Elektromobilität? Fliegen ist schöner…

27. November 2013 | Von | Kategorie: Artikel, Innovationspolitik, Politik, Technium, Wirtschaftsförderung

ego150Zwischen der biologischen und der technischen Evolution besteht eine Gemeinsamkeit. Wie jedes neue physiologische Merkmal einen Anfangsvorteil aufzuweisen hat, soll es sich denn in einer Population durchsetzen, gilt dies auch für eine Innovation und ihren Markt. Während in dem einen Fall der Effekt auf die Fortpflanzung entscheidend ist, hat man in dem anderen die Bedarfe der potentiellen Nutzer zu beachten. Mobilität ist offensichtlich ein wichtiges Bedarfsfeld. Menschen müssen sich und ihre Güter bewegen können, um mit ihrer Arbeitskraft, ihren Produkten, ihren Gedanken und Ideen Handel mit anderen treiben zu können. Mobilität ist eine Basis des Austausches auf allen Ebenen in jeder Hinsicht. Des Austausches, der am Ende Wohlstand schafft und sichert und damit auch – hier schließt sich der Kreis – rein biologisch gesehen zum Fortpflanzungserfolg beiträgt.

Das Konzept „Fahrzeug“

Auf seinen zwei Beinen kann der Mensch grundsätzlich jeden Punkt der Landfläche seines Planeten erreichen. Von geeigneter Kleidung über Bergsteigerausrüstung bis hin zu Booten sind mitunter einfache Hilfsmittel erforderlich, aber bereits in der Steinzeit, noch ohne Pferde oder Segelschiffe, gelang es dem Homo Sapiens (mit Ausnahme der Antarktis) auf allen Kontinenten in allen Klimazonen heimisch zu werden. Natürlich hat es seine Zeit gedauert. Natürlich sind Wanderungen über lange Strecken mühsam und gestatten nur leichtes Gepäck. Hier erkennt man die Bedarfe, die Fahrzeuge aller Art erfüllen müssen: Es geht darum, schneller voran zu kommen und mehr transportieren zu können. In dem Zieldreieck Flexibilität – Geschwindigkeit – Kapazität zeigt sich aber der Nachteil aller Verkehrssysteme: Nichts ist so flexibel wie der Mensch selbst. Selbst Pferde sind weniger geländegängig und in Dschungeln, Wüsten oder den polaren Regionen kaum einsetzbar. Moderne Maschinen sind ausnahmslos an Infrastrukturen gebunden. Straßen oder zumindest halbwegs taugliche Wege, Schienen, Häfen, Flugplätze und Flugleitsysteme können als Beispiele angeführt werden. Trotzdem erfüllen Automobile, Eisenbahnen, Flugzeuge und Schiffe ihren jeweiligen Zweck. Es gibt den Individualverkehr für hohe Flexibilität, den Linienverkehr für hohe Geschwindigkeiten (oder auch geringe Kosten) und die Schiffahrt für hohe Kapazitäten. Jeder Bereich hat seine Vor- und Nachteile, jeder Bereich aber kommt spezifischen individuellen Bedarfen nach und hat daher seine Existenzberechtigung. Es ist daher wenig sinnvoll, den einen Sektor gegen den anderen aufzurechnen. Den berühmten ökologistischen Vergleich zwischen Bus und Flugzeug gewinnt immer das Flugzeug, denn welche Menge Treibstoff würde ein Bus benötigen, der tausend Kilometer in der Stunde zurücklegt?

Der Weg der Innovation

Die Optimierung, die Verbesserung des Verhältnisses von Aufwand zu Nutzen, findet innerhalb der einzelnen Verkehrsmodi statt. Fahrzeuge werden immer besser. Aber was bedeutet „besser“ in diesem Fall? Hinsichtlich der entscheidenden Eigenschaften Flexibilität, Kapazität und Geschwindigkeit unterscheiden sich heutige Eisenbahnen kaum von denen vergangener Jahrzehnte. Bei Flugzeugen und Automobilen ist es ähnlich. Sicher hat es bedeutende Fortschritte in der Effizienz gegeben, auch der Komfort ist mitunter gestiegen (wiewohl man bei Zügen und Jets da geteilter Meinung sein kann). Zusatzfunktionen wurden integriert, Sicherheit und Robustheit verbessert. Schiffe zumindest haben deutlich an Kapazität zugelegt. Aber das ist eine simple Skalierung, wie man sie bei Fliegern wie dem A380 oder Transportfahrzeugen wie dem Gigaliner eben auch findet. Ein technischer Durchbruch verbirgt sich dahinter nicht. Es bleibt zu konstatieren: Die technischen Prinzipien, die heute im Fahrzeugbau eingesetzt werden, sind hinsichtlich ihres Nutzens ausgereift. Will man den Nutzen weiter steigern, erhöht sich automatisch auch der Aufwand. Natürlich kann man leistungsstarke Autos mit sehr hohen Spitzengeschwindigkeiten und Beschleunigungswerten konstruieren. Sicher ist es theoretisch möglich, auch ein Wohnmobil mit 500 oder mehr km/h zu bewegen. Nur: Was würde das kosten? Sportwagen sind eben Nischen- bzw. Luxusprodukte, zur Erfüllung alltäglicher Mobilitätsbedarfe nutzt sie kaum jemand. Natürlich kann man sich Super-Hochgeschwindigkeitszüge ausmalen und Überschall-Transportflugzeuge. Aber wäre deren Betrieb auch wirtschaftlich? Das Beispiel Concorde lehrt: Eher nein.

Innovation bedeutet, durch die kompromisslose Auflösung technischer Widersprüche den Nutzen bei gleichzeitiger Aufwandsminimierung zu steigern. Das gelingt in der Regel nur durch die Verwendung eines neuen technischen Prinzips. Bei Flugzeugen könnte man auf Staustrahl- oder Raketentriebwerke umsteigen, bei Eisenbahnen auf die Magnetschwebetechnik und bei Schiffen auf den Bodeneffekt. In jedem Fall ergäbe sich eine deutliche Erhöhung des Nutzens oder gar eine Ausweitung der Einsatzmöglichkeiten. Raketenflugzeuge wären bei Geschwindigkeiten im niedrigen Überschallbereich nicht nur effizienter, sie könnten auch weit höhere Spitzengeschwindigkeiten erreichen, als mit Turbinen jemals möglich wären. Vom Vorstoß in den Weltraum ganz zu schweigen. Bei Magnetschwebebahnen ist es ähnlich. Schiffe könnten im Bodeneffekt so schnell wie sonst nur Kleinflugzeuge über das Wasser rasen und würden dabei kaum mehr Sprit verbrauchen, als bei der herkömmlichen, langsamen Verdrängerfahrt.

Was aber macht man mit dem Auto?

Vielen gilt das batteriebetriebene Elektrofahrzeug als das technische Paradigma der Zukunft. Ein Irrtum. Denn auch ein Batteriemobil liefert letztendlich keinen höheren oder anderen Nutzen, als ein konventionell betriebenes Fahrzeug. Im Zieldreieck aus Flexibilität, Kapazität und Geschwindigkeit kann es das sogar prinzipiell nicht, da helfen noch so viele Forschungsmillionen nicht weiter. Denn das technische Prinzip elektrochemischer Speicher hat physikalische Grenzen, die kein noch so kreativer Ingenieur aushebeln kann. Ganz im Gegenteil: Um überhaupt in Nischenbereichen erfolgreich sein zu können, muß ein Batteriefahrzeug dem Zustand der theoretisch erreichbaren Perfektion schon sehr nahe sein. Ein Produkt, dessen Marktfähigkeit erst im technischen Optimum halbwegs gegeben ist, hat nur ein verschwindend geringes Substitutionspotential. Das Elektroauto weist keinen Anfangsvorteil gegenüber vorhandenen Systemen auf und deswegen wird es sich – ohne künstliche, marktverzerrende Eingriffe – nicht durchsetzen.

Aber Halt! Eigentlich ist Elektromobilität doch eine clevere Idee. Ein Elektromotor hat einen weit besseren Wirkungsgrad als ein Verbrenner. Auch nimmt er weniger Bauraum ein und bringt – bei gleicher Leistung – weit weniger auf die Waage. Zwischen Batterie und Motor sind nur noch Kabel zu verlegen, keine Treibstoffschläuche oder ähnliches. Auch können Elektromotoren direkt in die Räder integriert werden, eine komplizierte mechanische Verbindung zwischen Motor und Achsen entfällt ebenso, wie ein aufwendiges Getriebe oder ein Abgassystem. Das alles spart nicht nur Gewicht, es senkt auch Kosten und eröffnet dem Fahrzeugdesign völlig neue Möglichkeiten. Außerdem denke man an den Lärm. Batteriefahrzeuge sind sehr, sehr leise. Von Beschleunigungsvermögen und Fahrdynamik mal ganz abgesehen.

Weniger Gewicht und Bauraum? Weniger Lärm? Neue Gestaltungsmöglichkeiten? Wo ergibt das alles besonders viel Sinn? Richtig: In der Luft.

Elektrisches Fliegen ist doch wohl ein Scherz, mögen einige Leser jetzt einwenden. Schließlich sind Flugzeuge typischerweise Langstreckensysteme. Sie benötigen so viel Energie für Start und Landung, daß sie erst bei Strecken ab mehreren Hundert Kilometern sinnvoll sind. Nur über weite Entfernungen können sie außerdem ihren Geschwindigkeitsvorteil ausspielen. Ein A 380, eine 747, betrieben mit einem Lithium-Ionen-Akkumulator? Nicht denkbar.

Man drehe die Betrachtung einmal um. Kann es sinnvoll sein, auch den Kurzstreckenverkehr in der Luft abzubilden? In Städten beispielweise, in denen überfüllte Nahverkehrssysteme und Blechlawinen auf den Straßen Mobilität zur Qual werden lassen? In denen der Lärm, die Abgase und Feinstaubemissionen von Straßenbahnen, Bussen, Autos und Lastwagen die Lebensqualität deutlich senken? In denen eine Fahrt von einem Ende zum anderen schon mal eine Stunde oder mehr beanspruchen kann? Man stelle sich vor, entlang der Luftlinie über all das hinwegfliegen und auf den Dächern der Hochhäuser oder auch auf speziell eingerichteten Terrassen nahe dem gewünschten Stockwerk landen zu können. Nicht nur Hamburger, Berliner oder Münchner würden sich darüber freuen. Sondern vor allem die Einwohner von Megazentren wie New York und Tokio, Peking und Mexiko City. Die Idee des „fliegenden Segway“ ist nicht neu, keine Frage. Bislang scheiterten alle Konzepte dieser Art vor allem am Lärm, der turbinengetriebene Williams X-Jet beispielsweise (hier ein Video, hier zum Wikipedia-Eintrag) wäre in der Stadt kaum akzeptabel. Mit der Elektromobilität wird das nun anders.

Der Volocopter

Auf den ersten Blick scheint das Ding ziemlich phantasielos zu sein. Wenn ein Quadrocopter mit vier Motoren in die Luft gehen kann, hängt man einen Hubschrauber halt einfach an 18 von diesen auf, um zusätzlich noch das Gewicht von zwei Personen tragen zu können. Eine brachiale, wenig kreative Lösung. Bei näherem Hinsehen aber wird die besondere Idee dahinter deutlich: Jeder der 18 Elektromotoren kann einzeln angesteuert werden. Flugmanöver wie Start, Landung oder Richtungswechsel lassen sich über eine entsprechend intelligente elektronische Steuerung daher weitgehend automatisieren. Auf eine komplexe Steuerung über drei Achsen mit entsprechenden Klappensystemen kann vollständig verzichtet werden. Pedale gibt es auch nicht, der Nutzer hat nur noch eine Hand am Joystick:

Nach vorne nimmt er Fahrt auf, nach links und rechts fliegt er Kurven. Mit dem Daumen bewegt der Pilot den Höhenregler nach oben und unten zum Steigen und Sinken. Lässt der Pilot den Joystick los, dann hält der Volocopter von alleine die aktuelle Höhe und Position. [Zitat der Entwickler]

Simpler und einfacher zu erlernen kann eine Mensch-Maschine-Schnittstelle kaum sein. Auf immerhin bis zu 100 Stundenkilometer bringt es das neue Gefährt, bis zu zwei Personen (oder eine Person mit entsprechendem Gepäck) kann er in Höhen von bis zu 7000 Meter transportieren. Über die Reichweite gibt es keine genauen Angaben, die Entwickler sprechen von „vergleichbar einem Elektroauto“. Bei den heute verfügbaren Batteriesystemen scheint das realistisch, man kann also von mindestens 50, vielleicht sogar 100 km ausgehen (30 bis 60 Minuten Flugzeit).

volocopter

Seinen Erstflug hatte das Fahrzeug vor wenigen Tagen, am 17.11.2013. Flüsterleise. Das Sicherheitsniveau ist bereits heute sehr hoch. Bis zu vier Motoren dürfen ausfallen, um den Volocopter noch landen zu können. Und wenn alle Systeme sterben, kann er als Ultraleichtgerät auch einfach komplett am eingebauten Rettungsfallschirm zu Boden segeln.

Im Gegensatz zum Batterieauto zeigt der Volocopter, wie Fortschritt tatsächlich funktioniert. Innovationen lösen keine Probleme (schon gar keine erfundenen), Innovationen schaffen neue Möglichkeiten. Kann eine Technologie in einer bestimmten Anwendung nicht mehr leisten, als bereits etablierte Konzepte, ist es nicht sinnvoll, sie mit Abermillionen an Steuergeldern künstlich zu beatmen. Denn ohne erkennbaren Anfangsvorteil wird sie nicht überleben, sollte der politische Rückhalt wieder schwinden. Die Fördergelder sind dann verschwendet und Werte wurden vernichtet, statt neue zu schaffen.

