Der Tollhaus Effekt. Oder was Klimaforscher in den Wahnsinn treibt!

5. November 2018 | Von | Kategorie: Artikel, Daten, Energieerzeugung, Klimawandel, Kurioses, Ökologismus, Ökologistische Mythen, Politik, Wissenschaft

stefmikkerriDer Hockeystick-Erfinder Michael Mann hat ein neues Buch mit kreativem Titel geschrieben:

Der Tolhaus Effekt: Wie die Leugnung des Klimawandels unseren Planeten bedroht, unsere Politik zerstört und uns in den Wahnsinn treibt

Das Vorwort der deutschen Ausgabe stammt von Stefan Rahmstorf, einen engen Freund von Michael Mann. Herausgeber ist der Landesverband Franken der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS), ein Lobbyverband der grünen Energie.

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Der Tollhauseffekt ist die deutsche Ausgabe der Ende Juni 2018 in den USA erschienenen Taschenbuch-Ausgabe von „The Madhouse Effect“, einem Gemeinschaftswerk des Klimaforschers Michael E. Mann und des Karikaturisten Tom Toles. Die deutsche Übersetzung kommt von Matthias Hüttmann und Herbert Eppel. Herausgeber ist der Landesverband Franken der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS-Franken), das Buch erscheint im Erlanger Verlag Solare Zukunft.

In seiner ursprünglichen gebundenen Version wurde „The Madhouse Effect“ im September 2016 veröffentlicht, also noch vor der Wahl Donald Trumps. Mittlerweile hat sich jedoch einiges getan, vor allem im Land der Autoren. Dies hat sie dazu veranlasst, ihr Buch nicht einfach nur als Taschenbuch zu veröffentlichen, sondern die neue Ausgabe um ein aktuelles „post-election“-Kapitel zu ergänzen. In der vorliegenden deutschen Ausgabe ist dieses Kapitel (im Original: „Return to the Madhouse: Climate Denial in the Age of Trump“) bereits enthalten.

Der Tollhauseffekt handelt vom Spannungsfeld zwischen Politik und Wissenschaft, wobei es vor allem um die klimaforschende Wissenschaft geht. Das Buch beschäftigt sich mit den Manipulationen sogenannter Klimaskeptiker, deren Pseudo – und Antiwissenschaft, die, allzu oft als seriöse Wissenschaft verkleidet, anerkannte Erkenntnisse und physikalische Tatsachen leugnet und zu untergraben versucht. Michael E. Mann, verantwortlich für die Texte im Buch, erläutert wie wissenschaftliche Methodik funktioniert und offenbart dadurch gleichzeitig die Tragik der politischen Debatte. So schreibt er unter anderem: „Leider wurde der Begriff „Skeptiker“ gerade im Zuge der Klimadebatte verschleppt, um etwas ganz anderes zu auszusagen. Er wird benutzt, um Beweisen auszuweichen, die man einfach nicht mag.“ Das Buch analysiert, deckt auf und soll den Leidenden Hoffnung geben!

Auch der größte US-Präsident aller Zeiten Donald Trump ist im „Madhouse Effect“ mehrfach verewigt. Die Autoren haben die meiste Zeit ihrer Karriere an vorderster Front gegen den Klimawandel gekämpft. Sie haben die Manipulation der Medien durch wirtschaftliche und politische Interessen und das skrupellose Spiel mit der Parteilichkeit bei Themen, die das Wohlergehen von Millionen Menschen betreffen, am eigenen Leib miterlebt. Die Lektionen, die sie dabei gelernt haben, boten die Inspiration für dieses Meisterwerk.

Mann schreibt im Kapitel „die Stufen der Verleugnung“:

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Die erste Stufe und einfachste und primitivste Form des Leugnens ist es, den Anstieg der Temperaturen oder der Treibhausgase oder den Zusammenhang der beiden grundsätzlich abzustreiten. Dazu gehört das Gerede vom vermeintlich gesättigten CO2 und von der angeblichen, tatsächlich längst widerlegten Erwärmungspause seit 1998 […]

Etwas raffinierter ist schon die zweite Stufe, die Erwärmung und den gesteigerten Treibhauseffekt auf natürliche Ursachen zurückzuführen, zum Beispiel auf die schwankende Sonnenaktivität mit oder ohne Vermittlung kosmischer Strahlen […]

Auf der dritten Stufe geben die Gegner zwar zu, dass die Erde sich erwärmt und die Menschheit etwas damit zu tun hat, beharren aber darauf, dass sich das Problem von selbst lösen wird […]

