Minimalinvasiver Bergbau

15. Dezember 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Energieerzeugung, Energiewende, Politik, Unkonventionelles Gas und Öl

ego150Als Fracking-Gegner hätte ich ein Gespenst gesehen. Gemeint ist Dr. Harald Kassner, Chemiker und Öffentlichkeitsarbeiter bei ExxonMobil. Denn eben jener trank für das in der ARD am 2. September 2014 ausgestrahlte Politmagazin „Panorama“ ein Glas Frackflüssigkeit. Und sollte daher doch eigentlich verstorben oder zumindest schwer erkrankt sein. Würde man in den Kreisen der Antifracking-Aktivisten jedenfalls erwarten. Tatsächlich aber erfreut er sich bester Gesundheit. Was neben mir auch alle anderen Teilnehmer der VDI-Fachkonferenz „Hydraulic Fracturing in Erdöl- und Erdgaslagerstätten“ bestätigen können.

Mehr als 80 Experten aus der Wissenschaft und der Erdöl- und Erdgasindustrie trafen sich zu dieser Tagung am 10. und 11. Dezember in Hannover. Eine Rekordzahl für die Reihe der VDI-Fachkonferenzen, wie Konferenzleiter Prof. Dr.-Ing. Mohammed Amro zu Beginn stolz vermelden konnte. Die Vorträge wiesen allesamt rhetorisch und inhaltlich ein hohes Niveau auf. Diskutiert wurde angeregt und ausführlich. Auch ich, der ich erstens dachte, ziemlich gut informiert zu sein und zweitens trotzdem in diesem Umfeld als interessierter Laie zu gelten hatte, konnte folgen und eine Menge Neues erfahren. Genug Stoff für mehrere Artikel liegt jedenfalls vor. In diesem Text aber möchte ich mich auf einen Aspekt konzentrieren, der alle Präsentationen wie ein roter Faden miteinander verband: die aktuelle Fracking-Debatte.

Über dreihundertmal wurde diese Technologie in Deutschland seit 1961 bereits eingesetzt (ohne irgendeinen Schaden zu verursachen), wie Burkhard Grundmeier als Vertreter des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung ausführte, von mehr als 2,5 Millionen Fracks weltweit in Erdgasfeldern seit 1947 sprach Mohammed Amro. Trotzdem vermuten Politiker wie Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hier eine „Hochrisikotechnologie“, die man im Idealdall vollständig verbieten solle. Eine Haltung, die natürlich nicht eigener Erkenntnis entspringt, sondern schlicht als Reaktion auf anhaltende, wütende und erbitterte Proteste einiger Bürgerinitiativen zu werten ist.

VDI1

Denn diese seien letztendlich der Auslöser für das in Deutschland seit 2011 faktisch existierende Moratorium, wie Michael Schütz ausführte, als Referent bei der EU-Kommission unter anderem auch für Hydraulic Fracturing zuständig. Die großen Umweltverbände hätten das Thema anfangs als seit Jahrzehnten eingeführte, gründlich erprobte und etablierte Bergbau-Technologie überhaupt nicht auf ihrer Agenda gehabt. Der Protest der Bürger wäre dem der großen, in Brüssel in die Diskussionen über anstehende Gesetzgebungen eingebundenen Nichtregierungsorganisationen vorausgegangen. Letztere wären eher unvorbereitet und ungeplant auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Die Sicht des europäischen Bürokraten kennt eben keine auf Basis wissenschaftlich/technischer Expertise beantwortbaren Sachfragen. Es gibt nur Aushandlungsprozesse, in denen alle Seiten gehört werden müssen. Nicht was man entscheidet, sondern wie man zu einem Ergebnis gelangt, bestimmt über dessen Güte. Das Problem mit dem Fracking entstand aus seinem Blickwinkel also gerade durch das Versäumnis, nicht schon vor einiger Zeit in einem Top-Down-Prozeß in vorauseilendem Gehorsam die in Brüssel eingehegten Umweltlobbyisten eingefangen zu haben.

