Enquete: Das Finale

22. April 2013 | Von | Kategorie: Artikel, Ökologismus, Politik

enquete-finaleDie 31. Stitzung der Enquete Kommission „Wachstum, Wohlstand, Nachhaltigkeit“ war ihre letzte. Der Abschlussbericht wurde verabschiedet, doch was eigentlich verabschiedet wurde, ist nicht klar ersichtlich. Der Gesamtbericht umfasst knapp tausend Seiten, und wird ergänzt durch Sondervoten und Namensbeiträgen die vor allem von der Mehrheitsmeinung abweichende Stellungnahmen sind. Das Parlament und die Öffentlichkeit wird nicht viel damit anfangen können und in der politischen Auseinandersetzung findet jeder, der danach sucht, Argumente für seine Darstellung. Ist das BIP nun geeignet die Entwicklung einer Gesellschaft darzustellen oder nicht? Jein heißt die Antwort, wie bei fast allem. Und was ist eigentlich Nachhaltigkeit? 1730mal kommt das Wort im Bericht vor, in fast jedem denkbaren und undenkbaren Zusammenhang und hat damit fast vollständig eine eigene Bedeutung verloren. Nachhaltig ist irgendwie alles was dauerhaft ist.

Dennoch ist die Arbeit der Enquete nicht umsonst gewesen, weil sie auch verdeutlichte, dass die Wissenschaften, und damit Gutachten etc., der Politik keine Entscheidung abnehmen kann. Immer gibt es Gegendarstellungen, oder die ganze Herangehensweise wird in Frage gestellt, bis hin zu philosophischen Betrachtungen was die Moderne eigentlich ist und ob wir in ein neues Zeitalter steuern. Oder dieses möglicherweise schon haben. Können wir Prozesse steuern, oder steuern die Prozesse uns? Fragen über Fragen, und keine Einigkeit über die Antworten, noch nicht einmal darüber, welche Fragen überhaupt die wichtigen sind.

In dem ganzen Durcheinander kann man aber zwei Linien ausmachen, die im Wesentlichen durch die Positionen von den Grünen auf der einen Seite, und die der FDP auf der anderen Seite gekennzeichnet sind. CDU/CSU und SPD mäandern dazwischen umher. Um dies zu verdeutlichen, ist es hilfreich die abschließenden Statements anzuschauen. Beginnen wir mit den Grünen:

Ökologische Grenzen sind absolut, unsere Handlungsmöglichkeiten werden durch diese Grenzen bestimmt, und mit technologischen Fortschritt werden sich diese Grenzen nicht verschieben lassen. Es bedürfe eines neuen „kulturellen Rahmens“ innerhalb dessen Technologie eingesetzt wird. Zusammengefasst wird dies als sozial-ökologische Transformation der Gesellschaft bezeichnet. Grenzen bestimmen den Blick auf die Zukunft.

Florian Bernschneider hingegen, der für die FDP das Wort ergreift, sieht das ganz anders:

Menschen werden in Zukunft, wie in der Vergangenheit auch, Grenzen verschieben können, die Zukunft wird nicht von den Grenzen bestimmt, sondern von Chancen, da innerhalb des Rahmens der Sozialen Marktwirtschaft die Individuen, wie Unternehmen, genau so freie und individuelle Entscheidungen treffen wie bisher.

Diese Unterschiedlichkeiten im Blick auf die Zukunft, so unspektakulär sie auf den ersten Blick erscheinen, markieren aber geradezu unüberbrückbare Gegensätze. Es steht ein Kultur des Verzichts und der Angst gegen eine Kultur der Chancen und des Optimismus.

Die politische Debatte darüber wird weiter gehen, die Enquete hat dafür viele Argumente und Anregungen geschaffen. Und wahrscheinlich werden dereinst Historiker dieses Abschlussdokument als wahre Fundgrube entdecken, wenn es darum geht zu verstehen, was die Politik im zweiten Jahrzehnt des einundzwanzigsten Jahrhunderts bewegte.

Artikel auch erschienen bei Glitzerwasser

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11 Kommentare
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  1. Dann wollen wir mal hoffen, dass „eine Kultur der Chancen und des Optimismus“ mittel- und langfristig die Paradigmen unseres Handelns bestimmt. Alles andere wäre fatal.

