Von den Walen lernen

17. März 2013 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Biomasse, Energieerzeugung, Energiewende, Erdöl, Nachhaltigkeit, Ökologistische Mythen, Politik, Tierschutz

ego150“There she blows! There she blows! A hump like a snow-hill! It is Moby Dick!”

(Herman Melville, Moby Dick, 1851)

So ein Wal ist eine tolle Sache. In den Barten des Blauwals findet sich Fischbein für körperformende Kleidung (Korsetts, Reifröcke) und diverse Accessoires (Sonnenschirme). Ein Pottwal liefert Ambra für allerlei Duftwässerchen und Walrat für feine Kerzen. Aus allen großen Meeressäugern kann man Tran gewinnen, nützlich als Energieträger (Beleuchtung), als wichtiger Grundstoff für die chemische Industrie (Farben, Pflegemittel, Sprengstoffe), für Medizin und Kosmetik (Salben, Seifen) und für Lebensmittel (Margarine, Suppen, Gelatine). Nicht zu vergessen: Der Wal ist ein nachwachsender Rohstoff.

Da wundert die Anziehungskraft nicht, die der Walfang über Jahrhunderte auf abenteuerlustige Tierliebhaber ausübte. Monate oder gar Jahre auf den Weltmeeren fernab der zivilisierten Metropolen unterwegs, trotzten diese Naturburschen allen Gefahren der See. Beseelt von dem Anspruch, der Menschheit Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffen zu sichern, setzten sie tagtäglich ihr Leben ein. Wahre Helden, denen Herman Melville in der Figur des fiktiven Kapitäns Ahab ein literarisches Denkmal für die Ewigkeit erbaute.

Leider aber agierten die Regierungen im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert nicht so vorausschauend, wie unsere heutige Administration. Statt ihn also massiv zu subventionieren, ließen sie den Walfang erst sterben, um ihn dann auch noch – fast überall – zu verbieten. Heute ziehen die Wale daher wieder nahezu unbehelligt in den Ozeanen umher.

Diese Darstellung erscheint nicht nur verdreht, sie ist es auch. Tatsächlich gilt den meisten Zeitgenossen der Walfang als Paradebeispiel der zerstörerischen Wirkung des Menschen auf die Natur, als Metapher für rücksichtslose, allein von Gier getriebene Ausbeutung. Seine Überwindung wird als wichtiger kultureller Fortschritt empfunden. Tief gesunken ist das Ansehen der wenigen verbliebenen Walfangnationen. Kapitän Ahab ist der Antiheld, man fühlt und hofft mit Moby Dick.

Der Kampf gegen den Walfang etablierte einen der Gründungsmythen der ökologistischen Bewegung. Das international vereinbarte Moratorium aber wird ihr zu Unrecht als Erfolg zugeschrieben. In Wahrheit haben – ohne es zu wollen – John D. Rockefeller und Rudolf Diesel weit mehr zur Rettung der Wale beigetragen, als alle Öko-Aktivisten der Vergangenheit und Gegenwart zusammengenommen.

Der Blick auf die Walöl- und Walratproduktion amerikanischer Walfänger (Abbildung 1) zeigt einen steilen Anstieg in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Produkte, die aus den großen Meeressäugern gewonnen werden konnten, waren nützlich und erfüllten einen Bedarf. Die wachsende Nachfrage ermöglichte es, gute Preise zu erzielen und das Angebot durch Vergrößerung der Fangflotten, durch Ausweitung der Fanggebiete und durch Investitionen in effektivere Jagdmethoden zu erhöhen. In der Zeit des Bügerkrieges aber stieß man erstmals an natürliche Grenzen. Man begann, die Wale schneller zu fangen, als sie sich vermehren konnten. Die Jagd wurde zunehmend zeit- und kostenintensiver. In diesem Umfeld lösten das Patent auf die Herstellung von Kerosin aus Erdöl (1853) und die erfolgreiche Bohrung in Titusville (1859) die Geburt der Erdölindustrie in den USA aus. Zu deren Aufschwung John D. Rockefeller entscheidend beitrug. Dem nicht mehr auszuweitenden Angebot an Walprodukten standen bald Erdölprodukte in großer Menge und Vielfalt zu weit geringeren Kosten gegenüber. Der amerikanische Walfang war am Ende.

