IPCC WGII SPM: Ein Ratespiel im Zwielicht der Halbwahrheiten

3. April 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Klimawandel, Wissenschaft

Letztes Jahr hagelte es bei uns. Hagel im Allgemeinen ist zwar nicht ungewöhnlich, in der Heftigkeit von damals aber schon. Bis zu tennisballgroße Körner fielen vom Himmel, produzierten ein paar Dellen im Auto und zerschlugen eine Handvoll Dachziegel. Das erlebt man eben auch nur einmal pro Dekade. Oder so. Alles war übrigens versichert, wurde schnell reguliert und repariert. Ich hatte es schon vergessen. Denn es gibt wichtigeres.

Erst als die Ergebnisse der zweiten Arbeitsgruppe („Working Group II (WGII)“) des zwischenstaatlichen Ausschusses zum Klimawandel der Vereinten Nationen („Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)“) vor einigen Tagen öffentlich wurden, erinnerte ich mich wieder an den Hagel. Der eigentliche Report ist jetzt auch verfügbar, gelesen habe ich aber nur die Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger („Summary for Policymakers (SPM)“). Und in dieser heißt es dann sinngemäß, mit solchen Extremwetterereignissen wie dem Hagel müsse man in Zukunft wohl häufiger rechnen. Wegen des Klimawandels, des menschgemachten, jedenfalls mutmaßlich menschgemachten, wahrscheinlich „very likely“ mit „high confidence“ menschgemachten. Gut, über den Hagel in meiner Gegend steht da eigentlich konkret nichts. Aber aus dem Zusammenhang des geschriebenen glaube ich entnehmen zu können, daß es dachziegelbrechende Hagelkörner bei mir „more likely than not“ mit „medium confidence“ häufiger geben könnte. Bei einem Grad Erwärmung. Bei zwei oder mehr Grad natürlich auch, aber dann wohl eher „likely“ bei „medium confidence“. Oder vielleicht „unlikely“ bei „high confidence“? Also gut, kommt der extreme Hagel dann eben zweimal pro Dekade statt nur einmal – bei welchem likely- oder confidence-level auch immer – es interessiert mich nicht. Ich bin versichert („virtually certain“), das Auto ist bis dahin ohnehin durch ein neues ersetzt und vielleicht frage ich meinen Dachdecker nach stabileren Ziegeln. Mir ist der blöde Hagel doch völlig egal. Es gibt wichtigeres.

Ich muß zugeben: Selten hat mich ein IPCC-Dokument ratloser zurückgelassen. Die hohe Kunst, bloße Vermutungen hinter komplizierten Formulierungen zu verstecken, hat man diesmal auf die Spitze getrieben. Man unterscheidet zwischen Evidenz, Übereinstimmung zwischen den beteiligten Autoren („Agreement“), „Vertrauen in die Validität“ und Eintrittswahrscheinlichkeit in jeweils drei bis zehn Abstufungen, die durch unterschiedliche Kombinationen von „likely“ oder „confidence“ mit diversen Adverbien („more“, „very“ u.ä.) verdeutlicht werden sollen. Was dem Leser einen erheblichen Entschlüsselungsaufwand abverlangt. Klare Formulierungen nach dem Schema „in Afrika werden in 2020 zwischen 75 und 250 Millionen Menschen aufgrund des Klimawandels unter Wassermangel leiden“, wie sie im 2007er Bericht noch an der Tagesordnung waren und die man offensiv hinterfragen konnte, fehlen nun völlig. Nun ist alles nur noch Spekulation. Likely. Oder sollte ich besser sagen: Geraten? High confidence.

Ein paar Fortschritte gibt es immerhin. Man weicht – endlich – von der offiziellen UN-Sprachregelung ab. Diese unterscheidet ja feinsinnig zwischen „Klimawandel“ (anthropogen) und „Klimavariabilität“ (natürlich). Als würde letztere sich über die Zeit automatisch ausgleichen und könnte nicht auch langanhaltende Trends verursachen. Die Arbeitsgruppe 2 hingegen will nun unter „Klimawandel“ alles subsummiert verstanden wissen. Menschgemachte Veränderungen in der Zusammensetzung der Atmosphäre ebenso, wie die Sonne oder die Vulkane. Das ist ein geradezu skeptischer Ansatz. Und man bleibt dort nicht stehen. Nein, man räumt zwei Dinge ein. Erstens könne ein Klimawandel durchaus auch positiv zu bewertende Folgen aufweisen („benefits“ – auch dies fand sich nicht so deutlich in der Zusammenfassung des Jahres 2007) und zweitens sei das Klima bereits heute manchmal nicht nett zu uns. Risiken wie Hochwasser, Dürren, Stürme und mein Hagel – die gibt es ja schon. Ja, das hat man jetzt festgestellt. „Virtually certain“ mit „very high confidence“. Im Prinzip hat uns die Zukunft auch nur das zu bieten, mit dem wir schon immer leben müssen. Schlechtes Wetter. Wobei mein Dachdecker den Hagel wahrscheinlich nicht so schlimm fand. Und die KFZ-Werkstätten in der Umgebung wohl auch nicht. Was schlechtes Wetter ist, liegt eben in der individuellen Einschätzung. Wenn es im Sommer viel regnet, freut sich der Landwirt. Wenn nicht, freuen sich die Ausflugslokale. Man kann es einfach niemandem recht machen, als Klima meine ich. Very likely. High confidence.

Okay, okay, ich will es auch nicht verharmlosen. Wenn Überflutungen Infrastrukturen (Straßen und Versorgungsnetze) zerstören, Wirbelstürme Häuser vernichten oder Dürren für Trinkwassermangel sorgen, dann ist das schon ein Problem. Aber es ist eben kein neues. Man sollte Infrastrukturen und Häuser stabiler und die Wasserversorgung robuster gestalten. Genau darum geht es ja auch in dem neuen Bericht. Um die Notwendigkeit und die Möglichkeiten, sich anzupassen. An destruktive natürliche Einflüsse. Die zentralen Botschaften der Zusammenfassung finden sich nach meiner Meinung in Tabelle 1. Hier sind für jede Region die Schlüsselrisiken aufgeführt, gemeinsam mit dem zukünftigen Risikoniveau und den Möglichkeiten, dieses durch Anpassung zu vermindern. Die Abbildung zeigt den Ausschnitt für Europa gemeinsam mit der erläuternden Legende.

WG2a

Die Frage, wie die Länge der orangenen Balken bestimmt wurde, bleibt offen. Es ist vermutlich eine „Expertenabschätzung“, mehr oder weniger durch eine Art „Abstimmung“ zwischen den Autoren entstanden. Eine Plausibilitätsbetrachtung mit einem großen Anteil an Willkür. Wichtig ist der Balken für „Present“. Er zeigt die Klimarisiken der Gegenwart, sozusagen die Basislinie, ganz ohne weitere Erwärmung. Ziemlich hoch, finde ich. Aber wir leben damit. Und fühlen uns wohl. Sagen zumindest die Klimaschützer, die ja sehr darauf aus sind, genau diesen Zustand zu erhalten. Also nenne ich ihn den „akzeptierten Zustand“. Und ziehe eine rote Linie (die stammt nämlich von mir und ist im Original nicht vorhanden) von diesem ausgehend in die Zukunft. Siehe da: Mit entsprechenden Anpassungsmaßnahmen könnte man diesen Zustand auch in Zukunft erreichen. Ganz ohne Vermeidung, ganz ohne Energiewende, stattdessen mit Glühbirnen, schnellen Autos und Flugreisen in den Urlaub. Puristen mögen einwenden, dies stimme zumindest nicht für das extreme Szenario einer Erwärmung von vier Grad bis 2100. Und Aktivisten mögen kontern, für ärmere Regionen, die sich Anpassung kaum leisten könnten, stimme das gar nicht. Im nächsten Bild daher derselbe Ansatz für Afrika.