  2. @QQ.9
    thx für die mühe

    besonders gefällt mir folgende aussage:

    Menschen werden in Zukunft, wie in der Vergangenheit auch, Grenzen verschieben können, die Zukunft wird nicht von den Grenzen bestimmt, sondern von Chancen, da innerhalb des Rahmens der Sozialen Marktwirtschaft die Individuen, wie Unternehmen, genau so freie und individuelle Entscheidungen treffen wie bisher.

  3. Danke Quentin für deine Beobachtungen.
    Ich denke auch man kann klar sehen an diesen beiden Beiträgen an was die beiden Menschen glauben.

    Der eine Herr Ott glaubt er wäre der Gute und hätte Recht. Der andere, Herr Bernschneider glaubt an die Menschen und ihre Fähigkeiten.

    Herr Ott zeigt, dass er im Grunde Ich-bezogen ist. Herr Bernschneider zeigt, dass er teamfähig ist.

    Ich hätte lieber Herrn Bernschneider im Team. Mit ihm kann man Chancen und nutzen und Herausforderungen meistern.

  4. Ja, die beiden Videoausschnitte sind gut gewählt und verdeutlichen den Unterschied zwischen ökologistischem und freiheitlichem Denken.

    Ich sehe das ganz genau so wie Günter oben.

  5. Den langatmigen, unstrukturierten Auslassungen des Herrn Ott, der taktierend seine Vision einer Begrenztheit ala Malthus, nicht auf „die freie konstruktive Intelligenz als Probleme lösende menschliche Eigenschaft“ setzen will, sondern auf planwirtschaftliche Verordnungen, erkenne ich als einen typischen Grünen.
    Da wäre seine „Uniform“ so überflüssig, wie seine angebliche Reputation, die völlig zweifelhaft wird, wenn man seine Ausführungen, als reine rückwärtsgewandte, destruktive politische Gängelei subsumiert.

  6. Manchmal weis man schon noch, warum man FDP Mitglied ist und bleibt. 🙂

  7. Manchmal weis man schon noch, warum man FDP Mitglied ist und bleibt

    Weil die FDP das UBA erfschuf und den ersten Umweltminister stellte?

  8. Weil die FDP das UBA erfschuf und den ersten Umweltminister stellte?

    Warum auch nicht? Gegen Umweltschutz habe ich ja nichts, nur etwas gegen die Hybris die Welt zu retten 😉

  9. Auf das UBA kann keiner stolz sein, das hat einen Stallgeruch, den ich kenne , liegt irgendwie zw. Propaganda sed-fdj und Thälmannpionieren.
    http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/4125.pdf

    Maßnahmen des Geo-Engineering haben zum Ziel, den anthropogenen Klimawandel einzudämmen

    .

    Das muß Größenwahn sein, was die nichtgewählten Leute dort veranstalten.

  10. Den langatmigen, unstrukturierten Auslassungen des Herrn Ott, der taktierend seine Vision einer Begrenztheit ala Malthus, nicht auf „die freie konstruktive Intelligenz als Probleme lösende menschliche Eigenschaft“ setzen will, sondern auf planwirtschaftliche Verordnungen, erkenne ich als einen typischen Grünen.

    Gerade habe ich bei EIKE die These kommentiert:

    „Eine vorindustrielle Welt ist genau die Art Welt, in der immer irgendjemand ein Kind beerdigen muss.“

    Überfällig diese Archillesferse de Ökologismus endlich zu thematisieren.

    Durch technologischen Fortschritt erhöhte sich stetig die Lebenserwartung. Sie betrugt i.e.nach der Sterbetafel 2007/2009 für neugeborene Jungen 77 Jahre und 4 Monate und für neugeborene Mädchen 82 Jahre und 6 Monate. Dies war der höchste Stand seit Berechnung der ersten Sterbetafel 1871/1881 für das Deutsche Reich. Im Deutschen Reich betrug die durchschnittliche Lebenserwartung eines neugeborenen Jungen in der Berichtsperiode 1871/1881 nur 35 Jahre und 7 Monate, ein neugeborenes Mädchen konnte mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 38 Jahren und 5 Monaten rechnen. Demnach hat sich die Lebenserwartung der Neugeborenen in den vergangenen etwa 130 Jahren mehr als verdoppelt.
    (Quelle: Stat. Bundesamt — http://www.destatis.de)

    Die Entwicklung über die Zeit hinweg und insbesondere die Reduktion in der Sterblichkeit in den jüngeren Altersstufen ist eng verbunden mit der sogenannten Epidemiologic Transition, “der epidemiologische Übergang” (Omran, 1971):

    Stufe 1: The “Ancien Régime”: hohe Sterblichkeit, niedrige Lebenserwartung

    Stufe 2: Epidemien wurden seltener, bessere Kontrolle von Infektionen führte zu schnellen Verbesserungen in der Lebenserwartung (insbesondere deshalb, weil gerade jüngere Personen an diesen Krankheiten erkrankten und starben).

