Diesel: Die Lückenmedien im Glashaus (2)

21. September 2017 | Von | Kategorie: Artikel, Elektromobilität, Politik

Deutschlands politische und mediale Eliten blasen zum Krieg gegen das angeblich klima- und gesundheitsgefährdende Automobil. Da man damit nahezu das ganze Volk trifft, von den knapp 1 Mio. Beschäftigten der Branche über zahllose Mitarbeiter bei Zulieferern und Werkstätten bis zu den rund 45 Mio. Autobesitzern, greift man zur Salamitaktik. Deshalb wird zurzeit der Diesel-PKW als angeblich gesundheitsschädlicher Schmutzfink in die Ecke gestellt. Er soll die Luft in den Städten verpesten und jedes Jahr zigtausende Tote verursachen. ARD und ZDF verhalten sich wie Staatsmedien und nehmen kritische Stimmen mit einem sogenannten „Faktenfinder“ aufs Korn [FAKT]. Ganz vorne dabei: Andrej Reisin vom NDR und Wolfgang Wichmann von tagesschau.de. Doch wie gut hält deren „Faktenfinder“ einem Faktencheck stand?

Bild 1. Der Vergleich der NO2-Jahresmittelwerte zeigt ungeachtet der unterschiedlichen Farbskalen, dass die Werte in der Umgebungsluft seit 2001 deutlich zurückgegangen sind (Grafiken: UBA)

Bild 1. Der Vergleich der NO2-Jahresmittelwerte zeigt ungeachtet der unterschiedlichen Farbskalen, dass die Werte in der Umgebungsluft seit 2001 deutlich zurückgegangen sind (Grafiken: UBA)

Im ersten Teil wurde nachgewiesen, dass die NO2-Belastung der Luft in ganz Deutschland und auch an den sogenannten „Hotspots“ in Städten zurückgegangen ist. Grund ist die stetige Ablösung älterer durch jüngere Fahrzeuge mit besseren Abgasbehandlungssystemen. Dieser Trend wird sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen. Im jetzigen zweiten Teil der Analyse wird zunächst der Frage nachgegangen, warum die Grenzwerte trotz stark gesunkener Gesamtemissionen ausgerechnet an diesen „Hotspots“ nur vergleichsweise langsam zurückgehen, Bild 2.

Bild 2. Im Unterschied zum Rückgang der Emissionen, die von 1990 bis 2016 um mehr als die Hälfte abnahmen, sanken die NO2-Luftwerte auf Straßenniveau nur vergleichsweise wenig (Grafik: UBA)

Bild 2. Im Unterschied zum Rückgang der Emissionen, die von 1990 bis 2016 um mehr als die Hälfte abnahmen, sanken die NO2-Luftwerte auf Straßenniveau nur vergleichsweise wenig (Grafik: UBA)

Luftbelastungen werden gezielt „herbeigemessen“

Der hierfür ist ganz einfach: Diese Diskrepanz wird „herbeigemessen“. Das scheinen die „Faktenfinder“-Autoren jedoch gar nicht so gerne hören zu wollen und kritisieren deshalb den bereits erwähnten „Welt“-Beitrag. Dort steht, dass es „nur punktuell, in wenigen schluchtartigen Straßenzügen“ zu gelegentlichen Überschreitungen des mittleren Jahresgrenzwertes von 40 µg/m3 komme. Dem halten die „Faktenfinder“ entgegen, dass 2016 an insgesamt 144 von 246 der städtischen verkehrsnahen Luftmessstationen (59 %) der Grenzwert überschritten worden sei. Sie zitieren hierzu Felix Poetschke, den Pressesprecher des Umweltbundesamtes, mit den Worten: „Das Problem mit zu hohen, gesundheitsschädigenden Werten von NO2 ist also ein bundesweites: Viele Menschen sind diesen hohen Konzentrationen ausgesetzt“.

