Enquete: Brüche und Transformationen

22. Februar 2013 | Von | Kategorie: Artikel, Klimawandel, Ökologismus, Politik

bruecheUm Inhalte ging es auch in dieser 28. Sitzung der Enquete Kommission des Deutschen Bundestages „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität.“⁽¹⁾ Hauptsächlich wurde aber heftig gestritten über den Wert von Handlungsempfehlungen zur Reduzierung des Rohstoffverbrauchs, vor allem welche Wirksamkeit diese im globalen Maßstab haben. Hierrüber gibt es einen heftigen Dissens zwischen Regierung und Opposition und eine Einigung auf gemeinsames Handeln ist schlicht unmöglich. Warum dies so ist, machten Fragen von Michael Müller⁽²⁾ und Meinhard Miegel⁽³⁾ klar: Ob wir uns denn heute in einer Anpassungsphase oder einer Übergangsphase (Müller), einer Bruchsituation oder einer Übergangssituation befinden (Miegel). Von der Beantwortung dieser Frage hängt die innere Logik ab, warum eine sozial-ökologische Transformation der Gesellschaft notwendig ist.⁽⁴⁾

Müller und Miegel gehen davon aus, dass wir in einem historischem Zeitalter leben, einem in dem die alten Erklärungsmuster oder Paradigmen nicht mehr gelten. Und von dieser Grundhaltung sind auch alle Erklärungen der Opposition durchdrungen, es ist die Rede vom Anthropozän⁽⁵⁾ und dass bestimmte Denktraditionen, die in der europäischen Moderne fest verankert sind, heute nicht mehr haltbar sind (Müller). Die Beschreibung der Gegenwart als Zeitalter des Anthropozän mache Brüche und Transformationen notwendig.

Diesen Ausführungen setzen die Regierungsvertreter nichts entgegen, sie interessieren sich mehr dafür ob bestimmte identifizierte Probleme gelöst werden können, und wenn ja, was der beste Rahmen dafür ist. Welche Auswirkungen haben nationale Alleingänge? Wann macht eine Vorreiterrolle eine Sinn und was ist der Unterschied zwischen Vorreiter- und Pionierrolle? Mit dem Begriff Transformation können sie nicht viel anfangen. Im Gegenteil, Frau Skudelny (FDP)⁽⁶⁾ fragt sich: „Wer transformiert mich eigentlich?“ und drückt damit ein tiefes Misstrauen gegenüber der von der Opposition geforderten sozial-ökologischen Transformation aus. „Es ist nicht alles schlecht“ meint sie ergänzend und stellt mit dieser Feststellung die ganze ideologische Deutung der Gegenwart, wie sie von der Opposition vorgenommen wurde, in Frage und beantwortet damit auch die Frage ob wir uns in Bruch- oder Übergangssituationen befinden.

Eine andere Deutung des Begriffs Anthropozän nehmen die Regierungsvertreter nicht vor, es interessiert sie schlicht nicht, sondern Probleme werden identifiziert und nach Lösungen gesucht wie diese am besten bewältigt werden können. Diese Vorgehensweise ist gleichzeitig eine Stärke und eine Schwäche. Die Stärke liegt darin, dass die Unsinnigkeit der Oppositionsvorschläge aufgezeigt werden, die schlagen nämlich 32 nationale, 7 europäische und 4 internationale Maßnahmen vor, wie dem Ressourcenverbrauch und dem Problem der Nutzung öffentlicher Güter wie Atmosphäre, Meere oder Böden zu begegnen ist. Diese Vorschläge gehen von einer Stickstoffüberschussabgabe, um dem Overkill in der Landwirtschaft zu begegnen (Ott), über Transferzahlungen, bis hin zur Einflussnahme, in ihrem Sinne, in die Bildungspolitik (vom Kindergarten angefangen.) Ein Portfolio von Gängelungen, immer mit dem Hintergrund, das Anthropozän verlange dies. Wobei auch geflissentlich auf Erkenntnisse aus dieser Enquete verzichtet wird, wie etwa die weitreichenden Auswirkungen des Rebounds,⁽⁷⁾ die Unmöglichkeit von wirksamen internationalen Verträgen, oder Verlagerungseffekte. „Die Vorschläge der Opposition sind gewollt, doch nicht gut gemacht. Sie lösen nicht die Probleme die in den Kapiteln vorher herausgearbeitet wurden (Skudelny).“