Die vierte Stufe des Leugnens ist erreicht, wenn allein die vermeintlichen Vorteile erhöhter Temperaturen und CO2-Spiegel herausgestellt werden. Das Gas sei schließlich ein wichtiger Nährstoff für Pflanzen, und wenn der Eispanzer Grönlands abschmelze gebe es neue Siedlungsflächen […]

Die fünfte Stufe des Leugnens besteht darin, die Erkenntnisse der Wissenschaft auf der einen Seite anzuerkennen, aber den nötigen Klimaschutz als unmöglich darzustellen, als Jobkiller, als zu teuer, aussichtslos oder ungerecht […]

Als sechste und letzte Stufe des Leugnens schließlich bezeichnen es Mann und Toles in ihrem Buch, wenn man allein auf technische Lösungen vertraut, die letztlich jegliche Umstellung im Lebensstil überflüssig machen werden. Das gilt nicht nur für Solarkraftwerke, Elektroautos oder bessere Dämmmaterialien für Häuser, sondern nach den Worten der beiden Autoren auch für all die Methoden, die unter dem Stichwort „Geoengineering“ diskutiert werden […]

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Diese liebevolle Charakterisierung stammt ebenfalls vom amerikanischen Klimaforscher Michael Mann:

Dürfen wir Ihnen die beiden Freds vorstellen? Frederic Seitz und Fred Singer, beide US-amerikanische Physiker, stramme Konservative, politische Falken, professionelle Wissenschaftsverdreher und „universell einsetzbare Leugner, die man anheuern konnte“.

Mann und Toles begründen ihre ungewöhnliche Zusammenarbeit im Vorwort mit der „Industriepropaganda“ und der „empörenden Verzerrung der Wissenschaft durch die offizielle Politik“ in ihrem Heimatland. Mann und Toles geht es dabei um Politiker und Journalisten, die ihren Beruf falsch verstanden haben, vor allem aber um Lobbyisten. Diese professionellen Leugner, die das Buch vom „Tollhauseffekt“ beschreibt, waren und sind in der Nachfolge der beiden Freds regelrechte Universal-Propagandisten. In ihren Kreisen gibt es eine jahrzehntelange Kontinuität der Wissenschaftsfeindlichkeit. Sie haben sich einspannen lassen im Kampf um Zigaretten, DDT, Asbest, Sauren Regen, Nuklearen Winter und Ronald Reagans Star-Wars-Initiative, bevor sie sich dem Klimawandel zuwandten – meist im Dienst der Industrien, die aus den umstrittenen Produkten ihren Profit zogen.

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Mann und Toles erzählen unter anderem von Seitz und Singer:

Beide Freds hatten in den 1990er-Jahren regelrechte Husarenstücke vollbracht, die bis heute in der internationalen Szene der Klimawandel-Leugner und bis nach Deutschland nachwirken. Frederic Seitz warf 1998 sein ganzes Renomée als ehemaliger Präsident der National Academy of the Sciences (NAS) in die Wagschale, um die sogenannte Oregon-Petition gegen das Kyoto-Protokoll zu lancieren. Der Aufruf zum Protest gegen die Begrenzung von Treibhausgasen enthielt ein vermeintlich wissenschaftliches Papier über die Wirkung von CO2 in der Atmosphäre. Dessen Aufmachung erinnerte an die hochangesehenen Proceedings der NAS, stammte aber tatsächlich aus einem obskuren Ärzteblatt.

Obwohl sich die Nationale Akademie schnell von dem Traktat und ihrem ehemaligen Chef distanzierte, fand die Petition 31 000 Unterzeichner. Bis heute wird diese Liste in den Zirkeln der Leugner als Beweis gehandelt, dass sehr viele qualifizierte Wissenschaftler den Grundthesen zum Klimawandel widersprächen. Tatsächlich stimmt das nicht, es waren nur wenige Klimatologen unter den Unterzeichnern. Auch Seitz selbst hatte als Quantenphysiker kein spezielles Fachwissen.

Fred Singer wiederum schaffte es im Jahr 1991, den anerkannten Klimaforscher Roger Revelle zu einem gemeinsamen Aufsatz zu überreden. Der Ozeanograph aus Kalifornien hatte nicht nur entscheidend am Entstehen der sogenannten Keeling-Kurve mitgewirkt, die seit 1958 kontinuierlich den steigenden CO2-Gehalt der Atmosphäre dokumentiert. Er hat als Professor in Harvard auch dem späteren US-Vizepräsidenten Al Gore die Augen für den Klimawandel geöffnet, wie der Politiker und Aktivist gern erzählt. Revelle war 1991 bereits todkrank, und als er sich nicht mehr wehren konnten, so heißt es im „Tollhauseffekt“, schmuggelte Singer eine Passage in das Manuskript, wonach die Menschheit nichts mit dem Klimawandel zu tun habe. Revelles Tochter versuchte, die Position ihres Vaters posthum richtig zu stellen, aber noch immer kursiert in den Kreisen der Klimawandelleugner das Papier, in dem „Al Gores Lehrmeister“ vermeintlich dessen Thesen anzweifelt.