Das ideologiebasierte Handeln der derzeitigen Wirtschaftsförderungspolitik ist seinem Wesen nach innovationsfeindlich. Es hilft einer Idee nicht, wenn man ihr Ziele vorgibt, die sie niemals erreichen kann. Das führt zwangsläufig zu Enttäuschung, Ernüchterung, Demotivation und am Ende gar einem Umschlag der öffentlichen Meinung ins Negative. Statt der Elektromobilität nicht vorhandene Fähigkeiten anzudichten, sollte man ihre  tatsächlichen Möglichkeiten rational identifizieren und ihren Einsatz dort unterstützen, wo diese wirklich wirksam werden können. In der Luft – und nicht auf der Straße.

Die Macht der Crowd

Zur Ehrenrettung der Politik bleibt anzumerken, daß das Volocopter-Projekt öffentliche Fördermittel erhalten hat. Die meisten Förderlinien sind auch weiterhin technologieoffen, obwohl sich Regierungen in vielen Bereichen einbilden, Richtung und Ergebnis von Innovationsprozessen determinieren zu können. Man denke neben Mobilität nur an das Thema Energie. Glücklicherweise ist das Internet nicht nur ein Instrument der demokratischen Teilhabe durch Kommunikation und Diskussion. Es ermöglicht seit kurzem auch jedem Bürger, selbst zu entscheiden, welche technischen Entwicklungen er als sinnvoll, als wünschenswert oder gar als förderwürdig ansieht. Crowdfunding, Crowdinvesting oder Crowdlending sind nur drei Schlagworte für Instrumente, mit denen die Demokratisierung der Wirtschaftsförderung vorangetrieben wird. Die Entwickler des Volocopter beispielsweise haben auf Startnext eine überaus erfolgreiche Crowdinvesting-Kampagne gestartet. Das ursprüngliche Ziel, eine halbe Million Euro von privaten Kleininvestoren einzusammeln, wurde in weniger als drei Stunden erreicht. Dies ist natürlich kein Aufruf, sich zu beteiligen. Ratschläge für Anleger gibt es auf Science Skeptical nicht. Dies ist nur der Hinweis auf einen wichtigen Faktor, den Obrigkeiten prinzipbedingt niemals in ihr Kalkül einbeziehen können: Menschen dürfen sich etwas wünschen. Ob sich viele Menschen ein Elektroauto wünschen, das gleiches leistet, wie ein Benziner oder Diesel, wurde noch nicht wirklich überprüft. Bekommen könnten sie ein solches ohnehin nicht. Daß sich viele Menschen den Individualverkehr in der Luft wünschen, daran allerdings kann jetzt kein Zweifel mehr bestehen. Und bekommen können sie ihn tatsächlich.

 

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71 Kommentare
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  1. Ich wünsche mir den Individualverkehr in der Luft schon seit ich ein kleiner Junge war. Sollten solche Konzepte wie der Volocopter sich als marktfähig erweisen, dann wird das aber nur für eine kleine Gruppe, die dann in irgendeinem Zeitraum immer grösser wird, erfolgen können. Wir sollten das dann mit Begeisterung begleiten. Diese Vision ist einfach faszinierender als Massenverkehrsmittel, obwohl diese in den Megastädten dieser Welt wohl eher für die meisten von uns die Realität für die nähere Zukunft sein werden.

  2. Sicher eine interessante Transportvariante. Aber irgendwann einmal muss das Ding am Boden abgestellt werden. Der Platzbedarf ist nicht unbedeutend. Wenn ich mit 30 weiteren Kollegen so zur Arbeit fliegen würde, wäre der Parkplatz vor dem Bürogebäude kaum ausreichend, vor meinem Wohnhaus mit 10 Wohnungen schon gar nicht.
    Ungelöst ist auch das Problem der Verkehrssicherheit, da es keine „Strassen“ gibt, an die sich der Pilot halten kann oder muss.

  3. Ein sehr interessantes Gefährt dieser Volocopter. Vielleicht könnte man in Zukunft als Antriebskraft (Treibstoff) die Kernenergietechnik mit hinzunehmen.

  4. Für mich war der Artikel, danke dafür Peter, Anlass noch ein mal das Thema technische Evolution aufzugreifen.

    Ich werde aber auch hier auch noch mal Stellung nehmen. Bin nun etwas in Eile.

  5. Das Konzept ist im hyperbürokratischen, überregulierten Deutschland nicht durchsetzbar. In den USA wird es de Hit!

  6. Nö, cgs, Ihr Pessimismus kommt verfrüht. Gesetze sind ja nicht primär verbotsorientiert, sie schaffen Räume der Rechtssicherheit. Von daher gilt andersherum: Das individuelle Fliegen im unkontrollierten Luftraum ist in Deutschland nicht verhinderbar.

  7. Fliegende „Autos“ wie in Zurück in die Zukunft 3, oder das Fünfte Element, sowie den Volocopter halte ich im großen Stil für nicht umsetzbar. Der Platzbedarf (für Landeplätze) ist zu groß, die Sicherheit auf den „Luftstraßen“ ist zu gering und die Dinger sind zu teuer. Wenn ich mir die ferngesteuerten E-Drohnen so angucke, vor einigen Tagen habe ich Bastler damit experimentieren in Bremer Blockland gesehen, so überzeugen die mich nicht wirklich. Zu windanfällig und die Batterien sind zu schnell leer. Solche Fluggeräte sind nur für Schönwetter, auf freien Gelände geeignet.

  8. P.S.: Schon normale Helikopter haben einen enormen Wartungsaufwand. Damit muss man nicht alle 2 Jahre zum TÜV, sondern mehrfach im Jahr.

  9. Das was die mit den »Quadrotors« machen, müsste doch theoretisch auch in groß gehen.

    http://www.youtube.com/watch?v=M1ShuAEIfGw

    Ich könnte die mir erst einmal als Taxis vorstellen, und ob nun ein Parkhaus in der City steht, oder ein entsprechendes Gebäude dass man mit dem Volocopter anfliegen kann, ist ja egal. Oder im Tourismus, wenn japanische Touristen mit dem Copter um Neuschwanstein umkreisen. Mir würden auf die Schnelle ungeheuer viele lukrative Einsatzmöglichkeiten einfallen, die die Praxistauglichkeit belegen und den Weg zur individuellen Nutzung frei machen.

  10. @ Krüger:

    Über Ihre Bedenken ist die technische Entwicklung aber schon lange hinweggefegt. Ein paar Hinweise und informative Links finden Sie in diesem Artikel.

    Bei Helikoptern bedeutet eine Stunde Flugzeit übrigens eine Stunde Wartung. Deswegen setzen die meisten Entwickler ja auch nicht auf UL-Helikopter, sondern auf Tragschrauber oder eben auf Systeme wie den Volocopter oben. Das sind völlig verschiedene Ansätze und daher darf man diese technisch nicht in einen Topf schmeißen. Die Wartungskosten bei Tragschraubern sind verschwindend gering gegenüber Hubschraubern. Der Tragschrauber kann 90% der Einsätze fliegen, die ein Hubschrauber auch kann -- aber zu nur 10% der Kosten. Das liegt an der äußerst komplexen Mechanik des Hubschraubers, die weder Volocopter noch Tragschrauber aufweisen.

    Teuer sind fortgeschrittene UL-Systeme auch nicht mehr. Einen wirklich nützlichen Flächenflieger bekommt man schon für 50.000,--, einen Tragschrauber für 70.000,--. Ein Gleitschirm-Trike liegt schon eher bei 30.000,--. Man betrachte als Vergleich den Preis eines Oberklasse-Automobils. Beim Volocopter sind die ersten sicher sehr teuer (200.000 oder mehr). Diese werden dann auch eher kommerziell von Dienstleistern eingesetzt. Sobald Skaleneffekte wirken, landet man auch wieder beim Oberklasse-Auto. Sicher ist der Volocopter sehr ausladend und paßt -- im Gegensatz bspw. zum Tragschrauber -- nicht in die Garage. Aber es ist das erste Modell dieser Art und es sind viele einfache und robuste Lösungen denkbar, den Platzbedarf zu verringern. Klapp- und Schwenkmechanismen wie beim Carplane oder beim Aeromobil. Und ich kenne einen, der baut noch etwas viel Klügeres, aber davon darf ich noch nichts erzählen.

    Hinsichtlich Sicherheit: Es gibt derzeit zahlreiche Projekte wie das myCopter-Vorhaben. Auch hier weiß ich mehr, als ich erzählen darf.

  11. Gesetze sind ja nicht primär verbotsorientiert, sie schaffen Räume der Rechtssicherheit.

    Das ist die liberal-konservative Sicht der Dinge (Rechtsstaat). Die links-grüne Sicht der Dinge ist aber, dass alles verboten und geächtet werden muss, dass nicht mit dem eigenen Weltbild und seinen Zielen vereinbar ist (Linksstaat).

    Von daher gilt andersherum: Das individuelle Fliegen im unkontrollierten Luftraum ist in Deutschland nicht verhinderbar.

    Hahaha! Wer will die Grünen davon abhalten? Sie? Das Parlament, dass nur aus grünen Parteien besteht? Richter, die von Politikern ernannt werden? Die EUdSSR? Allein der Landeplatz gibt genug Angriffsmöglichkeiten: Denken sie nur an den Absturz auf ein Wohngebiet! Kernkraftwerke! Kinder!

    Ob individuelle Massenmobilität in der Luft (Air-Auto statt Air-Bus) möglich ist, hängt primär vom Anschaffungspreis für Fluggerät und Führerschein ab. Den Robinson R22 gibts schon um $ 250.000. Das ist weniger als den Entwicklern des Volocopters vorschwebt (€ 250.000). Der Unterschied liegt darin, dass der R22 mit einer Füllung 300 nm weit kommt. Das E-Helikopterlein vielleicht auf 50 nm. Da E-Flugzeuge keine Rekuperation nutzen können, schlägt die geringe Energiedichte des Akkus voll durch.

    Für Nischen mag das E-Fluggerät ebenso wie das E-Auto gut sein, aber im Systemvergleich wäre ein Gasolinfluggerät unüberwindbar besser dran. Bei E-Auto besteht immerhin die Chance, dass man (wie ich schätze ab 2020) vielleicht die Lücke schließen kann, wenn Reichweite, Ladeleistung (für min. Ladezeit + max Rekuperationsleistung), und Preis stimmen, und das Ganze wettbewerbsfähig wird.

    Eine zukunftsorientierte Politik sollte sich aber daran orientieren, den Luftverkehr zu individualisieren, um Straßen zu entlasten. Im Gegenzug sollten die Bahn-Zuschüsse gestrichen werden. In marktwirtschaftlichen Ländern wie den USA wickelt die Bahn nur noch den Güterverkehr ab, der Staat (AMTRAC) muss den Personenverkehr selbst betreiben und subventionieren -- sinnlose Sentimentalität. Besser wäre die Forschungsförderung von preiswerten Lufttransportern ähnlich Bussen/Taxis, für 20-40 Insassen, zb auf Gyrocopterbasis. Entsprechend sollte die nötige Infrastruktur gefördert werden, ggf auf Kosten der Straßen.

    Ziel sollte es sein, dass man zb von Berlin nach Dresden für 20-30 eur fliegen kann, von Hochhausdach zu Hochhausdach. Wunschziele wie Dorf X in der Taxi-Variante mit Aufpreis. Vorstadtverkehr sollte vermieden werden. Schöne, reiche und ganz schön Reiche und Liebhaber mit Budget können sich dann auf Basis der Infrastruktur mit ihrem Privatgerät vergnügen. Langfristig sollte sich jeder (Mittelschicht) sowas leisten können. Wäre auch für die Umwelt besser.

    Gruß vom Segelboot

  12. @Heller

    Tragschrauber und der Volocopter sind meiner Einschätzung nach, im Gegensatz zu Autos, nicht für den Alltag geeignet. Schon das Wetter und Bäume und Häuser stellen Hindernisse dar, die nicht so einfach zu beseitigen sind. Das schränkt die Einsatzmöglichkeiten erheblich ein. Selbst Rettungshubschrauber dürfen nur bei Tageslicht und bei guten Wetterbedingungen starten und können nur auf ausreichend großen Plätzen landen. Nicht ohne Grund.

    Schon die Rotorblätter stellen bei Start und Landung für umstehende Leute eine Gefahr dar. Dafür ist in Städten einfach nicht genug Platz vorhanden. Und habe ich mal eine Panne, dann kann ich auch nicht so einfach rechts ran fahren und den ADAC anrufen. Bestenfalls lande ich bei einer Panne im nächsten Baum, oder Haus und das Fluggerät ist kaputt. Da fahre ich lieber mit dem Auto zum nächsten Flugplatz und nehme einen konventionellen Hubschrauber mit ausgebildeten Piloten.

  13. P.S.: Und dann gibt es bestimmt auch noch ein paar „grüne Spaßvögel“, welche die Landeplätze blockieren, einen mit Laserpointern blenden, oder einfach Luftballons, oder Silvesterfeuerwerk fliegen lassen. Bestenfalls demolieren „Reifenstecher“ nur das Fluggerät. Nee, da ist mir das Auto lieber.