WG2b

Man komme mir jetzt nicht damit, die orangefarbenen Balken wären doch nur qualitativ zu sehen und orientierten sich an einer groben dreistufigen Einteilung. Denn für die schraffierten Bereiche gilt dies offensichtlich nicht. Man hat deren Länge sehr genau auf ein Maß begrenzt, das in vielen Fällen nicht ermöglicht, steigende Klimarisiken durch umfassende Anpassungsmaßnahmen vollständig abzudecken. Damit man auch ja nicht auf die Idee kommt, Anpassung allein könne genügen. An mehreren Stellen im Text wird dagegen das Mantra wiederholt, Vermeidung und Anpassung würden sich sinnvoll ergänzen. Vermeidung wäre notwendig, um die Risiken auf zumindest das Ausmaß zu begrenzen, das mittels Anpassung auf den Gegenwartswert zurückgeführt werden könne. Hier liegen zwei schwerwiegende Fehleinschätzungen vor:

  • Zunächst sind Anpassung und Vermeidung sich widersprechende Strategien, was ich bereits in dieser Analyse herausgearbeitet hatte. Auch enthält Anpassung als wesentliches Moment die aktive Nutzung der positiven Folgen des Wandels (etwa eine Verbesserung der Trinkwasserversorgung, die Verlängerung von Vegetationsperioden, die Ausweitung der Zahl anbaubarer Feldfrüchte, der Rückgang an Kältewellen und Frostperioden, der bessere Zugang zu Bodenschätzen und die Eröffnung neuer Transportwege – in jeweils bestimmten Regionen, um nur einige Beispiele zu nennen). Vermeidung hingegen vermindert nicht nur Risiken, sondern auch Chancen. Während Anpassung Werte schafft und erhält, reduziert Vermeidung die Optionen.
  • Zusätzlich ist vollkommen unklar, welche Möglichkeiten der Anpassung in den einzelnen Weltregionen in Zukunft überhaupt gegeben sind. Einerseits betrifft dies die Quantität, also schlicht das Wohlstandsniveau der betroffenen Gesellschaften. Andererseits aber auch die Qualität, beispielsweise die zur Verfügung stehenden Technologien. Wir wissen einfach nicht, in welchem Ausmaß unsere Nachfahren auf Konzepte und Systeme zurückgreifen können, mit denen beispielsweise Landwirtschaft, Wasserversorgung, Mobilitäts- und Kommunikationsinfrastrukturen oder auch Wohnraum neu und robuster gestaltet werden können. Bereits heute kommt ja – um nur ein Beispiel zu nennen – ein großer Teil unserer Nahrung nicht mehr „vom Acker“. Sondern aus chemischen Laboratorien, großen Treibhäusern, aus Ställen oder aus Fischfarmen, in denen künstliche Bedingungen völlig unabhängig von Wetter, Witterung und Klima jederzeit optimale Wachstumsvoraussetzungen und hohe Produktivität auf kleiner Fläche gewährleisten. Wer weiß schon, wie das in fünfzig oder hundert Jahren aussieht. Vielleicht kommen die Steaks dann aus dem Drucker, ohne Tiere dafür aufziehen und schlachten zu müssen. Möglicherweise ist eine Anpassung der heutigen Landwirtschaft an einen Klimawandel allein schon deswegen nicht mehr notwendig, weil eine Landwirtschaft nach heutigem Muster nicht mehr existiert.

Zugegebenermaßen ist es schwierig, derlei Entwicklungen seriös in Szenarien abzubilden. Was man aber abschätzen kann, ist das künftige Wohlstandsniveau. Gemäß IPCC hat die Menschheit durch die Verbrennung von Kohlenwasserstoffen den Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre seit 1850 von etwa 280 ppm auf etwa 400 ppm gesteigert. Um in den Bereich von 650 oder mehr ppm zu kommen, der für eine Erwärmung von etwa 4 Grad notwendig wäre, ist also noch einmal etwa die doppelte Menge an Erdöl, Erdgas und Kohle zu verfeuern, wie in den letzten 150 Jahren. Das erfordert massive Anstrengungen. Die nicht ohne Wirkung bleiben, denn wir nutzen die fossilen Brennstoffe schließlich nicht zum Spaß. Sondern um dadurch Wertschöpfung zu generieren.

Im IPCC-Bericht des Jahres 2007 bildeten sozioökonomische Szenarien, die denkbare Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft beschrieben, den Ausgangspunkt zur Kalkulation der künftigen Emissionen. Im aktuellen Bericht fehlen diese (bislang). Ich greife daher beispielhaft auf eines der alten zurück (Quelle: Special Report Emission Scenarios SRES, in dem sich weitere Erläuterungen dazu finden). Ausgewählt habe ich das sogenannte „A1G AIM“, das erstens zu vier Grad Erwärmung führen könnte und mir zweitens hinsichtlich der Projektionen der künftigen Entwicklungen von Weltbevölkerung, Energiebedarf und Energiemix plausibel erscheint. Die beiden folgenden Abbildungen charakterisieren das Szenario hinsichtlich dieser Parameter. Unter „OECD 90“ sind dabei die Länder subsummiert, die in den 1990er Jahren als Industrie- bzw. Schwellenländer angesehen wurden – China und Indien gehörten damals noch nicht zu dieser Gruppe.

WG2e

WG2c

Erdgas wird in diesem Szenario der mit Abstand wichtigste Primärenergieträger. Unter „andere NIEs“ sind Wasser, Wind, Sonne und Geothermie zusammengefaßt. Noch einmal zur Verdeutlichung: Wer auch immer glaubt, dies wäre aufgrund irgendeines „Peak Fossil“ kaum vorstellbar, der braucht sich vor vier Grad nicht zu fürchten. Denn ohne eine solche oder ähnliche Entwicklung (bspw. weniger Gas und dafür mehr Kohle) wird das nichts mit der Klimakatastrophe.

Die nächsten beiden Diagramme zeigen die mit dem künftigen Energieverbrauch konsistente Entwicklung des jährlichen globalen Bruttosozialproduktes in der Summe und pro Einwohner (inflationsbereinigt auf die Kaufkraft des Jahres 1990).

WG2d

WG2f

Ja, das ist die Botschaft, die scheinbar niemand hören will. Auf die auch das Publikum bei der Debatte in Berlin nicht reagiert hat. Die warme Welt wird eine reiche Welt sein. Steinreich. Ein Einwohner eines Landes, das uns heute noch als Entwicklungsland erscheint, wird im Jahr 2100 im Durchschnitt mehr als dreimal so viel erwirtschaften, wie ein Bewohner eines Industrie- oder Schwellenlandes in der Gegenwart. Unser Einkommen wird sich mehr als verdreifachen, das in den Entwicklungsländern aber um einen Faktor zwanzig bis dreißig erhöhen. Der Unterschied zwischen arm und reich sinkt deutlich, von „Entwicklungsländern“ im klassischen Sinn wird man ab Mitte des Jahrhunderts kaum noch sprechen können.

Wer über das Potential der Anpassung an den Klimawandel sinniert, hat dies zwingend zu berücksichtigen. Die Zusammenfassung der Ergebnisse der Arbeitsgruppe II bietet in dieser Hinsicht nur die halbe Wahrheit. Szenarien als Grundlage für die politische Entscheidungsfindung sind nichts wert, wenn sie nicht in sich konsistent sind und Aussagen über alle wichtigen Parameter beinhalten. Einmal mehr liegt der Verdacht nahe, Willkür habe gewaltet, um die Fähigkeiten zur Anpassung unterschätzen zu können.

Tatsächlich ist das Ergebnis des Berichtes aus meiner Sicht nicht geeignet, um weiter angstbasierte politische Maßnahmen zu stützen. Stattdessen zeigt er auf: Was auch immer ein mutmaßlich menschgemachter Klimawandel an Risiken mit sich bringen könnte ist beherrschbar. Heute und in Zukunft. Ich könnte mir stabilere Dachziegel leisten. Der Afrikaner wird das auch können – bald. Wenn er denn endlich Zugang zu preiswerter Energie in ausreichender Menge bekommt. Hagelstürme interessieren dann niemanden mehr. Und auch in allen seinen anderen Facetten kann das Wetter wieder auf seine eigentlich Bedeutung zurückgestuft werden: Lückenfüller zu sein zur Aufrechterhaltung langweiliger Konversationen. Denn es gibt wichtigeres. Very Likely. High Confidence.

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40 Kommentare
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  1. Wir stehen mal wieder vor einem Scenario. Einem möglichst apokalokalyptischen nach den Vorstellungen der Vordenker. Als Seemann stand ich oft vor einem düsteren Himmel und wußte nicht, ob ich das mit unserer Yacht mit 16 Tonnen und 2 Masten überlebe.(Hurrikan überlebt) Aber da kommen die realistische Efahrung und die Realitäten bei der Vorbereitung ins Spiel. Das IPCC bringt nur Angst ins Spiel und in der Folge Geschäftsmodelle.
    Das sind eigentlich gewissenlose Ergeizlinge, Geschäftemacher, Profiteure, Angstmacher, Wegbereiter einer großen Transformation, eben Öko-Religiöse und ganz pauschal stampfe ich die für mich persönlich zusammen mit Islamisten, Pietisten, Evangelikalen, Opus Dei usw. alle am liebsten in ein Faß mit schweren Grundgewichten und dann hinab in die Tiefe.
    Ich habe einige Leute und deren Auswirkungen auf mein Leben, gründlich satt!!! Wen kümmert meine Freiheit?

