Geht beim „Milliarden-Überschuss beim Ökostrom“ alles mit rechten Dingen zu?

5. September 2014 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Energiewende, Politik

Wie in mehreren deutschen Medien vor kurzem berichtet wurde ist zu erwarten, dass die EEG-Umlage im nächsten Jahr nicht nur nicht ansteigt, sondern zum ersten mal in der Geschichte dieser Sonderabgabe über eine Senkung nachgedacht wird.  Grund dafür ist das am Ende des Monats August mit 1,5 Milliarden Euro prall gefüllte EEG-Konto. Wie das funktioniert, sei im Folgenden kurz erklärt.

Jeden Monat werden von den Netzbetreibern in Deutschland die Zahlen zur Einspeisevergütung veröffentlicht. Wichtig sind im Wesentlichen die Einnahmen (übers EEG) und die Ausgaben an die EE-Produzenten. Daraus ergibt sich dann die Monatsbilanz. In einem typischen Jahr ergibt sich daraus das Bild, dass im Winter mehr Geld in die EEG-Kasse eingezahlt wird, als an EE-Vergütung an die Produzenten ausgeschüttet werden muss. Hauptgründe dafür sind, dass die besonders teure Photovoltaik in dieser Zeit kaum produziert und dass wegen des höheren Stromverbrauchs im Winter über die Umlage mehr Geld eingenommen wird. In dieser Zeit ist das Saldo also Positiv, das EEG-Konto füllt sich.

Einnahmen und Ausgaben gehorchen Zyklen

Irgendwann im Frühjahr dann ändert sich das Bild. Meist ab April oder Mai wird wegen des dann anfallenden PV-Stroms und der entsprechend hohen Vergütung (zusammen mit den geringeren EEG-Einnahmen wegen des geringeren Stromverbrauchs) das Saldo negativ. Abhängig davon ob der Herbst besonders sonnig oder windig ausfällt, bleibt der Zustand so, bis das Saldo ab September oder Oktober wieder positiv wird. Wie sich das in den letzten Jahren abgespielt hat, zeigt die folgende Abbildung.

image Man erkennt zum Beispiel, dass am Ende des Jahres 2011 das EEG-Konto ausgeglichen war. Entsprechend wurde von 2011 auf 2012 die EEG-Umlage kaum erhöht. Allerdings wurden Ende 2011 und im ganzen Jahr 2012 sehr viele Photovoltaik-Anlagen hinzugebaut. Dadurch stiegen die Ausgaben rapide an, so dass das EEG-Konto 2012 tief im Minus abschloss. Im Jahr 2013 wurde die EEG-Umlage bekanntlich auf 5,27 und 2014 schließlich auf 6,24 Cent angehoben.

Die Entwicklung der Ökostrom-Umlage von 2003 bis 2014.

Mehr Einnahmen, stagnierende Ausgaben

Wie man in der ersten Abbildung erkennt, führen die jüngste Anhebung und auch der Umstand dass 2014 bislang weder ein gutes Wind- noch ein gutes Sonnenstrom-Jahr war dazu, dass sich das EEG Konto bis zum Mai des Jahres  auf den bisherigen Höchststand von gut 1,6 Milliarden Euro Guthaben füllte. Man war also gut für die traditionell teuren Monate Juni bis September gerüstet, so das man damit rechnen konnte, dass der Anstieg der EEG-Umlage Ende des Jahres diesmal sehr klein ausfallen, oder gar entfallen würde. Also ähnlich wie von 2011 auf 2012.

Dass es jetzt sogar zu einer Senkung der EEG-Umlage kommen soll ist allerdings schon eine Überraschung. Ein Zusammenhang mit der Novelle des EEG ist laut Spiegel noch nicht gegeben.

Mit der im August in Kraft getretenen Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), die Förderkürzungen vorsieht, hat die Entwicklung noch nichts zu tun – deren Auswirkungen werden erst bei 2016 sichtbar werden.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung vermutet, dass der schlechte Sommer mit wenig Sonnenstunden die Hauptursache ist:

Gabriel hilft, dass die Sonne wenig schien und die teuren Solaranlagen weniger Kosten verursacht haben als erwartet. Das dürfte auch das überraschend hohe Plus von 442 Millionen Euro im August auf dem Ausgleichskonto erklären.