  14. @Krüger

    das sind doch alles Befürchtungen die keine Hinderungsgründe sind, die man sicher ausräumen kann. Ich denke schon, das man eben Ängste ernst nehmen muss, aber wenn es nach den Ängstlichen geht, dann wird überhaupt nicht neues versucht, oder wenigstens gedacht. Es gibt Leute die wollen nicht fliegen, andere nicht mit dem Schiff fahren, und wieder andere haben Angst vor Spinnen oder Mäusen.

    Wo kommt Ihre Angst her? Das frage ich mich ernsthaft.

  15. @Quentin Quencher

    Die Zukunft der „Luftmobilität“ sieht für mich eher so aus.

    http://see.walmart.com/ironman3/ui/images/IM3_wallpaper1.jpg

    Wenn schon, dann soll man nicht kleckern, sondern klotzen und etwas wirklich handfestes anbieten.

    Etwas Ähnliches gibt es ja auch schon seit knapp 30 Jahren.

    http://img.metro.co.uk/i/pix/2011/07/27/article-1311754640720-0D0431AD00000578-554111_636x536.jpg

    Etwas komfortabler und mit „Schleudersitzsystem“ und „Notfallfaltschirm“ ausgestattet und schon wird ein Schuh draus.

    Das US-Militär arbeitet übrigens gerade an eine Iron-Man-Schutzanzug.

  16. P.S.

    Zum Iron-Man-Schutzanzug

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/militaertechnologie-us-armee-laesst-iron-man-kampfanzug-entwickeln-a-927794.html

  17. So ganz kann ich die technische Euphorie nicht glauben.
    Die Elektroautos welche ich auf Messen (da sieht man meistens das stolz gezeigte Innenleben) sehe, sind immer Batterien, dazu viel Leistungselektronik, dann etwas Auto drum rum und weil es nicht ganz vermeidbar ist, noch Platz für einen Fahrer und damit man Auto zu sagen kann, notgedrungen auch Beifahrer.
    Es sind also Batterietransporter mit Fahrersitz, aber vertrieblich umgekehrter Bezeichnung.
    Und nun soll das, was schon auf der Straße aus gewichtsgründen problematisch zu bewegen ist, ideal fürs Fliegen sein? Dazu noch in der Flugart, welche am meisten Energie aller Flugkörper benötigt?

    Vemute da eher eine „Energiewende-Fördermittel-Ente“.
    Aber wenn CO2 Zertifikate in der Luftfahrt mal Pflicht und teuer werden, braucht man bestimmt den CO2-freien Alternativflug, um den CO2-Durchschnitt runterrechnen zu dürfen. Dann hat das Ding (vielleicht) Zukunft.

  18. PPS

  19. @ Segelboot:

    Hahaha! Wer will die Grünen davon abhalten? Sie? Das Parlament, dass nur aus grünen Parteien besteht? Richter, die von Politikern ernannt werden? Die EUdSSR? Allein der Landeplatz gibt genug Angriffsmöglichkeiten: Denken sie nur an den Absturz auf ein Wohngebiet! Kernkraftwerke! Kinder!

    Das verstehe ich jetzt nicht. Ich glaube, Sie werden ein bißchen albern. Für einige tausend Menschen in Deutschland ist das individuelle Fliegen im unkontrollierten Luftraum bereits Alltag. Mit den neuen Systemen könnten es ein paar hunderttausend werden. Wir reden hier nicht von einer Substitution, sondern von einer Ergänzung der vorhandenen Mobilitätssysteme. Wie man den unkontrollierten Luftraum in Deutschland (oder überhaupt irgendwo) „abschaffen“ soll, ist mir schleierhaft.

    Der Volocopter ist nicht für die Strecke, sondern für die kurze Distanz. Bei ihm steht nicht Reichweite im Vordergrund, sondern einfache Bedienung, ein hohes Maß an systembedingter Sicherheit (haben Gyrocopter und Gleitschirmflieger übrigens auch zu bieten) und vor allem der nicht vorhandene Fluglärm. Das prädestiniert ihn für die Innenstadt. Noch einmal: Wir reden nicht von Millionen Volocoptern, sondern von tausenden.

    Ich habe ja nun auch schon vor dem Ding gestanden. So groß ist es gar nicht. Ich glaube, das Foto verzerrt ein bißhen.

    @ Krüger:

    Tragschrauber und der Volocopter sind meiner Einschätzung nach, im Gegensatz zu Autos, nicht für den Alltag geeignet. Schon das Wetter und Bäume und Häuser stellen Hindernisse dar, die nicht so einfach zu beseitigen sind. Das schränkt die Einsatzmöglichkeiten erheblich ein. Selbst Rettungshubschrauber dürfen nur bei Tageslicht und bei guten Wetterbedingungen starten und können nur auf ausreichend großen Plätzen landen. Nicht ohne Grund.

    Ich bin bereits mit einem Tragschrauber geflogen und auch schon mit einem Gleitschirm-Trike. Letzteres ist sicher gewöhnungsbedürftig, aber ich kenne Leute, die damit auch in den Urlaub fliegen bzw. ihre Verwandten sonstwo besuchen. Der Gyrocopter ist absolut alltagstauglich. Fliegen nach Sicht kann bei bestimmten Wetterbedingungen problematisch sein, das ist richtig. Nachts geht es ohnehin nicht, auch das ist richtig. Aber mit neuen Augmented Reality Systemen im Cockpit kann man da noch einiges machen. Entsprechende Technologien befinden sich in Entwicklung. Letztlich ist kein Verkehrsträger vollkommen allwettertauglich. Wir reden auch nicht von einer Substitution, sondern von einer Ergänzung. Wie die geschlossene Mobilitätskette funktioniert, wird unter den Links, die ich Ihnen oben gegeben habe, erläutert. Man fliegt, wenn die Bedingungen es erlauben. Sobald nicht mehr, landet man auf einem der 550 dafü in Frage kommenden Flugplätze in Deutschland. Man gelangt über diese im Durchschnitt bis auf 30 km an jedes beliebige Ziel heran. Mit einem Xdreeme, einem PAL-V oder einem Carplane kann man dann auf der Straße einfach weiterfahren. Sie dürfen diese UL-Flieger auf keinen Fall mit Helikoptern vergleichen. Ein Helikopter weist ganz andere Dimensionen, eine ganz andere Leistungsklasse und vor allem eine ganz andere Aerodynamik auf.

    Auf den Flugplätzen sind übrigens keine Bäume oder Häuser im Weg. Streckenflug findet in Höhen von 300 Metern oder mehr statt. Da ist auch nichts mehr im Weg. Ich bin mit diesen Geräten ja selbst schon geflogen und ich kann Ihnen versichern: So viel Platz ist nirgends.

  20. Dronen haben jetzt schon sehr gute Aussichten für die Zukunft, besonders in Entwicklungsländern. ein Projekt wie dieses http://www.ted.com/talks/andreas_raptopoulos_no_roads_there_s_a_drone_for_that.html zeigt schon mal wo und wie sie in der Zukunft am schnellsten Anwendung finden, also beim schnellen Transport von wichtigen Gütern wie Medikamente, Organe für Transplantationen usv. mit Volocoptern könnten da auch automatisch die dazugehörigen Ärzte mitfliegen. Oder Rettungseinsätze durchgeführt werden.
    Wie Volocopter und Dronen mit Wetter klar kommen ist mir persönlich nicht näher bekannt. Es wird im Video behauptet dass sie in Verschiedenen Wetter getestet wurden, und auch bei Wind und Regen gut funktioniert haben. Wenn ich mir so dieses Video ansehe kann ich dass fast Glauben. Dass sie aber schneller an die Grenzen kommen als Elektroauto mit guter Infrastruktur sollte offensichtlich sein. Eher ärgerlich wenn mann nicht in die Arbeit kommt weil dass Wetter nicht mitspielt… Ein Zweitfahrzeug für solche Notfälle müsste zur Verfügung stehen, was ein eher teuer Spaß sein könnte.
    Volocopter werden aber Voraussichtlich mit Dronen um den Luftraum konkurrieren, die möglicherweise ziemlich zahlreich zum Einsatz kommen könnten. Und da wird Wahrscheinlich auch der Staat seine Finger im Spiel haben, und „Notwendige Regeln“ aufzwingen. Oder gebühren, welcher Staat träumt denn nicht davon Luft mit Steuern zu belasten… oder in dem Fall den Luftraum…

  21. zweites Video Vergessen… http://www.ted.com/talks/raffaello_d_andrea_the_astounding_athletic_power_of_quadcopters.html

  22. @Kroll, Heller

    Volocopter werden aber Voraussichtlich mit Dronen um den Luftraum konkurrieren, die möglicherweise ziemlich zahlreich zum Einsatz kommen könnten. Und da wird Wahrscheinlich auch der Staat seine Finger im Spiel haben, und “Notwendige Regeln” aufzwingen.

    Es gibt doch jetzt schon ein Flugverbot für viele Drohnen in Deutschland. Siehe Eurohawk. Damit nichts schief läuft, regeln das Luftverkehrsgesetz (LuftVG), die Luftverkehrsordnung (LuftVO) und die Luftverkehrs-Zulassungs-Ordnung (LuftVZO) das gemeinsame Miteinander. Darunter fallen dann auch der Volocopter und der Gyrocopter. Und die Haftung übernimmt der „Pilot“/ Geräteführer. Da wird kein Versicherer mitspielen.

    @Heller

    Wir reden nicht von Millionen Volocoptern, sondern von tausenden.

    In Städten meiner Meinung nach nicht umsetzbar. Einen „Raketen“-Rucksack mit Sicherheitssystem (Schleudersitzsystem und Notfallfaltschirm) und Computernavigation halte ich als „Freizeitgerät“ für realistischer. Als Alternative zum Motorrad.

  23. @ Krüger:

    Und die Haftung übernimmt der “Pilot”/ Geräteführer. Da wird kein Versicherer mitspielen.

    Derzeit sind etwa 4.500 UL-Fluggeräte in Deutschland in Betrieb (davon etwa 500 Tragschrauber). Diese können ausnahmslos versichert werden. Unterschiedlichste Versicherungsprodukte werden von mehreren Gesellschaften angeboten. Die Versicherungen präsentieren sich auch jedes Jahr mit durchaus ansprechenden Auftritten auf der Aero, da man in diesem Geschäftsfeld großes Wachstumspotential sieht. Fluglizenzen für Tragschrauber wurden bislang etwas mehr als 1.000 erteilt. Und das alles seit 2004, denn erst in 2003 wurden die entsprechenden rechtlichen Grundlagen in Deutschland geschaffen.

    Gebaut werden in Deutschland im Jahr etwa 350 Gyrocopter, davon 95% beim unangefochtenen Weltmarktführer, der Autogyro GmbH aus Hildesheim. Von diesen gehen etwa 250 in den Export, in über 40 Länder weltweit. Pro Jahr kommen also 100 Tragschrauber allein in Deutschland hinzu (es wird nicht auf Halde produziert, gebaut wird nur, was bestellt und angezahlt wurde). Mit steigender Tendenz. Autogyro wird seine Produktionskapazität im kommenden Jahr nahezu verdoppeln, da die Produktion langfristig ausgebucht ist.

    Es hat bislang 8 Flugunfälle mit Gyrocoptern in Deutschland gegeben. Keine Ahnung, bei wieviel Flugstunden insgesamt, ich weiß auch nicht, ob es darüber überhaupt eine Statistik gibt. Alle Fälle wurden von der BFU untersucht. In allen Fällen waren es Pilotenfehler, in keinem Fall wurden die Hersteller belangt.

    Das Sicherheitsniveau in der UL-Fliegerei ist deutlich geringer, als im PKW-Bereich, das ist korrekt. Das gefährlichste Fluggerät überhaupt ist allerdings der Helikopter. Das Sicherheitsniveau in der UL-Fliegerei ist allein schon dadurch vergleichsweise hoch, da einfach das ganze Fahrzeug am Fallschirm zu Boden gleiten kann. Wie beim Volocopter eben auch. Viele UL-Systeme bieten darüber hinaus systembedingte Sicherheit, der Gyrocopter und die Gleitschirmflieger vor allem. Weitere technische Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit befinden sich in der Entwicklung. Am Volocopter oben wird deutlich, wohin die Reise geht: Ein hohes Maß an Automatisierung verhindert schlicht, daß gefährliche Manöver überhaupt durchgeführt werden können.

    Manchmal wünsche ich mir mehr Vertrauen in unsere Autoren. Ich schreibe solche Texte nicht, ohne nicht vorher gründlich nachgedacht und recherchiert zu haben. Anhand der genannten Begriffe und Links kann außerdem jeder Leser die Artikel als Ausgangspunkt für eigene Recherchen nehmen. Um selbst zu überprüfen, was jeweils dahintersteckt. So sollte Science Skeptical eigentlich auch verwendet werden. Und so kämen solche -- Entschuldigung -- dummen Sätze wie „da wird kein Versicherer mitspielen“ gar nicht erst zustande.

  24. Hallo Peter
    Tja, was man so findet, wenn man seine Winterreifen aufziehen lässt und während man wartet, etwas die Magazine durchschmökert…….
    Das hier:

    myCopter -- Enabling Technologies for Personal Aerial Vehicles

    Ziel des Projektes myCopter ist es, grundlegende Technologien und Konzepte für den individualisierten Luftverkehr auf Quelle-Ziel-Relationen in Bereichen von ca. 50-100 km zu entwickeln, um den vielfach überlasteten und durch Stau geprägten bodengebundenen Verkehr zu entlasten. Der Vorteil dieses Ansatzes wäre die Ausnutzung der dritten Dimension für den Personenverkehr durch ein System, welches nicht auf teure und wartungsintensive Infrastruktur angewiesen ist. Die Vorstellung des Projektes ist es, zur Umsetzung dieses Ansatzes ein sogenanntes „personal air transport system“ (PATS) zu schaffen. Dieses System soll aus „Personal Aerial Vehicles“ (PAVs) bestehen, welche von der Öffentlichkeit für den täglichen Weg zur Arbeit genutzt werden können und in niedriger Höhe (unterhalb des regulierten Luftraumes) operieren sollen. Dabei sollen die PAVs nicht auf herkömmliche Flugsicherung vom Boden angewiesen sein und möglichst autonom fliegen können.