  2. Seit neuestem wird hier also auf Basis des IPCC diskutiert. Prima. Das Argument, Anpassung sei auf jeden Fall moeglich, respektive koennten wir uns auf jeden Fall leisten, gilt natuerlich nicht wirklich beim Meeresspiegelanstieg (nur ein, aber das wichtigste Beispiel). Ab gewissen Werten des Anstiegs ist dann eben Schluss. Das ist aus der von Ihnen vorgestellten Sicht natuerlich kein Problem. Wir sind dann eben in anderen Gegenden reich, nur eben nicht mehr in Bombay oder London. Der IPCC Report erlaubt es solche Schluesse zu ziehen und bietet die Informationen, damit sich jetzige Generationen in irgendeiner Weise eintscheiden koennen (ignorieren oder eben nicht entscheiden ist natuerlich auch ein Entscheidung) fuer oder gegen die Existenz eines zukuenftigen London etc. Solche grossraeumigen Umsiedlungsmassnahmen kann man sicher rational bezeichnen (im Sinne von, es leben dann eben mehr Menschen unter diesen oder jenen Bedingungen). Es scheint mir aber wichtig, dass das klar kommuniziert wird. Ein bisschen mehr Hagel, ein natuerlich von Ihnen rein zufaellig ausgewaehltes Beispiel, mag man sicher aushalten koennen, 1 Meter Meeresspiegel vielleicht nicht.
    Das alles gilt natuerlich auf laengeren Skalen noch viel mehr. In 1000 Jahren duerfte bei 4 Grad globaler Erwaermung mit Groenland an sich Schluss sein, ebenso mit der West-Antarktis. Der Punkt hier ist nicht, dass man jetzt den IPCC Bericht Teil 2 fuer das Jahr 3000 schreiben muesse, aber das dies ziemlich klare und an sich unstreitige Konsequenzen einer Politik waere, die wirklich alle fossilen Brennstoffe verheizt und hofft, ev Probleme durch anpassung regeln zu koennen. Wie gesagt, sollte der IPCC Bericht diese Alternativen zeigen und so bei der Entscheidung helfen. In ihrem Falle also: Lasst uns diese Gebiete aufgeben, wir werden reich genug sein. Etwas in der Art.

    Ferner (soweit ich das verstehe) praesentiert der IPCC den ersten Schritt eines an sich mehrfach durchzufuehrenden Iterationsverfahrens. Die Kameruner, die 2100 so reich sind, wie sie im ersten Schritt der Iteration angenommen werden, sind es auf Grund von Klimaaenderungen eben etwas weniger. Das veraenderte Lebensniveau wuerde auch einen anderen Energieverbrauch bedeuten etc etc. Das mag nicht so wichtig sein, sei aber trotzdem vermerkt. Der Reichtum im Jahr X ist nicht mit der Klimaaenderung im Jahr X im Gleichgewicht.

  3. Herr Hoffmann,

    und wie erklären Sie es den Schweden und Norwegern, dass diese dann zu Klimaflüchtlingen werden, weil sich ihre wunderbaren Länder in ein paar Tausend Jahren vollständig unter einer sehr, sehr dicken Eisschicht befinden werden?

    Dafür, dass ihnen durch eine mögliche, menschgemachte Klimaerwärmung ein paar Jahre in ihren herrlichen Ländern geschenkt werden, nehmen die sicher gerne solange ein paar Hochwasserflüchtlinge bei sich auf …

    Eiszeitliche Grüße

    Mad2Max

  4. @ Hoffmann:

    Seit neuestem wird hier also auf Basis des IPCC diskutiert. Prima.

    Das machen wir schon immer. Im Gegensatz zu Ihnen. Denn versinkende Metropolen kommen im IPCC-Bericht nicht vor. Wäre auch etwas schwierig zu begründen, bei 50-80 cm Anstieg bis zum Ende des Jahrhunderts (projiziert, nicht prognostiziert). Hans von Storch hat bspw. in Berlin darauf hingewiesen, daß die Sturmfluten in der Elbemündung schon heute sehr viel höher auflaufen, als noch vor Jahrzehnten (was an der Gestaltung dieses Raumes durch den Menschen liegt, und nicht am Klima), wir aber trotzdem sehr viel besser geschützt sind.

    Die Kameruner, die 2100 so reich sind, wie sie im ersten Schritt der Iteration angenommen werden, sind es auf Grund von Klimaaenderungen eben etwas weniger.

    Auf 0,2 bis 2 Prozent des BSP schätzt das IPCC den jährlichen Verlust durch Klimaschäden pro 2 Grad Erwärmung (global). Wobei der zeitliche Verlauf nicht linear ist. Anfangs sind die Schäden sehr gering, spürbar würden sie erst im Laufe der Jahrzehnte. Ich habe lange überlegt, das einzurechnen, aber habe mich aus zwei Gründen dagegen entschieden.

    Erstens habe ich keine Zeitreihe dafür gefunden. Nur Diagramme (bspw. im Stern-Report, aber keine Tabellendaten). Außerdem macht es nicht viel aus. Wenn man 5% vom Endwert abzieht, erreicht man eine gute Schätzung. Statt 535 Billionen US$ liegt das BSP in 2100 dann bei 508 Billionen. Am Szenario der reichen und warmen Welt ändert sich dadurch also nichts.

    Zweitens ist das Argument des obigen Textes ja gerade, daß durch Anpassung die Klimaschäden auf Null im Vergleich zu heute reduziert werden können. Die Verluste stellen sich also gar nicht erst ein. Stattdessen werden die Wertschöpfungsmöglichkeiten noch steigen, weil man Werte schafft (bspw. robuste Infrastrukturen), statt sie zu vernichten.

  5. @Heller
    „Das machen wir schon immer. “

    Ich nehme an „wir“ bezieht sich auf die Skeptiker und vermute deshalb bei Ihnen gerade einen partiellen Gedaechtniszusammenbruch. Ich mach mir nicht die Muehe all die IPCC diametral entgegengesetzten respektive vollstaendig verrueckten Aussagen hier auf Ihrer Seite zusammenzusuchen.

    „Denn versinkende Metropolen kommen im IPCC-Bericht nicht vor.“

    Einfach mal in den Kapitel zur Zukunft des Meerespiegels und der Stabilitaet Groenlands nachschauen. Wie gesagt, Sie koennen absolut der Meinung sein, dass wir diese Kuestenregionen aufgeben sollten (respektive jetzt Entscheidungen treffen, die das wahrscheinlich erscheinen lassen) nur sagen sollten Sie es klar: Lasst uns diese Regionen auf lange Sicht aufgeben, nur so koennen wir reich genug werden.
    Am Ende koennte man denken, der ganze Klimawandel bestuende nur aus eine paar Haegelstuermen mehr, gell.

    @mad2max
    „und wie erklären Sie es den Schweden und Norwegern, dass diese dann zu Klimaflüchtlingen werden, weil sich ihre wunderbaren Länder in ein paar Tausend Jahren vollständig unter einer sehr, sehr dicken Eisschicht befinden werden?‘
    Wir leben in einer Zeit zehr kleiner Praezession. Dewegen gehen viele davon aus, dass ohne menschlichen EInfluss die naechste Eiszeit erst deutlich spaeter als in den letzten 5 eingetreten waere ( ˜30000 Jahre oder so). Paper von Andre Berger:http://dial.academielouvain.be/handle/boreal:41108

    „Dafür, dass ihnen durch eine mögliche, menschgemachte Klimaerwärmung ein paar Jahre in ihren herrlichen Ländern geschenkt werden, nehmen die sicher gerne solange ein paar Hochwasserflüchtlinge bei sich auf …“

    Ist das so? Ich habe so gar nicht den Eindruck, dass irgendwer jemals irgendwen gerne als Fluechtlicng aufgenommen haette. Aber ich nehme an, diese Weiterentwicklung zukuenftiger Generationen und Ihre zukuenftige Empathie sind genauso gesichert wie die fliegenden Autos und die steakdruckenden Laserdrucker, die hier so propagiert werden.

  6. Ach, GH:

    Das Argument, Anpassung sei auf jeden Fall moeglich, respektive koennten wir uns auf jeden Fall leisten, gilt natuerlich nicht wirklich beim Meeresspiegelanstieg (nur ein, aber das wichtigste Beispiel). Ab gewissen Werten des Anstiegs ist dann eben Schluss. Das ist aus der von Ihnen vorgestellten Sicht natuerlich kein Problem. Wir sind dann eben in anderen Gegenden reich, nur eben nicht mehr in Bombay oder London.