 

Abbildung 1: Walfang in den USA

Abbildung 1: Walfang in den USA

 

Eine Atempause für Moby Dick, mehr nicht. Einige Bestände konnten sich erholen bevor das wahre Abschlachten begann (Abbildung 2). Segel- wurden durch Dampfschiffe ersetzt, geschleuderte Harpunen durch Kanonen. In den Kriegswirren der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren Wale eine strategisch bedeutsame Ressource, wichtig für die nationale Autarkie. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam vor allen in Asien, besonders in Japan, die Versorgung einer notleidenden Bevölkerung mit Walfleisch hinzu. Die erneute Bedrohung der Bestände wurde frühzeitig erkannt und führte im Jahr 1946 zur Gründung der Internationalen Walfangkommission IWC. Deren Aufgabe aber war nicht etwa der totale Schutz, sondern vielmehr „die angemessene und wirksame Erhaltung und Erschließung der Walbestände“. Der Überfischung wurde keinesfalls Einhalt geboten. Bis 1980 brach die industrielle Waljagd fast vollständig zusammen. Denn parallel zur Abnahme der Bestände versorgte die Globalisierung die Welt mit Erdöl und seinen Derivaten, angetrieben vor allem durch den genialen Motor des Rudolf Diesel in Schiffen, Lokomotiven und Lastkraftwagen. Das Moratorium verabschiedete man erst 1986, als es kaum noch Großwale gab – und diese auch nicht mehr benötigt wurden.  

Abbildung 2: Walfang international

Abbildung 2: Walfang international

Die Substitution von Rohstoffen ist in der Menschheitsgeschichte nicht ungewöhnlich. Oft sorgt der technische Fortschritt für eine Änderung der Bedarfe (Von Ressourcen und Rohstoffen – Eine Zeitreise). Oft machen Innovationen auch neue Rohstoffquellen zugänglich, die nicht nur preiswerter, sondern auch effektiver sein können. Betrachtet man aber die Liste einstmals wertvoller und begehrter Ressourcen, die ihre Relevanz verloren haben, fällt eines besonders auf. Ob Holzkohle für die Eisenverhüttung, ob Bienenwachs für Kerzen, Felle für die Kleidung, ob Purpurschnecken, Guano, Elfenbein, Naturkautschuk oder eben Wale: Fast immer sind es nachwachsende Rohstoffe, die durch mineralische ersetzt wurden.

Wo einerseits die Nutzung letzterer neue Möglichkeiten schafft, ihre „quasi-unendlichen“ Vorräte in immer größerem Umfang zu erschließen (Die Ressourcen und das Primat der Technologie), droht bei ersteren immer eine Grenzüberschreitung. Nachwachsende Rohstoffe sind eben gerade nicht dauerhaft in beliebiger Menge verfügbar, wie die ökologistische Propaganda suggeriert. Die Sonnenergie, von der die Biosphäre lebt, ist ebenso limitiert wie der Wirkungsgrad der Photosynthese, die Flächen, auf denen Pflanzen und Tiere gedeihen können und die Geschwindigkeit ihrer Vermehrung. Das Angebot an Biomasse kann nicht beliebig ausgeweitet werden.

Sicher, in gewissem Umfang sind Flora und Fauna in die Technosphäre überführbar. Treibhäuser und Tierhaltung, Zucht und Gentechnik stellen zentrale Elemente einer modernen, hochproduktiven Landwirtschaft dar, ohne die die Menschheit nicht hätte prosperieren können. Es sind gerade nicht „natürliche“ Lebensgrundlagen, von denen wir abhängen. Es ist die Emanzipation von diesen, die unser Überleben nicht nur sichert, sondern es auch angenehm gestaltet. Fortschritt beinhaltet die Fähigkeit, sich seine Lebensgrundlagen selbst zu schaffen.