Wie mir im Verlauf der Konferenz einmal mehr deutlich wurde, gibt es wohl kein anderes Thema, bei dem sich die Vertreter von Wissenschaft und Technik so einig in ihrer Bewertung sind. Prof. Dr. Hans-Joachim Kümpel, Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zitierte dazu in seinem Vortrag eine gemeinsame Stellungnahme aller staatlichen geologischen Dienste Deutschlands: Der Einsatz der Fracking-Technologie sei aus geowissenschaftlicher Sicht kontrolliert, sicher und umweltverträglich möglich. Er ergänzte, alle diese Fachbehörden der 16 Bundesländer und des Bundes hätten große Schwierigkeiten in der Benennung von Gründen, aus denen man Fracking verbieten oder auch nur auf Tiefen jenseits von 3.000 Metern beschränken könne. Die Vorstellung, es würden Gifte in einen sauberen Untergrund gelangen, wäre schlicht falsch. Tatsächlich, so führte auch der anfangs bereits angesprochene Harald Kassner aus, entgiftet und reinigt das Frackfluid den Untergrund, weil es die hohe Konzentration toxischer Stoffe in den Lagerstätten entsprechend vermindert. Unter diesem Aspekt wäre auch der Flowback zu betrachten. Der ein Gemisch aus der Frackflüssigkeit und dem Lagerstättenwasser ist. Wobei letzteres in vielen Lagerstätten überhaupt nicht vorkommt. Man kann diesen Flowback problemlos wieder in den Untergrund zurückleiten. Oder ihn auch reinigen und aufbereiten. Die hierfür zur Verfügung stehende Technologie präsentierte ausführlich Heinz Loidl von Halliburton. Gefragt nach dem größten anzunehmenden Unfall (GAU), der bei einer mit Fracking verbundenen Bohrung geschehen könnte, beschrieb Kassner folgerichtig das Umkippen eines Behälters voller Dieselkraftstoff, der zum Betrieb der Pumpen eingesetzt wird. Kümpel schloß mit den Worten, Fracking als Risikotechnologie zu bezeichnen, sei wissenschaftlich nicht haltbar. Eine geologische Kontamination wäre unmöglich und eine technische Kontamination vermeidbar. Gefragt nach den etwas anders lautenden Aussagen der Kollegen des Umweltbundesamtes (UBA), auf die sich ja auch die Umweltministerin stützt, entgegnete er süffisant, man könne fast sicher sein, das UBA hätte schon einmal sehr gute Arbeit geleistet. In ferner Vergangenheit. Es gäbe eben einen Unterschied zwischen dem politisierten UBA und der Fachbehörde BGR.

Was also steckt hinter den Bürgerprotesten, wenn es wissenschaftliche Bedenken nicht sein können? Auch hier war man sich einig: Gasland. Dieser Dokumentarfilm wurde in fast allen Vorträgen angesprochen. Es sei eben das gefälschte Bild des brennenden Wasserhahns, das in den Köpfen der Menschen jene Phantasien induziere, denen man nun nicht mehr Herr werden könne. Kassner konnte aber auch Positives vermelden: Der Sender ARTE hätte sich nun entschlossen, Gasland aus dem Programm zu nehmen. Der dort bereits zweimal gesendete Film wird aufgrund seiner zahlreichen Mängel kein drittes Mal ausgestrahlt. Sich nun aber beim Publikum zu entschuldigen und alle falschen Behauptungen mit einer eigenen Dokumentation richtigzustellen, dazu hat man sich noch nicht durchgerungen. Aber die zu Beginn angesprochene Panorama-Sendung ist ja schon mal ein erster Lichtblick.

Aus meiner Sicht jedoch stellt die Reaktion auf den brennenden Wasserhahn nur ein Symptom der Problematik und nicht deren Ursache dar. Die Ablehnung von Fracking speist sich aus anderen Quellen, die keiner der Vortragenden thematisiert hat. Zu einem großen Teil liegt die Schuld bei der Industrie selbst.