    Das Projekt „myCopter -- Enabling Technologies for Personal Aerial Vehicles“ hat im Januar 2011 begonnen und wird von der Europäischen Kommission innerhalb des Siebten Forschungs-rahmenprogrammes zu Flugtechnik und Luftverkehr gefördert. Die Gesamtkoordination liegt beim Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen. Das Konsortium wird sich hauptsächlich mit der konkreten Weiterentwicklung von Technologien, die ein solches System aus PAVs ermöglichen würden, beschäftigen wie beispielsweise Automatisierungstechnologien zur Vermeidung von Kollissionen, Wegeplanung und Formationsflug. ITAS wird die hierfür erforderlichen Innovationen noch während ihrer Entwicklung im Hinblick auf ihre sozio-ökonomischen und ökologischen Folgewirkungen untersuchen. Technische Konzepte und Geschäftsmodelle für die Einbettung der Innovation PAV in Verkehrssystem und Siedlungsstruktur spielen dabei ebenso eine zentrale Rolle wie Fragen der Automatisierung bzw. der Gestaltung der Mensch-Maschine-Schnittstelle in den PAVs selbst. In einem empirischen Modul werden Einstellungen und Erwartungen potentieller Nutzer erhoben. Das Projekt bietet damit die Möglichkeit, über die begleitende Technikfolgenabschätzung direkt auf die Entwicklung von Technologien bzw. Innovationen einzuwirken.

    Projekthomepage: http://www.mycopter.eu

    Nun gut……ich weiß jetzt nicht ob Du das hier schon mal angesprochen hast……und wenn ja, doppelt hält besser.
    MfG
    Onkel Heinz…….schon mal Segelfliegen gewesen, Hubschrauber….einmotorige Höllenmaschine…….nur Ballonfahrt fehlt mir noch in der Raupensammlung

  25. Der Volocopter ist tatsächlich eine Revolution in der Luftfahrt und zwar einzig wegen der einfachen Technik und Handhabung. Dabei sind die 18 Elektromotore systemimmanent für den Volocopter, die Batterien aber nicht. Als Stromquelle würde sich viel besser ein Benzingenerator mit entsprechendem Tankvolumen eignen. Damit wären alle Reichweitenprobleme gelöst.

    Allerdings sehe ich den Massenindividualflugverkehr sehr skeptisch. Die Anforderungen an einen Piloten sind nicht mit denen des Straßenverkehrs zu vergleichen, auch wenn der Volocopter ein relativ einfach zu bedienendes Fluggerät zu sein schein. Aber wenn ich mir vorstelle, dass all die Schnarchnasen, die mir morgens auf zwei Dimensionen begegnen, nun “ohne Leitplanken” dreidimensional um mich rumfliegen, dann wird mir angst und bange.

  26. @ Heinz:

    Nun gut……ich weiß jetzt nicht ob Du das hier schon mal angesprochen hast……

    Ja, schon mehrfach. Zuletzt oben in Kommentar #10. Ich kenne das Vorhaben und einige der Konsortialpartner schon länger. Aber trotzdem vielen Dank für die Bestätigung:

    ……und wenn ja, doppelt hält besser.

    Eben. Aber die meisten folgen solchen Links leider nicht, weil Sie zu wenig Zeit und/oder Interesse haben. Deswegen wünsche ich mir ja manchmal einfach ein bißchen mehr Vertrauen. Man könnte sich einfach mal fragen, warum denn bspw. der Heller so was schreibt, was einem auf den ersten Blick zu utopisch erscheint, und man könnte einfach mal vermuten, er wird wohl gute Gründe dafür gehabt haben.

    Eigentlich wollte ich mit dem Text oben aber auf etwas anderes hinaus. Nämlich darauf, wo denn Elektromobilität aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften wirklich einen Anfangsvorteil bildet. Auf der kurzen Strecke, die man leisen zurücklegen muß. Und das ist dann eben nicht der Straßenverkehr, sondern die Luft. Ob das alles wirklich einmal funktioniert? ich kann doch die Zukunft nicht vorhersehen. Aber wenn es da nicht funktioniert, dann funktioniert E-Mobilität eben am Ende nur bei Pedelec und Co. und sonst nirgends. Das wollte ich sagen.

  27. @Peter
    Ups……..#10 muss mir irgendwie entfleucht sein…..sorry.

    Weißt Du, vor lauter Realismus haben wir es wohl verlernt zu träumen…………der ewige Kampf gegen die politische Religion „Ökologismus“ verschleißt ein Teil der Skeptiker……..was ich extrem Schade finde.
    Schön das Du es trotzdem immer wieder versuchst, etwas Utopie……….etwas Vorwärtsdrängendes…..etwas Neues in den Blog zu bringen. Die Zukunft der Menschheit liegt im Weltraum, die Besiedelung fremder Welten……vllt auch mal ne Begegnung mit ausserirdischen Kulturen……..wer weiß denn schon heut, was in 200 Jahres alles möglich ist.

    Mein Hauptgrund den Ökoloismus zu bekämpfen liegt darin, das diese Leute eine evolutionäre Weiterentwicklung der Menschheit verneinen………und wahrscheinlich heute noch bedauern, das Adam und Eva vom Apfel der Erkenntnis genascht haben.

    Wer sich wirklich um die Zukunft seiner Kinder und Enkel sorgt, kann nur eins wirklich machen um den Nachwuchs aufs beste vorzubereiten auf die zukünftige Herausforderungen der Menschheit…………eine grundsolide Ausbildung, damit sich unsere Nachfahren aus eigener Kraft über die Unbilden der Natur erheben können.

    Und ja…….auch das Fliegen wird irgendwann mal zur Selbstverständlichkeit, wie das iPhone und das Internet heute……..davon bin ick fest überzeugt.

    Blick zur Sonne, blick zur Freiheit…….des Geistes.
    MfG
    H.E.

  28. Also ich finde den Volokopter klasse. Mir fallen da auf Anhieb jede Menge Anwendungsmöglichkeiten ein, etwa bei der Vermessung, Kartierung oder Inspektion von Bauwerken etc.. Anwendungen, die sicherlich günstiger als mit einem Hubschrauber und qualitativ besser als mit einer Drohne zu bewältigen sind. Beim Individualverkehr bin ich allerdings auch skeptisch, ob das eine Massenanwendung werden kann. Aber vielleicht entwickelt sich das erst nach der erfolgreichen Anwendung im technischen Bereich?

  29. @Heinz Reeg
    Anwendungen……..denk mal an Naturkatastrophen…….unbefahrbare Straßen, Überschwemmungen………all die Situationen wo schnelle Hilfe gebraucht wird, wenn man dann ne kleine Flotte dieser Minihubis hat, kann man Menschen retten…..Nahrung und Wasser ranholen…….Leute ins Krankenhaus bringen……u.s.w.
    Wenn auch die Nutzlast mickrig ist, macht es der Schwarm wett…….
    H.E.

  30. #29 Heinz Eng

    Ja daran hab ich auch gedacht. Sicher will niemand mit sowas von Flensburg nach Freiburg fliegen, denn gerade in der kleinräumigen Anwendungsmöglichkeit sehe ich da den großen Nutzen.
    Hat eigentlich schon das Militär ein Auge darauf geworfen?
    Mfg

  31. @Heller

    Es geht doch darum, ob Volocopter und Gyrocopter im großen Stil (privat) für den Nahverkehr in Großstädten verwendet werden können und dort starten und landen können/ dürfen (z.B. auf Hochhausdächern und Terrassen). Da wird meiner Meinung nach kein Versicherer mitspielen und auch nicht die Landesluftfahrtbehörde. Wenn man erst mal einen solch eine Genehmigung erteilen würde, kann jeder in der Stadt fliegen, „wie er will“. Beim Betrieb als Sportgerät auf Flugplätzen und über Land sehe ich hingegen keine Probleme.

    Sonderlandeplätze sind genehmigunspflichtig bei der Landesluftfahrtbehörde. Ohne Genehmigung auch keine Versicherung für Start und Landung (ohne Not) auf nichtgenehmigten Landeplätzen. Und nicht nur die Behörde muss dabei mitspielen, sondern auch die Anwohner.

  32. @ Krüger:

    Es ist ein wichtiger Punkt, daß UL-Flieger rechtlich als „Luftsportgeräte“ betrachtet werden und daher nicht den strengen Regularien unterworfen sind, wie die Fahrzeuge der höheren Gewichtsklassen. Das gibt den Entwicklern ja die Freiräume, die in anderen Segmenten nicht bestehen. Daß sie in der Regel nicht als „Luftsportgeräte“ eingesetzt werden, ist nicht verhinderbar.

    Der Gyrocopter ist für den Stadtverkehr völlig ungeeignet. Er kann ja nicht senkrecht starten und landen und er ist -- obwohl deutlich leiser als ein Hubschrauber -- immer noch zu laut. Er ist halt ein typischer Flieger für die Mittelstrecke, für einige hundert Kilometer im unkontrollierten Luftraum. Der Volocopter hingegen kann solche Reichweiten mit einer Batterie prinzipiell nicht erzielen, Er ist dagegen extrem leise und kann senkrecht starten und landen. Ergo eignet er sich für die Stadt.

    Wir drehen uns hier im Kreis. Ich weiß auch nicht, was Sie unter „im großen Stil (privat)“ verstehen. Es ist auch nicht so, daß fliegen, starten und landen in Städten verboten wäre. Eine Genehmigung ist erforderlich, das ist wahr, aber da es auf der anderen Seite auch nicht verboten ist (es gibt schlicht kein entsprechendes Gesetz), wird eine solche in aller Regel erteilt. Eine Handvoll Menschen haben bereits eine Start- und Landegenehmigung für ihren Tragschrauber im eigenen Garten erhalten (der muß natürlich entsprechende Dimensionen aufweisen). Noch einmal, aber das steht auch schon oben im Artikel: Jeder Verkehrsträger hat seine Berechtigung. So wenig, wie das Auto die Bahn ersetzt hat, werden UL-Flieger das Auto ersetzen. Der Individualverkehr in der Luft wird schlicht als zusätzliche Säule neben die vorhandenen Möglichkeiten treten. Für einige hundert Menschen in D ist das schon so, viele tausend könnten es zeitnah werden. Über alles weitere entscheiden Markt und Innovationspotential.

    @ Metzger:

    Die Anforderungen an einen Piloten sind nicht mit denen des Straßenverkehrs zu vergleichen, auch wenn der Volocopter ein relativ einfach zu bedienendes Fluggerät zu sein schein.

    Ein Gleitschirmtrike ist sogar noch einfacher zu bedienen. Sie haben recht, wenn Sie an ein aerodynamisch über drei Achsen gesteuertes Gerät mit Seiten-, Höhen- und Querruder denken. Deswegen ist der Volocopter ja auch kein solches. So funktioniert halt Innovation.

  33. Nachdem die Kommentare geradezu vor Euphorie überschwappen. Es bleibt bei „Jugend forscht“, aber natürlich, da „Energie-Wendig“ mit wesentlich mehr (Förder-)Geld Einsatz. Das kann man am guten Styling unschwer erkennen.

    Nachzulesen auf der Homepage der Firma

    der erste grüne Hubschrauber der Welt. Der Volocopter ist ein umweltfreundlicher und emissionsfreier Privathubschrauber.
    (Meine Anmerkung: Die „Grünen“ sind weiterhin der Überzeugung, dass der Glaube auch die Physik versetzen kann. Die Jünger konnten das im neuen Testament ja auch. Bei den Ideen der „Energiewende“ versucht man es mit dem Geld der Bürger zu wiederholen. Die Zauberwörter dazu lauten „grün“ und „emissionsfrei“).

    Der begrenzende Faktor ist derzeit noch die Energiedichte der verfügbaren Akkus. Allerdings ist für die nächsten Jahre noch eine erhebliche Weiterentwicklung der Akkutechnologie abzusehen, so dass es innerhalb kurzer Zeit zu einer Vervielfachung der Energiedichte kommen wird.
    (Meine Zufügung: Zum Glück ist auf science-sceptical vorher der wirklich interssante Artikel über Akkutechnologie-Grenzen erschienen. Damit kann man diese Aussage als das einschätzen, was sie wirklich ist).

    Ist derzeit noch eine Akku-Flugdauer von ca. 20 Minuten realisierbar, wird dies in naher Zukunft schon eine Stunde und mehr sein. Bei mehreren Flügen von einigen Minuten Dauer bis in Hallendecken-Nähe der 22 m hohen dm-arena mit etlichen sanften Starts und Landungen, wurden alle Erwartungen an das Konzept der Volocopter bei weitem übertroffen.
    (Meine Zufügung: Unter günstigsten Verhältnissen, neuem Akku, nicht zu tiefen Temperaturen, ohne Risikoreserve usw. bewegt es sich für Spasseffekte -- und zur Werbung -- schon vom Boden weg).