Diese Konzentration von Union und FDP auf Best Practice Maßnahmen, und damit auch die Bloßstellung der Oppositionsvorschläge als ideologischen Aktionismus, ist eine Stärke, die allerdings nicht richtig zu Geltung kommen kann weil gesamtgesellschaftliche Deutungen der Opposition überlassen werden. Deren Transformationsforderungen gründen sich hauptsächlich auf diese Deutungen und nicht auf die Identifizierung von einzelnen Problemen. Und deswegen reden die Akteure auch permanent aneinander vorbei. Obwohl die Regierungsvertreter keine Entgegnung auf die Beschreibung der Gegenwart als Anthropozän vornehmen, auch weil sie dem im Grunde schon zugestimmt haben, so machen sie doch durch die Anwendung der Best Practice Vorgabe deutlich, dass sie nicht an ein neues Zeitalter glauben, eines in dem die Erklärungsmuster der Moderne nicht mehr gelten sollen. Nur ausformulieren tun sie es nicht.

Würden sie das tun, könnten sie recht schnell erkennen, dass viele Behauptungen in der Enquete, und auch in der öffentlichen Debatte, schlicht Unsinn sind. Dazu gehört auch die gebetsmühlenhaft und bei jeder sich bietenden Gelegenheit vorgebrachte Erkenntnis, dass ökologischen Grenzen die Grenzen unseres Handelns markieren würden. Dies Spruch ist nichtssagend, weil er nur von einer Fortschreibung unseres gegenwärtigen Wissen ausgeht, und weder Fortschritte noch die Weiterentwicklung des Wissens, der Erkenntnisse und der Technik berücksichtigt. Schon immer häuften sich in der Menscheitsgeschichte in verschiedenen Zeiten Probleme die zu Lasten der Natur gingen, und noch immer hat die Menschheit Lösungen gefunden.

Auch die Opposition hat keine Antworten zur Lösung der identifizierten Probleme, das was sie vorschlagen ist unwirksam und nur dazu geeignet, eigene ideologische Vorstellungen in der Gesellschaft zu verankern. Erkenntnisse können da manchmal recht hinderlich sein. So erwähnte Hermann Ott (Grüne)⁽⁸⁾ in der Aussprache, dass es für ihn ein Hauptergebnis der Arbeit in der Enquete wäre, die Rolle des Rebound erkannt zu haben. Dennoch ist man sich auf Seiten der Opposition nicht zu schade gerade solche Maßnahmen vorzuschlagen, die unter diesem Aspekt des Rebound nutzlos sind. Sie führen zu keiner Verringerung der Ressourcennutzung, sondern schädigen nur diejenigen die sie durchführen. Dietmar Hexel (SPD)⁽⁹⁾ gibt dies sogar offen zu, und spricht davon, dass sie keine Strategie haben wie sie den Reboundeffekt verändern können: „Das bleibt der Zukunft überlassen.“

Union und FDP haben sich in dieser Enquete darauf beschränkt Probleme zu indentifizieren, und sind dabei schon den grünen Ideologen auf den Leim gegangen, indem sie Deutungsmuster der Opposition allzu unkritisch übernommen haben. Aufgefallen ist ihnen das erst, als es um die Handlungsempfehlungen ging und die eklatante Disharmonie von Erkenntnis und Lösungsvorschlägen der Opposition offenbar wurde. Grüne und SPD, nebst Linke, sind an einer Best Practice Strategie nämlich gar nicht interessiert und verkünden nur Lösungsvorschläge die zu ihrer Ideologie und ihrem gesamtgesellschaftlichen Deutungsmustern passen.

Womit wir wieder beim Anthropzän wären. Wenn schon die Regierung meint diesen Begriff für die Beschreibung der Gegenwart verwenden zu müssen, dann wird es auch höchste Zeit diesen mit eigenen Inhalten zu füllen. Solchen die ohne die katastophistischen⁽¹⁰⁾ Vorstellungen von Übergangs- und Bruchsituationen der Geschichte auskommen. Oder sie gestehen sich ein, den Grünen auf dem Leim gegangen zu sein, aber dies wird man wohl nicht erwarten dürfen.