Man hat es nämlich unterlassen, der grünen Gentechnik beizustehen, als diese durch ebenso unbegründete Kampagnen in Deutschland und Europa in Verruf gebracht wurde. Was sollten auch ExxonMobil, Wintershall, Halliburton, RWE Dea, das BGR, das Geoforschungszentrum Potsdam und all die vielen bergbautechnischen Institute an unseren Hochschulen dazu sagen? Ist schließlich nicht deren Branche, könnte man meinen. Man hat es unterlassen, für die Kerntechnik einzustehen, als diese in Deutschland vernichtet wurde. Warum auch? Weniger Kernenergie vergrößert schließlich den Markt für fossile Kohlenwasserstoffe, könnte man meinen. Tatsächlich aber sind es dieselben Leute, die erst gegen die Gen- und die Kerntechnik und nun gegen Fracking zu Felde ziehen. Menschen, die voller Furcht auf die Zukunft blicken, weil sie denken, mehr verlieren als gewinnen zu können. Angst erzeugt, was man nicht versteht. So wenig die Ablehnung gentechnisch optimierter Organismen oder der Kernenergie auf Sachargumenten basiert, so wenig gilt dies auch für das Fracking. Gasland hat nichts weiter bewirkt, als die nach dem Ende von Gen- und Kerntechnik orientierungslose Aversion gegen Innovationen und technischen Fortschritt auf ein neues Ziel zu lenken. Nicht allein die erdgas- und erdölfördernden Unternehmen, sondern die Industrie insgesamt hat tatenlos zugesehen, wie Technophobie immer weiter um sich greift, immer wirkmächtiger und erfolgreicher wird. Da darf man sich nicht wundern, wenn es irgendwann die eigene Branche trifft.

Eine Ausdrucksform dieser emotional verursachten Strömung ist der sogenannte Klimaschutz. Michael Schütz führte entsprechend aus, die Erdöl- und Erdgasförderung könne in Zukunft nur Akzeptanz erlangen, wenn sie sich der europäischen Klimaschutzpolitik unterordne, sich gar als Teil einer solchen verstehe. In diesem Zusammenhang müsse beispielsweise die Nachfrage nach fossilen Energieträgern reduziert werden. Wie das geschehen soll, ließ er offen. Ob eine Gesellschaft wünschenswert ist, in der die Nachfrage nach Gütern administrativ gesteuert wird, wurde nicht weiter thematisiert. Im Gegenteil: Diesen frontalen Angriff auf ihr Geschäftsmodell nahmen die anwesenden Industrievertreter gleichmütig, ja fast verständnisvoll hin.

Wann wacht man endlich auf und erkennt beispielsweise die wirkliche Zielstellung der Energiewende, der zentralen Maßnahme deutscher Klimapolitik? Einmal mehr stellte Kassner die Energieszenarien vor, an denen sich ExxonMobil orientiert. Zwar erwartet man eine Reduzierung des Primärenergieumsatzes in Deutschland um etwa 30% bis zum Jahr 2040. Die relative Bedeutung und gar der absolute Bedarf an Erdgas soll aber steigen. Dieses Zukunftsbild unterscheidet sich diametral von den Vorstellungen der Bundesregierung, wie die folgende Abbildung verdeutlicht.

VDI2

Die Politik will eine Reduzierung des Primärenergiebedarfes um 45% bis 2040 und gar um 50% bis 2050. Die fossilen Kohlenwasserstoffe sollen bis dahin in den Hintergrund treten. Das Marktvolumen für Erdöl und Erdgas wird nur mehr die Hälfte dessen betragen, was ExxonMobil sich vorstellt. Die Energiewende vernichtet nicht nur vorhandene Werte und Zukunftsperspektiven der großen Stromversorger, sie wird bei erfolgreicher Umsetzung auch die Erdöl- und Erdgasindustrie stark treffen. Man scheint dies noch immer nicht verstanden zu haben. Denn andernfalls würde man die Energiewende bekämpfen, statt sich wie ExxonMobil-Vorstandschef Gernot Kalkoffen öffentlich zu ihr zu bekennen.

Kritik an der Politik äußerte immerhin Wintershall Vizepräsident Joachim Pünnel. Von wenig erbaulichen Gesprächen („Kindergarten“) mit Nordrhein-Westfalens grünem Umweltminister Johannes Remmel war die Rede. Lob hingegen für die Landesregierung Niedersachsens, die einen viel pragmatischeren Ansatz pflege. Immerhin seien ja auch die Einnahmen aus der Förderabgabe in diesem Bundesland jährlich dreimal höher als die Steuerlast des VW-Konzerns. Trotzdem käme das gegenwärtig verhängte Moratorium faktisch einem Verbot gleich.

Ohne jede gesetzliche Grundlage, wie Prof. Dr. Walter Frenz, Jurist mit dem Fachgebiet Bergrecht, in seinen Ausführungen verdeutlichte. Tatsächlich ist Fracking nach der gegenwärtigen Rechtslage zulässig. Es besteht sogar ein Recht auf Genehmigung, wenn der Antrag den Vorgaben entsprechend eingereicht wird. Solange es kein neues Gesetz gibt, könnte die Industrie Frackmaßnahmen erzwingen. Nur verzichtet man freiwillig darauf.