    Um schon jetzt Flugzeiten von mehreren Stunden zu realisieren, werden unsere 2-sitzigen Volocopter als seriell-hybride Elektrofluggeräte entwickelt. (Meine Anmerkung: Man weiss um das nicht lösbare Problem und beginnt es positiv zu umschreiben).

    Hierzu wird ein Verbrennungsmotor einen Generator antreiben, der wiederum Akkumulator und Elektromotoren mit Strom versorgt. (Meine Anmerkung: Für den 1000 + 1ten Hubschauber gab es leider keine Fördermittel. Nur wenn Elektroenergie drin vorkommt. Und der Begriff Hybrid hat seit den E-Auto-Werbekampagnen eine positive Akzeptanz, obwohl er physikalisch meistens das Eingeständnis einer Krampflösung ist. Aber die Politik zwang uns dazu. Wir mussten entscheiden, was wichtiger war: Wirkungsgrad oder Förderung).

  34. @H. Kunz: Wäre es dann nicht sinnvoll, gleich einen Verbrenner zu nehmen? Technisch korrekt, aber politisch inkorrekt?

  35. Persönlich weiss ich, dass Kleinflugzeuge verdammt fix sind:
    Ich flog mal eine Strecke mit einem Motorsegler, der höchstens 120 km/h schaffte und kurz darauf fuhr ich fast exakt die selbe Strecke mit einem 7er BMW: Keine Chance für den Bayern-Roadrunner, der Motorsegler war unschlagbar. Man glaubt gar nicht was Luftlinie+konstant hohe Reisegeschwindigkeit ausmachen, wenn man es nicht selbst erlebt hat.
    Und fliegen ist schön. Die paar mal, wo ich in Kleinflugzeugen mitfliegen konnte, waren Highligths:-)

    Aber ich kann die Euphorie nicht teilen:
    Sobald es imLuftraum enger wird, werden Luftstrassen nötig. Gut, das lässt sich mit moderner Technik leicht machen: GPS + HUD (Head-Up-Display), das einen grafischen ‚Luft-Tunnel‘ vorgibt, in dem man bleiben muss, ist leicht zu realisieren. Aber mit der grossen Freiheit der Lüfte ist’s dann vorbei. Man muss ja bedenken, dass da dann auch keine wirklichen Piloten am Steuer sind, sondern Amateure. Die brauchen Leitplanken.

    Ich frage mich auch, warum sich ähnliche Konzepte, die es schon lange gibt, nie durchsetzten.
    Ich habe da ein Muster in Erinnerung, das in ‚Die Götter müssen verrückt sein II‘ eine Rolle spielte: Ein winziger Zweisitzer, der fast keine Startbahn benötigte und extrem sicher war; im Notfall konnte das ganze Gerät per Fallschirm landen. So was gibt’s also schon lange. Aber durchgesetzt hat es sich eher nicht, in keiner Rolle. Dabei gibt es ja viele Fälle, wo Motorenlärm eher keine Rolle spielt, z.B. zur Verbindung von grossen Farmen in Amerika, Australien oder Afrika und gleichzeitig der Pilotenschein eher locker genommen wird.
    Ja, und ich glaube eigentlich nicht, dass E-Antrieb daran etwas ändern wird.

  36. @ Kunz, #33:

    Das Vorhaben wurde mit Mitteln aus dem Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand ZIM des BMWI gefördert. Die Kriterien, nach denen dort Projekte gefördert werden, sind andere, als Sie vermuten.

    @ Tritium, #35:

    So was gibt’s also schon lange. Aber durchgesetzt hat es sich eher nicht, in keiner Rolle. Dabei gibt es ja viele Fälle, wo Motorenlärm eher keine Rolle spielt, z.B. zur Verbindung von grossen Farmen in Amerika, Australien oder Afrika und gleichzeitig der Pilotenschein eher locker genommen wird.

    Was glauben Sie denn, für welche Anwendungszwecke die Exporte gedacht sind, von denen ich oben sprach? Genau, u.a. für große Farmen in Amerika, Australien oder Afrika. Durchgesetzt hat sich der Tragschrauber sehr wohl bereits. Ich frage mich, ob Sie die Marktgröße richtig einschätzen.

  37. Herr Heller,

    Schönes Thema, lenkt von dem tristen Klimawandel-Energiewende-Gegen Gentechnik-Tagesgeschäft im Industrieland Deutschland ab. Innovationen wie dieses Flugfahrzeug stehen für die unendlichen Möglichkeiten technologischer Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Mit einigen Kommentatoren bin ich aber leider auch der Auffassung, dass so etwas in Deutschland nicht zur Marktreife, geschweige denn zur kommerziellen Verwendung geführt werden kann. In dem Moment, in dem so ein Produkt den Nischen-Freizeit-Status verlassen will, beginnt das deutsche Bedenkenträgertummit dem Errichten von Hindernissen.

    Kleines Beispiel aus unserer kleinen Firma zum Umgang mit Innovationen hier in unserem Land: Wir haben ein sehr effizientes Verfahren zur Herstellung grosser Mengen von speziellen menschlichen Zellen entwickelt, die sehr vielversprechende Wirkungen im Tierversuch bei der Behandlung von weit fortgeschrittenen Krebserkrankungen gezeigt haben. Zwei Universitätskliniken möchten diese Zellen gerne in klinischen Versuchen zur Behandlung von krebskranken Kindern ohne andere Therapieoptionen im Endstadium einsetzen. Dies dürfen sie in unserem Land nur dann tun, wenn die Herstellung der Zellen in unserer Firmagemäss Arzneimittelgesetz geschieht, damit dieses Arzneimittel sicher ist. Eine Genehmigung zu erhalten ist an die Erfüllung einer unendlichen Anzahl von Auflagen gebunden, die für die Bayer’s und Roche’s dieser Welt leistbar sind, für ein Kleinunternehmen wie uns praktisch nicht. Da terminal krebskranke Kinder gottlob nur selten sind, kümmert sich big pharma nicht um solche seltenen Fälle. Dies vortragend haben wir die zuständigen Behörden um Erleichterungen bei der Genehmigung gebeten -- ohne Erfolg, man muss sich an die Gesetze halten -. Jetzt haben wir die Situation, dass die Zulassungsbehörden erfolgreich das t odkranke

  38. Kind vor einer Nebenwirkung durch eine nicht genehmigungsfähige Arznei bewahrt hat. Das ist der Geist, der in Deutschland heute im Hinblick auf Innovationen herrscht.
    Tut mir leid, dass der zweite Teil separat kommt, habe versehentlich auf ’senden‘ gedrückt.

    H. Hoffmeister

  39. @ Hoffmeister:

    Mit einigen Kommentatoren bin ich aber leider auch der Auffassung, dass so etwas in Deutschland nicht zur Marktreife, geschweige denn zur kommerziellen Verwendung geführt werden kann.

    Ich begreife es einfach nicht. Ist der Tragschrauber „marktreif“ oder nicht? Wurden in Deutschland in den letzten 10 Jahren (vorher gab es die Technologie seit dem 2. WK hierzulande nicht mehr) mehr als 1.200 Tragschrauber produziert, oder nicht?
    Wird der Tragschrauber kommerziell verwendet, oder nicht? (Hier ein Beispiel und hier noch eines). Sind auf der Aero vier Messehallen mit UL-Systemen gefüllt, oder nicht? Sind die alle „marktreif“ oder nicht? Was verstehen Sie unter „marktreif“? Und was genau hindert den Volocopter daran, genau dieselbe Entwicklung zu nehmen?

    Ich verstehe es nicht.

  40. Lieber Herr Heller,

    Habe ich Sie falsch verstanden, dieses Fluggerät hat am 17.11. seinen Erstflug gehabt und ist bereits marktreif ?

    Tut mir leid, dass ich Ihnen mit meinem Kommentar scheinbar zu nahe getreten bin.

    Viele Grüsse

    H. Hoffmeister

  41. @Hoffmeister

    Mit einigen Kommentatoren bin ich aber leider auch der Auffassung, dass so etwas in Deutschland nicht zur Marktreife, geschweige denn zur kommerziellen Verwendung geführt werden kann. In dem Moment, in dem so ein Produkt den Nischen-Freizeit-Status verlassen will, beginnt das deutsche Bedenkenträgertummit dem Errichten von Hindernissen.

    Sehe ich auch so. Ein Beispiel:

    Der Weg zum eigenen Flugplatz

    Hier noch einmal die grundlegenden Punkte:

    -- Das Grundstück hat eine wirklich ausreichende Größe
    -- Eine langfristige Einigung mit dem Besitzer ist möglich
    -- Es ist keine Besiedlung in unmittelbarer Nähe
    -- Die Gemeinde ist grundsätzlich einverstanden – ein paar „wenn“ und „aber“ wird es dabei immer geben.
    -- Es gibt keinen einleuchtenden Grund, der eine Genehmigung von vorne herein unmöglich macht

    Der Amtsschimmel „die Landesluftfahrbehörde“ macht der Luftmobilität hier schon idR einen Stich durch die Rechnung.

  42. P.S.

    Und natürlich auch die Naturschützer/Klimaschützer:

    Das nutzt nichts, einige unterbelichtete Fanatiker werden trotzdem auf Dich losgehen. Diese grünen Ideologen arbeiten mit allen Mitteln. Du wirst mit Lügenmärchen konfrontiert werden, verglichen mit denen ist Harry Potter die reine Tatsachenfeststellung. Wundere Dich nicht, wenn die grünen Taliban von Haus zu Haus ziehen und Unterschriftenlisten gegen einen „Flughafen“ sammeln (das ist keine Verwechslung, die meinen wirklich Dich). Wundere Dich auch nicht, wenn die Kinder des Geländebesitzers in der Schule unter Druck gesetzt werden (so geschehen bei einem Zulassungsverfahren in Oberbayern) und wundere Dich nicht, wenn Du haufenweise anonyme Drohanrufe bekommst.

  43. Guten Tag,
    als langer stiller Leser möchte ich mich hier doch mal zu Worte melden -- wie sonst üblich wurde noch nicht alles gesagt.

    Der eigentliche Punkt ist, dass mit dem Volocopter ein massiver Schritt in der technischen Evolution geschehen ist. Im Gegensatz zur biologischen ist sie nicht durch „Trichter“ beschränkt, echte Sprünge jenseits der Optimierung sind möglich.

    Ein klassischer Hubschrauber ist technisch extrem komplex. Taumelscheibe, Blattwinkelverstellung, Drehmomentausgleich über Heckrotor, Getriebe -- es ist mechanisches High End. Man möge nach den Stichworten suchen, wenn es tiefer interessiert.

    Das Konzept des Volocopters ist vergleichbar mit der alten Elektronenröhre und der Erfindung des Siliziumtransistors. Plötzlich wird alles viel einfacher. Simple Rotoren, die weder verstellbar noch besonders mechanisch belastbar sein müssen. Die „Flugintelligenz“ sitzt jetzt in einem kleinen Kästchen.

    Darüber lässt sich auch ganz gut der vordergründige Widerspruch -- Fliegen und schwerer Akku -- erklären. Es fällt auf der anderen Seite enormes Gewicht durch die Einsparung von mechanischen Bauteilen weg.

    Ob das ein tragfähiges Verkehrskonzept wird -- wer weiß. Interessant ist es allemal.
    Ein entscheidendes Kriterium wird wohl auch die Allwettertauglichkeit sein.

  44. Wir sollten vielleicht mal darüber nachdenken, dass die Deutschen neben der der Tatsache, dass sie Deutsche sind, auch noch Menschen sind. Bei dieser Spezies gibt es eine lange Geschichte von Innovation, dem Brechen von Konventionen und der Verbesserung der Lebensumstände. Es gibt überhaupt keinen Grund warum sich unser ständiges Bedenkenträgertum für alle Ewigkeit erhalten sollte. Wenn so Geschichten, wie die von Herrn Hoffmeister #37 die Norm sind, dann wird sich sich das ändern. Diese Volocopter Story zeigt doch, dass da Konzepte auch in diesem Lande gedacht werden, die das Problem der Mobilität im Stau unserer Großstädte wirklich angehen ohne von geordneten Schlangen vor den Stationen von Massenverkehrsmitteln auszugehen. Ob nun elektrisch oder anders ist da eher nebensächlich. Leise und sicher zählt. Wenn das funktioniert, dann werden Bürokratrie und Ökos das nicht aufhalten können, auch in Deutschland nicht.

  45. @ Hoffmeister:

    Habe ich Sie falsch verstanden, dieses Fluggerät hat am 17.11. seinen Erstflug gehabt und ist bereits marktreif ?

    Nein, Sie haben mich nicht falsch verstanden. Das Gerät hatte am 17.11. seinen Erstflug und ist natürlich noch nicht marktreif. Man kann es noch nicht kaufen. Ich verwende den Tragschrauber als Beispiel dafür, daß eine solche „Neuerfindung“ der Luftfahrt eben möglich ist. Sie sagen, es wäre nicht möglich und begründen es nicht. Das „ärgert“ mich nicht, ich verstehe es nur nicht.

    Natürlich wollen die Ökos solche Innovationen nicht. Natürlich wollen die Ökos solche Fortschritte behindern. Das steht doch außer Zweifel. Nur halte ich es für -- gelinde gesagt -- wenig zielführend, deswegen gleich den Kopf in den Sand zu stecken. Sie, Krüger, Tritium und andere argumentieren hier destruktiv. Eigentlich genau wie die Ökologisten. Es ist diese Haltung, die ich bekämpfe. Man sollte sich doch folgendes vor Augen führen:

    1. Es gibt kein technisches Argument, das gegen den Volocopter spricht. Die bisherigen Flugversuche zeigen doch, daß es funktioniert.
    2. Es gibt einen gesetzlichen Rahmen in Deutschland in dem er, genau wie die vielen anderen bereits etablierten UL-Flieger, genutzt und betrieben werden kann.
    3. Er weist, auch und gerade als elektrisch betriebenes System, einen sofortigen Anfangsvorteil gegenüber vorhandener Technologie auf. Ganz im Gegensatz eben zum Batteriauto. (Darum geht es mir eigentlich.)