    Das sind doch billige Greuelmärchen.
    So schnell kann das Meer gar nicht steigen, dass da ein merklicher Effekt entsteht.
    Das antike Alexandria, das New York der Antike, ging unter, wegen de steigenden Meeresspiegels -- Und die Menschen haben es nicht mal wirklich bemerkt. Das war ein völlig unspektakuläres Ereignis,und kein Roland-Emmerich-Film:
    Es lohnte sich einfach bei steigendem Wasser nicht mehr, die Infrastrukturzu erhalen und man baute lieber wo anders, das war alles.
    Kultur und Wirtschaft sind nicht an geografische Koordinaten gebunden, sondern an die Menschen und die ersaufen nicht, sondern die gehen wo anders hin, wo es billiger ist, weiter zu machen.

    Im Weltkrieg wurden unsere Städte zerbombt und verbrannt -- Na und? Hat das viel geschadet?
    In nur einer Generation war der Schaden behoben und die Nation war reicher und fortschrittlicher als davor und es zeigte sich sogar, dass diese ‚Entrümpelung‘ von all dem alten Krempel der Wirtschaft enorm positive Impulse gab.

    Also stecken Sie Ihren Popanz wieder in den Sack, Sie langweilen.

  7. @ Hoffmann:

    Ich nehme an “wir” bezieht sich auf die Skeptiker

    Auf diese Webseite hier.

    Ich mach mir nicht die Muehe all die IPCC diametral entgegengesetzten

    Das sind eine ganze Menge. Suchen Sie ruhig alle heraus. Vielleicht lernen Sie noch was dabei. Wir argumentieren hier in vielen Texten gegen die Schlußfolgerungen, die das IPCC aus der Faktenlage zieht. Und gegen die Schlußfolgerungen, die das IPCC aus seinen Projektionen ableitet. Das geht natürlich nur auf Basis der Aussagen, die in den IPCC-Berichten enthalten sind.

    Einfach mal in den Kapitel zur Zukunft des Meerespiegels und der Stabilitaet Groenlands nachschauen.

    Besser mal nachschauen, was die WG II in dem hier zur Debatte stehenden Bericht dazu schreibt (Hervorhebung durch mich):

    Due to sea-level rise projected throughout the 21st century and beyond, coastal systems and
    low-lying areas will increasingly experience adverse impacts such as submergence, coastal
    flooding, and coastal erosion (very high confidence). The population and assets projected to be
    exposed to coastal risks as well as human pressures on coastal ecosystems will increase
    significantly in the coming decades due to population growth, economic development, and
    urbanization
    (high confidence). The relative costs of coastal adaptation vary strongly among and
    within regions and countries for the 21st century. Some low-lying developing countries and
    small island states
    are expected to face very high impacts that, in some cases, could have
    associated damage and adaptation costs of several percentage points of GDP.

    Sie schreiben:

    Wir sind dann eben in anderen Gegenden reich, nur eben nicht mehr in Bombay oder London. Der IPCC Report erlaubt es solche Schluesse zu ziehen und bietet die Informationen, damit sich jetzige Generationen in irgendeiner Weise eintscheiden koennen (ignorieren oder eben nicht entscheiden ist natuerlich auch ein Entscheidung) fuer oder gegen die Existenz eines zukuenftigen London etc. Solche grossraeumigen Umsiedlungsmassnahmen kann man sicher rational bezeichnen (im Sinne von, es leben dann eben mehr Menschen unter diesen oder jenen Bedingungen). Es scheint mir aber wichtig, dass das klar kommuniziert wird.

    Ich halte fest: Hoffmanns Erzählungen werden durch das IPCC nicht gedeckt. Ihre Interpretation des Meeresspiegelanstiegs entspricht nicht der Interpretation des IPCC. Über den Untergang von London oder Bombay hätte man doch sicher was geschrieben, wenn man es denn für plausibel gehalten hätte. Likely von mir aus, mit medium confidence.

    Worin genau besteht eigentlich Ihre Motivation, die Schreckensszenarien des IPCC unbedingt noch toppen zu müssen? Ist der Bericht aus Ihrer Sicht nicht dramatisch genug?

  8. @ Hoffmann:

    noch zur Ergänzung:

    sind genauso gesichert wie die fliegenden Autos und die steakdruckenden Laserdrucker, die hier so propagiert werden.

    Was das fliegende Auto betrifft (im Sinne eines Gefährtes, das fahren und fliegen kann), empfehle ich die googelei nach folgenden Projekten: Aeromobil, Transition, Carplane, PAL-V und Maverick. Ein dem Maverick vergleichbares Gefährt hat eine russische Firma im vergangenen Jahr auf der Hannover Messe vorgestellt. Und ein weiteres Projekt ist mir persönlich bekannt (aber im Web noch nicht zu finden). Es wird wahrscheinlich im Oktober der Öffentlichkeit präsentiert. Ich werde dann darüber auch berichten.

    Nun ja, ein Laserdrucker ist es nicht gerade, mit dem Tissue Engineering betrieben wird. Sie können Gabor Forgacs googeln. Der hat zumindest schon ein Hacksteak produziert. Hat noch nicht die richtige Textur, wurde aber bereits öffentlich präsentiert und auch verspeist.

  9. Was erfährt nun ein Leipziger Bürger (als Beispiel), der hier bei ScSk nicht mitliest, notgedrungen nur über die Medien (hier Leipziger Volkszeitung, durch Fernsehen erfährt er auch nicht mehr) über dieses Thema?
    Schaun wir uns zunächst noch mal die Entstehung dieses von Herrn Heller besprochenen Dokumentes an:
    Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen und unterschiedlicher Professionalität, schreiben Publikationen mit unterschiedlicher Qualität gepaart mit mehr oder weniger Eigennutz.
    Eine UN-Organisation mit Gründungsauftrag(!) (IPCC) stellt diese zusammen und selektiert nach Relevanz sowie Nützlichkeit (bezüglich Ihres Auftrages) anhand von peer-revieving (geht bis zur Seilschaft!) . Daraus entsteht das tausendseitigeWG II.
    Unter Mitwirkung diverser NGO´s (befangen!) und Staatenabordnungen (befangen!) wird ein Komprimat (SPM -- die Zusammenfassung für Politiker) gezimmert.
    Hierin finden sich immerhin noch gewisse Abstufungen wie likely, high confidence usw. für die Aussagekraft der Forschungsergebnisse bezüglich des tatsächlichen Eintretens von (fast ausschließlich negativen) Veränderungen für das Leben auf der Erde.
    Und das erfahren nun am Tag nach der Veröffentlichung des SPM (es war diesmal der 1. April!) die Leipziger Bürger als Quintessenz in der Leipziger Volkszeitung unter der Überschrift:

    Das vergiftete Klima

    das Statement der obersten Bundesumweltschützerin B. Hendricks:

    Der Klimawandel findet täglich statt

    und die Ankündigung eines

    Sofortprogramms, für das deutsche Ziel, die Reduzierung des CO2 -Ausstosses bis 2020 auf 40% gegenüber 1990 zu erreichen

    sowie (Sarrazin läßt grüßen):

    20 Grad in Wohnzimmer reichen, Energiesparen ist wichtig

    JH

  10. @Hoffmann

    Wie gesagt, Sie koennen absolut der Meinung sein, dass wir diese Kuestenregionen aufgeben sollten (respektive jetzt Entscheidungen treffen, die das wahrscheinlich erscheinen lassen) nur sagen sollten Sie es klar: Lasst uns diese Regionen auf lange Sicht aufgeben, nur so koennen wir reich genug werden.

    Sie sollten sich mal mit der Landgewinnungsgeschichte in Nordfriesland und Dithmarschen beschäftigen. Wirklich.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Koog#Norddeutsche_K.C3.B6ge

    Von solchen Märchen (Kuestenregionen aufgeben) haben sich auch die Holländer nicht im frühen 12 Jh. abschrecken lassen und das Land an der Elbe (Stade, Altes Land) und Weser/ Wümme (Hollerland, Blockland) entwässert und urbar gemacht.

    Damals, ja damals war Landgewinnung noch richtige Knochenarbeit. Heute ist das kein Problem mehr. Aber was soll man von einem Binnenländer auch erwarten? Der kennt sich eher mit römischer Geschichte aus (Kolonien am Rhein) , als mit der Landgewinnungsgeschichte an der Nordsee.

