit der Weltbevölkerung noch ein unerreichbarer Traum sein. Ich meine allerdings, dass das durchaus erreichbar ist. Aber es setzt Einkommen voraus, die sich nur in einer funktionierenden Volkswirtschaft erreichen lassen. Diese brauch eine stabile und kostengünstige Energieversorgung.

    Die Frage ist, wie viel Luxus braucht der Mensch? Ist es erstrebenswert, dass möglichst viele Menschen ein Luxusleben führen können.

  14. @Oxybenzol #12

    Das widerspricht sich ja gar nicht. Nachhaltige Politik ist es nach ihrer Definition doch, dass die fossilen Energievorräte verbraucht werden und man sich gleichzeitig darauf vorbereitet wenn die verbraucht sind andere Energieträger zu nutzen.
    China und Indien haben Kohlereserven und werden die auch benutzen, schließlich haben die fossilen Energien diesen Ländern auch Wohlstand gebracht.
    In Afrika, wo die UN Entwicklungspolitik gemacht hat und eben keine entsprechende fossile Energieversorgung aufgebaut wird wurde in Hinblick auf die Milleniumsziele nichts erreicht.
    Es isind genau die Marktwirtschaft und die fossilen Energieträger die die Entwicklungsländer aus der Armut führen, also ist das auch nachhaltige Politik in ihrer Definition aus #2:

    Rational bedeutet „nachhaltige Politk“, dass man eine Politik wählt, auf die man aufbauen kann, die man weiter führen kann.

  15. Die New York Times bringt es hier auf den Punkt:

    Despite Climate Change Vow, China Pushes to Dig More Coal

  16. Nachhaltigkeit im dem Sinne wie sie heute in der Politik verwendet wird, ist ein Denken in Grenzen. Schon in der Enquete »Wachstum« geriet dabei der Ausdruck von »Senken« in den Vordergrund. Es sind nicht so sehr die Ressourcen die den Nachhaltigen Sorgen machen, sondern die Senken. Es geht also nicht so sehr darum was wir verbrauchen, sondern mehr, wieviel das »Erdsystem« verträgt von dem was wir produzieren. Die ganze Pik-Öl Story, oder Pik-Sonstwas, nimmt eigentlich keiner mehr so ernst, obwohl natürlich in der Propaganda damit weiter gearbeitet wird. Es ist eingängiger, weil man mit dem Bild von einem leeren Kühlschrank mehr Angst erzeugen kann, als mit dem von einer vollen Mülltonne.

    Wie gesagt, es geht heute darum, den Menschen in planetare Kreisläufe einzubetten. So richtig konkret kann das aber keiner beschreiben, nur beim CO₂ klappt es einigermaßen ein eingängiges Szenario aufzubauen.

    Was kann man gegen diese Bilder ins Feld führen? Einiges, vor allem wenn es ins Detail geht. Dies wird dann aber als ein Streit unter Experten wahr genommen und kann nicht das quasi spirituelle Gefühl der Zugehörigkeit zum »Erdsystem« ins Wanken bringen.

    Ich sehe diese Nachhaltigkeitsrede noch mal unter einem ganz anderem Aspekt, nämlich nach dem Wunsch des Menschen nach Zugehörigkeit und Identität. Es ist der gleiche Nährboden aus dem Ideologien oder Religionen entstehen und dem Individuum seinen Platz in großen Zusammenhängen erklären.

    Die Aufklärer, die die ins Detail gehen und die gängigen einzelnen Narrative zerpflücken, stehen vor dem Problem, dass sie zwar im Detail Zweifel oder Skepsis sähen können, doch das große Ganze damit nicht gefährden können. Ich mit meinem Beispiel hier über das Wesen von Innovation oder Evolution gehöre ebenfalls dazu, genauso wie diejenigen die die große Klimakatastrophe anzweifeln und ihren Zweifel begründen. Doch irgendwie, so scheint mir, bewegen wir uns auf verlorenen Posten, weil wir damit den Menschen keine Antwort auf ihre Frage nach Zugehörigkeit und Identität geben können. Mehr und mehr neige ich dazu, diesen philosophischen oder, je nach Individuum, spirituellen Aspekt als den wirkmächtigsten Grund für den Erfolg der Nachhaltigen in der öffentlichen Wahrnehmung zu sehen.