  46. Über das Crowdinvesting hat e-volo nun bei fast 700 Investoren mehr als 1 Million Euro eingesammelt. Es ist also ziemlich offensichtlch, daß die Menschen eine solche neue Art der Fortbewegung wollen. Auch eine Botschaft dieses Vorhabens, die man bei seiner Argumentation berücksichtigen sollte. Der Volocopter ist eben nicht nur technisch machbar und innerhalb der Vorschriften zulassungs- und betriebsfähig, er ist auch noch seitens der potentiellen Nutzer gewollt. Er erfüllt offensichtlich einen Bedarf.

    Nebenbei habe ich noch einen Pfeil im Köcher: Auch der Tragschrauber wird elektrifiziert. Das entsprechende Projekt, an dem mit Bosch auch ein großer Automobilzulieferer beteiligt ist, wurde auf der Aero 2013 der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit der gegenwärtigen Batterietechnologie kann man hier Flugzeiten von etwa 30 Minuten erreichen. Eine Stunde könnte in einigen Jahren erreichbar sein (mehr dann aber auch nicht). Die Zielgruppe sind Flugschulen, 30 Minuten entspricht einer Flugstunde. So kann die Ausbildung von Gyrocopter-Piloten im flugplatznahen Bereich ohne Lärmbelästigung für die Anwohner durchgeführt werden. Ebenfalls ein sofortiger Anfangsvorteil.

    Überhaupt wird dem beginnenden Transfer ausgereifter automobiler Systeme in die Allgemeine Luftfahrt insgesamt zu wenig Beachtung geschenkt. Es ist eben nicht so, daß Fliegen besonders energieaufwendig wäre. Es ist eigentlich die effizienteste Form der Fortbewegung. Start und Landung sind das Problem. Mit den neuen UL-Systemen bekommt man das aber in den Griff. Mit der Antriebstechnologie aus dem Automobilbereich gelingt es derzeit, den jahrzehntelangen Innovationsstau in der Allgemeinen Luftfahrt aufzulösen und gleichzeitig weiter an Gewicht zu sparen. Mit dem Xdreeme hat Fresh Breeze bereits ein „fliegendes Auto“ vorgestellt, das als erstes UL-System die EuroV-Norm erfüllt.

    Viele Kommentatoren, insbesondere Herr Krüger, haben scheinbar das Gefühl, es gäbe in Deutschland eine innovationsfeindliche Bürokratie, die alles Neue verhindern wolle. Das ist auch nicht ganz falsch. Aber eben auch nicht die ganze Wahrheit. Die Verwaltung ist kein monolithischer Block. Man sollte in sein Kalkül einbeziehen, daß Vorhaben wie der elektrische Tragschrauber, wie der Volocopter, wie der Carplane und wie myCopter von der öfentlichen Hand gefördert werden (und viele andere eben auch). Es besteht also keinerlei Interesse der Behörden daran, solche Innovationen zu verhindern. Das Gegenteil ist der Fall. Es besteht ein Interesse daran, solche Dinge auf eine Weise zu ermöglichen, daß sie den gegebenen Rechtsrahmen erfüllen. Man sollte bei der UL-Fliegerei auch berücksichtigen, daß die Verbände (etwa der DULV oder der DAEC) die Richtlinien selbst mit einem hohen Maß an Eigenverantwortung aufstellen.

    Ich habe den Eindruck, daß einfach viele Kommentatoren die Branche und die derzeitige (äußerst rasante) technische Entwicklung in diesem Bereich nicht kennen -- und deswegen mit einer negativen Grundhaltung an die Sache herangehen. Man sollte sich niemals der Möglichkeit versperren, etwas Neues zu lernen. Genau darin unterscheiden wir uns doch von den Ökologisten.

    Man sollte die Welt nicht in gute und böse Technologien unterteilen. Elektromobilität ist nicht deswegen grundsätzlich schlecht, weil sie im Automobilbereich von den Ökologisten propagiert wird. Es gibt nur nützliche und nicht nützliche Technologien. Wenn Elektromobilität im Automobilbereich offensichtlich unnütz ist, heißt das eben genau nicht, daß man das auf alle anderen Anwendungsfelder auch übertragen kann.

  47. @44 @46

    Herr Straten, Herr Heller,

    bin bei Ihnen, wenn sie mich und andere dafür kritisieren, dass nun auch noch die -- positiv denkenden -- Skeptiker zu „Alarmisten“ mutieren. Ich bin genau wie sie der Auffassung, dass sich technologischer Fortschritt zum Nutzen von Menschen früher oder später Bahn bricht, das werden die Menschen gar nicht aufhalten können, das ist zwangsläufig. Die Frage ist nur, wann wir wieder mal zur Vernunft kommen.

    Was wir aber nicht verkennen dürfen, dass wir uns heute/aktuell im Hinblick auf die Akzeptanz von echtem (nicht ökologisch determiniertem) technologischen Fortschritt immer noch in einer Abwärtsbewegung befinden, d. h. nach wie vor schwindet Akzeptanz und noch viel mehr Risikobereitschaft in den Wohlstandsgesellschaften. Somit wird es nach wie vor schwieriger, Innovationen marktreif zu bekommen (hier ist in erster Nähe die Marktreife durch behördliche Zulassung bzw. bürokratische/normative Auflagenerfüllung gemeint, die die Risikomentalität einer Gesellschaft irgendwo widerspiegelt). Praktisch alle westlichen Industriegesellschaften sind selbstgefällig satt, ruhen sich auf den technisch-wissenschaftlichen Errungenschaften früherer Generationen aus und reklamieren diesen Wohlstand dann auch noch als ihren Verdienst.

    Mein Beispiel #37 zeigt eine pervertierte Ausprägungsform dieses gesellschaftlichen Zustandes und ich könnte ihnen eine ganze Reihe ähnlicher Beispiele aus den Bereichen Medizintechnik, Arzneimittel, Luftfahrt, chemischer Produktion, Gentechnik nennen. Das Arzneimittelbeispiel zeigt: Nicht einmal der ultimative, unbestreitbare und sicher auch nachgefragte Nutzen einer Innovation -- nämlich der potenziellen Verhinderung des nahen Todes eines Kindes oder zumindest dessen Lebensverlängerung -- ist ausreichend, um das Abweichen von bürokratischen, auf Risikomentalitäten beruhenden Regularien zu erwirken und „Marktreife“ herzustellen.

    Wir sind eine kleine Firmengruppe des produzierenden Gewerbes und haben täglich damit zu tun, kleine oder größere technisch-wissenschaftliche Innovationen marktreif zu machen, davon leben wir. Und natürlich gelingt das auch, sonst wären wir nicht mehr am Leben. Aber wir sehen auch, dass -- bildlich gesprochen -- im Minutentakt weitere Eintrittsbarrieren für Innovationen geschaffen werden -- es sei denn, sie sind ideologisch mainstream, da gibt es Ausnahmen -.

    Herr Heller, ich kann ihren Ärger über meine und andere defätistische Äusserungen definitiv nachvollziehen, und Sie können mir glauben, dass wir hier die letzten sind, die aufgeben werden, an die Kraft technologischen Fortschritts zu glauben, aber eines ist auch klar: reine Lippenbekenntnisse ersetzen in keiner Weise die faktisch notwendigen Ressourcen, die sie aufbringen müssen, um Innovationen gegen stetig wachsende Widerstände durchzusetzen (marktreif zu machen).

    Lade Sie und andere Teilnehmer dieses Blogs herzlich ein, bei uns in der Nähe von Berlin die Widrigkeiten real ablaufenden Innovierens inklusive Marktreifmachung anzuschauen.

    Viele Grüße

    H. Hoffmeister

  48. Herr Hoffmeister, ich glaube Ihnen das alles, wenn Sie von Biotech oder Pharmaforschung sprechen. In diesem Segment kenne ich mich schlicht nicht aus.

    Nur dürfen Sie Ihre Probleme eben genau nicht einfach so auf die Allgemeine Luftfahrt, insbesondere auf die UL-Fliegerei übertragen. Es gibt auch dort Regeln, keine Frage. Aber woher nehmen Sie die Sicherheit, der Volocopter könne/würde diesen Regeln nicht entsprechen? Das frage ich mich und hierfür hätte ich gerne einen Beleg.

    Als Gegenbeispiel habe ich den Tragschrauber angeführt. Der erst seit 2003 in Deutschland wieder produziert und zugelassen werden kann. Tatsächlich haben die Verbände, hier der DULV, gemeinsam mit dem Hersteller, hier Autogyro, und dem LBA die Regeln erst neu geschaffen. Es hat also funktioniert. Der Markt ist vergleichsweise klein (ca. 100 Stück pro Jahr kommen in Deutschland hinzu), aber mit enormen Wachstumsraten und enormen Wachstumspotentialen. Was also ist der Unterschied zwischen Gyrocopter und Volocopter, wegen dem beim letzteren nicht funktionieren soll, was beim ersteren gelang?

    Das verstehe ich nicht.

    Tatsächlich ist es genau andersherum: Was auch immer in der Allgemeinen Luftfahrt den Regeln entspricht, muß zugelassen werden. Es gibt schlicht keine rechtliche Möglichkeit, eine solche Innovation zu verhindern.

  49. @HHoffmeister

    Was ist ein Einzelfall und bleibt ein Einzelfall, und wann ist es legitim einen Einzelfall als Beispiel für allgemeine Entwicklungen zu nehmen. Ob die von ihnen angeführten Fälle zur ersten oder zur zweiten Kategorie zählen, kann ich nicht beurteilen, aber dass wir gegenwärtig eine andere Risikoeinschätzung vornehmen als in Vergangenheit, kann nicht nur mit besserem Wissen über die Risiken erklärt werden, sondern auch daran, dass mit Regeln generell Verhalten gesteuert wird.

    Warum wird also etwas verboten, was weder mir noch der Gesellschaft schadet? Oder welche Freiheiten erlaubt die Gesellschaft dem Individuum, auch im Hinblick darauf, dass die gewährten Freiheiten zu einem Schadensfall führen kann den dann die Gemeinschaft tragen muss, oder glaubt tragen zu müssen.

    Hier verlassen wir natürlich die Auseinandersetzung zwischen Skeptikern und Alarmisten, zwischen Ökos und deren Gegnern und begeben uns auf das Feld einer Freiheitsdiskussion, von der ich hoffe, dass wieder einen Stellenwert in unserem Land bekommt.

    Wenn sich eine Gesellschaft gegen alles versichern will, damit auch jegliches Risiko als Bedrohung der Versichertengemeinschaft sieht -- es könnte ja irgend etwas schlimmes passieren -- wird sie Innovationen nicht mehr aufnehmen, weil vieles von dem natürlich auch mit einem Risiko behaftet ist.

    Der Blickwinkel aufs Risiko wird sich spätestens dann wieder ändern, wenn festgestellt wird, dass die Gesellschaft derartig hinter Entwicklungen in anderen Ländern hinterher hinkt, dass es sich auch wirtschaftlich auswirkt. Dann wird Risiko auch wieder als Chance begriffen.

    Nun zum Thema des Artikels. Hier wird es nun schwer werden von denen die mit Regeln und Verboten eine Pädagogisierung der Gesellschaft vornehmen wollen, zu Beispiel hin zu einem alles umfassenden Nachhaltigkeitspostulat, etwas zu konstruieren was der elektrischen Luftfahrt entgegensteht. Der Grund hier regelnd, also auch pädagogisierend, einzugreifen ist nicht vorhanden. Und um der Technikfeindlichkeit gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen, wird am besten damit argumentiert, dass die nun vorgestellte Innovation auch den grünen Kriterien genügt. Kein CO₂ etc. Eine Argumentationslinie die sich beispielsweise auch die Nuklearia zu eigen gemacht hat.

    Das mag man kritisieren, ich tue das auch, weil damit Grundhaltungen die ich für falsch halte verfestigt werden könnten, doch aus Sicht derer die die Innovation zur Marktreife bringen wollen, oder ein marktreifes Produkt anpreisen, ist es durchaus verständlich. Die können und wollen nicht warten, bis sich der ganze Nachhaltigkeits- und Ökologistenquatsch ins Abseits manövriert hat.

  50. #48
    Lieber Herr Heller,

    ich bezweifle nicht, dass das von Ihnen erwähnte Luftfahrzeug nicht den Regeln entsprechen könnte. Das ist es nicht, was ich meine. Ich erwarte leider nur folgendes: Wenn ein derartiges Gefährt von der Nischen- und Sportanwendung in einen Massenmarkt -- und Sie sprechen ja in Ihrem Aufsatz von einer Vision der Massenmobilität in der dritten Dimension -- überführt werden sollte, wird das nicht gelingen, weil die dann einsetzende Beschäftigung einer breiten Öffentlichkeit inklusive Bürokratie und Ökofraktion mit dem Thema zur Politisierung und subsequent zur Dämonisierung und Verhinderung führen wird.