Nun, obwohl das UBA als Bundesbehörde eigentlich der Allgemeinheit verpflichtet sein müsste, werden dort in der Realität schon seit langem vor allem „grüne“ Positionen vertreten. Deshalb wurden Messstationen vielfach mit Bedacht an solchen Stellen platziert, wo man die höchstmöglichen Luftbelastungen messen konnte. Bevorzugt suchte man solche Bereiche aus, wo die Emissionen des Verkehrs in „toten Winkeln“ der Luftströmungen gefangen blieben. Dies ist von der entsprechenden EU-Gesetzgebung sogar ausdrücklich vorgegeben: Der Ort von Probenahmestellen ist so zu wählen ist, dass „Daten über Bereiche innerhalb von Gebieten und Ballungsräumen, in denen die höchsten Konzentrationen auftreten“….gewonnen werden.

Dies wurde nicht nur vom UBA, sondern auch von vielen grün orientierten Stadtverwaltungen begeistert aufgegriffen. Von den aktuell 517 Messstellen, die von der UBA insgesamt in Deutschland betreut werden, lieferten 2016 immerhin 144 die gewünschten hohen Messwerte. Manche Städte greifen sogar zusätzlich zu verkehrsbehindernden Maßnahmen mit dem Ziel, durch die erzwungenen Stopps und Neustarts den Schadstoffausstoß noch weiter in die Höhe zu treiben – als „erzieherische Maßnahme“, um die Autofahrer dazu zu bewegen, auf Bus und Bahn umzusteigen, wie der SPD-OB von Düsseldorf in einem kürzlichen Fernsehinterview offen zugab [HEUTE]. Kein Wunder also, dass 59 % der Messstationen an Hotspots „kritische“ Werte liefern. Wie stark eine „clevere“ Wahl des Messortes die Werte beeinflussen kann, zeigt das Beispiel Stuttgart, Bild 3.

Bild 3. Schon in vergleichsweise geringer Entfernung von „Am Neckartor“ (kleiner roter Kreis) zeigen andere Messstationen NO2-Jahresmittelwerte an, die um 38 oder sogar 60 % niedriger liegen (Grafik: IFKM/ KIT)

Bild 3. Schon in vergleichsweise geringer Entfernung von „Am Neckartor“ (kleiner roter Kreis) zeigen andere Messstationen NO2-Jahresmittelwerte an, die um 38 oder sogar 60 % niedriger liegen (Grafik: IFKM/ KIT)

 Ein noch besseres Verständnis dafür, wie sich diese Tricks auswirken, ergibt sich aus Bild 4.

Bild 4. Schon auf dem Dach sowie innerhalb des Gebäudes, das direkt an der Messstelle „Am Neckartor“ steht, liegen die Werte weit unterhalb kritischer Bereiche (Grafik: IFKM/ KIT)

Bild 4. Schon auf dem Dach sowie innerhalb des Gebäudes, das direkt an der Messstelle „Am Neckartor“ steht, liegen die Werte weit unterhalb kritischer Bereiche (Grafik: IFKM/ KIT)

 Bild 4 zeigt, dass „dicke Luft“ nur im Bereich des Bürgersteigs vor dem Eingang herrscht. Hier verläuft die sechsspurige B14, über die sich der ganze Verkehr in die leistungsstarken Industrieregionen östlich von Stuttgart quälen muss, weil man versäumt hat, Umgehungsstraßen vorzusehen. Die Messstelle selbst wird auf der einen Seite durch ein mehrstöckiges, direkt an den Bürgersteig gesetztes Gebäude und auf der anderen Seite durch die hohe Mauer zum Schlossgarten eingegrenzt. Auf dem Grund der so gebildeten engen Schlucht wird die Luftzirkulation stark behindert, so dass sich die Abgase aufkonzentrieren. So kann eine Stadtverwaltung mit nur einer besonders geschickt platzierten Messstelle ihrer Stadt den zweifelhaften Ruf als „schmutzigste“ Stadt in Deutschland verschaffen.