Man will es sich ja mit der Politik nicht verscherzen. Mit eben jener Politik, die „das fossilatomare Zeitalter“ beenden, in Erdgas auch nur einen „Klimakiller“ sieht und die die Bürgerproteste nicht nur zur Wählermobilisierung aufgreift, sondern auch noch selber schürt. Den derzeitigen Diskussionsstand bei der Bundesregierung stellte Frenz ebenfalls dar:

VDI3

Dies ist eine deutliche Einschränkung der gegenwärtigen Möglichkeiten und die heimischen Schiefergasvorräte sollen auch weiterhin nicht angetastet werden.

Was kann, was sollte man da machen? Neben der Problembeschreibung war das Suchen nach einer Lösung ein großes Thema. Viel war von Transparenz und Aufklärung die Rede, von neuen Verfahren und ungiftigen Fracfluiden und von Veranstaltungsformaten, um die Öffentlichkeit effektiver aufzuklären.

Alles Mumpitz aus meiner Sicht. Damit erreicht man doch nur, Leute wie mich in ihrer Haltung zu bestätigen, die Erdöl- und Erdgasförderung in Deutschland müsse deutlich ausgeweitet werden. Die ideologisch motivierten Wortführer der gegnerischen Seite in der Politik, den Medien und der breiten Öffentlichkeit werden sich davon nicht beeindrucken, geschweige denn überzeugen lassen. Für irgendeine sachliche Debatte ist es längst zu spät. Es hilft nur noch klare Kante. Tatsachen schaffen. Man stelle also die Anträge und überziehe die Landesregierungen mit Klagen, falls diese nicht bearbeitet werden. Drill Baby, drill! Man kündige die Unterstützung der Energiewende auf und mache immer und überall deutlich, welchen Irrweg die Bundesregierung dort beschreitet und welch bessere Zukunft stattdessen möglich wäre. Man trinke Fracfluide öffentlich, ja man sollte sie an die Bevölkerung verteilen, damit jeder mal probieren kann.

Der Aufbau des UMTS-Netzes in Deutschland rief eine ganz ähnliche Debatte hervor. Viele Menschen glaubten, Mobilfunkmasten würden sie krank machen, ohne dafür Belege oder zumindest eine technisch fundierte Argumentation anführen zu können. Als nach der Aufstellung von Transmittern Anwohner über Kopfschmerzen und Übelkeit zu klagen begannen, bevor diese überhaupt eingeschaltet waren, endete der Spuk schnell. Heute ist „ich habe kein Netz“ durchaus kein Ausruf der Freude über verminderte Gesundheitsgefahren mehr.

Die neuartigen Fracfluide trinken, um deren Gesundheitsverträglichkeit zu belegen, könnte eine vergleichbar wirkungsvolle Maßnahme sein. Kassner ist für seinen Fernsehauftritt von der Fachwelt stark kritisiert worden. Man dürfe doch als Chemiker keine Reagenzien zu sich nehmen. Er sagte auf der Konferenz, er würde es daher auch nicht wieder tun. Auch Mohammed Amro möchte nicht trinken. Ein Fehler. BGR-Präsident Kümpel zeigte die Resultate einer Umfrage, nach der 95% aller Deutschen die „Verschmutzung des Grundwassers“ als größte Gefahr des Frackings ansehen. Dagegen gilt es anzugehen. Indem man plastisch zeigt, daß nicht vergiften kann, was nicht giftig ist. Drink Baby, drink. Dies trifft die Meinungsführer in den Medien, den Umweltverbänden und in den Umweltministerien und -behörden ins Mark. Denn es erschüttert ihre Glaubwürdigkeit. Und es öffnet einen Weg zu den besorgten Mitbürgern, die Gasland und ähnlicher Propaganda noch vertrauen. Man muß die Menschen ja erst dazu bringen, zuhören zu wollen, bevor man die Vorteile seines Produktes herausstellen kann.