    Warum ? Praktisch jeder Bereich moderner Technologieentwicklung (Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen, Ölschieferausbeutung, Chemie, Pharma, Kernkraft, Gentechnik, Lebensmittelherstellung etc.) wird heute von Gruppen links-ökologischer Ausrichtung attackiert, wenn sich die verhassten Feinde (Großkonzerne, Reiche, geldgierige Manager, Heuschrecken, Rechte etc.) damit beschäftigen. Also werden alle möglichen Geschütze aufgefahren, um diese Entwicklungen zu diskreditieren und politisch zu missbrauchen. Medial getrieben reagiert die auf Machterhalt bzw. -erlangung orientierte Politik und erlässt Gesetze, die die Fortentwicklung (Marktreife, Vermarktung) erschwert bzw. unmöglich macht.

    In der Pharmabranche ist es im übrigen wie in der Luftfahrt: Wenn die Regeln eingehalten werden, muss ein Mittel zugelassen -- und sogar kostenerstattet werden, wenn ein Nutzen nachweisbar ist -. Faktisch ist es aber so, dass die Erfüllung der Regeln prohibitiv teuer ist und eine Marktreife bzw. Vermarktbarkeit in vielen Anwendungsfeldern schlicht ökonomisch nicht erreicht werden kann.

    Auf das Flugmobil zurückzukommend, gehe ich davon aus, dass eine Massenluftmobilisierung in relevanten Zeiträumen nur von einem Großkonzern geleistet werden könnte. Steht dies bevor und der Großkonzern ist zufällig so „wohlgelitten“ wie EON oder Thyssen-Krupp, wird so ein Projekt meines Erachtens an den exponenziell steigenden Anforderungen -- ausgelöst durch den oben beschriebenen Mechanismus -- scheitern.

    Wir bekommen es doch gerade vorexerziert: Ein nicht validiertes Risiko -- angebliche Welttemperaturerhöhung durch Verbrennung fossiler Brennstoffe -- führt zur politisch-medial orchestrierten Vernichtung ganzer Industriebranchen -- groteske Verteuerung von Energie durch Implementierung eines am Anfang des vorigen Jahrhunderts wegen Ineffizienz verworfenen technologischen Ansatzes -.

    Klar kann man es versuchen, wie QQ es vorschlägt: Ökolabel an den Elektrotragschrauber anbappen und hoffen, dass keiner von den linken Ökofanatikern merkt, dass eigentlich ein höchst fortschrittliches Mobilitätsmittel zur Verbesserung unseres Wohlstandes und Mehrung unseres Reichtums angestrebt wird.

    Viele Grüße

    H. hoffmeister

  51. Lieber Herr Hoffmeister,

    ich teile Ihre Ansicht zwar nicht, aber jetzt habe ich zumindest verstanden, was Sie meinen.

    Ich denke, der technische Fortschritt wird die Ökologisten einfach überrollen. So wie schon andere Religionen überrollt wurden. Der Individualverkehr in der Luft ist ja nur ein Aspekt dessen, was uns insgesamt bevorsteht. Wir alle, die wir mindestens 40 Jahre alt sind, haben ja nun am eigenen Leib erlebt, wie sich die Informationstechnik entwickelt hat und wie sie unser Leben umkrempelte. Ich erinnere mich noch gut an Debatten, wie schlimm und schädlich Computer doch seien. Ob in der Schule, oder in der Arbeitswelt. Einige führen diese Debatten immer noch. Hatten oder haben diese Leute ernsthaft einen Einfluß auf die Entwicklung?

    Ich denke im Gegenteil zu Ihnen, daß gerade die von großen Konzernen beherrschten Wirtschaftsbereiche genau nicht die sind, aus denen das Neue kommt. Ich denke, daß es die kleinen und jungen Unternehmen sind, die hochinnovativen Schnellboote, die die Zukunft gestalten. Das Spektrum reicht vom 3D-Druck (bzw. „additive manufacturing) über Roboter über fliegende Autos bis hin zum Weltraumtourismus. Und da ist noch eine Menge mehr. Die Welt ist zu vielfältig und zu komplex, als daß ein paar durchgeknallte Ökos sie steuern könnten.

    Der Wandel ist die einzige Konstante und der ist nicht aufzuhalten. Die Welt wird dadurch individueller und gleichzeitig grenzenloser. Die Unterschiede zwischen räumlichen Nachbarn werden mitunter größer sein, als die zwischen zwei in unterschiedlichen Kulturen lebenden Personen. Ich bspw. habe mehr mit dem Gamer aus Südkorea gemein, als mit meiner Nachbarin (eine ältere Pädagogin, an der die digitale Revolution völlig vorübergegangen ist). Gewinner der Entwicklung werden die sein, die sich dem Neuen nicht verschließen und lernen, es zu ihrem Vorteil zu nutzen. Die anderen bleiben halt zurück. Die werden sich einigeln und versuchen, ihre Lebenswelt möglichst abzuschotten damit sich möglichst nichts ändert.

    Anders ausgedrückt: Ideologien können Innovationen nur bremsen. Aber nicht verhindern.

    In Zukunft wird bspw. die Crowd -- und das ist jeder von uns -- mehr über die technische Zukunft entscheiden, als die öffentliche Hand mit ihren Förderprogrammen und -instrumenten. Der Volocopter ist dafür ein Beispiel. Ich werde hier im Blog weiter über solche und ähnliche Crowdfunding-Projekte berichten.

  52. Lieber Herr Heller,

    Ihren Ausblick auf das was kommt, den teile ich ohne Einschränkungen. Was ich aber befürchte ist, dass in unserer Lebenszeit die diesbezügliche Uhr sehr langsam geht bzw. sogar stehen bleibt -- ein Zurückdrehen derselben halte ich leider nicht für völlig ausgeschlossen -. D. h. dass Fortschritt durch technologische Evolution stattfinden wird, ist auch für mich unumstösslich, dennoch sehe ich seit der Zeit in der ich das Denken begann (wenn ich denn diese Fähigkeit überhaupt besitze) zunehmend Zeichen spätrömischer Dekadenz (Holzpellets für Ökoheizung aus gefälltem Regenwald, A8 für Rücken und Schloss für Solarfürsten, aber Schlüssel zum Abschließen für die Giessereiindustrie uvm). Und das Ende des römischen Reiches -- und nicht nur das Ende dieser Hochkultur -- war von einem fürchterlichen Reset in düstere, weit weniger attraktive und fortschrittliche Zeiten gekennzeichnet. Und teilweise mussten wissenschaftlich-technische Errungenschaften erst wieder erfunden werden, die es bereits gab (Astronomie, Porzellanherstellung z. B.).

    Im mikroelektronischen Bereich hat in der Tat ein stürmischer Fortschritt stattgefunden, aber nicht in Deutschland, dies aber eher wegen wettbewerblicher Schwächen (ein Grund der Einstellung der hiesigen Weiterentwicklung von Galliumarsenid zu einem alternativen Hochleistungshalbleiter war die bereits sehr starke Regulierung der chemischen Industrie ab Ende der 80er Jahre durch den Eintritt der Grünen in die Politik).

    Zum Thema Schnellboote kann ich ausschließlich negativ berichten, es mag hier Ausnahmen geben -- beispielsweise im IT-Bereich -. Aber für das Gleichnis „Schnellboote“ im naturwissenschaftlich-technischen Bereich kann ich mich an kein Projekt wie z. b. das eines Volokopters für den Massenindividualverkehr -- erinnern, das in den letzten 30 Jahren von einer kleinen, innovativen Mannschaft erfolgreich realisiert werden konnte. Ich kenne leider nur die Schnellboote von Greenpeace, die es zu etwas gebracht haben.

    Aber Spass beiseite: Ich kann ihnen eine Vielzahl gesunkener oder mindestens stark geschwindigkeitsreduzierter Schnellboote nennen -- wir gehören irgendwo auch dazu, ggf. könnte man uns noch als Paddelboot bezeichnen -, die an der von mir beschriebenen Hürde gescheitert sind (kenne auch ein Luftfahrtbeispiel aus unserem Land Brandenburg recht gut). Die Hindernisse regulatorischer Natur -- viele davon ökologistisch motiviert -- für die Herstellung von Marktreife technologischer Neuerungen nehmen in allen westlichen Industrienationen stetig zu und die Schnellboote haben schlichtweg nicht die Ressourcen, diese Hindernisse zu umschiffen.

    Ich wäre nicht ganz so pessimistisch, wenn sich diese Phänomen auf Deutschland beschränken würde -- s. das Beispiel der roten Gentechnik, von Fischer und grünen Konsorten Anfang der 90er Jahre aus dem Land getrieben, ist heute jedes dritte in Deutschland verabreichte Arzneimittel gentechnisch hergestellt (allerdings eben nicht mehr von deutschen Pharmafirmen) -. Leider ist es aber so, dass selbst in den USA und anderen reichen Industrienationen -- der ökologistisch-sozialistische Impetus massiv an Fahrt gewinnt -- mit allen Folgen für den technologischen Wandel -.

    Fazit: in der langen Frist werden sie Recht behalten, kurz und mittelfristig (und damit meine ich mindestens Jahrzehnte) erwarte ich eher das düstere Mittelalter (das heisst nicht, dass wir uns nicht dagegen stemmen sollten mit allem was uns zur Verfügung steht).

    Viele Grüße

    H. Hoffmeister

  53. Lieber Herr Hofmeister,

    ganz so pessimistisch würde ich das nicht sehen. Es gibt in diesem Land eine ganze Menge Fördermöglichkeiten und Förderstrukturen für Innovationen in Land, Bund und EU, um die uns andere Länder auch schon mal beneiden.
    Meiner Erfahrung nach haben die „Schnellboote“ oft wenig Erfahrung mit der Förderpolitik und der Lobbyarbeit die damit verbunden ist. Das ist in der Regel aber ein lohnender Invest an Arbeitsstunden mit dem BMBF oder einem der Förderträger wie DLR oder VDI zu sprechen.

    Dazu kommt natürlich, dass Technologieentwicklung im internationalen Wettwerb nicht ganz so einfach ist. Ob man zum Beispiel die Führungsrolle einnimmt oder eher der „Fast Follower“ ist. Oft ist das Letztere die bessere Strategie, finanziell gesehen. Die Mikroelektronik-Entwicklung zum Beispiel wird ja eher von Großunternehmen dominiert.
    Den ökologistisch-sozialistischen Impetus habe ich in anderen Ländern auch noch nicht so gesehen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  54. Lieber Herr Hoffmeister,
    ich glaube, Sie haben manches richtig erkannt, Sie haben völlig zu Recht auf sehr ernste Probleme hingewiesen, sind aber insgesamt zu pessimistisch.

    Wir hatten für einige Zeit keine echten ‚Blockbuster‘ wie den Advent der Mikroelektronik, aber wir hatten keineswegs einen Stillstand.
    Nun wird der Volokopter ganz sicher kein solcher Blockbuster werden, sondern eher eine Art Nischenprodukt, jedenfalls auf kürzerfristig absehbare Zeit. Er ist jedoch ganz zweifellos äusserst innovativ, insbesonders bei der Steuerung:

    The controls work according to the fly-by-wire principle very easily by means of a joystick. As opposed to any other aircraft, the operation is child’s play. It takes off and lands vertically and the pilot pays little or no attention to the flight path angle, minimum speed, stall, mixture control, pitch adjustment and many other things which make conventional aviation so demanding.

    (Und das, nicht der E-Antrieb, ist für mich der entscheidende Baustein des Konzepts!)

    Auch Kampfdrohnen verwenden so eine Steuerung, sie sind keineswegs nur ferngesteuerte Modellflieger, sondern ein Quantensprung: Der Mensch ist nicht mehr in die Maschine als Regelelement integriert, sondern steht über der Maschine als ‚Kommandant‘ eines an sich autonom agierenden Roboters. Der Mensch kümmert sich nicht mehr um die Einstellung von Rudern, Blattverstellung, Motorleistung oder ähnliches, sondern sagt nur, wo er hin will und die Maschine erfüllt den Wunsch ohne dass der Mensch wissen muss, wie das geschieht und nebenbei ohne dass ein Mensch dieses ‚wie‘ überhaupt noch selbst tun könnte.
    Das ist jedoch, auch wenn es jetzt noch nicht so offensichtlich scheint, revolutionär.
    Stellen Sie sich mal vor, was das übertragen in andere Bereiche bedeutet; naheliegend ist der Strassenverkehr in dem der Fahrer der Maschine nur noch sagt, dass er nun rechts abbiegen möchte, aber die ganze Regelarbeit der Geschwindigkeitsanpassung, des Lenkens der Räder, der Rückkopplung von gefühlten Beschleunigungswerten zur Korrektur des Fahrpfads usw. der Maschine überlässt, die das sowieso viel besser kann.
    Ich kann mir nicht vorstellen, was es für ein Strassenfahrzeug bedeutet, wenn es ‚inhärent instabil‘ fahren würde wie derzeit die fortgeschrittensten Flugzeuge inhärent instabil fliegen, also ohne die ständige automatische Korrektur sofort vom Himmel fallen würden. Bei Flugzeugen hat dies jedoch zu enormen Leistungssteigerungen geführt: Dem F 22 Raptor Luftüberlegenheitsjäger, der diese moderne Technik als erster voll integriert benutzt (und natürlich auch noch andere neue Technologien) wird ein simuliertes Kill Ratio zwischen 144:0 und 221:0 gegen die fortschrittlichsten Jagdflugzeuge früherer Generationen attestiert ( F 15 Eagle, F 16 Fighting Falcon. Die vom Raptor deklassierte F15 hat ihrerseits einen ‚echten‘ kill score von 105:0 gegen andere Jäger, einschliesslich der modernsten MiG und Suchoi-Muster).
    Ich zweifle nicht daran, dass eine Übertragung dieses Systems in einen Formel 1 -- Rennwagen eine Garantie des Rennsiegs bedeuten würde: Wenn eine F 22 z. B. kontrolliert(!) in einem 60°-Winkel der Längsachse zur Flugrichtung ‚driften‘ kann, weit jenseits der Grenzen der klassischen Aerodynamik, kann man auch einen Rennwagen so kontrolliert durch eine Kurve ’schleudern‘ lassen, dass kein Mensch solche Manöver weit jenseits der stabilen Spurhaltung nachvollziehen könnte.