„Belastungsschwerpunkte“ nicht repräsentativ für den Rest des Landes

Wie wenig repräsentativ für eine wirklich nennenswerte Fläche in einer Stadt solche gezielt ausgewählten „schmutzigen“ Messorte in Wirklichkeit sind, zeigt Bild 5. Hierfür wurden die Ergebnisse einer Untersuchung des Ausbreitungsverhaltens von verkehrsbedingten Luftschadstoffen auf beiden Seiten einer stark befahrenen Schnellstraße [PEEL] herangezogen.

Bild 5. Die relative Konzentration von Abgasen nimmt auf beiden Seiten stark befahrener Straßen rapide ab. Die Grafik stammt aus einer Präsentation von J. Peel [PEEL], die Werte wurden auf den Durchschnitt der „Hotspot“-Messungen des Jahres 2016 in Deutschland normiert

Bild 5. Die relative Konzentration von Abgasen nimmt auf beiden Seiten stark befahrener Straßen rapide ab. Die Grafik stammt aus einer Präsentation von J. Peel [PEEL], die Werte wurden auf den Durchschnitt der „Hotspot“-Messungen des Jahres 2016 in Deutschland normiert

 Die ursprüngliche Grafik war auf Prozentzahlen vom Maximalwert des Schadstoffs direkt an der Straße normiert. Die Skala wurde der besseren Vergleichbarkeit wegen auf den Mittelwert aller 144 im Jahre 2106 über dem Grenzwert liegenden deutschen Messstationen umgerechnet, der bei knapp 50 µg/m3 lag. Bei der Bearbeitung dieser Zahlen fiel zudem auf, dass nur insgesamt sieben Stationen oberhalb von 60 µg/m3 lagen. Davon wiesen vier Werte zwischen 60 und 70 µg/m3 auf, gefolgt von drei Einzelwerten mit 76, 80 bzw. 82 µg/m3. Die Gesamtbreite der Zone mit NO2-Gehalten oberhalb des Grenzwerts liegt im statistischen Mittel bei lediglich 80 m, d.h. sie umfasst lediglich je 40 m rechts und links von der Straße. Das sind im Prinzip lediglich die direkt an der betreffenden Straße stehenden Gebäude. Bezieht man noch die rapide Abnahme der Belastung in vertikaler Richtung ein (siehe Bild 3, Unterschied Straßenniveau und Gebäudedach), so ist es selbst im Bereich der sogenannten „Hotspots“ nur ein verschwindend kleiner Bruchteil des gesamten städtischen Luftvolumens, das tatsächlich oberhalb des Grenzwerts liegt. Damit steht die Argumentation des UBA und damit der Faktenfinder auf äußerst dünnem Eis. Dem UBA sowie etlichen Stadtverwaltungen kann man zudem den Vorwurf machen, dass sie diese „kritischen“ Grenzwertüberschreitungen durch gezielte Auswahl ungünstig gelegener Messstellen ohne ausreichenden Luftaustausch bewusst herbeigeführt haben. Die mit den so gewonnenen Werten jetzt betriebene Panikmache ist weit überzogen. Fahrverbote ausgerechnet nur für Diesel-Privatfahrzeuge sind damit keinesfalls zu rechtfertigen. Dies wird den Urhebern noch auf die Füße fallen.

Hohe Wirksamkeit verkehrslenkender Maßnahmen

Selbst in einer Stadt mit so ungünstigen Voraussetzungen wie Stuttgart, wo es keinen Umfahrungsring gibt und die Kessellage den Luftaustausch behindert, kann eine Verwaltung, wenn sie nur will, durch geeignete Maßnahmen wesentlich zur Verringerung der Luftbelastung beitragen. Ein Beispiel hierfür liefert die Situation an der „Hot-Spot“-Messstelle an der Hohenheimer Straße. Auf dieser wichtigen Verkehrsverbindung durch Stuttgart quälen sich täglich rund 30.000 Fahrzeug über eine abschüssige Straße mitten durch die Stadt. Entsprechend hoch waren dort früher die NO2-Messwerte, Bild 6.