Und der Tagesspiegel aus Berlin mutmaßt gar, dass hinter der jetzt angekündigten Senkung ein perfider Rechentrick der Regierung steckt. In den letzten Jahren sei in die EEG-Umlage eine Liquiditätreserve eingebaut worden, die so hoch angesetzt war, wodurch die EEG-Umlage in diesem Jahr zu hoch angesetzt wurde. Das hätte einerseits geholfen, den Handlungsdruck zur Durchführung einer Reform zu erhöhen, andererseits würde die dadurch jetzt erforderliche Rücknahme der (zu hohen) Umlage der EEG-Raform schnelle Erfolge liefern:

Die hohe Umlage hat Energieminister Sigmar Gabriel (SPD) geholfen, die EEG-Reform durchzudrücken und lässt ihn jetzt irgendwie gut aussehen.

Die Erklärungen sind unzureichend

Beides ist irgendwie richtig, erklärt aber nicht warum die EEG Einnahmen im August in diesem Jahr höher ausgefallen sind, als die Ausgaben. Ein Plus im Saldo im August hat es bislang noch nicht gegeben. Mit über 400.000 Euro fiel es sogar fast so hoch aus, wie das im Januar diesen Auslastung Wind Solar 2011 bis 2014Jahres. Dabei war der August gar nicht so negativ für EE-Produzenten, wie man nach dem schlechten Wetter eigentlich hätte vermuten können. Zwar war die  Photovoltaik mit 14,0 % Auslastung um einiges unter dem Mittelwert der Jahre 2011 bis 2013 (16,1 %) Die Auslastung der Windkraft lag mit 12,6 % allerdings über dem Mittelwert der Jahre 2011 bis 2013 (11,6 %). Auch war das Jahr 2014 bis heute nicht so schlecht für die Produzenten von Wind- und Photovoltaikstrom, wie ein Blick auf die Tabelle links zeigt. Im letzten Jahr waren die Auslastung (Januar bis August) sogar deutlich schlechter, und nach dem Jahr wurde die Umlage deutlich erhöht.

Was tatsächlich zu dem Plus im Monatssaldo beim EEG-Konto geführt hat, zeigt ein Blick in die Abrechnung. Diese unterliegen der Veröffentlichungspflicht und können auf der von den deutschen Netzbetreibern eingerichteten Seite Netztransparenz.de eingesehen werden. Und hier findet man auch, warum die Bilanz für den Monat August so positiv ausfällt.

Auf der Ausgabenseite der Bilanz machen den größten Teil die finanziellen Förderungen nach den Paragraphen 19, 52, 57 (1) und 100-102 aus. Das sind die klassischen Zahlungen der Einspeisevergütung an diejenigen EE-Produzenten, die Ihren Strom ins Netz einspeisen und die zur Zeit der Inbetriebnahme ihrer Anlage gültigen Vergütungssätze beziehen.

Marktprämie zweitgrößter Kostenblock

Der zweitgrößte Kostenpunkt (und in manchen Monaten sogar der größte) ist die Auszahlung der sogenannten Marktprämie (§ 33g des EEG von 2012). Diese wird an EE-Produzenten bezahlt, die ihren Strom selbst vermarkten, also an einen Stromanbieter oder Netzbetreiber verkaufen. Da der hierbei erzielte Preis naturgemäß deutlich niedriger ist als die garantierte EE-Vergütung, erhalten die Erzeuger die Differenz ausbezahlt. Im Juli dieses Jahres betrugen die Direktzahlungen für EE-Strom kanpp 1,7 Milliarden Euro, das waren knapp 69 Prozent der Gesamtausgaben in dem Monat. Die Prämienzahlungen machten mit 737 Millionen Euro knapp 30 Prozent aus.

Die Überraschung kommt, wenn man sich die Zahlen vom August anschaut. 1,43 Milliarden für Direktzahlungen, also wetterbedingt weniger als im Juli, aber überhaupt keine Zahlung für die Marktprämie.  Ausschnitt EEG Konto 2014In der Zeile 1a steht seit diesem Monat nicht mehr, wie bisher, „Prämienzahlungen nach § 33g, § 33i, § 35 (1a) EEG“, sondern schlicht „entfallen ab 1.8.2014“. Demnach kann die Aussage von Spiegel Online, mit der im August in Kraft getretenen Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes haben die guten Zahlen nichts zu tun, so ganz nicht stimmen.