Das hilft auch der Natur. Es waren eben nicht die ökologistische Propaganda, nicht Aktivisten in Schlauchbooten oder politische Nachhaltigkeitsideologen, die die Wale gerettet haben.  Es war letztendlich die durch Erdöl und den Dieselmotor geschaffene Möglichkeit, sie einfach in Ruhe zu lassen. Die Tendenz zur übermäßigen Nutzung nachwachsender Rohstoffe resultiert nicht aus Zerstörungswut, sondern aus dem nur allzu menschlichen Wunsch nach Verbesserung der individuellen Lebensumstände. Nachhaltigkeit, also die Gewinnung biogener Ressourcen nicht über ihre Regenerationsrate hinaus, erfordert immer eine Regulierung dieser Wünsche, erfordert eine Begrenzung von Angebot und Nachfrage und geht daher automatisch mit Freiheitsverlust, Stillstand und Rückschritt einher. Klüger ist es, nachwachsende Rohstoffe entweder gar nicht erst zu nutzen, oder sie schnellstmöglich durch mineralische zu ersetzen, denn dies schafft für beide, für Mensch und Natur, den notwendigen Raum zur Entfaltung. So kann man heute in Flugzeuge und Schiffe steigen, um an die Orte zu gelangen, an denen sich noch immer oder wieder die großen Wale in freier Wildbahn tummeln.

Noch, sollte man vielleicht ergänzen. Denn wenn es durch die deutsche Energiewende den Wäldern hier und anderswo an den Kragen geht, damit Biomasse wie in vorindustrieller Zeit der wichtigste Primärenergieträger werden kann (Deutschlands Energiediät – Teil 3: Keine Perspektive), kommt man vielleicht noch auf ganz andere Ideen. Schließlich ist so ein Wal eine tolle Sache. Mit Tran könnte man beispielsweise Kanzleramt und Parlament beleuchten – und das vollkommen CO2-neutral.

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9 Kommentare
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  1. Man sollte vielleicht erwähnen, dass ohne die mineralischen Düngemittel (Kali, Phosphat) und die synthetischen Stickstoffdünger die Situation bei den ’nachwachsenden‘ Rohstoffen noch sehr viel schlechter aussehen würde.
    Insofern sind ’nachwachsende‘ Rohstoffe von unseren Äckern auch längst zum grössten Teil ‚mineralische‘ Produkte, die ohne Bergbau und ohne Nutzung fossiler oder atomarer Energie überhaupt nicht denkbar wären:
    Allein die Haber-Bosch-Synthese verbraucht ca. 5 x mehr Energie weltweit als alle Wind- und Solaranlagen der Welt liefern können.

  2. Die Menschheit hat sich von der natürlichen Ressource Wal unabhängig gemacht und damit die Natur geschützt. Das ist ein Vorgang der eigentlich überall zu beobachten ist. Dies ist aber nicht geschehen, wie im Beitrag gut dargestellt, weil man die Natur schützen wollte, sondern weil es Alternativen gegeben hat die nicht nur günstiger waren, sondern auch noch mehr Möglichkeiten eröffneten.

    Der ganze Denkansatz, wonach uns unsere Umwelt die Grenzen aufzeigt ist zu hinterfragen. So wird zum Beispiel in jüngster Zeit immer wieder die Aussage gemacht: „Die ökologischen Grenzen des Planeten sind auch die Grenzen unseres Handelns“. Und bedauerlicherweise sind dies nicht nur die Grünen die derartiges sagen, das geht querbeet durch alle Parteien. Die Aussage müsste anders sein: „Wenn wir ökologische Grenzen für unser Handeln erkennen, müssen wir versuchen diese zu überwinden.“

    Die Fixierung auf ein Handeln innerhalb von Grenzen hat die Menschheit noch nie weiter gebracht, sondern immer der Versuch, diese Grenzen zu überwinden.

  3. Der ganze Denkansatz, wonach uns unsere Umwelt die Grenzen aufzeigt ist zu hinterfragen.

    Ganz sicher.
    Das ist sogar eine sehr grunsätzliche Angelegenheit:

    Unsere ‚Umwelt‘ ist nichts gegebenes, sondern wir sind die SCHÖPFER unserer Umwelt.
    Dadurch ist uns natürlich auch eine grosse Verantwortung gegeben, eine viel grössere, als wenn wir nur Subjekte der Umwelt wären.
    Denn als Schöpfer sind wir die Herren dieser Welt und sie ist unser Eigentum.