  11. Ein Einwohner eines Landes, das uns heute noch als Entwicklungsland erscheint, wird im Jahr 2100 im Durchschnitt mehr als dreimal so viel erwirtschaften, wie ein Bewohner eines Industrie- oder Schwellenlandes in der Gegenwart.

    Dieser Aussage liegt sicher ein Szenario zugrunde, dass die Entwicklung seit Mitte des vorigen Jahrhunderts relativ ungestört weiter schreibt. Interessant wäre aber auch einmal ein Szenario, das davon ausgeht, dass wir die Ausbeutung der Ressourcen dieses Planeten durch Bergbau weitestgehend einstellen und die Ressourcen, die die menschliche Erfindungskraft so hervorbringt, nicht nutzen, wenn sie nach Meinung der Grünblütigen ein existentielles Risiko für die Menschheit beinhalten könnten.
    Beides aufgrund des heutigen Wissenstandes erstellt gäbe im Vergleich sicher eine Entscheidungsgrundlage dafür, welche Zukunft wünschenswerter ist.

  12. @Hoffmann

    P.S.

    Und Greetsiel (in Ostfriesland) lag früher auch mal direkt an der Nordsee und heute im Binnenland. Carolinensiel ebenso. Im 10. und 11. Jahrhundert war Jever gar Seehafen. Heute ist rund um Jever Land. Glauben Sie mir Herr Hoffmann, ich war selbst dort.

    Oder fragen Sie einfach mal ihren holländischen Arbeitgeber. 😉

  13. Und Greetsiel (in Ostfriesland) lag früher auch mal direkt an der Nordsee und heute im Binnenland. Carolinensiel ebenso. Im 10. und 11. Jahrhundert war Jever gar Seehafen. Heute ist rund um Jever Land. Glauben Sie mir Herr Hoffmann, ich war selbst dort.

    und wenn wir uns mal über Landverluste in unseren Breiten unterhalten wollen, Hoffmann. Googlen Sie mal nach Uthlande.
    Die Veränderungen dort kamen insbesondere mit der ersten (1362) und zweiten „Groten Mandränke“ (1634), Marcellus und Burchardiflut, somit mit Beginn bzw. auf dem Höhepunkt der Kleinen Eiszeit der Frühen Neuzeit.

    Landverluste dort heute sind a) relativ gering, auch wenn die Insulaner gerne mal Wind machen um Mittel für Vorspülungen bewilligt zu bekommen, und b) auch nicht durch“Steigende Meeresspiegel“ verusacht, sondern Gezeitenströmungen, wie z.B. an der Südspitze von Sylt (i.e. Hörnumer Odde), die Veränderungen durch Bauwerke, wie den Hindenburgdamm erfahren haben.

    Der Meerespiegelanstieg findet seit ca 15.000 Jahren statt, seit dem Rückzug der Gletscher des Weichselhochglazials und ist zur Zeit so gering, wie seit den Dalton Minimum nicht mehr, was eher andere, wesentliche Einflussfaktoren bezüglich Klima und Meeresspiegel vermuten lässt.

    Im Übrigen liegt der moderate Meeresspiegel von 2-3mm/Jahr in/unterhalb einer Größenordnung von tektonischen Plattenverschiebungen. Also, wenn Sie meinen London oder Bombay würden durch „Klimaerwärmung“ (welche?) von der Nordsee bzw dem Indischen Ozeans verschluckt werden, dann sorgen Sie sich bitte auch um Siedlungsgebiete, die ggf. in Subduktionszonen verschwinden könnten, die Geschwindigkeit der zugrundeliegenden Phänomene passt jedenfalls.

  14. Ich hatte mich mit dem Thema Küstenschutz schon einmal beschäftigt:

    http://www.science-skeptical.de/blog/nachts-ist-es-kalter-als-drausen/003849/

    Landgewinnung ist ein hervorragendes Beispiel für eine Anpassungsmaßnahme, die erstens eine hohe Schutzwirkung ausübt und zweitens Werte schafft, statt sie zu vernichten. Es müssen nicht immer Deiche sein. Dem IPCC ist das wohl entgangen, jedenfalls finde ich dazu nichts in der SPM. Vielleicht steht was dazu im eigentlichen Bericht, werde ich bei Gelegenheit prüfen.

    Herr Hoffmann möchte gerne, daß wir ein Szenario in die Diskussion einbeziehen, das 500 oder eher 1000 Jahre in der Zukunft liegt. Nämlich eines, in dem Grönland und die Antarktis massiv Inlandeis verlieren und dadurch der Meeresspiegel um mehrere Meter ansteigt. Das IPCC bespricht solche Szenarien nicht. Sie sind den Fachleuten schlicht zu spekulativ und auch zu weit entfernt von Planungshorizonten, in denen Politik überhaupt denken kann (man denke einmal 500 oder 1000 Jahre zurück…). Sein Einspruch ist daher nur ein Zeichen der Verzweiflung. Der Bericht der WGII entzieht dem Alarmismus in vielerlei Aspekten die Argumentationsgrundlage. Das reicht vom Meeresspiegelanstieg bis hin zum Artensterben.

  15. @ Straten, #11:

    Interessant wäre aber auch einmal ein Szenario, das davon ausgeht, dass wir die Ausbeutung der Ressourcen dieses Planeten durch Bergbau weitestgehend einstellen und die Ressourcen, die die menschliche Erfindungskraft so hervorbringt, nicht nutzen, wenn sie nach Meinung der Grünblütigen ein existentielles Risiko für die Menschheit beinhalten könnten.

    Das IPCC hat leider kein solches Szenario im Angebot. Die Unterschiede zwischen den Szenarien betreffen im wesentlichen das Ausmaß der Globalisierung. Die Entwicklung des globalen BSP hängt in erster Linie vom Umfang des weltweiten Austausches durch Handel ab. Je umfassender die Globalisierung, desto mehr Wertschöpfung, kurz gesagt. Zweiter wichtiger Parameter ist der gesamte Energieverbrauch. Je höher, desto höher auch das BSP. Der Energiemix folgt erst an dritter Stelle. Diesen hat man variiert, um verschiedene Emissionspfade aufzuzeigen.

  16. Oje, Rahmstorf und der IPCC-Bericht der WG II. Oder es wird also noch viel schlimmer für Dummies.

    http://www.scilogs.de/klimalounge/wirkungen-klimawandels-teil2-berichtes-ipcc/

  17. Die Gelegenheit für „Immerschlimmeritis“ beim „Klimawandel“ ist aufgrund des frühlingshaften Wetters nur allzu manipulierend.
    Vor einem Jahr, nach dem langen kalten Winter, hätte deratige Propaganda weniger Rezeptoren im Gehirn des deutschen Grünopfers gefunden, zumal die diesjährige Rekordwinterlage in den USA weitaus weniger mediale „Share of Voice“ im Grünfunk erreichte, als singuläre Hitzerekordmessungen im Tal des Todes wärend des Sommers…

  18. @Heller

    Ich hatte mich mit dem Thema Küstenschutz schon einmal beschäftigt: … Landgewinnung ist ein hervorragendes Beispiel für eine Anpassungsmaßnahme, die erstens eine hohe Schutzwirkung ausübt und zweitens Werte schafft, statt sie zu vernichten.

    Mich verwundert immer wieder, dass die Klimaapokalyptiker, wenn es um die Erhöhung des Meeresspiegels geht, die Landgewinnungsgeschichte an der Nordseeküste völlig ausblenden. Die Holländer haben vor nahezu 1000 Jahren damit angefangen der Nordsee Land abzugewinnen, trotz steigenden Meeresspiegels. Das könnte man heute problemlos weiter fortführen, Landgewinnung passt aber nicht mehr in den heutigen Umweltschutz. Insbesondere auf den Ostfriesischen und Nordfriesischen Inseln und Halligen wird heute noch Küstenschutz und Landgewinnung betrieben. Noch nie in unserer Geschichte waren die Inseln und Halligen so gut vor dem steigenden Meeresspiegel geschützt wie heute. Früher wurden beispielsweise Ostfriesische Inseln in zwei Teile geteilt, oder sind ganz verschwunden und wieder neu entstanden. Z.B. Langeoog und Buise/ Norderney. Das alles passiert heute nicht mehr, trotz weiter steigenden Meeresspiegels.

  19. Eines fand ich ja beim Thema ‚Pellworm‘ interessant:
    Der Hinweis, dass die Insel aufgrund der Eindeichung heute grösstenteils unter dem Meeresspeigel liegt, während andere halligen kontinuierlich wachsen.
    Sturmfluten setzen zwar das Land unter Wasser, lagern aber auch Sediment ab. Der Deich schützt Pellworm nun zwar vor ‚Landunter‘, doch es wird auch kein Sediment mehr abgelagert und deshalb ist die Insel nun ca 1 Meter unter dem Wasserspiegel; nicht, weil der gestiegen ist, sondern weil die Insel mangels Nachschub absackt.