    Diesen Faden noch ein bisschen weiter gesponnen, wird vorstellbar, dass wenn andere Identitäten und Selbstbeschreibungen (noch) wirksam sind, der Nachhaltigkeitsglauben unter geordnet wird. America First! genauso wie die Chinesen oder Inder, die zuallererst auf die EIGENEN Leute schauen. Aber dies ist erst mal noch nur eine Beobachtung und vielleicht der Anfang einer Theorie.

  17. @Günter

    Bei der gleichen Zeitung wird du aber auch nen anderen Artikel finden. Einen, der sagt, dass es der Kohle nichts bringt, die Umweltauflagen zu reduzieren, denn schließlich hat die USA genug billiges Gas. Trump kann das allerdings egal sein, er hat ja sein Wahlversprechen eingelöst.

    Ansonsten ist die Klimapolitik eher n schwarter Peter, der je nach Bedarf hin- und her geschoben wird. Die großen Länder machen sowieso das was für deren Wirtschaftpolitik das Beste ist. China will sein Wirtschaftswachstum nicht abwürgen und die AKWs brauchen etwa 10 Jahre bis sie am Netz sind. Also wird in der Zwischenzeit wieder mehr Kohle verbrannt. Macht Deutschland genauso.

  18. Quentin Quencher 2. April 2017 09:38

    Was kann man gegen diese Bilder ins Feld führen? Einiges, vor allem wenn es ins Detail geht. Dies wird dann aber als ein Streit unter Experten wahr genommen und kann nicht das quasi spirituelle Gefühl der Zugehörigkeit zum »Erdsystem« ins Wanken bringen.

    Sehr gut herausgearbeitet: Es geht weniger um rationale Argumente, sondern um Narrative und gefühlte Bedrohungen.

    Ich sehe diese Nachhaltigkeitsrede noch mal unter einem ganz anderem Aspekt, nämlich nach dem Wunsch des Menschen nach Zugehörigkeit und Identität. Es ist der gleiche Nährboden aus dem Ideologien oder Religionen entstehen und dem Individuum seinen Platz in großen Zusammenhängen erklären.

    Das ist ein wesentlicher Schlüssel zum Verständnis der Zeit. Was aber folgt daraus: Gegenbilder entwickeln?

    Die Aufklärer, die die ins Detail gehen und die gängigen einzelnen Narrative zerpflücken, stehen vor dem Problem, dass sie zwar im Detail Zweifel oder Skepsis sähen können, doch das große Ganze damit nicht gefährden können. Ich mit meinem Beispiel hier über das Wesen von Innovation oder Evolution gehöre ebenfalls dazu, genauso wie diejenigen die die große Klimakatastrophe anzweifeln und ihren Zweifel begründen.

    Aufklärung war ein großes Narrativ, aber es hat sich abgenutzt. Mittlerweile beanspruchen die mit den größten Nebelmaschinen ja, sie seien die großen Aufklärer, die der bösen kapitalistischen und zerstörerischen Industrie ihr böses Handwerk legen wollen.

    Doch irgendwie, so scheint mir, bewegen wir uns auf verlorenen Posten, weil wir damit den Menschen keine Antwort auf ihre Frage nach Zugehörigkeit und Identität geben können. Mehr und mehr neige ich dazu, diesen philosophischen oder, je nach Individuum, spirituellen Aspekt als den wirkmächtigsten Grund für den Erfolg der Nachhaltigen in der öffentlichen Wahrnehmung zu sehen.

    Ich stimme zu, frage aber nach den Konsequenzen.

    Diesen Faden noch ein bisschen weiter gesponnen, wird vorstellbar, dass wenn andere Identitäten und Selbstbeschreibungen (noch) wirksam sind, der Nachhaltigkeitsglauben unter geordnet wird. America First! genauso wie die Chinesen oder Inder, die zuallererst auf die EIGENEN Leute schauen. Aber dies ist erst mal noch nur eine Beobachtung und vielleicht der Anfang einer Theorie.

    Ich halte die Idee auch für gut, aber ich frage mich, ob Trump das durch eine stümperhafte Umsetzung die an sich gute Idee das vermasselt und die Reaktion das noch viel schlimmer macht.