    Ich verstehe nicht, weshalb dieÖkologisten diesen Standpunkt, der für sie so ungemein nützlich als Rechtfertigung für die Forderung nach ‚Verantwortung‘ wäre, nicht akzeptieren wollen.
    Liegt es daran, dass der ‚Eigentümer‘ naturgemäß auch der Souverän ist und man keinen Popanz einer ‚Höheren Macht‘ aufbauen kann in dessen Namen man dann zu sprechen vorgibt?

  4. Unsere ‘Umwelt’ ist nichts gegebenes, sondern wir sind die SCHÖPFER unserer Umwelt.

    Mehr noch: „Umwelt“ ist ein geistiges, subjektives, menschliches Konstrukt. Eine „objektive Umwelt“ existiert nicht. Eine Umwelt, wie wir sie erleben, erlebt so keine andere Spezies, mehr noch nicht einmal jeder Mensch erlebt „Umwelt“ gleich. Jedes Bild unserer Umwelt entstet in unserem Gehirn, nicht durch besagte Umwelt.

  5. Mehr noch: “Umwelt” ist ein geistiges, subjektives, menschliches Konstrukt.

    Ja, selbstvertständlich.
    Danke für die Präzisierung.
    Schon das Wort ‚Umwelt‘ sagt ja, dass diese eine subektive, auf uns bezogene, aus unserer Sicht gesehene Realität ist, denn ‚Umwelt‘ setzt ja im Zentrum den Menschen voraus. Ohne den Betrachter kann es eine ‚Natur‘ geben, eine ‚Welt‘, aber niemals eine ‚Um-Welt‘.

  6. Könnte man den Begriff Naturschutz vielleicht als Schutz vor der Natur interpretieren?

  7. @ Tritium

    Aus der Ökologistenecke ist momentan der Versuch zu sehen, statt des Wortes Umwelt das Wort Mitwelt zu etablieren.

    Diese Subjekt-Objekt-Entgegensetzung beinhaltet eine Entfremdung -- sogar bis heute, denn wir sprechen fälschlicherweise von der Umwelt, als sei nicht auch der Mensch ein Teil der Natur. Tatsächlich ist es richtig, sie als natürliche Mitwelt zu verstehen.

    Das Zitat stammt aus der „Ideengeschichte des Fortschritts“ von Michael Müller (SPD) und Dr. Matthias Zimmer (CDU) und hat in der Enquete keinen Widerspruch bekommen.

    @ nLeser

    Könnte man den Begriff Naturschutz vielleicht als Schutz vor der Natur interpretieren?

    Da ist was dran, jedenfalls war dies schon immer das Bestreben der Menschheit. Und dort wo es ihr gelang, wurde auch die Umwelt geschont.

  8. Zunächst einmal: Eine ganz wichtige und logische Ergänzung des Ressourcen- Nachhaltigkeitsthema’s, Herr Heller, welches hier in den letzten Wochen so kompetent diskutiert wurde.

    Nachhaltigkeit/Vorsorgeprinzip sind für den Ökologismaus das, was für die katholische Kirche die Dreeinigkeit und die Jungfräulickeit Mariae sind (ohne jemanden religiös nahe treten zu wollen) -- für die Integrität und den Bestand des gedanklich-religiösen Konzeptes, elementare, existenzielle Dogmen.

    Bislang konnte kein einziger der Ökoprotagonisten hier und auf Eike den jüngsten Beiträgen etwas substanziell entgegensetzen. Wir treffen den Kern derer Überzeugung und es kommt -- nichts, nichts was sich nicht eigentlich und für jeden Mittelbegabten ersichtlich, selbst widerspricht.

    Dieses überraschte mich und ist im Rahmen unserer Gesamthematik, Klima und Energie auch kein übliches Diskussionsbild. Weir so. Hier kann man sie packen. Deren ganzes Gebäude ad absurdum führen.
    Dagegen sind Diskussionen zur Klimasensitivität des CO2 und Feedbacks nahezu müßig und letztendlich immer mit unbestimmt, unentschiedenen Ausgang beseelt.

    Die Archillesferse des Ökologismus liegt mitten in dessen Herz.

    Bei diesem Kommentar auf EIKE firl mir das Thema „Ressorcen“ ein:

    Es ist unglaublich!! Wenn der Inhalt dieses Artikels stimmt, dann sind die Engländer ja noch blöder als die mit grünlinker Ideologie verseuchten Deutschen.