    Ähnlich ist es auch bei den Koralleninseln des Pazifik: Tuvalu ist ja bekanntlich vor kurzem erheblich gewachsen, weil ein Hurrican riesige Mengen Korallenschutt aufspülte.

    Und wer davon schwafelt, dass Bangla Desh wegen des steigenden Meeresspiegels Probleme bekommt, ist einfach nur dumm: Das ist ein Delta. Der Fluß, der stets erhebliche Mengen Geschiebe mitführt, wird gestaut und abgebremst wenn das Meer steigt und die mitgeführten Sedimente setzen sich ab und erhöhen das Land automatisch. So entstehen ja Flußdeltas überhaupt.

  20. @Tritium

    Der Deich schützt Pellworm nun zwar vor ‘Landunter’, doch es wird auch kein Sediment mehr abgelagert und deshalb ist die Insel nun ca 1 Meter unter dem Wasserspiegel; nicht, weil der gestiegen ist, sondern weil die Insel mangels Nachschub absackt.

    Pellworm und eingedeichtes Marschland sinken generell durch die Entwässerung um ein paar Dezimeter ab. In und um Rungholt wurde dann noch Salztorf abgebaut. Das wurde Rungholt, neben einer Jahrhunderflut, zum Verhängnis. Die Deiche waren einfach zu niedrig und das genutzte Land zu flach geworden. Hätten die Rungholtder rechtzeitig die Deiche erhöht, so gäbe es Rungholt noch heute. Heute noch findet man Reste von Rungholt wie Brunnen, Hausfundamente und Scherben bei Niedrigwasser im Watt. Diese Gebiete könnte man heute problemlos wieder dem Meer abringen.

  21. P.S.:

    Durch abgelagertes Sediment (sog. Schwemmsände) entsteht z.B. bei den Ostfriesischen Inseln im Ostteil der Inseln immer wieder Neuland. Vor Juist haben sich mit Memmertsand und Kachelotplate gar neue Inseln gebildet.

  22. Hätten die Rungholtder rechtzeitig die Deiche erhöht, so gäbe es Rungholt noch heute. Heute noch findet man Reste von Rungholt wie Brunnen, Hausfundamente und Scherben bei Niedrigwasser im Watt. Diese Gebiete könnte man heute problemlos wieder dem Meer abringen.

    Ähnliches gilt für Eidum (ca. 1 km vor Westerland), welches infolge der Burchardiflut 1436 versank. Die Einwohner siedelten dann in der Westerlön -- genannten Flur des damaligen Hauptortes Tinnum.

    Ach ja, und da der Markt den Öko-Szenarien des baldigen Untergangs so tiefen Glauben schenkt, sinken auf meiner Lieblingsinsel rasant die Immobilienpreise:
    http://www.abendblatt.de/wirtschaft/article120939177/Immobilienpreise-auf-Sylt-steigen-um-bis-zu-40-Prozent.html

  23. @ Michael Krüger # 20:

    Naja, ‚hätten die Rungholter die Deiche erhöht‘?
    Deichbau war damals extrem arbeitsintensiv unt teuer.

    Heute, mit Maschinen, Schwertransportmitteln, Werkstoffen wie unverrottbaren Textilien zur Abdichtung und wissenschaftlicher Ingenieur-Planung ist das ein Kinderspiel.
    Aber damals?
    Was natürlich zu der Überlegung führt, welche technischen Möglichkeiten den Menschen in 200 Jahren, wenn das Wasser schlimmstenfalls 1 Meter höher steht, zur Verfügung stehen werden -Zweifellos weit bessere als heute! Wo soll da also ein Problem sein?

    Falls Manhattan in 500 Jahren überspült ist, dann wird es wohl ein florierendes Touristenzentrum, wie heute Venedig („Mit dem U-Boot durch die U-Bahn!“), während Industrie und Handel auf dem Festland, ein paar Meter höher, in aller Ruhe weitaus bessere Quartiere gefunden haben.
    Und London?
    Die Thames Barrier ist ein zuverlässiger Schutz, gewaltig nach heutigen Dimensionen, doch für unsere Nachfahren wohl nur simpel. (Eine zweite, noch grössere Barriere ist schon in Planung).
    Sie hat 534 Millionen Pfund gekostet: So viel wie 11 Tage ‚Energiewende‘!
    (Oder eine Elbphilharmonie)

  24. Wie groß ist denn der Zugewinn an nutzbaren Flächen in den Gebieten, wo jetzt Gletscher bzw. Permafrostböden sind im Vergleich zu den versinkenden Küstengebieten? Das wird auch nicht thematisiert.

    Nur mal so gefragt.

  25. @ConstanzeW

    Wie groß ist denn der Zugewinn an nutzbaren Flächen in den Gebieten, wo jetzt Gletscher bzw. Permafrostböden sind im Vergleich zu den versinkenden Küstengebieten? Das wird auch nicht thematisiert.

    Der Zugewinn ist enorm. Hier in Deutschland werden die Küstenregionen kaum versinken. Selbst wenn Grönland komplett abschmelzen würde und der Meeresspiegel um 7 m ansteigen würde!

    http://klimakatastrophe.files.wordpress.com/2010/11/meeresspiegelanstieg7b.png

    Nur Teile von Ostfriesland, Friesland, der Weser-/ Elbmarsch und von Nordfriesland würden überflutet. Der Ostseeraum wäre aufgrund der erhöhten Topographie wenig betroffen. Das Binnenland Deutschlands wäre überhaupt nicht betroffen. Die Bevölkerung an der Nordseeküste hätte Jahrhunderte lang Zeit, um sich auf eine solche Veränderung einzustellen.

  26. Im Weltkrieg wurden unsere Städte zerbombt und verbrannt — Na und? Hat das viel geschadet?

    Hat es. Denke mal an Kulturgüter, die verloren gegangen sind, Kunstwerke, Architekturzeugnisse, wissenschaftliche Sammlungen und dergleichen mehr. Das so im Handstreich abzutun, ist oberflächlich. Von den menschlichen Verlusten ganz abzusehen, aber da denke ich, die hast Du damit nicht gemeint.

    Du hast aber insofern recht, dass es hinterher haufenweise Platz für Neues gab.

    Als Vergleich: Ich finde es jammerschade, keine Dinosaurier lebend beobachten und erforschen zu können -- die ganze Vielfalt der gefiederten Arten, eigentlich schon Vögel, oder auch nicht? Aber andererseits wäre die Evolution der Säuger und damit auch die menschliche ganz anders verlaufen. So bleibt uns nur die Rekonstruktion aus dem Fossilbefund, wie auch bei den verlorenen Kulturgütern, aus Sekundärquellen.

  27. P.S.:

    Auch süß, wie unsere Freunde bei Primaklima sich wieder über diesen Artikel und die Kommentare/ Kommentatoren aufregen.

    Ich will mal einen Punkt aufgreifen:

    Ich würde gerne noch auf das Beispiel Landgewinnung an der Küste eingehen, was man als eine mögliche Anpassungsmaßnahme sieht. Ich stelle mal die Gegenthese auf, dass diese Art von Landgewinnung gar keine Anpassungsmaßnahme darstellt. In den letzten 1.000 Jahren hat sich der Meeresspiegel nur unwesentlich erhöht, man musste sich entsprechend auch nicht anpassen.

    Jaja, genau. Deshalb sieht auch so dynamisch die Entwicklung des Meeresspiegels an der Nordseeküste in den letzten 1000 Jahren aus.

    http://klimakatastrophe.files.wordpress.com/2008/10/nordseepegel.jpg

    http://klimakatastrophe.files.wordpress.com/2009/03/nordseepegel.jpg

    In den letzten 1000 Jahren hat sich der Meeresspiegel an der Nordseeküste um knapp 2 Meter erhöht. Dabei gab es ein Auf und Ab in wenigen hundert Jahren von über 1 Meter mit Klimaverschlechterungen und Klimaverbesserungen. Allein in den letzten 400 Jahren ist der Meeresspiegel an der Nordseeküste um rund 1,3 Meter angestiegen (siehe Behre 2003). Dagegen sind die prognostizierten bis zu 1 Meter Erhöhung bis zum Jahrhundertende keine Bedrohung. Zumal der Küstenschutz sich enorm verbessert hat und uns heute ganz andere technische Mittel zur Verfügung stehen, als den Holländern, welche vor rund 1000 Jahren mit der Landgewinnung angefangen haben.