Bild 6. Zusammen mit „Am Neckartor“ war die Messstelle an der Hohenheimer Straße lange ein Brennpunkt für hohe NO2-Werte (Grafik: LUBW)

Bild 6. Zusammen mit „Am Neckartor“ war die Messstelle an der Hohenheimer Straße lange ein Brennpunkt für hohe NO2-Werte (Grafik: LUBW)

Der erhebliche Rückgang ab 2012 ist der Erfolg von Maßnahmen zur Verkehrsverstetigung. Das Parkverbot wurde verlängert und eine „grüne Welle“ eingeführt. Die so herbeigeführte Verstetigung bewirkte eine erhebliche Reduzierung der NO2-Spitzenkonzentrationen. Die Zahl der Grenzwertüberschreitungen sank in der Folge geradezu schlagartig von 196 im Jahre 2012 auf voraussichtlich nur noch 5-6 im Jahre 2107, Bild 7.

Bild 7. Durch gezielte Maßnahmen zur Verstetigung des Verkehrs ging die Zahl der Grenzwertüberschreitungen nach 2012 drastisch zurück (Grafik: Stadt Stuttgart)

Bild 7. Durch gezielte Maßnahmen zur Verstetigung des Verkehrs ging die Zahl der Grenzwertüberschreitungen nach 2012 drastisch zurück (Grafik: Stadt Stuttgart)

Im Umkehrschluss kann man hieraus erkennen, was manche Stadtväter wie Düsseldorfs SPD-OB Thomas Geisel durch gezielte Herbeiführung von Stop-and-Go-Verkehr bewirken können. So können Politiker aus ideologischer Verblendung die Bevölkerung und den Autofahrer quasi zu Geiseln einer fehlgeleiteten Politik machen.

Fakten und „Faktenfinder“

Die bisherige Analyse der von den „Faktenfindern“ von NDR und Tagesschau präsentierten Aussagen lässt erkennen, dass man sich dort alles andere als kritisch-investigativ mit dem Thema NO2-Immissionen der Stadtluft beschäftigt hat. Stattdessen übernimmt man einfach die Positionen des UBA, als seien deren Ansichten der Weisheit letzter Schluss. Eine eigenständige kritische Wertung der Daten und der Hintergründe ist nicht einmal in Ansätzen erkennbar. Dies bestätigt die bereits bisher gemachte Erfahrung, dass die Medien – allen voran die Fernsehanstalten ARD, ZDF und ihre Landesdependancen – beim sogenannten „Diesel-Skandal“ einseitig, parteiisch und irreführend berichten. Ausgewogenheit und Sorgfalt scheinen nicht gefragt zu sein. Stattdessen bemüht man sich offenkundig darum, das Thema so darzustellen, wie die Bundesbehörden sowie die anderen etablierten Parteien es gerne haben möchten. Abweichende Meinungen von Medien, Journalisten oder Blogger werden als unglaubwürdig hingestellt. So leistet man dem ideologischen Ziel der Deindustrialisierung Deutschlands durch „Dekarbonisierung der Volkswirtschaft“ Vorschub. Der Diesel ist dabei nur das erste Opfer. Es wird danach weitergehen, und zwar alternativlos.

Fred F. Mueller

Demnächst folgt Teil 3

Quellen

[FAKT] http://faktenfinder.tagesschau.de/inland/stickstoffdioxid-111.html

[HEUTE] „Heute“-Nachrichtensendung des ZDF vom 9.8.2017, Interview mit Thomas Geisel, SPD-Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, Stichwort „Verkehrserziehung in Richtung Zukunft“

[PEEL] JENNIFER L. Peel Is NO2 a Marker for Effects of Traffic Pollution or a Pollutant on Its Own. COLORADO STATE UNIVERSITY MAY 4, 2015 HEI ANNUAL MEETING PHILADELPHIA, PA

 