Verweise / Erläuterungen

(1) Website mit der Videoaufzeichnung dieser 28. Sitzung der Enquete des Deutschen Bundestages „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“. Ebenso dort Download verschiedener Dokumente wie Berichtsentwurf und Änderungsanträge.
[bundestag.de: Enquete Wachstum: 28. Sitzung am 18. Februar 2013]

(2) „Michael Müller. Stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion von 1994 bis 2005. Parlamentarischer Staatssekretär von 2005 bis 2009. Bundesvorsitzender der NaturFreunde Deutschlands. Präsidium des Deutschen Naturschutzrings.
[bundestag.de: Michael Müller]

(3) „Nach Ansicht des Publizisten Meinhard Miegel hat sich die Wachstumsphilosophie erschöpft. Die Grenze der wirtschaftlichen Steigerung sei erreicht. Daher müsse anstelle des materiellen ein immaterieller Wohlstandsbegriff treten.“
[dradio.de Die Grenze ist erreicht]

(4) Siehe auch den Bericht von der 26. Stitzung der Enquete.
[glitzerwasser: Die Enquete und das Nichtprofitprinzip in der Wirtschaft]

(5) Der […] Begriff, Anthropozän, wurde von Paul Crutzen geprägt und wird vor allem dann verwendet, wenn der schädliche Einfluss des Menschen auf die Natur und die Geosysteme beschrieben wird.
[glitzerwasser: Anthropozän und Technium]

⁽⁶⁾ „Judith Skudelny, FDP, Rechtsanwältin, Verheiratet; zwei Kinder. Rechtsanwältin in einer mittelständischen Kanzlei mit den Schwerpunkten Sanierungs- und Insolvenzrecht. Politisch engagiert seit 1993, zunächst bei den Jungen Liberalen, der Jugendorganisation der FDP; seit 1998 Mitglied der FDP. Seit 2004 Mitglied des Gemeinderates Leinfelden-Echterdingen; 2009 Wiederwahl in den Gemeinderat und Einzug in den Deutschen Bundestag.“
[bundestag.de Judith Skudelny]

(7) „Energieeffizienzmaßnahmen allein haben also wenig bis keine Auswirkung auf eine angestrebte Schonung von Ressourcen, manchmal führen dieses gar ins Gegenteil, dass hinterher mehr verbraucht wird als vorher.“
[science-Skeptical.de: Energieeffizienz, Rebound und Backfire]

(8) „Doch hier ist er in eine Falle getappt, weil er an anderen Orten erst in jüngster Vergangenheit andere Positionen vertreten hat, oder eigene Erkenntnisse verschweigt, die er aber nachweislich hat. Hier möchte ich besonders auf seine Tätigkeit als Leiter der Projektgruppe 3 in der Enquetekommission »Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität« hinweisen.
[glitzerwasser: Ott bei Friedman, oder wie mit falschen Ängsten Politik gemacht wird]

⁽⁹⁾ „Dietmar Hexel gehört seit 2002 dem Geschäftsführenden Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) an. Dort verantwortet er die Felder Struktur-, Industrie- und Dienstleistungspolitik, Mitbestimmung und Corporate Governance, gewerkschaftliche Organisationspolitik und -entwicklung sowie den DGB-Rechtsschutz.“
[bundestag.de: Dietmar Hexel]

(10) „ Im Gegensatz zum klassischen Aktualismus (oder vielmehr: Gradualismus) geht man bei der katastrophistischen Betrachtung der Natur auch von einmaligen und unumkehrbaren Ereignissen aus, die sehr rasch vorübergehen können und dennoch große und bleibende Veränderungen bewirken.“
[wikipedia.de: Katastrophismus]

Aritkel auch erschienen in Glitzerwasser

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18 Kommentare
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  1. Wenn ich mir das hier so anschaue, wo also nach meinem Empfinden, quasi wie „Partei-Hochschul-Absolventen“ eine „sozial-ökologische Transformation“ unserer Gesellschaft als nützliche ideologische Seilbahn in einen „Öko-Sozialismus“ diskutieren, dann geht es wohl getarnt um einen dritten Weg zum Sozialismus.

    Als ob der nationalsozialistische und der ach so demokratische Sozialismus nicht schon bewiesen hätten, das despotische Ideologie, im Kern immer menschenfeindlich ist.
    Spätestens, wenn der liberale, weltoffene Blick, nicht den gesellschaftlichen Wandel durch die Fortentwicklung von Wissenschaft und Technologie als den eigenen Antrieb, als die Konkurrenz menschlicher Intelligenz zulassen will, sondern von eitler Überzeugung beseelt, „seine Transformation“ der Gesellschaft staatlich von oben wie einen Einlauf verordnen möchte, stellt sich mir die Frage, wie sind die denn drauf?