    Stufe 3: Zunahmen in der Lebenserwartung werden immer geringer. Veränderung des Todesursachenspektrums hinzu chronischen Krankheiten (Herz-/Kreislauferkrankungen, Diabetes, Krebs, etc.)…soweit zunächst die Theorie… hier kam es anders.

    Unvorhergesehen (ggü der Annahme der Stufe 3) ereilte die westliche Gesellschaft aber eine drastische Reduktionen in der Sterblichkeit für Herz-Kreislauferkrankungen. Neue Technologien zur Behandlung akuter Symptome (z.B. Herzschrittmacher, Bypass-Operationen) wurden entwickelt.Neue Möglichkeiten der Prävention (z.B. ß-blocker, etc.)kamen auf den Markt. Neues Wissen über Risikofaktoren (z.B. Blutdruck, Blutglukose, Cholesterin, Stress) verbesserte die Prävention.

    Trotz all der pöhsen „Umweltbelastungen“, „Strahlen“, Feinstaub, „Umweltgifte“, „Atomstrom“, steigt die Lebenserwartung. Falls es überhaupt „statistische Tote“ aus diesen Nebenwirkungen der Technisierung unser Gesellschaft gibt, werden diese eben durch diese Technisierung überkompensiert.

    DER TECHNISCHE FORTSCHRITT, WACHSTUM (zur Finanzierung),ALSO DER WACHSENDE WOHLSTAND SELBST -- nicht dessen Verhinderung, z. B. durch das unsägliche „Vorsorgeprinzip“, oder seine Orwell’sche Umdefinierungen (Große Transformation, „Bruttosozialglück“, Nachhaltigkeit)- verbessert die Lebenserwartung.

    Eine Verminderung der Lebenserwartung um nur wenige Jahre würde eine deutlich erhöhte Zahl der Todesfälle in Deutschland bedeuten. Dieses beeinhaltet auch eine weitaus höhere Zahl von Toten, als die NULL Strahlentoten von Fukushima, für die wir unseren Wohlstand abschalten…

    Merke: Verhinderung oder Minderung von Fortschritt und Wohlstand tötet Menschen!

    Bewusst oder unbewusst begeht der Ökologismus Massenmord durch Unterlassung (von Entwicklung, Wachstum und technologischem Fortschritt).

    GRÜN WIRKT nicht nur -- in der letzten Konsequenz tötet Grüne Technologiefeindlichkeit Menschen!

  11. Bei Ott wirkt die ideologische Umerziehung im Sinne von Meadows komplett. Seine Angst vor exponentiellem Wachstum ist sehr schön ausgeprägt. Obwohl er nur das Gute für uns will, wäre er bereit , uns zu unserem Glück zu zwingen, mittels wohlmeinedem grünökologischem Staat. ER glaubt, wie vor 25 Jahren ein kommunistischer Parteigänger, an die Wohltaten eines sozialistischen Staates.

    Bernscheider möchte im Ergebnis das Gleiche, eine nachhaltige Wirtschaft, die vom Steuerzahler subventioniert wird, also eine softe Variante des Ökowahns.

    Sein Nachhaltigkeitsbild(NB) wichtet soziale,ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit gleich. Er möchte eine Rahmensetzung und keine Transformation?

    Ich übersetze mal, er möchte für seine Industrieklientel diese staatsfinanzierte Ökoindustrie erhalten, wo auch unsinnige Technologien erhebliche Gewinne abwerfen und vom kleinen Mann finanziert werden.

    Dabei würde es reichen, für jeden Unternehmer die volle Haftung wieder einzuführen. Wir leiden unter der Tatsache, dass Gewinne privat sind und Schäden gesellschaftlich verteilt werden.

    Die FDP hat allen ökologischen Schwachsinn mitgetragen. Glühbirne-Quecksilber frei Haus, bleifreies Benzin- Benzol statt Blei-ich würde Blei vorziehen, kann man sich nicht so einfach vergiften, Solar, Wind- 20 bis 30facher Ressourceneinsatz je KWh wie bei fosslilen -und Kern-KW, bei nach oben offenen Strompreisen, auch der Hartzvierer kann sich so schön am Ökowahn beteiligen.