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11 Kommentare
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  1. Die strategische Absicht ist doch klar, ein grüner Dolchstoß in den Rücken unserer Industrie.
    Diese Leute wollen den industriellen Selbstmord aus ideologischen Gründen. Schade, daß unsere Jugend nicht dagegen aufsteht. Ich sehe immer nur uns „Alte“ für die Enkel kämpfen. Die werden es aber ausbaden müssen.
    Unsere Medien sind links grün und nicht für die jungen Generationen. Na dann, eben Jugend mit Marx und Lenin,

  2. @1, Karl Reichart
    Im Moment schaue ich auf ARTE eine Doku über den Vietnam-Krieg. Gerade fiel ein als Résumé dieses Geschehnisses das Zitat „Wer nicht aus der Geschichte lernt, der wiederholt sie“
    Schauen wir uns um:
    Politik+Presse, alles gleichgeschaltet….ect…
    Juncker und Merkel halten sich für Demokraten, dabei sind sie Honecker ähnlicher als sie es wissen. Ob Merkel oder Eurokrat Schulz Kanzler wird, ist doch eh piep egal.
    Wann kommt der „9.November“ für dieses grünsozialistisch gesinnte Gesocks?
    Vaclav Havel meinte vor 25 jahren: „Wenn Westeuropa Osteuropa nicht stabilisiert, dann wird Osteuropa Westeuropa destalisieren“
    Heute regt sich der Widerstand gegen den grünen Sozialismus vor allem im Osten, zum Glück.
    Ja, die Zeiten haben sich geändert:
    Im 21.Jahrhundert nun muss Osteuropa Westeuropa stabilisieren, damit diese an eurokratischer Dekadenz dahinvegitierenden westeuropäischen Politiker und intellektuellen Vollidioten eines besseren belehrt werden, und dieses Bessere heisst REALITÄT.

    Und nochmals: Wer nicht aus der Geschichte lernt, der wiederholt sie

  3. @2
    Was sollte sich denn ändern, wenn wir nen anderen Kanzler bekommen? VW nimmt für die E-Auto-Entwicklung 20 Mrd. in die Hand und noch mal 50 Mrd. für die Akkuentwicklung. VW macht das nicht für den deutschen Markt, weil der viel zu klein ist. VW macht das für China, weil die Hälfte der PKWs nach China geht und China nächstes Jahr ne E-Auto-Quote einführen will. Welches Auto du gerne fahren will, ist VW egal. Die wollen Umsatz, Wachstum und Gewinn.

  4. #1 & #2

    Die grüne Ideologie ist weder links noch sozialistisch. Es ist reaktionärer Spießerquatsch, derUmverteilung von unten nach oben rechtfertigen soll.

  5. @4, anorak2
    Genau darum geht es doch!
    Marx predigte eine „permanente umverteilung der vermögen, um allgemeinen Wohlstand zu erreichen“,doch wer bezahlt denn letztenendes die Zesche? der kleine Mann. Der angewandte Marxismus, auch Kommunismus genannt, macht hier keine Ausnahme. Wer glaubt denn noch, dass sozialistische Politiker den Reichen das Geld wegholt, um es den Armen zu geben? Die machen nur ihre eigenen Geschäfte, eben auch eine Form von Korruption und Lobbyismus.
    Doch, anorak2, das ist praktischer Sozialismus, und er ist grün angestrichen.

  6. @GS #5

    Marx predigte eine „permanente umverteilung der vermögen, um allgemeinen Wohlstand zu erreichen“

    Äh nein. Die Gänsefüßchen suggerieren dass Sie etwas zitieren, wofür es aber keine Quelle gibt. Google findet nur eine Fundstelle für diesen Begriff, nämlich diese Seite.

    Sozialismus besteht im Kern in der Kollektivierung der Produktionsmittel. D.h. entweder Verstaatlichung oder Genossenschaften oder ähnliches. Das fordern die Grünen aber nicht, und auch ihre praktische Politik hat nicht die geringsten Tendenzen in der Richtung. Fällt denen überhaupt nicht ein, da sind die total kapitalistisch.