Von einigen wenigen (aber lautstarken) Ökologisten abgesehen ist sich die übergroße Mehrheit der Bevölkerung sehr wohl der hohen Bedeutung des Bergbaus bewußt. Das gilt eben nicht nur für Erze und Mineralien, sondern auch für Energierohstoffe. Wenn man sich anschaut, wie intensiv der Untergrund bearbeitet wird, um Steinkohle zu gewinnen und wenn man sich den Flächenverbrauch des Braunkohletagebaus anschaut, dann wird klar, wie hoch die Akzeptanz für Tätigkeiten sein kann, die Werte und Wohlstand schaffen. Um Fracking richtig einzuordnen, hilft vielleicht ein Vergleich mit der Chirurgie. Wo früher das Skalpell die Bauchhöhle komplett aufschneiden mußte, genügt heute eine kleine Öffnung, durch die Sonden und Instrumente eingeführt werden. Fracking ist eben nicht damit verbunden, einen industriellen Komplex über und unter Tage zu errichten. Es genügt ein kleines Loch von 40 Zentimetern Durchmesser, das sich in der Tiefe auf 20 Zentimeter verjüngt. Ein Bohrplatz weist lediglich die Dimensionen eines Fußballfeldes auf und mit modernen Methoden kann ein Gasfeld über Bohrungen im Abstand von fünf Kilometern vollständig erschlossen werden. Das folgende, der Präsentation von Harald Kassner entnommene Foto verdeutlicht die Auswirkungen auf das Landschaftsbild.

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Wären sie nicht markiert, könnte man die Bohrstellen kaum erkennen. Die Windräder hingegen dominieren, obwohl sie nur einen Bruchteil der aus den Bohrlöchern strömenden Energie liefern. Rechnerisch versorgt gefracktes Gas heute bereits zwei Millionen Haushalte in Deutschland, zeigte Kassner auf. Sein Anteil am Primärenergieumsatz sei damit höher, als der der hochsubventionierten Photovoltaik.

Metaphorisch könnte man vom Bergbau mit der feinen Klinge sprechen, statt von dem mit dem groben Hammer, von moderner Chirurgie statt konventioneller Metzgerei. Fracking ist die minimalinvasive Erschließung von Bodenschätzen und gerade deswegen wirtschaftlicher und umweltfreundlicher als alle anderen Konzepte. Eine Innovation, die bereits heute die Welt verändert. Eine Zukunftstechnologie, für die die Industrie ohne schlechtes Gewissen, ohne Selbstzweifel und ohne Kompromisse streiten kann. Ob die Konferenz in Hannover Wirkung über den Tag hinaus zeigen kann und ob sie einen Schritt in die richtige Richtung bedeutet, wird sich erst noch zeigen. Möglich ist es auf jeden Fall.

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15 Kommentare
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  1. Ich konnte es mir nicht verkneifen, Gabor Paal auf diesen Artikel aufmerksam zu machen.

    Peter, Du sagst:

    Die Ablehnung von Fracking speist sich aus anderen Quellen, die keiner der Vortragenden thematisiert hat. Zu einem großen Teil liegt die Schuld bei der Industrie selbst.

    Günter würde jetzt vielleicht einwenden, dass die Industrie nicht noch mal die gleichen Fehler machen wollte, der ihr bei der Ausbau der Kernkraft passiert ist. Damals hatte diese wohl genau diese ‚klare Kante‘ gezeigt, Tatsachen schaffen wollen (Obwohl ich mir nicht ganz sicher bin, ob es nicht vielleicht viel mehr ein Versagen der Politik damals war, als der der Industrie).

    Noch mal ein Vielleicht: Könnte es sein, dass diejenigen in der Politik, die heute so vehement für die Energiewende und den Klimaschutz kämpfen, genau den gleichen Fehler machen, der damals der Politik bei der Ausbau der Kernkraft unterlief? Dass Bedenken und Ängste nicht wahr genommen wurden, oder diese diffamiert wurden. Dass die Energiewende zur Mehrung des Wohlstandes beiträgt, glauben ja immer weniger Menschen, deren Stimmen werden aber nicht gehört, wie sich ja auch an den Äußerungen der Industrievertreter bei der geschilderten Konferenz zeigt, in dem sie die Energiewende selbst nicht in Frage stellen (wenn ich das richtig verstanden habe).

  2. @Peter

    Viel war von Transparenz und Aufklärung die Rede, von neuen Verfahren und ungiftigen Fracfluiden und von Veranstaltungsformaten, um die Öffentlichkeit effektiver aufzuklären.