  19. oxybenzol 2. April 2017 11:22

    Die großen Länder machen sowieso das was für deren Wirtschaftpolitik das Beste ist. China will sein Wirtschaftswachstum nicht abwürgen und die AKWs brauchen etwa 10 Jahre bis sie am Netz sind. Also wird in der Zwischenzeit wieder mehr Kohle verbrannt. Macht Deutschland genauso.

    Wäre schön, wenn Deutschland das machen würde, was für unsere Wirtschaftpolitik das Beste ist. Auch glaube ich nicht, dass wir in 10 Jahren AKWs am Netz haben. Da haben wir nur einige gigantische Glücksräder am Netz.

  20. @oxybenzol #17

    Sag ich doch. Alle Länder die Kohle verbrennen machen nach ihrer Definition rationale und damit nachhaltige Politik.
    Wenn man diese Vorräte hat ist es eben auch sinnvoll sie zu nutzen.

  21. @Martin

    Wäre schön, wenn Deutschland das machen würde, was für unsere Wirtschaftpolitik das Beste ist. Auch glaube ich nicht, dass wir in 10 Jahren AKWs am Netz haben. Da haben wir nur einige gigantische Glücksräder am Netz.

    In Deutschland kann man AKWs für sehr lange Zeit vergessen. Das liegt nicht nur an der Bevölkerung sondern auch an der fehlenden Entwicklung. Durch Tschernobyl und Fukushima sind nun mal die Sicherheitsanforderungen gestiegen. Atomkraft ist dann zwar noch in Russland, China oder Indien rentabel, aber nicht in Westeuropa.

  22. @Michael Krueger
    Die Entwicklung des Getreideanbaus war keineswegs ein Zufallsprodukt. Sie war allerdings auch keine Antwort auf eine Mangelsituation. Denn der geplante Anbau von Getreide war bezgl. der Nahrungseffizienz eine ziemlich blöde Idee, da die Wildsorten eine so geringe Ertragskraft haben das ihr Anbau mehr Energie verbraucht als aus ihr gewonnen werden kann. Der Umstieg auf Getreide hätte also zum sofortigen und sicheren Untergang der Bauern geführt.

    Nach aktuellem Stand der Forschung wurde dagegen schon Wildgetreide zur Bierbrauen verwendet und war als Luxusgut zu betrachten (daher wurde es vor allem im Rahmen zeriomeneller Anlässe verwendet). Erst das führte dazu das man sich die Mühe machte durch Züchtung die Ertragskraft nach oben zu treiben, was allerdings einen sehr langen Zeitraum über sehr viele Generationen erforderte.

    @oxybenzol
    Das Innovationen aus Knappheit entstehen ist aus einer ganz einfachen logischen Überlegung heraus zu wiederlegen. Um Innovationsfähig zu sein müssen Ressourcen vorhanden sein. Einerseits um überhaupt Ideen zu entwickeln und zum anderen um sie umzusetzen. Bei „verknappenden“ Bedingungen entfallen aber gerade diese notwendigen Freiräume.
    Deshalb beginnen auch alle Innovationsschübe der Menschheit und von Kulturen immer mit einem von außen induzierten Wohstandszuwachs (praktisch immer mit eine Erwärmung des Klimas, das dann die Nahrungsmittelproduktion hoch treibt, sprich die Produktivität der Landwirtschaft und der umgebenden Biosphäre nach oben treibt). Erst das schafft die notwendigen Freiräume um einen Zivilisationsschub zu starten. Es entsteht eine sich selbst verstärkende aufwärtsgerichtete Rückkopplung.

    Praktisch alle Zivilisationszusammenbrüche beginnen dagegen mit einer sinkenden Produktivität. Dadurch verlieren die Zivilisationen die physische Basis ihre komplexen Systeme aufrecht zu erhalten. Es entsteht eine sich selbst verstärkende Negativspirale. Mangel führt nicht zu Innovationen sondern zu Zivilisationsverlust, also sich verstärkendem Mangel.

    Noch zum Thema Nachhaltigkeit:
    Der ursprüngliche Begriff bedeutet nichts anderes als eine Produktionsmengenmaximierung auf längerer Zeitachse, ist also nichts anderes als eine Bezeichnung für wirtschaftlich rationales handeln. Er hat nichts aber auch gar nichts mit irgend einem esotherischen Naturverständnis zu tun, dass insbesondere in Mitteleuropa seit der Romantik sein Unwesen treibt.