Man könnte sich nun fragen, was diese amerikanischen Possen mit Deutschland zu tun haben, und warum es deswegen einer deutschen Übersetzung des Mann-Toles-Buchs bedurfte. „Die Kräfte, die mit ihrem Geld versuchen, die Wissenschaft zu diskreditieren, die gibt es doch auch hierzulande“, antwortet Matthias Hüttmann, Initiator des Projekts und neben Herbert Eppel einer der beiden Übersetzer. Tatsächlich ist es so: Wann immer sich Leute aus dieser Szene in einer Kommentarspalte in eine Diskussion einschalten, können sie auf gutgemachte Webseiten manipulativen Inhalts verweisen. Auch die amerikanischen Veröffentlichungen der Lobbyisten sind stets nur einen Klick von der Debatte in Deutschland entfernt. Der breite Konsens in Klimafragen hierzulande, sagt Hüttmann, sei darum eine Illusion: „Wenn es wirklich daran geht, dass wir als Gesellschaft umschalten, werden wir diese Mechanismen von Leugnen und Vernebeln auch hier erleben“.

Schon heute ertragen auch deutsche Wissenschaftler wie Stefan Rahmstorf vom Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und der Universität in Potsdam, der ein Vorwort zum „Tollhauseffekt“ geschrieben hat, so heisst es, massive Angriffe. „Es gibt einen kleinen, aber sehr lautstarken Sektor der Gesellschaft, der die Erkenntnisse aus der Klimaforschung aggressiv ablehnt, bis hin zu persönlichen Angriffen und physischen Drohungen“, erklärt er in einem Porträt auf der Webseite seiner Hochschule. „Man muss sich einfach ein dickes Fell zulegen.“

Ein weiteres Beispiel: Der ehemalige PIK-Chef Hans Joachim Schellnhuber und Klimaberater der Kanzlerin berichtet in seinem Buch „Selbstverbrennung“, wie er immer wieder von Menschen angegriffen wird, die ihm einen Aufruf zum Massenmord vorwerfen.

Der Autor Michael Mann wurde angeblich auch schon bedroht und ein weißer Pulver in einem Umschlag an ihn geschickt, als der Anthrax-Alarm gerade in den USA seinen Höhepunkt erreicht hatte.

Auch Matthias Hüttmann hat nach eigenen Aussagen schon persönliche Drohungen erlebt: „Jemand hat sich die Mühe gemacht, meine Privatadresse herauszufinden und öffentlich zu posten. Nach dem Motto: Wir wissen, wo du wohnst.“

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Das Urteil der beiden Autoren über die Männer aus den Lobbygruppen und der Politik, die sie porträtieren, es sind offenbar tatsächlich nur Männer, fällt harsch aus. „Eine Vielzahl von Einzelpersonen haben ihre öffentliche Präsenz genutzt, um die Bewältigung des Klimawandels zu verlangsamen“, schreiben sie. Man müsse erkennen, dass sie „einfach nicht Teil der Lösung sein werden. Wir können und müssen ohne sie vorankommen.“ Schärfer formuliert noch ist folgende Passage: „Wenn sie dazu beigetragen haben, uns zu einer katastrophal fehlgeleiteten politischen Reaktion zu führen, wie es offensichtlich scheint, dann darf die Geschichte nicht vergessen, wer sie sind und was sie getan haben.“ Zu dieser Geschichtsschreibung soll der der „Tollhauseffekt“ beitragen.

Schließen möchte ich mit folgenden Worten des Klimaaktivisten „Jonas Schimke/ Günther Vennecke“: “Die Geschichtsschreibung wird ihnen dermaleinst den ihnen gebührenden Platz als Schädlinge der Menschheit zuweisen: Gescheiterte Existenzen, die keinen anderen Sinn in ihrem Leben gesehen haben, als wie ehedem Joseph Goebbels und heute Donald Dumm durch dreiste Lügen die Menschen in die Irre zu führen.”