    So und während der letzten 400 Jahre (d.h. nach der Burchardi-Flut des Jahres 1634), während der Meeresspiegel an der Nordseeküste um rund 1,3 Meter angestiegen ist, wurde etliches Land an der deutschen Nordseeküste mit einfachsten Mittel hinzugewonnen.

  28. @ Constance W.

    Denke mal an Kulturgüter, die verloren gegangen sind, Kunstwerke, Architekturzeugnisse, wissenschaftliche Sammlungen und dergleichen mehr.

    Yep, sicherlich.
    Aber denke mal an die Umstände: Da wurden nicht nur ein paar Küstenstädte im Verlauf von vielen hundert Jahren immer feuchter, sondern da kam Tod und Vernichtung über Nacht! DAS war eine echte Katastrophe, aber sie war begrenzt und beherrschbar und hat der Menschheit nichtwirklichvielgeschadet. Den wirtschaftlichen und technischen Fortschritt hat sie jedenfalls in keinster Weise behindert.
    Da wurden in wenigen Jahtren hunderte Städte verbrannt und die ‚Klimakatastrophe‘ hat als worst case für einige Küstenstädte 0,5 Meter mehr Hochwasser in 100 Jahren.
    Letzteres soll aber nach Schellnhuber nicht wenigert als den ‚Untergang der Hochzivilisationen‘ auslösen.
    Das ist , im Vergleich zu den Bombenteppischen des Weltkriegs, so ein horrender Blödsinn, dass man wirklich nur an der geistigen Gesundheit der PIK-Buben zweifeln kann, wenn sie so einen Schmarrn erzählen.
    Die sind reif für die Klapse, das ist die einzige vernünftige Schlußfolgerung und der Hofmann sollte besser auch mal mit einem Arzt reden.

  29. Auch süß, wie unsere Freunde bei Primaklima sich wieder über diesen Artikel und die Kommentare/ Kommentatoren aufregen.

    Mir fehlt offengestanden jedes Verständnis dafür, was an den Anstaltsbewohnern da drüben in Hofmanns Asyl so attraktiv ist, dass man sich das antut.
    Ich gebe ja zu, dass mich auch ab und zu der Voyeurismus packt und ich einen Ausflug in diese Welt mache (früher wurden ja die Irren von ihren Wärtern auch gegen Trinkgeld vorgeführt), aber worüber die gerade kreischen, ist mir so gleichgültig wie ein Sack Reis in China.

  30. @ Michael Krüger:
    Jetzt war ich mal in Hofmanns betreutem Wohnheim und hab mich prompt gekringelt:
    Chaos ist ein Folge von Rückkopplungen und diese unterirdischen Schwafler haben nicht mal diese simple, aber grundlegende Tatsache auch nur im Ansatz kapiert. *rolleyes*

    Das reicht jetzt aber auch wieder für ein paar Wochen…

  31. @ Krüger:

    Auch süß, wie unsere Freunde bei Primaklima sich wieder über diesen Artikel und die Kommentare/ Kommentatoren aufregen.

    „Primaklima“ scheint ein Blog geworden zu sein, der nur noch durch uns hier künstlich beatmet wird. Daß die Leute dort zu doof sind, selbst zu recherchieren, weiß man ja schon lange. Wer auch immer von dort hier gerne mitdiskutieren möchte, könnte das ja machen. Hoffmann hält es ja so. Ansonsten muß ich auch sagen, daß ich dort nicht mitlese. Gelegentlich schaue ich mir das mal an, aber es bleibt dort doch immer im Banalen stecken.

    @ Tritium:

    Die sind reif für die Klapse, das ist die einzige vernünftige Schlußfolgerung und der Hofmann sollte besser auch mal mit einem Arzt reden.

    Es ist auch eine Menge Frustration dabei.

  32. Yep, sicherlich. … usw….

    Das sehe ich auch so. Wobei Schellntorf und Ramshuber erzählen können, was sie wollen. Wir haben schließlich Meinungsfreiheit, ebenso wie dieses Recht auch die Skeptiker haben. Ich bekomme aber die Krätze, wenn ich die politischen Reaktionen daraus sehe und die Auswüchse wie das EEG, das sofort ersatzlos abgeschafft gehört.

  33. @ ConstanzeW:

    Ich bekomme aber die Krätze, wenn ich die politischen Reaktionen daraus sehe und die Auswüchse wie das EEG

    Preisfrage: Wie viele Millimeter pro 100 Jahtre können wirden Meeresspiegelanstieg durch das EEg bremsen?

    Allein diese simople Frage zeigt doch schon, dass wir es hier mit einer propagandistisch induzierten Massenhysterie zu tun haben, die keinerlei rationale Grundlage hat.
    Wenn ich so was sehe, muss ich unwillkürlich an den mittelalterlichen Wahnsinn der Kinderkreuzzüge denken…

  34. Danke für diesen Einblick ins SPM, Peter. Ich grübel gerade ein wenig über diesen Satz von Dir:

    Ein Einwohner eines Landes, das uns heute noch als Entwicklungsland erscheint, wird im Jahr 2100 im Durchschnitt mehr als dreimal so viel erwirtschaften, wie ein Bewohner eines Industrie- oder Schwellenlandes in der Gegenwart. Unser Einkommen wird sich mehr als verdreifachen, das in den Entwicklungsländern aber um einen Faktor zwanzig bis dreißig erhöhen.

    Postwachstumsökonomen werden bei einer derartigen Vorstellung vermutlich Schnappatmung bekommen und ganz sicher Erklärungen entwickeln, warum das so nicht möglich ist. Irgendeine unüberwindbare Knappheit wird denen bestimmt einfallen.

    Das könnte noch eine Debatte geben, die vor allem auf der emotionalen Ebene geführt wird, weil die Vorstellung dass ein kommender Wohlstand für alle nur zu Lasten der Mutter Erde gehen kann, weit verbreitet ist. Wie logisch und stichhaltig dies ist, muss nicht bewiesen werden, und ich befürchte, dass der Hinweis:

    Szenarien als Grundlage für die politische Entscheidungsfindung sind nichts wert, wenn sie nicht in sich konsistent sind und Aussagen über alle wichtigen Parameter beinhalten.

    kaum beachtet wird. Begründungen dafür finden sich dann in sogenannter „Laienwissenschaft“ die nicht in sich konsistent ist, aber von sich behauptet, alles in größeren Zusammenhängen zu sehen. Ein schönes Beispiel dafür lieferte unlängst ein taz Beitrag ab, in dem der Postwachtumsökonom Peter Finke, mit dem Begriff „Activist Research“ hantiert, und mit diesem Vorgehen eine eigene Wahrheitsordnung schafft, die auch ohne Beweise auskommt.

    Der Aktivist Researcher ist unterwegs, schaut genau hin, nimmt sein Umfeld wahr, spürt die Zusammenhänge auf. Ich behaupte, dass Citizen Science die Nähe wiederentdeckt hat. Nähe ist ja für die professionellen Wissenschaftler überhaupt kein Thema.
    […]
    Zu meinen Erfahrungshintergründen möchte ich noch sagen: Ich bin auch Mitgründer der ,Vereinigung für ökologische Ökonomie‘ in Deutschland. Das ist eine interdisziplinäre wissenschaftliche Vereinigung. Grund war, dass ich langsam bemerkt habe, wie das alles falsch läuft und welch großen Einfluss die Ökonomen auf die Politik haben. Sie finden jederzeit ein offenes Ohr bei den Politikern. Dabei sagen sie im Grunde immer das Gleiche, obwohl heute jeder Laie genau weiß, dass es falsch ist. Aber die Ökonomen sagen unverdrossen: mehr Wachstum!

    Leute die so argumentieren, brauchen keine schlüssige Szenarien.

  35. @Quentin Quencher #34

    Das könnte noch eine Debatte geben, die vor allem auf der emotionalen Ebene geführt wird, weil die Vorstellung dass ein kommender Wohlstand für alle nur zu Lasten der Mutter Erde gehen kann, weit verbreitet ist.

    Die Debatte ist im vollen Gang. Darum geht es doch im Prinzip. Es wird leider nur immer verdrängt, dass Postwachstumsszenarien nur Leuten, die meinen, dass es ihnen gut genug geht, attraktiv erscheinen können. Alle anderen müssen halt weg oder im Elend leben. Glücklicherweise gibt es unter den Satten aber auch noch sehr viel Neugierige, die unbekanntes Terrain einfach reizt,

  36. blockquote>Gemäß IPCC hat die Menschheit durch die Verbrennung von Kohlenwasserstoffen den Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre seit 1850 von etwa 280 ppm auf etwa 400 ppm gesteigert. Um in den Bereich von 650 oder mehr ppm zu kommen, der für eine Erwärmung von etwa 4 Grad notwendig wäre, ist also noch einmal etwa die doppelte Menge an Erdöl, Erdgas und Kohle zu verfeuern, wie in den letzten 150 Jahren.