  2. Ich habe jetzt noch mal den Redebeitrag von Frau Skudelny auf Youtube hochgeladen, weil ich finde, dass er es wert ist gesehen zu werden. Die ganze zweieinhalbstündige Sitzung schauen wahrscheinlich nicht so Viele an. Ich bin natürlich nicht mit allem was sie sagt einhundert Prozent einverstanden, aber die Grundeinstellung ist mit meinen Überzeugungen identisch.

    http://youtu.be/aDuS-o3WWk8

  3. Lieber Herr Quencher,

    Sie schreiben:

    „Leute wie Michael Müller oder Meinhard Miegel sprechen da von Umbrüchen und Paradigmenwechsel, alte Erklärungsmuster gelten nicht mehr. Eine neue gesellschaftliche Theorie soll etabliert werden, eine welche dem Menschen eine neue Rolle in seiner Umwelt zuweisen soll. … Einmal der Bruch in unseren Denktraditionen, und einmal den Bruch in den Mechanismen der modernen Gesellschaft.““

    Na ja, wenn man eine komplexe Gesellschaft beobachtet, wann gibt es denn keine Paradigmenwechsel und Brüche.

    Je mehr Beobachter desto mehr Paradigmenwechsel und Brüche.

    Das Transformationsgerede hat ein Dilemma.
    Niemand kann zeigen, ob die vorgeschlagene Transformation tatsächlich eine wirksame Lösung ist.
    Es ist nur eine behauptete Lösung oder eben eine unbewiesene Theorie.

    Es gibt allerdings Transformationen, da ist empirisch gezeigt, dass sie nicht funktionieren.
    Das waren auch behauptete Lösungen von Beobachtern der Gesellschaft.

    Als Bürger ordne ich das auch so ein.

    Ich nehme mir die Freiheit herbeigeschriebene Transformationsbedarfe abzulehnen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  4. So erwähnte Hermann Ott (Grüne)⁽⁸⁾ in der Aussprache, dass es für ihn ein Hauptergebnis der Arbeit in der Enquete wäre, die Rolle des Rebound erkannt zu haben.

    Das ist wohl ein ziemlicher Hammer. Kann es sein, daß jemand in den Bundestag gewählt wird und auch noch große Reden über Wirtschaft und Gesellschaft schwingt, ohne den Rebound zu kennen? Ich fasse es nicht.

    Dietmar Hexel (SPD)⁽⁹⁾ gibt dies sogar offen zu, und spricht davon, dass sie keine Strategie haben wie sie den Reboundeffekt verändern können: „Das bleibt der Zukunft überlassen.“

    Nur die Aussicht auf den Rebound-Effekt bewegt Unternehmer dazu, in Innovationen zu investieren. Denn nur durch einen Rebound kann eine Investition in das Neue mehr Gewinne einspielen, als die Optimierung des Bestehenden. Mit „verändern können“ ist ja wohl „verhindern“ gemeint. Au Backe.

  5. Lieber Herr Heß,

    Vor allem bei der letzten oder vorletzten Sitzung der Enquete ist viel von der sozial-ökologischen Transformation gesprochen worden. Da gibt es wohl eine Abgrenzung zur großen Transformation wie sie im WBGU Gutachten gefordert und beschrieben ist. Ich muss aber zugeben, dass ich mir das noch nicht so im Detail angeschaut habe.

    Frau Skudelny im Video (ab 5:00 min)

    Transformation ist ein grundsätzlicher Wechsel, der Austausch von politischen Regimen oder gegebenenfalls auch von gesellschaftlichen und politischen Ordnungen.

    Hier geht es nicht um Einzelaspekte, sondern ums große Ganze. Oder wie Michael Müller sagt: „Es geht um zentrale Fragen der gesellschaftlichen Theoriebildung.“

    Die ganze Diskussion läuft ja auf mehreren Ebenen ab.

    1. Problemanalyse. Hier sind schon die ersten Uneinigkeiten da. Was wird als Problem erkannt und was nicht. Fast die ganze Klimadebatte steckt auf dieser Ebene fest und die Unterscheidung zwischen Skeptiker und Alarmist ist hauptsächlich aus dieser Ebene der Problemanlyse hervorgegangen. In der Klimadebatte kommt natürlich auch noch hinzu, inwieweit Menschen für den Klimawandel verantwortlich gemacht werden können.