Wer zahlt die Marktprämie ab dem 01.08.2014?

Fakt ist, dass die Marktprämie mit der EEG-Novelle nicht abgeschafft wurde. Die Paragraphen 34 bis 36 in neuen EEG regeln diese und klingen (zumindest für einen juristischen Laien wie mich) ganz ähnlich wie die bisherige Regelung. Nur, scheinen ab August die Kosten hierfür aus einem anderen Topf zu kommen.

Die hier zu klärende Frage ist also: Wird die Marktprämie auch weiterhin wie bislang ausbezahlt? Wenn das so ist, und wenn das nicht so wäre hätte man davon sicher von Seiten der EE-Lobby gehört, aus welchen Mitteln wird diese dann jetzt bestritten, wenn nicht mehr aus der EE-Umlage? So wie sich der Fall bisher darstellt, sieht die Geschichte nach dem Milliarden-Überschuss bei der Ökostrom-Zulage nach einer Mogelpackung aus.

 

 

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26 Kommentare
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  1. Danke Rudolf, das sind genau die Infos, die wichtig sind. Deswegen habe ich aufgehört in den Hauptstrommedien zu lesen und beziehe nun meine Information unter anderem in diesem Blog.

  2. @ Dirk Rammenstein
    Danke für die netten Worte. Wobei ich in diesem Fall leider gar nicht so viele Informationen, sondern mehr Fragen habe. Ist der Umstand, dass die Marktprämie im August nicht aus dem EEG-Konto gezahlt wurde eine einmalige Aktion wegen der Umstellung auf das neue EEG? Wird die Marktprämie künftig nicht mehr aus dem EEG bezahlt? Wenn ja, wovon dann?

    Mit 5,9 Mrd. Euro machte die Marktprämie im letzten Jahr über 30% der Gesamtkosten aus. In diesem Jahr mit 4,9 Mr. Euro mehr als ein Drittel. Wenn die wegfiele könnte die EEG-Umlage natürlich massiv gesenkt werden. Nur müsste das fehlende Geld dann wohl aus Steuermitteln aufgebracht werden.

    Vielleicht gibt es auch eine ganz einfach und banale Erklärung, die ich bislang übersehen habe. Ich bin sehr gespannt.

  3. Danke, für diese gute Recherche. Das man die Änderungen so versteckt, dass plötzlich 700 Mio. nicht mehr erscheinen, ohne Erklärung, woher das kommt, ist schon ein kleiner Skandal.

  4. Folgende E-Mail habe ich an die Kontaktadresse von netztrazparenz.de geschrieben:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Mit großem Interesse verfolge ich ihre monatliche Veröffentlichung der Einnahmen- und Ausgabenpositionen der EEG-Umlage. Zu den aktuellen Zahlen habe ich eine Frage. Bisher wurde bei den Ausgaben unter Punkt 1a die Martprämie nach § 33g, § 33i, § 35 (1a) EEG aufgeführt. Laut Ihrem neuen Bericht entfällt dieser Punkt ab dem 01.08.2014.

    Dazu habe ich folgende Frage. Nach welchem Mechanismus und aus welchem Etat wird die Marktprämie nach dem neuen EEG ausgezahlt? Ein Blick in den Gesetzestext hat mir bislang nicht geholfen, darauf eine Antwort zu finden.

    Ich danke Ihnen für eine Antwort und verbleibe mit freundlichen Grüßen,

  5. @Rudi

    Ähm…..komplizierte Sache das…….ich schätze mal, die Umstellung aufs EEG 2014 wird wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen…..besonders der Sektor der Direktvermarktung erscheint mir immer noch sehr verwirrend.

    Verpflichtende Direktvermarktung

    Zum Zwecke der Marktintegration der erneuerbaren Energie müssen die Betreiber von neuen EEG-Anlagen ihren Strom selbst oder über einen Direktvermarktungsunternehmen direkt vermarkten. Das Gesetz sieht hierfür zwei Wege der Direktvermarktung vor:

    (1) die Direktvermarktung zum Zwecke der Inanspruchnahme einer Marktprämie (geförderte Direktvermarktung) oder
    (2) die Direktvermarktung ohne Inanspruchnahme einer finanziellen Förderung (sonstige Direktvermarktung).
    Die bisherige Möglichkeit der Direktvermarktung zum Zwecke der Verringerung der EEG-Umlage (sog. Grünstromprivileg, § 39 EEG 2012) entfällt. Die Möglichkeit, Strom anteilig direkt zu vermarkten, bleibt erhalten.