    In Deutschland hat sich eine Medienkultur entwickelt in der unreflektiertes Industriebashing zum guten Ton gehört. Das falsche Propagandabild der ausbeutenden Industrie ist fest verankert.
    Insofern hast Du Recht, Aufklärung alleine reicht da nicht, denn die kommt nicht an. Was ankommt sind Filme wie Gasland. Zur Zeit werden Beiträge mit Klimapolitik unreflektiert mit normalen Sturmbildern oder trockenen Feldern eingeblendet. Das bedeutet, dass die Medien Bilder in den Köpfen erzeugen die mit Aufklärung nichts zu tun haben. Wenn die Industrie was tun will, muss sie in den Medien aktiv werden und ihre eigenen positiven Bilder bringen.

    Grüße
    Günter

  3. @Quentin

    Damals gab es zwei Dinge. Kein Vertrauen in den Staat und eine Industrie die von oben herab mit der Politik im Rücken plump agierte.
    Heute gibt es eine Politik die im Grunde die Bürger bevormundet in vielen Dingen und zwei Lager in der Industrie aus der Sicht der Politik die Guten der NIE und die Bösen.

    Die Industrie hat aber ihre Hausaufgaben gemacht und könnte die Bevölkerung erreichen. Meines Erachtens sind die Gewerkschaften die Verbündeten mit denen man ins Einvernehmen kommen muss.

  4. @PH
    wie immer schön geschrieben 🙂

    bin auf die anderen artikel gespannt…

  5. Zu unserer „Weihnachtsfeier“ hatten wir den ehemaligen Projektleiter der Rosetta-Mission eingeladen, und er erzählte uns von dieser tollen Kometenmission, wo Deutschland einen ganz wesentlichen Beitrag geleistet hat.

    Im Anschluß kam es zu genau derselben Diskussion, warum solche enormen Leistungen, die eigentlich die Menschen in Begeisterung versetzen müßten, an der Presse quasi unbemerkt vorübergehen, und warum dies z.B. in den USA völlig anders ist, wo die NASA wirklich gute Öffentlichkeitsarbeit macht.

    Hierzulande dürfte es stark an der Industrie und den Leitungen der Firmen selber liegen, daß diese das Ganze viel zu sehr aus dem Blickwinkel des Kommerz sehen, ihre eigenen wahren Leistungen nicht mehr beurteilen können, und daher PR-mäßig viel zu wenig und auch noch das falsche tun. Sie müßten den Mut haben, den Menschen ihre wirklichen Erfolge nahezubringen; in Eigeninitiative, denn auf die Presse können sie sich nicht mehr verlassen. Und sie dürfen sich nicht auf die modische Rille „Technik ist bäh“ einlassen, die seit Jahrzehnten in diesem Lande in der Öffentlichkeit immer mehr um sich greift. Damit schaufelt sich die Industrie langfristig ihr eigenes Grab -- und wir werden zur Bananenrepublik.

    Ansonsten sehe ich nur noch Blogs wie diesen hier, die Aufklärungsarbeit leisten müssen -- und das hoffentlich immer mit Objektivität.

    MfG

    G.Wedekind

  6. Wir lieben das Bild der Titanic,
    Millionen mögen wohl die Panik.
    Die Angst uns mehr und mehr verzehrt,
    doch jeder Wohlstand so begehrt.
    Was unten liegt, also wohl zugrunde,
    darüber lieben sie nicht uns’re Kunde.
    Nur 120 von so 80 Millionen,
    im Vereinsheim Naeb wohnen.
    Wir marschieren Seit an Seit, die Reihen dicht geschlossen,
    mit Millionen dummer Volksgenossen.
    Halt, da vorne sehe ich ’ne tiefe Rille,
    Alle springen rein, es ist doch Volkes Wille.

  7. Hallo Herr Heller,

    seit längerer Zeit schon lese ich mit Begeisterung Ihren Blog.
    Hier noch eine Anmerkung zu Ihrem Artikel:
    Zitat: „Diesen frontalen Angriff auf ihr Geschäftsmodell nahmen die anwesenden Industrievertreter gleichmütig, ja fast verständnisvoll hin.“
    Ich denke, dass die großen internationalen Konzerne ganz genau wissen, dass sie gegen die deutsche Angst nichts ausrichten können. Damit haben sie sich abgefunden und machen ihr Business soweit, wie es eben noch geht. Der Markt für fossile Energieträger ist ja weltweit und wenn Deutschland reduziert, macht dies in der Bilanz dieser Unternehmen sicher nicht viel aus. Und die Fracking- und sonstige Modernisierungsgegner sind, was ihr Marketing angeht, bestens aufgestellt…