    2. Werden Probleme als solche erkannt, stellt sich die Frage wie sie zu bewerten sind, als Einzelproblem dem man gegebenfalls mit Korrekturen begegnen kann (als Beispiel: Rauchgasentschwefelung). Oder sind die erkannte Probleme nicht zu bewältigen und liegen an unserer Art zu wirtschaften. Wenn man zu letzterer Erkenntnis kommt, ist es zwingend das ganze System zu ändern.

    Und über diesen Punkt 2 wird heute diskutiert. Die Klimadebatte, wenn ich das mal etwas provokativ sagen darf, ist von vorgestern. Sie wird zwar immer noch geführt, hat aber separat gesehen, keinerlei Auswirkungen mehr. Diejenigen die sich da im Infight befinden sehen das natürlich anders.

    Meines Erachtens nach hat es nicht viel Sinn sich auf diese Infights zu beschränken. Diese Kämpfe müssen geführt werden, doch muss man sich, so glaube ich, im Klaren sein dass sollte einmal ein solcher Kampf in Form einer Unterscheidung zwischen Sieger und Verlierer geklärt sein, sofort das nächste Kaninchen aus dem Hut gezaubert wird.

    Deshalb plädiere ich auch dafür den Begriff Anthropozän aufzunehmen und mit eigener Deutung zu versehen. Etwa in dem Sinne: Jawohl, wir greifen in die Erdsystemprozesse ein, doch das ist gut so.

  6. Lieber Herr Heller, lieber Herr Quencher

    dass die Grünen jetzt vom „Reboundeffekt“ überrascht wurden ist meiner Ansicht nach ein Indiz dafür, dass „Klimaschutz“ nur ein Vehikel ist, um die eigenen politischen Rezepte umzusetzen und die Weltanschauung durchzusetzen.

    Dazu passt auch die Einschätzung der SPD sinngemäß:

    „Wir schlagen Massnahmen vor von denen wir glauben, dass sie dämpfend wirken“

    Gäbe es den Klimawandel nicht würden diese Rezepte auf ein anderes Problem angewendet. Die Rezepte werden im Video konkret „Soziale und kulturelle Innovationen“ genannt.

    Der CDU-Vertreter bezeichnet diese Rezepte als „ökologischer Sozialismus“.
    Ich finde das bemerkenswert, bedenkt man, das der CDU-Vertreter etwa 40% Wähler vertritt.

    Nun auf der Klimazwiebel sind nun einige der Meinung „Freiheit statt Sozialismus“ sei von gestern. Herr Nüsslein scheint nicht der Meinung zu sein.

    Herr Nüsslein spielt allerdings auch den Naiven, in dem er von den Minderheitenvoten der Grünen und Linken überrascht ist, obwohl die Lippenbekenntnisse zum Konsens abgegeben hatten

    Diese Taktik kenne ich noch aus meiner Uni-Zeit als Taktik der marxistischen Hochschulgruppe. Die haben immer bei den Verhandlungen in der Vollversammlung oder den Fachschaften versucht möglichst viel Konsens zu ihrer Weltanschauung herauszuholen. Liberale, soziale und christliche Demokraten neigen eben zum Kompromiss und zum Sachbezug, linke Sozialisten jeder Couleur nicht. Hat den Linken der Kompromiss nicht gepasst, haben sie ihn doch noch abgelehnt und ein Minderheitenvotum abgegeben.

    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  7. Lieber Herr Quencher,

    sie schreiben:

    „Deshalb plädiere ich auch dafür den Begriff Anthropozän aufzunehmen und mit eigener Deutung zu versehen.“

    Nun ich denke, wenn es uns gelänge 7 Mrd. Menschen oder mehr mit dem gleichen Wohlstand zu versorgen den wir in Deutschland haben, würde aus der Welt eine einzigartige Kultur- und Naturlandschaft.

    Eine Kultur- und Naturlandschaft für die wir Mitteleuropäer schon seit einigen Jahrhunderten Pioniere sind.

    Das gelingt nur in einer freien Gesellschaft.

    Das wäre meine Vision eines Anthropozän.