    http://www.goerg.de/de/aktuelles/legal_updates/das_erneuerbare_energien_gesetz_2014.40797.html

    Vllt ist das der Grund, warum bei den Marktprämien keine Angaben zu finden sind……wir sind wohl in einer Übergangsphase, wo sich die Sache erstmal neu ordnen muss.
    Überdies hatte ick ja schon mehrfach angedeutet und vermutet, das man die Kosten der Energiewende zunehmend in den Netzkosten/Durchleitungsgebühren verstecken wird.
    Es kann sein, das tatsächlich die EEG-Umlagen sinken werden…….bevor wir (Netzbetreiber) nicht wissen, was demnächst das vorgelagerte Netz kosten wird…..wage ich mir keine Preisprognose für 2015.

    Sorry…….inzwischen kann das Zeuch wohl wirklich nur noch ein Rechtsverdreher verstehen………Du solltest mal den fetten Ordner sehen, den mein Kollege vom letzten Lehrgang zur „EEG 2014“ mitgebracht hat……ick versteh da nur noch Bahnhof.

    Na mal sehen, vllt krieg ich intern noch was raus……bisher bin ich diesbezüglich leider keine große Hilfe.

    Onkel Heinz………………kein Rechtsgelehrter

  6. Das Gesetz scheint mir da ziemlich eindeutig, auch wenn es jetzt nicht mehr §33 sondern §34 ist: Die Marktprämie wird vom Netzbetreiber gezahlt und über die EEG-Umlage dem Verbraucher aufgedrückt. Daran hat sich nichts geändert.

    Das „entfallen“ in der obigen Tabelle ist mir unerklärlich. Vielleicht ist es nur eine Zwischenversion der Abrechnung, weil für August noch nicht alle Daten vorliegen und man das Wording (von 33 auf 34) ändern muß. Ich habe keine Ahnung und bin auf die Antwort der Netzbetreiber gespannt.

  7. Vielleicht lässte der Gesetzgeber ja auch Teile der Kosten verschwienden und zahlt es aus dem Steuertopf.
    Ich würde es jedenfalls so machen, um eine große Angriffsfläche verschwinden zu lassen.

  8. @ Heinz und Peter,
    Ich denke mit der Vermutung, dass die Umstellung auf das neue EEG vor allem bei einer so komplizierten Materie wie der Marktprämie etwas dauern kann, ist das wahrscheinlichste. Wobei die Formulierung „entfallen ab 01.08.2014“ das ist, was bei mir die meisten Fragen aufgeworfen hat. Interessant würde dieser Fall, wenn die Umstellung bis Mitte Oktober noch nicht abgeschlossen wäre, also auf welcher Basis dann die EEG-Umlage für 2015 berechnet würde.

    Auch sollte man erwarten, dass die Meldungen aus den Medien, wonach die EEG-Kasse mit 1,5 Mrd. Euro quasi übersprudelt und dass der August ein positives Ergebnis hatte, einen Widerspruch von Seiten der Netzbetreiber oder der Netzagentur bekommen sollten. Oder das irgend jemand aus der Presse vor Veröffentlichung einer solchen Meldung einmal bei den entsprechenden Stellen nachfragt. Das scheint alles nicht passiert zu sein. Wobei der FAZ-Artikel zumindest nahelegt, dass man mit den Netzbetreibern gesprochen hätte:

    Millionen Stromverbraucher und Unternehmen können sich auf eine geringfügige Entlastung einstellen. Das wird nach Informationen dieser Zeitung in Kreisen der zuständigen Netzbetreiber nach Abrechnung der Einnahmen und Ausgaben bis Ende August erwartet.

    @ netseal
    Der Weg, die Kosten einfach verschwinden zu lassen wäre angesichts der Tatsache, dass dieser Prozess schon einigermaßen transparent gehalten wird, ziemlich unklug. Der eine oder andere schaut denen ja schon auf die Finger.