    Mit freundlichem Gruß
    Stefan Schütz

  8. @ Wedekind, #5:

    Ich würde die Vorträge von Kassner, Kümpel, Grundmeier und Pünnel schon als gelungene Öffentlichkeitsarbeit bezeichnen. Sie strahlten Kompetenz, Klarheit und Seriösität aus und stellten die Fakten sehr verständlich und nachvollziehbar dar. Die Frage ist eben nur, wie man besorgte Bürger, die sich von den Anti-Frackingaktivisten haben einfangen lassen, dazu bekommt, sich solche Vorträge auch einmal anzuhören. Hierfür fehlt die Lösung. Die Öffentlichkeitsarbeit der Branche ist ansonsten so schlecht nicht. ExxonMobil bspw. war auf dem Tag der Deutschen Einheit mit einem Infomobil vertreten und fand regen Zuspruch. Von Demonstranten keine Spur…

    Ansonsten sehe ich nur noch Blogs wie diesen hier, die Aufklärungsarbeit leisten müssen — und das hoffentlich immer mit Objektivität.

    Das Problem der Medien ist, daß zu viele Journalisten den Grundsatz nicht beachten, sich niemals mit einer Sache gemein zu machen. Stattdessen nutzen sie ihre Möglichkeiten, bestimmte politische Ideologien zu propagieren -- und das eben nicht nur in Kommentaren, sondern immer auch in der normalen Berichterstattung. Man findet kaum noch einen Artikel zu strittigen Themen, aus dem die Haltung des Journalisten nicht klar hervorginge. Das nervt. Und das ist ein Problem, weil immer noch zu viele Menschen damit nicht kritisch und distanziert genug umgehen.

    Ich hingegen bin kein Journalist. Und daher auch diesem Berufsethos nicht verpflichtet. Dies ist ja auch kein Nachrichtenportal hier, sondern eine Plattform für Hintergründe und andere Blickwinkel. Keiner meiner Artikel ist neutral oder objektiv. Auch oben vermische ich absichtlich Berichterstattung und Kommentierung. Objektivität können Sie von mir daher nicht erwarten. Ich vertrete eine vollkommen subjektive Haltung.

    @ Schütz, #7:

    Damit haben sie sich abgefunden und machen ihr Business soweit, wie es eben noch geht. Der Markt für fossile Energieträger ist ja weltweit und wenn Deutschland reduziert, macht dies in der Bilanz dieser Unternehmen sicher nicht viel aus.

    Das klang auf der Konferenz allerdings anders.

  9. Ein sehr richtiger und gut geschriebener Artikel, lieber Herr Heller. Gut auch, dass Sie „klare Kante“ zeigen.
    Er deckt sich voll mit den Ausführungen von Dr. Wrede, Referatsleiter beim Geologischen Dienst NRW anlässlich unser 8. IKEK in Frankfurt/Main am 16.10.14. An den Fakten gibt es nichts zu deuteln.
    Unser Fracking Experte Prof. Karl Ewert, der diese Methode -- wenn auch umgekehrt- seit Jahrzehnten zur Stabilsierung von Talsperren-Untergründen einsetzt und dafür hoch dekoriert wurde, nennt Fracking die schonendste Bergwerkstechnik überhaupt.
    Bleibt die Frage, warum die betroffenen Wissenschaftler und Firmen samt ihrer Verbände und trotz ihrer gewaltigen Kompetenz, MIttel und auch Macht medial zu wirken, sich immer wieder den Rattenfängern und Angstmachern der Grünen aller Medien und Parteien unterwerfen, statt sich öffentlich wirksam und dauerhaft auf breiter Front gegen diese Desinformation zu wehren? Sicher hat das viel mit den Erfahrungen bez. der Brent Spar zu tun, aber das ist fast zwanzig Jahre her. Es wird zwar höchste Zeit, dass sich das ändert, aber Anzeichen dafür sehe ich leider noch nicht.

    mfG
    Michael Limburg

    PS Ich gehe davon aus, dass wir ggf. übernehmen dürfen.