    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  8. Lieber Herr Heß,

    # 6 möchte ich mich unbedingt anschließen, das sehe ich ganz genau so.

    Zu # 7, hier denke ich auch vor allem an eine freie Gesellschaft, die zwar auch Natur schützt und achtet, sich aber nicht vermeintliche Grenzen unterordnet, sondern versucht diese zu überwinden, oder zumindest auszudehnen. Leider gibt es darüber keinerlei Diskussion. Statt dessen höre ich nur von Grenzen, Grenzen, Grenzen. Wachstum, Wohlstand, Weltbevölkerung, Emmissionen, Wissen, Ölkologie -- überall werden Grenzen gezogen, am Schluss fühlt man sich nur noch wie in einem Gefängnis. Eines dass man sich selbst baut und aus dem man mangels Phantasie auch nicht ausbrechen kann.

  9. Lieber Herr Quencher #8,

    sie schreiben:
    „Statt dessen höre ich nur von Grenzen, Grenzen, Grenzen. Wachstum, Wohlstand, Weltbevölkerung, Emmissionen, Wissen, Ölkologie — überall werden Grenzen gezogen, am Schluss fühlt man sich nur noch wie in einem Gefängnis. Eines dass man sich selbst baut und aus dem man mangels Phantasie auch nicht ausbrechen kann.“

    Nun, die Grenzen sind in den Köpfen von Kleingeistern.

    Natürlich muss man sinnvolle Regeln vereinbaren und kommunizieren. Aber das heißt doch nicht, dass man alles per Gesetz regeln muss.

    Die meisten Menschen sind doch ausreichend fleissig und ordentlich. Kleingeister haben kein Vertrauen in ihre Mitmenschen, dass diese sich von sich aus an sinnvolle Regeln halten.

    Mein Vater erzählt immer vom autofreien Sonntag in den Siebzigern während der Energiekrise.

    Da waren die Autobahnen mitnichten ganz leer. Da gab es dann Leute die mit ihrer Familie einen Ausflug gemacht haben und geprahlt haben, dass sie eine Sondergenehmigung hatten.

    Die autofreien Sonntage waren völlig sinnlos.

    Da können sie im Kleinen sehen zu was die große Transformation führt, zu einer Kaste von Priviligierten die dann mehr CO2 erzeugen dürfen als das Fußvolk, im wahrsten Sinne des Wortes.

    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  10. Diese Taktik kenne ich noch aus meiner Uni-Zeit als Taktik der marxistischen Hochschulgruppe. Die haben immer bei den Verhandlungen in der Vollversammlung oder den Fachschaften versucht möglichst viel Konsens zu ihrer Weltanschauung herauszuholen. Liberale, soziale und christliche Demokraten neigen eben zum Kompromiss und zum Sachbezug, linke Sozialisten jeder Couleur nicht. Hat den Linken der Kompromiss nicht gepasst, haben sie ihn doch noch abgelehnt und ein Minderheitenvotum abgegeben.

    da lobe ich mir meine hochschule in zittau. auch wenn diese in heutiger lesart nur eine hochschule 2ter klasse (FH) ist, wurde zumindest der fachschaftsrat meines fachbereiches in meiner studienzeit von realisten dominiert.
    das lag vieleicht auch daran, das wir viele profs hatten, welche ausgewiesene praktiker waren…

  11. Die Transformation geht weiter:
    http://www.n-tv.de/politik/BIP-nicht-so-wichtig-article10214656.html

    Der sinnfreie Parameter „CO2 Ausstoß“ soll (positiver) Wohlstandsindikator werden.

    Armut ist Reichtum.

  12. #11. FK 9 Pilot

    Armut ist Reichtum.

    jawoll, siehe „Bruttonationalglück“ in Bhutan. Na klar ist Geld nicht alles, aber ohne Geld ist eben alles nix. Mit diesem Stuss will man den „gemeinen teutschen Untertanen“ schon mal auf Verzicht und Wohlstandsabbau trimmen.

    karl.s

  13. schon mal auf Verzicht und Wohlstandsabbau trimmen.

    Denn etwas anderes produzieren kann unsere Politnomenklatura samt angehängter Bürokratie einfach strukturell, auf Basis des eigenen Qualifikationsniveau nicht.- wenn die über Fachkräftemangel reden, habend die offenkundig nur den eigenen Klüngel vor Augen.
    Also müssen die Erfolgsparameter -- neudeutsch Key Performance Indicators angepasst werden.
    In der eigenen Dialektik wird somit Miserfolg zum Erfolg, wenn man Miserfolg als Erfolg definiert.