  9. #7. netseal

    glaub ich nicht, da das „verschwinden“ lassen zu offensichtlich wäre. Man legt ja, aus welchen Gründen auch immer, großen Wert auf Transparenz. Ich denke mal, es wird wohl so sein, wie @Herr Heller in #6. schreibt, dass noch nicht alle Daten vorliegen, zumal der Gesetzgeber ausdrücklich in der Anlage 1 (zu § 34, Höhe der Marktprämie) Punkt 3 (Veröffentlichung der Berechnung) 10 Kalendertage Zeit gibt, diese zu veröffentlichen, wobei dies auch später erfolgen kann, sofern die Daten bis dahin nicht verfügbar sind.

    karl.s

  10. Ich denke, das ist des Rätsels Lösung:

    Der Blick auf die Ausgabepositionen des EEG-Kontos zeigt, dass die bislang in Position 1a ausgewiesenen Prämienzahlungen ab dem 1. August wegfallen. Künftig werden die Prämien in Position 1 gemeinsam mit den fixen Vergütungszahlungen an Anlagenbetreiber, die den Strom nicht über das Marktprämienmodell vermarkten, aufgeführt. Wie ein Übertragungsnetzbetreiber auf EUWID-Anfrage erläuterte, ergibt sich hier im Zuge der Novelle des EEG und der entsprechend angepassten AusglMechV ein Einmaleffekt mit nachhaltiger Wirkung, da sich bei einem Übertragungsnetzbetreiber Auszahlungen in den Folgemonat verschieben. Daraus resultiert für den August ein außerordentlicher Entlastungseffekt.

    Will heißen -- im September (bzw. erst im Oktober) wird eben ein weitaus höherer Betrag fällig…

  11. Sorry, ich muss wohl erst noch lernen, hier zu posten…
    [Ich habe die Formatierung aufgehübscht. Kipp]

  12. Danke, Herr Kohler.

    Damit wäre das geklärt. Wir sollten beobachten, ob es auch tatsächlich so kommt -- im laufenden September dann.

    Aus Ihrem Link leite ich zwei Dinge ab:

    1. Die Unfähigkeit unserer Leidmedien (absichtlicher Tipfehler), vernünftig zu recherchieren.
    2. Der Überschuss auf dem EEG-Konto wird zum Jahresende nicht 1,5 Milliarden, sondern höchstens 500 Millionen betragen.

    Ich bin jetzt gespannt, ob eine Antwort der Netzbetreiber an Rudolf diese Information bestätigt.

  13. Wenn die Abrechnung einen Monat verschoben wird, so wird das jetzt immer so sein. Vermute ich mal. Die Zahlen vom August werden im September verbucht, die vom September im Oktober usw.. Bei der kalkulatorischen Auswertung muss man das dann wieder korrigieren. Das heißt, fürs Saldo 2014 braucht man dann die Zahlen vom Januar 15, die allerdings erst im Februar 15 vorliegen.

    Mal schauen ob die Leidmedien bis dahin raffen wie was verbucht wird.

  14. Vielen Dank für den Hinweis Herr Kohler,

    Aus der Abschätzung der Produktionszahlen EE-Strom und einem Vergleich mit ähnlichen Monaten (etwa April 2014) würde ich abschätzen, dass im August gut 700 Mio. Euro zu wenig in den Ausgaben stehen. Wir wären demnach bei einem Kontostand von 800 Mio. Euro. Wenn es kein besonders sonniger und windiger Herbst wird, sollten wir also mit einem ganz guten Plus das Jahr abschließen, wodurch eine Nullrunde bei der EEG-Umlage angebracht wäre.

    Meine Prognose (gefühlt): Man wird dieses Jahr eine leichte Kürzung der Umlage vornehmen. Unser Wirtschaftsminister hätte dadurch einen „Quick-Win“ bei der EEG-Reform. Wenn der Zubau wie im EEG geplant weitergeht, haben wir dann die nächste Anhebung der Umlage 2016. Und die könnte, wenn das nächste Jahr wieder bessere Wetterbedingungen für EE-Strom bietet, wieder größer ausfallen.

  15. Es wurden ja noch weitere Umlagen erfunden. http://www.swu.de/privatkunden/energie-wasser/strom/gesetzliche-umlagen-und-abgaben.html

    KWK-Zuschlag
    Umlage nach §19 StromNEV
    Offshore-Haftungsumlage
    Neue Umlage für abschaltbare Lasten

    Darüber hinaus wird man die Kosten für den Netzausbau in den normalen Preisen zuordnen.