    Was würde es für den Individualverkehr bedeuten, wenn das Steuern von Fahr- und Flugzeugen buchstäblich ‚kinderleicht‘ und völlig fehlersicher wird, weil die Maschine Fahrfehler oder Verstöße gegen Verkehrsregeln überhaupt nicht mehr zulässt und dennoch Fahr- und Flugprofile möglich sind, die selbst die besten menschlichen Fahrer und Piloten nicht mehr nachvollziehen könnten?
    Was bedeutet das in allen anderen Bereichen, in denen Menschen steuern und regeln?
    Das grösste Problem dabei wird das menschliche Ego sein. Werden automatisierte Verkehrsleitsysteme vorgestellt, erhebt sich sofort ein Aufschrei der Fahrer, die sich selbst für besonders gut halten und das auf der Strasse beweisen wollen; ein Auto ist eben in erster Linie ein Ego-Verstärker und kein Transportmittel, der Strassenverkehr dient nicht der Fortbewegung, sondern der sozialen Hackordnung. Ich lasse mich viel lieber fahren, ich schätze es ausserordentlich, vom Zug aus oder als Beifahrer ganz und gar ungestört Eindrücke der Umgebung zu sammeln oder mich anderen Dingen zu widmen als diesem lästigen Lenken. Aber da gehöre ich einer Minderheit an. Und da muss weniger ein technischer als vielmehr ein gesellschaftlicher Paradigmenwechsel kommen, der nur in einer neuen Generation möglich sein wird.

    Aber jetzt bin ich abgeschweift. Es ging ja darum:

    … zunehmend Zeichen spätrömischer Dekadenz…

    Kann sein, dass das Europa wirklich so trifft. Aber nicht die Welt. Eine Götterdämmerung des Industriezeitalters wird es so schnell nicht geben, mit ‚hungrigen‘ Staaten wie China, Brasilien, Indien in den Startlöchern. Die Stafette wird weiter gegeben, weil eine ‚Kritische Masse‘ überschritten wurde.

  55. Lieber Herr Tritium,

    Die Stafette wird weiter gegeben, weil eine ‘Kritische Masse’ überschritten wurde.

    Das wäre der Punkt. Die anderen Länder schlafen nicht und würden gerne übernehmen.

    China baut die Magnetschwebetechnik, Japan plant sie und entwickelt den „MAGLEV“.

    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  56. Tja, Herr Hess,
    vielleicht liegt Deutschlands Zukunft ja in einer Art ‚Freizeitpark‘ für Touristen aus China und Brasilien?
    Schlß Neuschwanstein war auch ein Anachronismus und eine fatale Geldverschwendung, hat sich aber inzwischen durch die immensen Besucherzahlen und der daraus folgenden Wetschöpfung bezahlt gemacht -- Eine wahre ‚Vorsorge für kommende Generationen‘!
    😉

    Ob allerdings ‚malerische‘ Windrad-Ruinen wirklich so attraktiv sind…?

  57. Wir sollten nicht außer acht lassen, dass Veränderungen manchmal auch recht schnell passieren, vor allem dann, wenn der Druck zu Veränderungen aus verschiedenen Richtungen kommt. Es wird ja immer wieder die demografische Struktur Deutschlands angesprochen, was auch in Bezug auf die Sozialsysteme problematisch werden könnte. Wie soll das alles finanziert werden, die GroKo geht ja momentan mit dem Füllhorn übers Land und wird auch dafür sorgen, dass grundlegende Wechsel in der Struktur noch früher vorgenommen werden (müssen).

    Wenn beispielsweise nicht mehr der Faktor Arbeit weiter verteuert werden kann, könnte auch eine andere Sicht auf technische Innovation entstehen. Wenn statt dessen Wertschöpfung zur Finanzierung herangezogen werden soll, so wie es aus linken Kreisen immer wieder gefordert wird, könnte sich das Narriv: »Unsere Lebensweise gefährdet den Planeten« umwandeln in ein »Unsere Wirtschaft und unsere Innovationen sichern unsere Renten«. Keine Ahnung, ob das so kommt, soll nur ein Beispiel sein, dass Veränderungen von einer Richtung aus ausgelöst werden können, an die wir noch gar nicht denken.

  58. Lieber Herr Tritium,

    wie gesagt so pessimistisch bin ich nicht.
    Ich denke die SPD wird bald verstehen, dass sie sich nur dann von der Union unterscheiden kann, wenn sie wieder Politik für
    die Menschen macht die in diesem Land das Geld verdienenund nicht für die die vom Milliardengeschäft Klimawandel profitieren, wie Windparkinvestoren, Photovoltaikanlageninvestoren oder Subventionsmitnehmer bei Blockheizkraftwerken.

    Dann werden vermutlich auch wieder mehr echte Innovationen gefördert und nicht Pseudoinnovationen wie die durch planwirtschaflliche Subventionen hochgepimpte Photovoltaik.

    Grüße
    Günter Heß

    Grüße
    Günter Heß

  59. Quentin,

    das ist ein interessanter Punkt, da ja auch im Koalitionsvertrag das Rentenpaket einen großen Beitrag leistet.
    Und auch eine Schwarz-Grüne Koalition in Hessen würde die Narrative schnell verschieben.

    Grüße
    Günter

  60. wie gesagt so pessimistisch bin ich nicht.

    Ich auch nicht, Herr Heß,
    das war als satirische Randbemerkung gedacht.

    Ich stmme sogar Quentin zu wenn er darauf hin weist, dass grundlegende paradigmenwechsel nicht selten 8scheinbar) sehr schnell gehen können und ich sehe Anzeichen dafür, dass sich neue Attraktoren im gesellschaftlichen Chaos herausbilden.
    Bekanntlich ist ja der Selbsterhaltungstrieb sehr mächtig und kann illusiobäre kartenhäuser von einem Moment auf den anderen zu Einsturz bringen.

    Ob wir erleben werden, dass sich ein neuer Generationenkonflikt ähnlich zu ’68 entwickelt und die junge, sich ‚ausgebeutet‘ fühlende Generation gegen die saturierten Alten aufsteht, die ihre Pensionspfründe in Ruhe verzehren wollen und deshalb alle Veränderungen egoistisch ablehnen?
    Das ist meiner Meinung nach ein durchaus denkbares Szenario.

  61. Lieber Herr Tritium,

    in der Tat. Die ganze Klimaschutzablassabschöpferindustrie ala COP19 arbeiten daran das deutsche Vermögen und das der Industrieländer in andere Länder zu verschieben. Insofern fände ich es interessant zu beobachten, ob die Menschen in Deutschland mal lieber wieder in Infrastruktur in Deutschland (Straßen, Brücken,etc) investieren.
    Ich wäre da dabei, wenn eine Partei wie die SPD oder die FDP das propagieren würde.

    Grüße
    Günter Heß

  62. Noch ein Kopter:
    Amazon will Waren mit Mini-Drohnen zustellen

    Der Online-Händler Amazon will in einigen Jahren Bestellungen mit automatischen Mini-Drohnen zustellen….
    Die Dienstleistung dürfte für kleine und besonders eilige Bestellungen auf kurze Entfernung vorbehalten bleiben: Die achtmotorigen Drohnen könnten Waren mit einem Gewicht von bis zu 2,5 Kilo transportieren und pro Lieferung etwa 16 Kilometer zurücklegen

  63. Tritium et al:

    bin gespannt, ob wir die Amazon-Drohnen fliegen sehen in Deutschland. Finde ich ein tolles Konzept. Meine Erwartung, wenn das Projekt in die Umsetzung gelangen soll:

    1) Amazon böse, Drohne somit auch böse (NGO’s, Grüne, Umweltschützer, Anti-Kapitalisten etc.)

    2) Drohne gefährlich, Drohne umweltschädlich (mainstream-Presse als Verstärker der unter 1) genannten Gutmenschen-Einschätzungen)

    3) kritische Stellungnahme Bundesluftfahrtamt nach -- stiller -- Intervention der stimmverlustfürchtenden Politik, Projekt beendet

    Mal sehen, wie es weiter geht.

    Viele Grüße

    H. Hoffmeister

  64. Als Überblick eine Meldung von AFP

    Unbemannte Flugobjekte wie Drohnen müssen sich nach deutscher Rechtslage immer unter Kontrolle des Piloten befinden. Das heißt: Sie müssen in Sichtweite und jederzeit ansteuerbar sein. Deshalb ist der Betrieb derzeit faktisch nur in einem relativ eng begrenzten Radius möglich. Automatische Auslieferungsflüge oder private „Langzeitmissionen“ gehören deshalb noch ins Reich der Fantasie.

  65. was haltet ihr davon?

    Der Durchbruch? Diese Silizium-Legierung hat das japanische Unternehmen Sekisui Chemical entwickelt und damit die bei Elektroautos üblichen Lithium-Ionen-Batterien optimiert. Mit der Innovation bestückt könne die Reichweite der Stromer auf rund 600 Kilometer steigen – bei stark sinkenden Kosten für die Stromspeicher

  66. # 65:
    Der Artikel ist, mit Verlaub, von einem naturwissenschaftlichen Analphabeten geschrieben worden:

    Den Durchbruch will Sekisui Chemical mit einem neuen Verfahren geschafft haben, das statt der bei Lithium-Ionen-Batterien üblichen Kohlenstoffmaterialien zur Speicherung auf eine spezielle Silizium-Legierung setzt und die Leitfähigkeit erhöht.

    Das ergibt keinerlei Sinn:
    In einer Li-Ion-Batterie wird kein Kohlenstoff zur Speicherung der der chemischen Energie verwendet, die dann in Elektrizität umgesetzt wird, sondern natürlich Lithium.
    Ist damit die Träger-Matrix gemeint? Dazu verwendet man tatsächlich Graphit, aber, wohlgemerkt, es ist eben nur ein Träger und nimmt nicht am eigentlichen Prozess teil. Diese Graphit-matrix kann man naürlich prinzipiell auch aus einem anderenMaterial fertigen, z.B. Silizium-‚Legierungen‘ (as immer das sein mag).
    Also ist das, wie man annehmen kann, nur eine leicht mofifizierte Li-Ion-Batterie, die vielleicht etwas billiger ist, vielleicht etwas leichter, aber mit grundsätzlich den selben Beschränkungen.

    Da hat die Marketingabteilung gewaltig auf den Putz gehauen, würde ich sagen. In einem Monat redet kein Mensch mehr darüber.

  67. michael m.#65,

    bei ingenieur.de wird dies genauer erklärt. Da würde auch der Volocopter profitieren.

    Dieser Artikel ist süß: Wind, Sonne und Biomasse reichen aus
    Es gab Geld für einen Feldversuch mit fünf Zehntausendstel der in Deutschland installierten Kraftwerksleistung .

    Es würde gehen, na toll. Wenigstens werden norwegische grüne Speicher nicht mehr erwähnt 😉

  68. #66 tritium

    Diese Graphit-matrix kann man naürlich prinzipiell auch aus einem anderenMaterial fertigen, z.B. Silizium-’Legierungen’ (as immer das sein mag).

    wenn ich den artikel bei ingenieur.de richtig verstanden hab, scheint es sich ja wirklich darum zu handeln.

    aber wie soll man da 60% kostenersparnis schaffen? grafit ist doch ein wald-und-wiesen werkstoff?
    kannst du das erklären?

    ps:
    was natürlich nur zwischen den zeilen erkennbar ist (wenn man kopfrechnen kann und praktiziert^^), ist die tatsache das ein emobil selbst mit dieser ’super-baterie‘ immer noch nicht konkurenzfähig ist .

    600km für 16.000EUR 😉


    Einen neuen Super-Akku glauben die Japaner entwickelt zu haben, der Batterieautos zu Reichweiten um die 600 Kilometer verhelfen könnte, rechnet der Blog Electric-Vehicles.com vor. Das entspräche in etwa einer Verdreifachung bisher maximal möglicher Aktionsradien bei Elektroautos aufgrund entsprechend wachsender Batterie-Kapazitäten.

    Das Unternehmen verspricht die Kosten pro Kilowattstunde durch die neue Bauweise um fast zwei Drittel (60 Prozent) senken zu können. Damit würde eine Batterie für ein durchschnittliches Elektroauto nicht mehr rund 15.000 Euro, sondern 5000 Euro kosten. Die Folge: Die Stromer könnten zu Preisen wie Autos mit Diesel oder sogar Benzinmotor angeboten werden.

  69. 600km für 15.000EUR 😉

  70. #68
    frage beantwortet^^ war ein denkfehler 😀 steht ja im rinzip alles im, von w. rassbach verlinkten, artikel drin 🙂

    also gültet nur noch mein ps 😀

  71. Zufällig diese Info entdeckt :

    http://www.smartplanet.com/blog/bulletin/will-tesla-disrupt-the-electric-utility-industry/

    Frage an alle Science Skeptics:

    Fahren Elon Musk’s Tesla E- Mobile mit Snake Oil?

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