  23. @ThinkSelf

    Ich stimme Ihnen im Wesentlichen zu. Sie benutzen nur zu oft den Wort »immer«. Das würde ich nicht tun, das würde Ausnahmen ausschließen. Auch bin ich nicht überzeugt, dass nur die eine Beschreibung für eine Beobachtung gibt. Aber das ist nur eine Kleinigkeit.

    Die Beschreibung der Nachhaltigkeit als ein Vorgang der Optimierung auf lange Zeiträume, ist eine Sichtweise die sehr interessant ist. Kann ich auch zustimmen. Allerdings, philosophische oder esoterisch/religiöse Komponenten der Befindlichkeiten von Menschen, die mit dem Begriff Nachhaltigkeit arbeiten, auszublenden, halte ich für grob fahrlässig. Mit Begriffen werden immer auch Befindlichkeiten transportiert, und so was wandelt sich eben mit der Zeit.

  24. Der Nachhaltigkeitsbegriff der aktuellen Politik wurde in der Agenda 21 dargelegt und dieser Agenda 21 scheinen alle Staaten zu folgen, also wird sich daran nichts ändern, bis der Bund auch das letzte Fitzelchen Souveränität abgegeben hat. Danach haben wir die jetzt oft genannte EineWeltRegierung.

    Die politisch-idelogische Umerziehung ist abgeschlossen.

  25. Eine Sendung voller Nachhaltiger.

    „Entweder Broder -- Die Deutschland-Safari -- Teil 3 Guck mal, wer die Erde rettet -- Montag, 26.09.2011“ auf YouTube .

    https://youtu.be/4Rl5xq2tDTs

  26. @Quentin

    Die Beschreibung der Nachhaltigkeit als ein Vorgang der Optimierung auf lange Zeiträume, ist eine Sichtweise die sehr interessant ist. Kann ich auch zustimmen.

    Eine derartige Optimierung funktioniert nur, wenn die Randbedingungen vorgegeben werden und ein beschränktes System betrachtet wird.
    Eine globale Nachhaltigkeit bei exponentiellem Bevölkerungswachstum bedeutet deshalb, dass wir unsere globale Wirtschaft wachsen muss. Was wiederum bedeutet, dass wir Vorräte die wir haben auch verbrauchen und neue Vorräte gewinnen müssen. Nachhaltigkeit bedeutet damit für China oder die USA, dass es seine Kohlevorräte effizient verbrennt, damit Energie gewinnt, um Zeit zu haben neue Energiequellen zu erschließen.

    Die romantisch ökologische Definition von Nachhaltigkeit bezieht sich hingegen auf ökologische Systeme deren Population stagniert bzw.nur innerhalb einer gewissen Bandbreite variiert. Solche Systeme brechen sofort zusammen, wenn es ein exponentielles Wachstum einer Spezies im Ökosystem gibt. Damit wird auch klar, dass eine Politik die auf diese Nachhaltigkeit abzielt entweder nicht tauglich für den Menschen und die globalisierte Welt ist oder auf eine Begrenzung der Zahl der Menschen hinausläuft, also unmenschlich ist.

    Deshalb ist auch Biolandwirtschaft kein globales Konzept, weil es nur für Nischen mit begrenzter Bevölkerungszahl funktioniert. Es führt zur Auswanderung und ist höchstens irgendwo lokal stabil, global aber Unsinn.

  27. Günter,

    Ja, Nachhaltigkeit in komplexen Systemen ist eine Unmöglichkeit. So ähnlich hat es mal Norbert Bolz beschrieben. Es ist also eine Reduzierung auf einzelne Aspekte nötig, so weit, bis kein komplexes System mehr vorliegt. Erst dann kann man mit dem Begriff Nachhaltigkeit arbeiten. Doch dann treten genau die Probleme auf, die Du beschrieben hast.

    Im Prinzip haben aber auch die Freunde der Nachhaltigkeit erkannt, dass Innovation und Weiterentwicklung sich mit dem Prinzip Nachhaltigkeit nicht vereinbaren können. Der Harald Welzer meinte mal:

    Es geht überhaupt nicht um Erhöhung von Effizienz, sondern um Reduktion von Effizienz. Ganz schlicht und ergreifend.