  10. @Quentin Quencher #1
    Der Unterschied zwischen der Kernkraft und des sog. Erneuerbaren Energien liegt in der wirtschaftlichen Vernunft und den technischen Verstand.
    Die Kernkraft war und ist wirtschaftlich und für technisch gesehen die Nummer eins in der der Zukunft der Energiebranche. Forschungs- und Entwicklungsgelder sind geflossen und das war es auch schon. Die Kernkraft hat sich am Markt im Wettbewerb mit Kohle und Gas hervorragend bewährt. Und wären die immer absurderen Auflagen dieser grünsozialistischen Anti-Kernkraft Lobby in Deutschland nicht, dann wäre die Kernkraft unschlagbar die Nummer eins als Energielieferant. Auch noch vor dem Hintergrund der 4 Generation der Kernkraftwerkstypen.

    Im Gegensatz dazu können die sog. Erneuerbaren Energien ohne das EEG Subventions-Abgabengesetz nicht am Markt existieren oder die Strompreise werden soweit von der Politik mit Gesetzen und Verordnungen für die fossilen Energieträger in die Höhe getrieben, dass diese den Einspeisvergütungen der EE nahe kommen. Aber dann gibt es immer noch das Problem der unzuverlässigen Natur von Wind und Sonne.

    Zusammenfassend lässt sich sagen…
    Die Kernenergie ist zum Wohl des Menschen/ moderne industriebasierende Gesellschaft entwickelt worden und die sog. Erneuerbaren Energien dient nur einen…den Vernichtern der industriebasierenden Wohlstandsgesellschaft und den Abzockern an der Gesellschaft. Ein Mehrwert ist mit dem EEG nicht zu erreichen…Im Gegenteil!

  11. @ Limburg:

    PS Ich gehe davon aus, dass wir ggf. übernehmen dürfen.

    Aber sicher. Würde mich freuen.

  12. @ Hofmann, #10:

    Nun gut, aber das ist ja keine Antwort auf Quentins Anmerkung.

    Ich hatte dazu aber schon einmal etwas geschrieben: http://www.science-skeptical.de/energieerzeugung/kerntechnik-in-deutschland-das-versagen-einer-lobby/0010576/

  13. Peter Heller #8:

    Sehr geehrter Herr Heller:

    Keiner meiner Artikel ist neutral oder objektiv. Auch oben vermische ich absichtlich Berichterstattung und Kommentierung. Objektivität können Sie von mir daher nicht erwarten. Ich vertrete eine vollkommen subjektive Haltung.

    Sicher vertreten Sie eine Meinung, genau wie ich auch. Wichtig ist nur, daß die Zahlen stimmen und belastbar sind … und daß man, wenn jemand nachweist, daß man falsch liegt, auch den Mut hat, seine Meinung zu korrigieren: Das verstehe ich unter Objektivität.

    Wie Konrad Lorenz so schön gesagt hat: „Jeden Morgen eine Lieblingshypothese einstampfen: Das hält jung!“

    MfG

    G.Wedekind

  14. glück Auf
    Ein fachlich exelenter Artikel , habe ich eigentlich
    Auch nicht anders erwartet ,

  15. Es ist eine Frage der Strategie. Es erscheint wenig sinnvoll, sich einer rollenden Bewegung, die eher einer Stampede gleicht, entgegen zu stellen.

    Andere Strategientwürfe nach der Metapher des Wellenreiters oder des Aikido sind auch nicht unbedingt Erfolg versprechend.

    Ein Schritt vorher muss die Analyse kommen: Manche vertrauen auf die Vernunft der Massen, beschönigend Schwarmintelligenz genannt. Ich denke da eher an Lemminge. Vernunft kommt bei der breiten Bevölkerung nur in ihrem Zerrbild an:

    1. Zuerst ist die Idee, die auf einem Sentiment beruht.
    2. Man sucht sich Rationalisierungen für sich selbst, warum die Idee gut sei. Wenn man das Geschafft hat, dann …
    3. Platziert man diese Idee samt Rationalisierung als überzeugungsfähige Botschaft an Dritte, ggf. Masse
    4. Flankierend wird eine Immunisierungsstrategie gegen Gegenargumente aufgebaut.

    Hört sich wie ein Kochbuch an, aber die Beobachtung der gesellschaftlichen Realität wirkt tatsächlich so. Erst in der Verbindung von Emotion und scheinbarer Vernunft kommt es zu durchschlagender Wirkung.

    Das Traurige daran: Die Vernunft selbst bleibt auf der Strecke, sie wird zum Erfüllungsgehilfen degradiert, nicht mehr zur Richtungsbestimmung genutzt.

    Doch was folgt daraus? Das gleiche Strickmuster mit Gegenideen füttern? Andere Strategieansätze herleiten?

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