    Was also sollte be so viel Gestaltungsspielraum netto für den Verbraucher in Summe zu erwarten sein? Ich meine: Nichts Gutes. Mit Kosmetik wird man sich besser darstellen wollen. Niicht mehr. Die Kosten für den Verbraucher werden zwangsläufig steigen, wenn man wirtschaftlich unsinnige Maßnahmen beschließt.

  16. KWK-Zuschlag
    Umlage nach §19 StromNEV
    Offshore-Haftungsumlage
    Neue Umlage für abschaltbare Lasten

    Das Ganze könnte man unter dem Begriff „Inkompetenzumlage“ konsolidieren…

  17. Da ist nichts mehr zu konsolidieren. Am besten kappen wir die Leitungen.

  18. @10 & ff: Merkwürdig finde ich aber, dass in den Monaten August bis Dezember Striche eingetragen sind in Zeile 1a. Wenn die Zahlungen nur um einen Monat verschoben sind, müssten doch eigentlich Nullen eingetragen sein für die noch nicht bekannten Daten, wie in anderen Zeilen auch. Es bleibt spannend.

  19. Ein scheint, wenn man sich die Entwicklung des EEG-Kontos anschaut, klar zu sein. Und zwar unabhängig von den vorläufig fehlerhaften August-Daten. Die Erhöhung für 2014 scheint zu hoch angesetzt gewesen zu sein.

    Das EEG-Konto hatte im Jahr 2013, bei einer Umlage von 5,277 Cent/kWh ein Plus von 2,45 Mrd. Euro gemacht. Wobei 2013 ein besonders schlechtes EE-Jahr war, sowohl bei Wind als auch bei Sonne.

    Das Wetter in 2014 ist auch ein Grund, weshalb die EEG-Umlage zu hoch angesetzt wurde. Ein weiterer ist der prognostizierte Zubau an Wind und PV. In der Prognose wird von folgenden Zubau-Zahlen ausgegangen (in MW)
    Wind Onshore: 2471
    Winnd Offshore: 2007
    Photovoltaik: 3958

    Beim Onshore-Wind liegt die Prognose nicht so falsch. Hier sind bislang 1314 MW in diesem Jahr neu ans Netz gegangen. Wenn man die entwicklung linear weiterschreibt kämen wir auf gut 2000 MW neu installierter Leistung.

    Beim Offshore-Wind sieht es anders aus. Ans Netz gegangen sind in diesem Jahr bisher 108 MW. 1750 MW sind für 2014 noch geplant, wobei offen ist, ob diese in diesem Jahr noch ans Netz gehen.

    An Photovoltaik sind 2014 bislang 1300 MW neu gebaut worden. Hier würde, wenn sich nichts grundlegendes ändert, mit 2000 MW in 2014 die Prognose nur zur Hälfte erfüllt.

    In Summe: Wenig Wind und Sonne in 2014, sowie überschätzter Zubau bei Offshore-Wind und PV haben dafür gesorgt, dass die EEG-Umlage in diesem Jahr zu hoch angesetzt wurde.

  20. # 18 Rolf Pietzsch
    aus #10:

    die bislang in Position 1a ausgewiesenen Prämienzahlungen ab dem 1. August wegfallen. Künftig werden die Prämien in Position 1 gemeinsam mit den fixen Vergütungszahlungen an Anlagenbetreiber, die den Strom nicht über das Marktprämienmodell vermarkten, aufgeführt.

  21. Danke Herr Kipp, jetzt hat der Groschen geklappert. Ich hab noch folgendes gefunden:
    Für erneuerbare Bestandsanlagen besteht weiterhin die Wahlmöglichkeit, entweder die Einspeisevergütung oder die geförderte Direktvermarktung (derzeit noch Marktprämienmodell) zu nutzen. Bedingung für die geförderte Direktvermarktung ist jedoch, dass die Bestandsanlage spätestens ab dem 01.01.2015 fernsteuerbar ist (Gesetzesentwurf §96 Abs. 1 Nr. 5).
    Wird der erzeugte Strom gemäß der geförderten Direktvermarktung vergütet, soll ab dem 01.08.2014 eine zusätzliche Vergütung* (anstelle der derzeitigen Managementprämie) gezahlt werden:
    -- Fluktuierende Anlagen: 0,6 ct/kWh
    -- Steuerbare Anlagen: 0,25 ct/kWh
    Für ab dem 01.01.2015 erzeugten Strom erhalten Anlagenbetreiber eine zusätzliche Vergütung* in folgender Höhe:
    -- Fluktuierende Anlagen: 0,4 ct/kWh
    -- Steuerbare Anlagen: 0,2 ct/kWh
    * Die zusätzliche Vergütung ist seitens des Gesetzgebers für die Kosten der Vermarktung vorgesehen. Daher findet eine Aufteilung zwischen Anlagenbetreiber und Direktvermarkter statt.
    Die Prämie wurde umbenannt und in einer anderen Zeile versteckt ausgewiesen.