    Ein kleines Gedankenspiel: Betrachtet man menschliche Dummheit als Ressource -- dann scheint diese aufgrund unendlicher Vorkommen auch endlos verfügbar.
    Gleiches müsste im Umkehrschluß für die Intelligenz gelten (das fordert selbst Schellnhuber -- zumindest für seine Person).

    Untermauert dieses nicht unsre Hypothese, dass das physische Vorhandensein und die physische Endlichkeit materieller Ressourcen, immer durch die quasi-undendliche Verfügbarkeit immaterieller, geistiger Ressourcen mindestens ausgeglichen wird, seien es Dummheit (Verzicht auf den Einsatz verfügbarer, materieller Ressourcen, wie Fissionsenergie) oder Intelligenz (Entwicklung neuer Reaktortypen)?

    Satire -- ja ein wenig. Aber vielleicht auch mit ein wenig Ernst.

  9. Quentin schrieb zu einem Gedanken von Peter Heller folgendes:
    http://www.science-skeptical.de/blog/plauderecke-4/009371/#comment-197680

    Man wird also scheitern, so oder so. Vielleicht wäre es klug, sich einfach zurückzulehnen und die Dinge laufen zu lassen.
    Hier stellt sich mir die Frage, was der Kampf gegen Klimawandelalarmismus und Ökologismus bisher wirklich gebracht hat? Der war natürlich nicht unnütz, und die sich abzeichnende Meinungsänderung in der Öffentlichkeit scheint den Kritikern und Skeptikern auch erst einmal Recht zu geben. Doch änderst sich die Meinung, weil die besseren Argumente sich durchzusetzen zu beginnen, oder ändert sie sich, weil erkennbar wird, dass der eingeschlagene Weg letztlich ein nicht begehbarer ist.

    Nicht die besseren Argumente werden gesiegt haben, sondern es kommt lediglich die Erkenntnis auf, Unmögliches versucht zu haben. Damit hätten wir aber eine völlig andere Ausgangsposition als die, als sich Klimaalarmismus und Ökologismus in den Medien breit machten und auch in der Politik ein bestimmender Faktor wurde. Die Überzeugungen bleiben ja bestehen, man wird sich lediglich eingestehen, dass die Versuche nach den Überzeugungen zu handeln nicht praktikabel waren.

    Ich möchte diese Gedanken im Kontext zu meinem letzten Kommentar (s.o.) setzen.

    Grundsätzlich sind die Gedanken faktisch richtig. Die Energiewende scheitert an der Physik und nicht an unserer Kritik. Der Klimawandel findet nicht statt, weil die Atmosphärenphysik sich anders verhält, als durch unzulängliche Modelle berechnet -- nicht wiel es bloggende Skeptiker gibt.
    Eigentlich ganz einfach -- die Mehrheit (oder eine relevante Minderheit) versteht es trotzdem nicht. Sie verdrängt sowohl den Blick aus dem Fenster als auch die Prognosen bezüglich ihrer Stromrechnung. Die Masse handelt irrational.

    Genau so wenig erkennt sie, dass selbst tsunamigesteuerte SuperGAUs, keinen einzigen Strahlentoten fordern, obgleich die deutsche Kernkraft auf der Risikoerwartung einer 5-Stelligen Anzahl von SOFORTtoten im Falle des SuperGAUs genehmigt wurde (Rassmussen Report, Risikostudie Deutsche Kernkraft) . Deutschland schaltet ab, obwohl sich das Risiko, welches dem gesellschaftlichen Konsens pro-Krenkraft zugrunde gelegen hat, empirisch zugunsten der Kernkraft relativiert hat. Logisch betrachtet, ein Treppenwitz, den man glücklicherweise nur auf Deutsch erzählen kann. Wieder ein komplett irrationales Verhalten, dem man wissenschaftliche Argumenten kaum entgegentreten kann.

    Soweit, so schön… Sollen wir jetzt das Feld den anderen überlassen?