  28. @Quentin

    Das mit der Reduktion von Effizienz durch Welzer ist ein interessante Aspekt. Denn er zeigt wie solche Leute wie Welzer ticken. Im Grunde können wir uns solche Professoren ja nur leisten, weil wir effizient sind.
    Das heißt andere Menschen arbeiten und verdienen Geld, damit Herr Welzer forschen und lehren kann.
    Ich denke daher kommt der Wunsch die Gesellschaft zu überwinden zu deren Wohlstand er ja nichts Substantielles, sondern nur eine Meinungsäußerung und Kritik beiträgt. Das ist wichtig, aber davon kann niemand leben. Im Gegenteil er verbraucht den Wohlstand. Mein Eindruck ist, dass viele Linke eifersüchtig sind auf den Erfolg der Marktwirtschaft und unserer freiheitlichen Ordnung, weil dieser Erfolg ja zeigt, dass sie irrten mit ihren Gesellschaftsmodellen. Das Narrativ der Armut in Deutschland nutzen sie, um das nicht einzugestehen.

  29. Wenn Reduktion der Effizienz per se eine schlechte Sache ist, dann dürfte keiner von euch ein Problem damit haben wieder 6 Tage und pro Tag 12 Stunden zu arbeiten mit 10 Urlaubstagen. Selbst wenn ihr dann wesentlich mehr verdient, fehlt euch die Zeit dieses Geld auszugeben. Ihr lebt dann um zu arbeiten. Der Begriff work-life-balance besagt aber, dass der Mensch arbeitet um zu leben. Das ist auch nicht erst seit heute so. Da gibt es auch ne schöne Geschichte von einem Fischer und einem Manager:

    http://gmv-prinzip.de/wordpress/wp-content/uploads/Thema-1-Metaphern.pdf

    Was ist der Sinn des Lebens? Oder besser, was ist euch wichtig?

    Wenn knappe Ressourcen kein Antrieb sind, warum gabs dann in der DDR eine friedlich Revolution? Warum riskieren Menschen ihr Leben um nach Europa zu kommen oder warum entscheidet die britische Regierung jetzt Maßnahmen, die sie auch schon vor 20 Jahren hätte treffen können?

  30. oxybenzol 4. April 2017 10:59

    Wenn Reduktion der Effizienz per se eine schlechte Sache ist, dann dürfte keiner von euch ein Problem damit haben wieder 6 Tage und pro Tag 12 Stunden zu arbeiten mit 10 Urlaubstagen.

    Vermutlich haben Sie eine seltsame Vorstellung, was mit Effizienz gemeint ist:

    Wirtschaftlichkeit, Kosten-Nutzen-Relation oder rationeller Umgang mit knappen Ressourcen

    Effizient ist demnach, wenn man mit der knappen Ressource Lebenszeit so umgeht, dass diese nicht verschwendet wird.

    Wenn knappe Ressourcen kein Antrieb sind, warum gabs dann in der DDR eine friedlich Revolution? Warum riskieren Menschen ihr Leben um nach Europa zu kommen oder warum entscheidet die britische Regierung jetzt Maßnahmen, die sie auch schon vor 20 Jahren hätte treffen können?

    Effizienz ist nicht das einzige Kriterium menschlichen Handelns, sondern eine Zusatzbedingung bei der Erreichung von Zielen.

  31. @Martin

    Wenn fehlende Freiheit und fehlende Konsumgüter nur Zusatzbedinungen sind, was war dann der Hauptgrund für die Revolution in der DDR? Überfluss an Angst und Überwachung?

  32. oxybenzol 5. April 2017 13:10

    Wenn fehlende Freiheit und fehlende Konsumgüter nur Zusatzbedinungen sind, was war dann der Hauptgrund für die Revolution in der DDR? Überfluss an Angst und Überwachung?

    Wir sprachen über Effizienz. Das Thema Freiheit hatten wir nur im Kontext des Marktes als Regulationsmechanismus.