    (Hihi…, wenn man in einigen Großunternehmen nix G’scheites zum Output beitragen kann, dann definiert man z.B. „Verbesserung der Meetingkultur“ zum KPI -- wenn’s der Cheffe mitmacht…)

    Bin mal gespannt, ob es den Geschädigten, also dem Souverän, trotz massiven Einsatzes von elektronischen Massenverblödungswaffen, noch geling, dieses Prinzip zu erkennen und ob die Zipfelmütze mit den jetzigen Machthabern noch einmal so gnädig umgehen wird, wie mit den ’89 entsorgten…

  14. Bhutan
    Nationalglück……auf Pump.

    Der Staatshaushalt umfasste 2005 Ausgaben von umgerechnet 588 Mio. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 302 Mio. US-Dollar gegenüber. Fast drei Fünftel der Ausgaben werden vom indischen Staat bestritten.

    Alle wirtschaftlichen Interessen des Landes werden dem Umwelt- und Naturschutz untergeordnet, weswegen das Land über eine Naturbelassenheit verfügt, die heutzutage, relativ auf die Landesgröße gesehen, nahezu unvergleichlich auf der Welt ist. So sind z.B. immer noch zwei Drittel Bhutans bewaldet. Schon in der Schule wird den Kindern intensiv beigebracht, wie wichtig der Umwelt- und Naturschutz ist und es wird viel praktisch, direkt draußen in der Natur, gelehrt.

    Dagegen ist die Arbeitslosigkeit vor allem unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den Städten relativ hoch und der Lebensstandard relativ niedrig.

    Die volkswirtschaftliche Basis von Bhutan ist schmal. Die Landwirtschaft ist nicht produktiv und wird weitgehend durch Subsistenzniveau bestimmt. Reisüberschüsse werden nicht produziert, vielmehr ist die Regierung gezwungen, Reis zur Versorgung der Bevölkerung zu importieren. Mit dem zu erwartenden Bevölkerungswachstum wird sich Bhutan künftig mit Problemen der Nahrungsmittelversorgung konfrontiert sehen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bhutan#Wirtschaft

    Viel Spass, da bin ick lieber unglücklich.
    H.E.

  15. #13. FK 9 Pilot

    (Hihi…, wenn man in einigen Großunternehmen nix G’scheites zum Output beitragen kann, dann definiert man z.B. “Verbesserung der Meetingkultur” zum KPI — wenn’s der Cheffe mitmacht…)

    dat sind dann die sogenannten „weichen Faktoren“, die ich in der Parametrisierung der Eingangsdaten für die Erfolgsberechnung selbtredend höher gewichten kann 😉 Das Ergebnis unterm Strich ist zwar rot, aber wir haben uns wenigstes alle lieb. Bei Ratingsystemen klappt das auch ganz prima.

    karl.s

  16. #14. Heinz Eng

    Viel Spass, da bin ick lieber unglücklich.

    jo, Heinz, ich auch. Auf solcherlei Glück kann ich gut und gerne verzichten. Ich habe schließlich nicht schon 40 Jahre geackert, um mich jetzt wegen solcher überkandiedelten Öko-Spinner freiwillig wieder ins Mittelalter zurückkatapultieren zu lassen. Irgendwo ist auch mal Schluß mit Lustig.

    karl.s

  17. # 11 FK 9 Pilot

    Das DIW ist schon durch seine Finanzierung ein U-Boot und die 10 willkürlichen Kriterien, von denen sich keine international belastbaren Fakten ableiten lassen, außer dem BIP, es sei denn Kohorten von DIW-Befragern reisen durch die Welt, um soziale und ökologische Aspekte zu eruieren sind geschäumter Quatsch.
    Denn es gäbe z.B. genügend andere Kriterien, im medizinischen Versorgungs-Bereich oder technischer Ausstattung usw. eines Vergleichs, die den Experten nur unwichtiger als die ökologischen Aspekte eines Sektierertums sind.
    Es ist diese verengte Sichtweise, die keine rational offene wissenschaftlichen Studie zeigt, sondern akribisch mit Scheuklappen versehen Stallgeruch ausdünstet.

  18. Armut ist Reichtum.

    Wenn solche kollektiven ‚Reichümer aufgeführt werden, muss ich immer an Hermann Göring denken, der den Deutschen mal erzählte, dass das wirkliche Glück des Volks von ‚Kanonen statt Butter‘ abhängig wäre.