    Mit der gleichen Berechtigung hätte man aber auch die Bürgerbewegung von ’89 absagen können, sich zurücklehnen können und berechtigt behaupten können, der wissenschaftliche Sozialismus werde -- ob kurz oder lang- an seiner unwissenschaftlichkeit scheitern, an den ökonomischen Realitäten. Streng wissnschaftlich richtig.
    Wir alle wissen trotzdem (obwohl wir keinen Doppelblindvergleich haben), dass es besser war, den Sozialismus auf deutschem Boden spätestens ’89 zu beseitigen und nicht auf sein natürliches Ableben zu einem späteren Zeitpunkt zu erwarten.

    Wo ist also unser Problem, das uns tatsächlich die Frage nach dem Sinn unseren Handelns aufkommen lässt?

    Wir sind hier Wissenschaftler oder wissenschaftlich geprägte Bildungsbürger, aber keine Politiker -- und das ist unser Fehler.

    Um die Frage zu beamtworten: Darauf warten DIE nur, das sind nämlich keine Wissenschaftler, sondern Politiker!

    Quentins Frust ist nur zu verständlich. All die müßigen Diskussionen zu Klimasensitivitäten, Positivfeedbacks, Hotspots, Hitzeinseleffekten, Sonnenaktivität, mittelalterlichen Warmzeiten, Grundlastfähigkeit, etc… Die Apologeten produzieren in einer Frequenz und Menge wissenschaftlichen Unsinn, den man in dieser Frequenz und Menge gar nicht wissenschaftlich serös entgegen treten kann. Sie produzieren zwar keine Fakten, aber sie gewinnen den Kampf um die „Share of Voice“ -- und damit um die Mehrheit der wissenschaft wenig Vorbelasteten.

    Aussichtslos? Verlorener Posten? Aufgeben?

    Schlimmer noch. Die historischen grünen Apokalypsen sind alle gescheitert. Trotzdem glaubt man den falschen Propheten immer wieder: Woran liegt das?
    Nun -- nach fünfzig Jahren grünen Schwindels gibt es bereits zwei Generationen auf deutschem Boden, die gar nichts von dem grandiosen Scheitern der grünen Apokalypsen wissen -- die Generation Jahrgang 1985+ und die Generation Alzheimer, die alles längst vergessen hat.

    Wie können wir dennoch gewinnen, ohne den eigenen Burnout heraufzubeschwören?

    Ich versuche mal ein paar „Regeln“ zu formulieren:

    -- Vermeide wissenschaftliche Detailldiskussionen mit grünen Glaubenskriegern. Denen geht es nicht um Erkenntnisgewinn sondern um hochfrequente Positionierung ihrer Schlagworte in möglichst vielen Foren, „Atomtod“, „Klimawandel“, „Peak Oil“, etc. In einer Diskussion beispielsweise um „Strahlentote“ bleibt bei dem unbeleckten Zuhörer nach 3 Wochen nur der ökologistische Kampfbegriff „Atomtod“ hängen, nicht deine Argumente bezüglich „fehlender Toter“ in Fukushima -- das menschliche Gehirn kann „Verneinungen“, sprich Falsifizierungen schlechter verarbeiten als „Bejahungen“ und einfache Schlagworte.

    -- Werde zum kollektiven Gedächtnis. Verpasse keine Gelegenheiten die Beispiele für das Scheitern des Ökologismus zu verbreiten. Wundere dich, wieviele bereits nichts mehr von „Waldsterben“, „Emissionseiszeit“ und „Ozonloch“ gehört haben, geschweige denn, von den fehlerhaften Prognosen eines Club of Rome.

    -- Identifiziere und thematisiere ihre Archillesferse, deshalb habe ich den Kommentar hier eingestellt. Deren Archillesferse liegt -- analog den anderen, materialistischen Weltanschauungen des 20ten Jahrhunderts -- im Kern ihrer Ideologie. Dieses wurde in den letzten Wochen mir hier unmisvertändlich klar. Können die bei nicht vorhandenen realen Toten in Fukushima noch mit statistischen Toten kontern, können die ihre Klimakatastrophe immer wieder 10 oder 100 Jahre nach hinten verschieben, können die kalte Winter unwidersprochen aufs Wetter schieben, während heiße Sommer natürlich „Klimawandel“ sind -- und können die selbst Abkühlung zur Erwärmung umdichten und der Michel glaubt es …

    … auf den begründen Zweifel an ihrer Nachaltigkeitsideologie und ihrem Vorsorgeprinzip haben die nicht einmal irgendwelche Antworten.

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