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8 Kommentare
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  1. Passend zum Artikel noch ein Kommentar eines Klimaaktivisten:

    https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/unsere-atmosphaere-ist-duenn-wie-eine-zwiebelschale/#comment-82569

    Antworten
    Nemesis
    3. November 2018 @ 14:35

    @Michael Krüger

    In diesem kurzen Ausschnitt einer “Cosmos”- Folge mit dem Titel “Heaven and Hell” von 1990 gemahnt Carl Sagan im Kontext der durch fossile Brennstoffe verursachten Klimaerhitzung an die kuscheligen Klimaverhältnisse der Venus^^:

    “Carl Sagan on Global Warming”

    https://youtu.be/HQ5u-l9Je0s

    Ich persönlich fänd’s cool wenn es genau so käme, ich habe nämlich keine Nachkommen und ich kann’s kaum erwarten, auch den letzten Leugner unter Schmerzen verstummen zu sehen und ich werde es in naher Zukunft erleben 8)

  2. Meine Antwort darauf:

    @Rahmstorf

    „Soll heißen: unter eine extremen Annahme könnte die weitere Landnutzungsänderung zu 1 Grad Abkühlung führen und damit die CO2-bedingte Erwärmung teilweise kompensieren, aber das ist sehr unwahrscheinlich.“

    Richtig. Seiner Meinung nach hat die bisherige Landnutzung durch Menschenhand eine globale Abkühlung von 1-2 Grad bewirkt und eine weitere intensive Landnutzung könnte nochmals zu 1 Grad Abkühlung führen. Wir beobachten aber erst 1 Grad Erwärmung durch den Anstieg der Treibhausgase seit 1750. Also noch eine Netto-Abkühlung gemäß Sagan durch Menschenhand. In Cosmos sprach er 1980 gar davon, dass dadurch eine neue Eiszeit ausgelöst werden könnte. Richtig ist aber auch, dass er den Treibhauseffekt auf der Venus groß gemacht hat und vorher schon über Terraforming auf Venuns und Mars spekuliert hat. Die Paper seiner Kollegen haben aber relativ schnell klar gestellt, dass seine Eiszeithypothese infolge einer Albedoänderung überbewertet ist.

    Ich will damit nur sagen, Carl Sagen war ein Alarmist in jeglicher Richtung, dessen Hypothesen der Wissenschaft nicht stand gehalten haben. Jedoch wird er heute, warum auch immer noch als großer Wissenschaftler gesehen.

  3. Dieses Selbstmitleid ist ja nicht auszuhalten. Rahmstorf und der Schelli wurden also schon angegriffen. Wie denn? Mit Argumenten, Metaphern und dergleichen? Beide Herren können in jedem Universitätshörsaal ungestört reden. Da kommt keine Antifa und „überredet“ die dortige Leitung zum Absagen. Das passiert immer nur anderen Leuten.

  4. Die scheinen es irgendwie mit Cartoons zu haben, Schellnhuber wurde ja auch schon in einem verewigt.

  5. Wenn ich da oben das Bild sehe muß ich unweigerlich an Dick und Doof denken, keine Ahnung warum mir gerade die Beiden dabei in den Sinn kommen 😀

  6. Tausende solcher Bilder gibt es.

    Eine amerikanische Ikone der Kunst, Kultur, Politik oder Wissenschaft. Meist leicht gelangweilt.

    Daneben die schlechte deutsche Kopie.
    Immer mit glänzenden Augen. Ganz aufgekratzt. Obwohl man sich jederzeit darüber bewusst ist, dass man alles vom amerikanischen Vorbild geklaut hat und dem kleinen germanischen Biotop als neu verkauft … ist man dem Idol endlich so nah! Hach, ist das schön!!!

  7. Zu Carl Sagan und Venus: Meines Wissens ist die hohe Temperatur auf der Venusoberfläche bei hohem Co2 Anteil kaum auf den Treibhauseffekt zurückzuführen, sondern wesentlich auf die hohe Luftdichte.So wie sich Luft, die man in einer Luftpumpe verdichtet erwärmt, so steigt die Temperatur schlicht durch die Gravitation mit der Nähe zum Boden und Luftdruckzunahme. Durch die völlig mit Wolken bedeckte Oberfläche der Venus wird der Großteil des Lichts ohnehin reflektiert.

    Vor allem durch die Versiegelung der Böden und freiliegende Ackerböden kommt es zu einer bodennahen Aufheizung und in der Temperatur und Flächenausdehnung zunehmende Wärmeinselbildung. Diese Wärmeinseln umfassen inzwischen ganze Länder, vielleicht sogar Kontinente (Europa), ein Effekt, der bei den globalen Temperaturen an den Messstellen möglicherweise nicht ausreichend berücksichtigt wird.

  8. Pressluftflasche?

    Nur schnelle Kompression erzeugt Wärme. Die Venus ist kein Kompressor.

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