  22. Lieber Herr Kipp,
    ich finde, dass Ihr Beitrag zur wichtigen Aufklärung bzgl. der Entwicklung der EEG-Umlage beiträgt. Der Einmaleffekt durch die Nichtberücksichtigung der Ausgaben für die Marktprämie im August wurde in den Medien meines Wissens leider nicht als Grund für den hohen Überschuss genannt. Zudem wurde gemutmaßt, dass die EEG-Umlage zum Jahreswechsel um 0,2-0,3 ct sinkt und dies zu einer Senkung des Strompreises beiträgt. Dies ist zweifellos richtig, jedoch wird -- wie schon in einem vorherigen Kommentar angemerkt -- die Entwicklung der anderen Abgaben und Umlagen auf den Strompreis nicht berücksichtigt. Entscheidend ist m.E. die Entwicklung der Offshore-Haftungsumlage. Nach den zahlreichen Berichten über Anschlussprobleme der Offshore-Windparks wäre keine Erhöhung eine Überraschung.
    Da ich das Thema zwecks Aufklärung für sehr relevant halte, rege ich an, Ihren Beitrag um diese beiden Punkte zu erweitern und eine aktualisierte zu publizieren. Andernfalls gehen die hier lediglich in den Kommentaren zu findenden Infos unter.
    Beste Grüße und machen Sie weiter so!

  23. Mir scheint die Angelegenheit nicht sonderlich aufregend oder komplex, ich versuche den Einfachsttrivialansatz:

    Weil wir eine tolle Stromwende brauchen, wurde in der BRD ein spektakuläres Programm zur Erzeugung von Flatterstrom entwickelt. Um eine entsprechende Investitionsbereitschaft anzustoßen, gibt es dafür festgelegte Vergütungen – in beliebiger Höhe, soll ja Spaß machen und zahlen müssen ohnehin jene, die man vorher nie fragt – sogar FDP-Wähler.

    Also wurde ein EEG-Umlagekonto eingerichtet…wie bei der Bank. Da gibt es eine Einnahmen-(+) und eine Ausgabenseite(-), die im wesentlichen bestehen aus ‚Erlös durch den Verkauf des Zappelstroms an der Börse’ sowie ‚EEG-Umlage’ zum einen(+) als auch ‚Direkte Vergütungszahlungen an die Zappelanlagenbetreiber’ und ‚Zahlungen an die Zappelanlagenbetreiber im Rahmen des Marktprämienmodells’ zum anderen(-). (Selbstverständlich ist die Ausgabenseite in Zukunft noch beliebig erweiterbar.)

    Wir können unschwer feststellen, dass unter diesen derzeit für den Saldo verantwortlichen vier Positionen nur eine überschaubar ist (weil für einen bestimmten Zeitraum festgelegt)…eben die EEG-Umlage. Die anderen drei sind eine interessante Mischung aus Hoffnung, Erwartung, Befürchtung, Propaganda, Inkompetenz, ideologischen Visionen und prognostiziver Kaffeesatzleserei -- daher ist das Handling dieses Kontos nicht wirklich leicht.

    Amüsant sind natürlich die Nebenwirkungen…das Konto steht posiv!! Großartig, Erfolg auf der ganzen Linie! Wir brauchen nicht ‚mal ein Augenzwinkern, um sofort zu sehen, woran das liegt (dabei lassen wir den banalen Augenwischertrick mit der phasenverschobenen Saldierung außen vor):

    Gab es etwa eine Bullenstrombörse? Nee, im Gegenteil…da der Zappelstrom überwiegend zur Unzeit, auf keinen Fall aber verlässlich angeboten wird, muss er mehrheitlich verramscht werden; das macht aber nichts, wofür zahlen wir schließlich die EEG-Umlage, nicht wahr.