    Was sie mit dem EEG geschaffen haben ist vielmehr eine neue Klasse von Kapitalisten. Der Unterschied zu alten Kapitalisten ist allerdings, dass die von den Grünen geschaffenen nichts mehr leisten. Sie erhalten ihre Profite ohne Gegenleistung.

    Recht haben Sie insofern, dass sozialdemokratische Politik (also nicht sozialistische) eine gemäßigte Umverteilung vorsieht, allerdings…

    doch wer bezahlt denn letztenendes die Zesche? der kleine Mann.

    Ja das ist aber falsche Richtung. Gemäßigt Linke fordern Umverteilung von Reich nach Arm, nicht umgekehrt!

    Aber welche Ideologie organisiert Umverteilung von Arm nach Reich? Antwort: die neoliberale. Das ist was die Grünen sind. Eine Art Müsli-FDP.

    Ihr Klientel ist das gehobene, materiell gut ausgestattete Bürgertum. Dessen Interessen vertreten die Grünen sehr aggressiv. Der Unterschied zur FDP ist nur im kulturellen Habitus, inhaltlich ist es fast das Gleiche.

  7. Was sie mit dem EEG geschaffen haben ist vielmehr eine neue Klasse von Kapitalisten. Der Unterschied zu alten Kapitalisten ist allerdings, dass die von den Grünen geschaffenen nichts mehr leisten. Sie erhalten ihre Profite ohne Gegenleistung.

    Was du da schreibst, gilt für jeden Investor. So lange es fürs Sparbuch oder Tagesgeldkonto Zinsen gibt, trifft es auch auf jeden Menschen zu, der diese Anlageformen verwendet, also fast alle Menschen.

  8. @oxy #7

    Was du da schreibst, gilt für jeden Investor.

    Nein. In der normalen Wirtschaft trägt jede Investition -- mit Ausnahme von Spekulationsgewinnen -- zur Produktion von nützlichen Waren oder Dienstleistungen bei. In manchen Fällen sind viele Abstraktionsebenen dazwischen, so dass die Zusammenhänge nicht sofort offensichtlich sind, aber sie sind da.

    Wer zB in eine Schuhfabrik investiert -- sei es dass er Mitinhaber wird, oder Aktien kauft oder ihr ein verzinstes Darlehen gibt, von dem die Fabrik Maschinen kaufen kann um Schuhe herzustellen -- der macht das zwar um selbst Profit absahnen zu können. Aber das erreicht er nur, indem die Schuhfabrik Schuhe herstellt und verkauft. Dh also, nur wenn die Fabrik etwas für die Allgemeinheit nützliches produziert. Das ist zwar nicht die Absicht des Investoren, aber unvermeidliche Nebenwirkung seines Profitstrebens. So funktioniert „normaler“ Kapitalismus. Statt Fabrik kannst du Handwerksbetrieb, Bauernhof, Dienstleister oder sonstwas einsetzen, gleiches Prinzip.

    Bei Windrädern oder Solarzellen ist das grundlegend anders. Sie produzieren NICHTS was irgendwer braucht oder haben will. Es ist reine Ressourcenverschwendung ohne jeden Nutzen für die Allgemeinheit. Und für diese nutzlose unerwünschte Aktivität erhalten die Betreiber zusätzlich noch gesetzlich garantierte Belohnung. Das ist pervertierter Kapitalismus. Aber es ist Kapitalismus, denn die Absahner dieses Unfugs sind Privatpersonen oder andere private Unternehmen.

    So lange es fürs Sparbuch oder Tagesgeldkonto Zinsen gibt, trifft es auch auf jeden Menschen zu, der diese Anlageformen verwendet, also fast alle Menschen.