    Die Marktkräfte des idealen Marktes stellen einen effizienten intrinsischen Mechanismus der effizienten Ressourcenallokation bereit. Das hatte bereits Adam Smith entdeckt. Allerdings finden ideale Märkte selten in reinform statt. Meist sind mehr oder weniger starke Marktverzerrungen wirksam. Einige Marktverzerrungen sind aus sozialen Gründen gewollt, andere Marktverzerungen erweisen sich als dysfunktional und haben negative soziale Wirkungen. Das heißt: Eingriffe in die Marktordnung sind grundsätzlich erwünscht, müssen aber mit Vorsicht eingeführt werden, damit negative Wirkungen die Allokationsmechanismen außer Kraft gesetzt werden.

    Mein Prof. Seuster für Betriebswirtschaftslehre zitierte gerne den Grundantrieb wirtschaftlichen Handelns: ‚Der Mensch will nicht nur leben, er will auch wohl leben.‘

    Die friedliche Revolution der DDR hatte sicher nicht nur wirtschaftliche Gründe, sondern bürgerliche Freiheit und Abbau von Unterdrückung zum Ziel. Es ist völlig daneben, die mit wirtschaftlichen Begriffen erklären zu wollen.
    Die Wirtschaftlichen Aspekte, die es sicher auch gab, war die Transparenz, dass es im Westen ein drastisch höheres Wohlstandsniveau gab. Die Analyse, warum das so war, war sicher nicht von entscheidender Bedeutung. Dennoch kann mit größter Sicherheit gezeigt werden, dass die soziale Marktwirtschaft der BRD als Allokationsschema der Zentralwirtschaft der DDR weit überlegen war.

  33. In der Politikwissenschaft hat sich allgemein die Überzeugung durchgesetzt, dass Politik „die Gesamtheit aller Interaktionen definiert, die auf die autoritative (durch eine anerkannte Gewalt allgemein verbindliche) Verteilung von Werten (materiellen wie Geld oder nicht-materiellen wie Demokratie) abzielen“. Politisches Handeln kann durch folgenden Merksatz charakterisiert werden: „Soziales Handeln, das auf Entscheidungen und Steuerungsmechanismen ausgerichtet ist, die allgemein verbindlich sind und das Zusammenleben von Menschen regeln“.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Politik

    Politik ist also der Versuch, die Geldverteilung diktatorisch zu regeln, solange sich diese nicht selbst regelt. Und natürlich kann man erst bei vollständiger Selbstregulation von einer echten Demokratie (Volksherrschaft) sprechen, während sich „Demokratie“ bis dahin auf das Abwählen von Diktatoren beschränkt. Dass Politiker überhaupt gewählt und nicht nur abgewählt werden, beruht auf dem Aberglauben, marktwirtschaftliche Selbstregulation sei „sozial ungerecht“ oder gar „unmöglich“. Tatsächlich sind jedoch Massenarmut, Umweltzerstörung und Krieg bei diktatorischer Regelung unvermeidlich, während die vollständige Selbstregulation nicht nur möglich ist, sondern allgemeinen Wohlstand, eine saubere Umwelt und den Weltfrieden automatisch mit einschließt. 

    Selbstverständlich ist die Politik (oder eine vermeintlich „falsche Politik“) nicht die Ursache der Probleme, sondern die Summe der Gegenreaktionen auf die zahlreichen Zivilisationsprobleme, die eine gemeinsame Ursache haben, und die vollständige Selbstregulation der Marktwirtschaft bedarf der Korrektur dieser gemeinsamen Ursache. Politik wäre noch zeitgemäß, wenn die Ursache aller Zivilisationsprobleme entweder noch gar nicht bekannt oder noch nicht weit genug erforscht wäre, um sie korrigieren zu können. Und eine zeitgemäße Politik müsste dann zusammen mit allen studierten „Wirtschaftsexperten“ mit Hochdruck daran arbeiten, die Ursache zu erforschen, bis sie vollständig korrigiert wäre. Aber das können sich diese Vollidioten getrost sparen, denn schon seit mehr als 3200 Jahren ist die Ursache aller Zivilisationsprobleme, die sich überhaupt thematisieren lassen, wissenschaftlich korrekt umschrieben, und seit nunmehr fast 2000 Jahren hätte diese „Mutter aller Zivilisationsprobleme“ bereits korrigiert sein können:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2017/04/sind-sie-politisch-oder-denken-sie-schon.html

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