    Frage: Wie kann die Welt die Menge der verbrannten fossilen Brennstoffe verdoppeln, wenn wir angeblich, laut Klimahysterikern, schon auf dem fossilen Peak sind???
    Die (Klima-) Hysteriker sind in einer logischen Falle: Entweder haben wir noch genügend (natürlich fossile) Energiequellen für Jahrhunderte (und alles ist gut, denn die Energieversorgung steht) oder sie gehen uns bald aus, wie die Hysteriker behaupten (und alles ist auch gut, denn dann gehen die von ihnen verteufelten ppm-Werte von allein zurück, denn es kann ja nichts mehr verbrannt werden…gelle

  37. @Tritium/ Heller

    Ich lese regelmäßig in AGW-Blogs wie Primaklima, KlimaLounge und globalklima, oder Klima der Gerechtigkeit und Klimaretter mit. Eine Fundgrube für Kurioses. Zudem habe ich auch einen gewissen Spaß dabei. Man glaubt sich in eine Komödie versetzt.

    Kurios finde ist vor allem, dass die Protagonisten dort wirklich noch an den Hockeystick der Temperatur (von Mann) und des Meeresspiegels (von Rahmstorf) glauben, natürlich vom Menschen verursacht. (Der Meeresspiegelveröffentlichung an der Rahmstorf u.a. beteiligt war wurde gar zur Veröffentlichung abgelehnt, tut dem aber anscheinend keinen Abbruch). Früher ja früher war das Klima noch konstant/ beständig und die Menschen mussten sich nicht anpassen. So die Argumentation.

    Eigentlich ja eigentlich reicht es aus in ein Geschichtsbuch zu schauen, um zu erfahren, dass sich die Menschen an alle Klimaschwankungen der letzten Jahrtausende und Jahrhunderte, die es tatsächlich gegeben hat, gut angepasst haben. Letzte Eiszeit, Klimaoptimum des Holozän, Klimaoptimum der Römerzeit, Klimapessimum der Völkerwanderungszeit, Mittelalterliche Warmzeit und Kleine Eiszeit.

    Früher gab es keine vorbeugenden Maßnahmen, oder gar einen Klimaschutz. Anpassung war von jeher die einzige Möglichkeit. Anpassung führt zu einem technischen Fortschritt und neuen Innovationen. Hierfür ist gerade der Küstenschutz und die Landgewinnung ein hervorragendes Beispiel. Hätten die Holländer nicht vor rund 1000 Jahren mit dem Küstenschutz und der Landgewinnung begonnen und statt dessen auf Vermeidung gesetzt und sich zurückgezogen, so würden heute große Landstriche an der Nordseeküste unter Wasser stehen.

  38. Im naturwissenschaftlichen Teil ein Beitrag in der gewohnten Qualität von PH -- Danke!
    Was die sozioökonomischen Prognosen betrifft, kann ich nicht ganz folgen:
    Handelt es sich hier um ein Gedankenexperiment in der Art von: wenn wir die wissenschaftlichen UND die sozioökonomischen Prognosen des IPCC ernst nehmen, haben wir keinen Anlaß zur Sorge?
    Oder hält der Autor diese Prognosen selbst für plausibel? Nach „Was man aber abschätzen kann, ist das künftige Wohlstandsniveau“ erscheint mir diese Lesart naheliebender. Sollte ich damit richtig liegen, möchte ich einwenden, daß diese Prognosen allesamt mit Modellen erstellt wurden, die etwa die aktuelle Wirtschaftskrise nicht im Ansatz vorhersagen konnten. Auch im späteren Verlauf der Krise haben die Modelle, die inzwischen nachjustiert worden waren, teilweise komplette Zusammenbrüche oder komplette Erholung vorausgesagt, und wie wir wissen, ist beides nicht eingetroffen. Wenn man sich ferner anschaut, wie regelmäßig der Beginn des wirtschaftlichen Aufschwungs für gerade in einem Jahr prophezeit wird, sollte klar werden, wie sehr diese Prognosen -- darin Klimamodellen nicht unähnlich -- in erster Linie die Erwartungen ihrer Autoren widerspiegeln.
    Es gibt keinerlei Anlaß, das optimistische Szenario, daß PH hier skizziert, auszuschließen (Gott sei Dank!). Aber damit es eintrifft, müssen zahllose Faktoren gegeben sein (Freihandel, technischer Fortschritt, Rückgang von Kriegen, entsprechende Wertvorstellungen etc. etc. -- und zwar in jedem einzelnen betroffenen Land). Das Eintreffen dieser Faktoren wiederum hängt nicht von deterministischen Naturgesetzen ab, sondern von zahllosen menschlichen Entscheidungen, die einfach unvorhersehbar sind. Vor genau 100 Jahren hat man sehen können, wie einige wenige falsche Entscheidungen den lang andauernden Aufstieg unserer Kultur für Jahrzehnte unterbrechen und in sein Gegenteil verkehren konnten. Ich fürchte daher, die „armen Länder“ werden uns auch in Zukunft erhalten bleiben, auch wenn es nicht notwendigerweise die gleichen sein werden wie heute.

  39. @ Wafthrudnir:

    Handelt es sich hier um ein Gedankenexperiment in der Art von: wenn wir die wissenschaftlichen UND die sozioökonomischen Prognosen des IPCC ernst nehmen, haben wir keinen Anlaß zur Sorge?
    Oder hält der Autor diese Prognosen selbst für plausibel?

    Beides. Wobei „Plausibilität“ und „Eintrittswahrscheinlichkeit“ strikt zu unterscheiden sind.

    Aber damit es eintrifft, müssen zahllose Faktoren gegeben sein (Freihandel, technischer Fortschritt, Rückgang von Kriegen, entsprechende Wertvorstellungen etc. etc. — und zwar in jedem einzelnen betroffenen Land). Das Eintreffen dieser Faktoren wiederum hängt nicht von deterministischen Naturgesetzen ab, sondern von zahllosen menschlichen Entscheidungen, die einfach unvorhersehbar sind.

    Das ist korrekt. Ich denke aber -- eine genauere Begründung würde hier zu weit führen -- daß gewisse Entwicklungen dieser Art zwangsläufig sind und von politischem Handeln höchstens gebremst, niemals aber gestoppt oder gar umgekehrt werden können. In einzelnen Ländern für gewisse Zeiträume sicher. Niemals aber überregional oder gar global.

    Etwas trivial ausgedrückt: Sobald es Spielekonsolen gibt, wollen alle auf der Welt sie haben. Ganz unabhängig vom kulturellen Background, von Religion oder Entwicklungsstand. Und um sie zu bekommen, wird jedes einzelne Individuum das für sich mögliche tun. In der Summe entstehen Fortschritt und Prosperität. Auf entsprechend langen Zeitskalen zwangsläufig. Es ist ein sich Bottom-Up selbstorganisierendes System der Bedarfsbefriedigung, das übermächtig ist gegen alle anderen Interessen.

    Betrachten Sie einfach mal die langfristig erfolgreichsten und dauerhaftesten Branchen der Welt. Seit es den Homo Sapiens gibt, haben diese ununterbrochen überall erheblich zur Wertschöpfung beigetragen: Pornographie, Prostitution, Waffen und Drogen aller Art. Ausgehend von individuellen Bedürfnissen. Unaufhaltsam und Unabänderlich. Die Branchen selbst haben sich natürlich verändert. Das Geschäftsmodell bleibt aber immer gleich. Und wenn man jetzt weiter denkt, von Nahrung über Kleidung bis hin zur Hygiene, von Höhlenmalereien bis zum Internet, vom Transportschlitten bis zum (fliegenden) Auto: Es ist überall dasselbe.

  40. Nach den Visionen des Weltklimarates und des IPCC ist es überflüssig von weiteren zu berichten.

    Sie sind alle entweder Gaunereien oder Verrücktheiten.

    Die Visionen der erten Art gehören in den Bereich der Justiz. , die der zweiten Art sind entweder Visionen von kranken Narren oder von Narren, die sich bester Gesundheit erfreuen. Die Ersteren gehören in die Medizin, die letzteren ins Narrenhaus.

    MfG,
    S. Schröder

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