    Quatsch. Die Bank verleiht das Geld an produzierende Unternehmen, die damit Produktionsmittel erwerben können und dann nützliche Produkte damit herstellen, s. Beispiel Schuhfabrik. Einen Teil des Profits erhält die Bank in Form von Zinsen zurück und zahlt davon wieder einen Teil der Oma auf ihr Sparbuch. Die Oma ist indirekt also Investor in eine für die Allgemeinheit nützliche Produktion und erhält dafür ihren Anteil, auch wenn ihr das selbst nicht bewusst ist.

    Das ganze gilt nur dann nicht, wenn die Bank in Ökoprojekte investiert. Dann sind ihre Sparer genau Schmarotzer wie die direkten Investoren in solche Projekte.

  9. Auch im Umfeld der Station Landshuter Allee in München fallen die Messwerte sehr unterschiedlich aus, je nachdem, wo gemessen wird. Siehe Abschnitt 4 Ergebnisse im verlinkten Bericht.

    Die PDF Datei (fast 40MB) dazu findet sich hier, wenn man auf Abschlussbericht klickt und dann auf Download auf der nächsten Seite. https://www.lfu.bayern.de/luft/luftreinhalteplanung_verkehr/nox_projekt/index.htm

  10. @anorak2

    Was fürs EEG gilt, galt aber auch früher für AKWs. Die Stromversorger hatten gar kein Interesse an Atomkraft. Die Regierung wollte es und sie wollte AKWs nicht weil der Strom angeblich so billig ist, auch wenn gesagt wurde, dass man bald die Stromzähler abschaffen würde. Es ging um den Besitz der Atombombe. Etwas, das die Bevölkerung auch nicht haben wollte.
    Erst als die Regierung die finanziellen Risiken übernahm, haben die Stromversorger in diese Richtung investiert.

  11. @oxy #10

    Was fürs EEG gilt, galt aber auch früher für AKWs.

    Nein, total anders. Weder sind Atomkraftwerke für die Allgemeinheit nutzlos, noch ging es um die Bereicherung einiger Snobs auf Kosten der Gesellschaft, noch wurde ihretwegen Vergeudung betrieben, noch wurden sie subventioniert.

    Die Stromversorger hatten gar kein Interesse an Atomkraft.

    Das Eigeninteresse der Betreiber ist irrelevant. Relevant für die Bewertung ist einzig Nutzen oder Schaden für das Allgemeinwohl. Und da liegst du mit deiner Gleichsetzung ganz falsch

    Die Regierung wollte es und sie wollte AKWs nicht weil der Strom angeblich so billig ist, auch wenn gesagt wurde, dass man bald die Stromzähler abschaffen würde. Es ging um den Besitz der Atombombe.

    Ein Ökomythos jagt den nächsten. Man braucht keine Atomkraftwerke, um Bomben zu bauen.

    Und es ist völlig in Ordnung, dass die Regierung die Ziele der Energiepolitik definiert. Es kommt aber sehr drauf an, welche Ziele. Und da gibt es riesige Unterschiede.

    Damals wollte man billige Energie in großen Mengen, um den Wohlstand der Bevölkerung zu heben. Der klassische Allgemeinwohl-Gedanke. Zwar war man, wie du richtig sagst, etwas zu optimistisch wie billig es werden würde, aber grundsätzlich wurde das Ziel erreicht. Atomkraft hat dem Wohlstand der Gesamtbevölkerung genutzt und tut es immer noch.

    Das ist total entgegen dem EEG. Dieses dient erklärtetmaßen nicht dem Allgemeinwohl, sondern irrationalen ideologischen Zielen (allerdings keinen sozialistischen, wie einige Vorredner meinen). Nebenher tun sich einige Nassauer auf Kosten der Gesellschaft gütlich. Eine totale Verarschung des Volkes.

    Etwas, das die Bevölkerung auch nicht haben wollte.

    Doch das wollte sie sehr wohl. Der Zeitgeist war ganz anders als heute. Die Mehrheit war für Fortschritt und besseren Lebensstandard. Es gab keine Anti-AKW-Bewegung. Und als es sie dann gab, war sie erstmal sehr lange Zeit in der Minderheit.

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