    Bleibt die Ausgabenseite, da muss weniger zu Buche stehen – und so ist es auch…es gab weniger Zappelstrom zu bezahlen. Ist das nicht schön – der Strom wird für uns umso billiger, je weniger die Zappelanlagen liefern, mit denen wir für astronomische Summen das ganze Land verschandeln (einschließlich der Hoheitsgewässer).

    Ein geniales Konzept…jedenfalls für unsere Nachbarn und manch anderen.

    Liebe Grüße

  24. Apropos Kosten.

    Das Oberrollkommando der Wendenergetiker (OKW) gibt bekannt:
    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Super-Batterie-geht-in-Schwerin-ans-Netz-article13616081.html

    Der Bau des Großspeichers wurde vom Bundesumewltministerium mit 1,3 Millionen Euro gefördert. Zu den Gesamtkosten machte das Unternehmen keine Angaben. Die Wemag hofft, mit dem Batteriespeicher auf dem sogenannten Regelenergiemarkt Geld zu verdienen -- auf diesem werden Stabilisierungsleistungen an Stromnetzbetreiber verkauft. Die Wemag befindet sich seit Januar 2010 im Mehrheitsbesitz der Kommunen ihres Vorsorgungsgebietes in der Region um Schwerin.

    Jetzt zur Leistung:

    Laut Wemag hat der Mega-Speicher eine Kapazität von fünf Megawattstunden und besteht aus 25.600 langlebigen Lithium-Ionen-Zellen. Diese sind in einem turnhallengroßen Gebäude neben einem Umspannwerk in Schwerin untergebracht.

    Mal überschlagene Speicherkosten für den Ausfall einer Durchschnittskraftwerkleistung (konventionell) / ca 1 gute Woche:

    1000 MW für 200 Stunden (200 GWh) = 400 Turnhallen =10.240000 Li-Zellen = 500 Millionen Förderung + verschwiegene Investitionen…

    Echt „super“ die Lösung.

  25. Es geht ja, lieber 9. Freikörperpilot (hab‘ ich das jetzt richtig auseinanderklambüsert?) in dieser Sache weder um Technik noch Vernunft oder Wirtschaftlichkeit -- sondern darum, die bewährte ‚Balance of Power‘-Strategie ‚mal auf eine andere Art umzusetzen. Wobei die Dinge im Gegensatz zu früher viel einfacher geworden sind -- man ruft nur an, und der Konkurrent zerstört sich selbst.

    Wahlweise lässt man den Konkurrenten sich auch ohne direkten Anruf zerstören -- denn der ist gar nicht mehr immer nötig, weil dieses Programm schon sehr lange seine Helfer hat -- austausch- und erpressbar, sehr leicht zu erkennen für jeden, der einen Kindergarten erfolgreich absolviert hat. Doch geht es ja (der Forenschluss zu oben) am Ende nie um die Sache -- nur darum, darüber geredet zu haben.

    Liebe Grüße

  26. Die EEG-Bilanz für September ist jetzt veröffentlicht(hier). Offenbar werden die Prämien in Position 1 gemeinsam mit den fixen Vergütungszahlungen an Anlagenbetreiber, die den Strom nicht über das Marktprämienmodell vermarkten, aufgeführt, wie in #10 von Herrn Kohler beschrieben. Der Ausgleich für die im August ausgebliebenen Zahlungen ist allerdings in diesem Monat wohl nicht erfolgt.

    Insgesamt hatte der September nur ein leichtes Minus in der Bilanz von 125,4 Mio Euro. Günstig ausgewirkt hat sich dabei, dass die Stromproduktion aus Windkraft und PV in diesem Monat deutlich unterdurchschnittlich waren:

    -- Windkraft: 2.454 GWh (9,6 % der Nennleistung, Mittelwert September 2011-2013: 14,8 %)
    -- PV: 2,885 GWh ((10,4 % der Nennleistung, Mittelwert September 2011-2013: 12,3 %)

    Das EEG-Konto ist somit mit 1,381 Mrd. Euro im Plus. Es sieht also gut aus für Gabriels „Quick-Win“, die EEG-Umlage im nächsten Jahr zu senken. Wobei diese im Jahr darauf, wenn die EE-Ausbauziele erreicht werden und das Jahr wieder günstiger für EE-Produzenten ausfällt, dann umso stärker angehoben werden muss.

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