In eigener Sache: Science Skeptical und das Technium

29. Mai 2013 | Von | Kategorie: Innovationspolitik, Internes, Off-Topic-Arena, Technium

Kernenergie2aQuentin Quencher hat vor ein paar Monaten hier bei uns über das antagonistische Begriffspaar Anthropozän und Technium geschrieben:

Zwei Begriffe die die gleiche Zeit beschreiben, ab dem Punkt an dem sich der Mensch mittels Technik die Natur und seine Umwelt zu Diensten macht. Nein, eigentlich mehr noch, als der Mensch begann, sich in nennenswertem Umfang von den Launen der Natur zu befreien, etwa ab den Zeitpunkt der industriellen Revolution. Der erste Begriff, Anthropozän, wurde von Paul Crutzen geprägt und wird vor allem dann verwendet, wenn der schädliche Einfluss des Menschen auf die Natur und die Geosysteme beschrieben wird. Der zweite Begriff, Technium, geht auf Kevin Kelly zurück, der damit die Entwicklung und Weiterentwicklung von Technik als einen evolutionären Prozess beschreibt, welcher vom Menschen nur bedingt geplant und gelenkt werden kann.

Ich denke, den Begriff des Techniums sollte man allein schon deswegen den Menschen näherbringen, weil er eine im Grundsatz positive und optimistische Sicht auf die Welt und ihre weitere Entwicklung beinhaltet. Seit einiger Zeit berichten wir auf Science Skeptical ja auch über Inventionen und Innovationen, die die Zukunft weit eher prägen können, als ein diffuses, gesamtgesellschaftliches Gefühl der Angst und die daher den Ökologisten ein Dorn im Auge sind. Ich rede beispielsweise von Kerntechnik, von Luft- und Raumfahrt, von Bio- und Nanotechnologie. All diese schaffen neue Möglichkeiten der Entwicklung, sie sind eine Basis für die Steigerung unseres Wohlstandes und die Verringerung unserer Verwundbarkeit.

Die Weltsicht der grünen Nachhaltigkeitsjünger, die zwischen guten und bösen Technologien unterscheiden, sollten wir uns nicht zu eigen machen. Der Nutzer FK 9 Pilot hat hier vor kurzem (Kommentar #27) die folgende Frage aufgeworfen:

Müssen wir -wie die Ökologisten auch — mehr die emotionale Argumentationsschiene fahren, mit welcher diese offenkundig erfolgreich sind? Sprich: Mehr Ansprache von Temporallappen und limbischem System, statt präfrontalem Neocortex?

Ich denke, wir werden nicht alle erreichen können. Aber die von Technik und Fortschritt begeisterten, die innovativen und kreativen Köpfe unserer Gesellschaft, die zu einem großen Teil die stattfindende Auseinandersetzung mit dem Ökologismus in ihrer Bedeutung noch gar nicht erfaßt haben, die können und sollten wir schon ansprechen. Mit einer rationalen, unideologischen und offenen Sicht auf das, was unser Leben am Ende wirklich prägt: Das Primat der Technologie.

Aus Anlaß des heute online gestellten Textes über den Dual Fluid Reaktor habe ich daher den Begriff „Technium“ in unsere (sicher von vielen kaum genutzte und auch sicher noch weiter zu erweiternde) Stichwortliste („Themen“ in der rechten Spalte) eingefügt. Und damit begonnen, auch ältere Texte mit diesem Etikett zu versehen. Damit unser prall gefülltes Archiv von Technikoptimisten entsprechend leicht durchsucht werden kann. Vielleicht kann jeder Autor das für seine Texte auch erledigen. Und wer auch immer über technische Ideen und Entwicklungen schreiben will, die nicht auf der Agenda der Ökologisten stehen oder von diesen gar aus ideologischem Dogmatismus bekämpft werden, soll hier eine Plattform finden.

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  1. In meiner Heimatstadt -- Warschau beginnt am Montag den 11. November der COP 19, und wir feiern unseren Unabhängigkeitstag. Krawallen sind dabei nicht ausgeschlossen, da es am diesen Tag 11 Kundgebungen angekündigt sind. Die größte von ihnen wird von Nationalisten geführt und etwa 50000 Teilnehmer sind erwartet.

    http://tvnwarszawa.tvn24.pl/informacje,news,11-listopada-w-warszawie-marsz-bieg-i-11-zgromadzen,104901.html

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